Review: Adam Olenius

ADAM oleniusAdam Olenius – „Looking Forward To The New Me EP“

Zuerst mal: Keine Angst, dies signalisiert nicht das Ende der Shout Out Louds. Die arbeiten bereits in Stockholm fleißig an Album fünf, versichert ihr Sänger Adam Olenius. Trotzdem legt Adam seine erste Solo-EP vor.

Überraschend ist dieser Alleingang nicht. Adam hat sich schon mit so manchem Nebenprojekt die Zeit vertrieben, mit We Are Serenades zum Beispiel oder Tutankamon. Da war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, wann er mal solo loslegen würde.

Und wie klingt Adam solo so? Tatsächlich genau so, wie man sich das vorstellt, wenn man die Klangkurve der Shout Out Louds und We Are Serenades verfolgt hat. Will sagen: Klar erkennt man ihn in der ersten Sekunde, in der er seinen Mund öffnet. Adam IST die Stimme der Shout Out Louds, er hat seinen wiedererkennbaren Songwriting-Stil entwickelt, und diesen zieht er hier durch. Nur, dass er diesmal ohne seine vier Mitstreiter agiert, also noch ein bisschen bedächtiger, noch ein bisschen eigensinniger.

Eigensinnig können sie nämlich sein, die Shout Out Louds. Zum Beispiel beim letzten Album „Optica“, das eigentlich eine durchaus poppige Platte war. Aber Adam hatte sich in den Kopf gesetzt, ausgerechnet „Blue Ice“ als erste Single zu veröffentlichen, die schüchterne Schleicher-Nummer, die jeden Indie-Dancefloor leerte. Nicht unbedingt ein Schritt, der das Album kommerziell anschob. Aber Adam wollte das eben so.

Bei dieser EP verhält Adam sich ähnlich: er hat er ein Video zu „Feels Like Feels Right“ gedreht. Das Stück, das also im Netz am meisten Aufmerksamkeit kriegen wird, ist genau das Stück, das wie „Blue Ice“ einfach nicht in die Gänge kommt. Allerdings, „Feels Like Feels Right“ ist wirklich fein arrangiert, keine Frage, da wird sogar zärtlich in ein Horn getutet.

adamoleniusJedenfalls, mit diesem Song fällt Adam echt nicht mit der Tür ins Haus. Sondern er legt eine selbstgepflückte Blume auf die Fußmatte und hofft, dass wir sie sehen, wenn wir mal vor die Tür gehen, dass sie uns hoffentlich auffällt und wir dann ins Gebüsch gucken, wo er sich schüchtern versteckt hat, und ihn dann ins Haus einladen. Weil er halt so drauf ist, unser Adam.

„No filters, no time to think. Pushed record and started singing.“ So hat Adam die EP selbst beschrieben. Das, muss ich sagen, kaufe ich ihm nicht ganz ab. Denn das, was diese fünf Lieder unbedingt auszeichnet, sind die vorzüglichen Arrangements bzw die Produktion. Diese Wärme im Ton muss man erst mal hinkriegen, genauso wie man es erst mal hinkriegen muss, so durchdachte Instrumentierung so casual wirken zu lassen. Da müssen wir wohl auch Produzent Måns Lundberg eben ein Lob aussprechen, der mit den Deportees ähnlich feinfühlig arbeitet.

Es ist jedenfalls kein Zufall, dass uns Adam auf dem Cover grobkörnig, kaum erkennbar zeigt. Er hat eine echt prima EP gemacht, aber eine, die dem Shout Out Louds-Anhänger, der sich mal wieder was zum Mitschnipsen wie „Please Please Please“ wünscht, nicht entgegen kommt. Wer will, kann ihm folgen, so ist das. Adam setzt komplett auf subtiles Songwriting im Seventies-Style, findet eine Nische zwischen Laurel Canyon, Easy Listening und Schweden-Indie.

Ich sagte schon, die anderen vier Songs sind ein wenig zugänglicher als das Video „Feels Like Feels Right“. Der Opener „News Are Saying“, ein trauriges Trennungs-Boy/Girl Duett mit den Ladies von Say Lou Lou. „Birthday (Kill For That Jacket)“ wird von Adam mit Kopfstimme gesungen und erinnert mich von Melodie und Gefühl an Mercury Revs „Opus 40“. „Moves“ stolpert auf gedämpften Klavierakkorden vorwärts. „Wednesdays“ schließlich ist der Song, der vom Klangbild auch aufs SOL-Album „Optica“ gepasst hätte.

Nun denn. Wir haben hier fünf Lieder, die sich überzeugend in Adams Werk mit seiner Hauptband und seinen Nebenprojekten eingliedern. Wir lernen nicht wirklich eine neue Seite von Adam kennen, vielmehr vertieft er hier genau den feinsinnig melancholischen Aspekt seines Schaffens, der auch mit der Band zuletzt mehr und mehr in den Vordergrund trat. Was zu wirklich sehr schönen Songs führt.
Trotzdem, wenn ich ehrlich bin, hoffe ich, dass Adam diese leise Traurigkeit erst mal ausgeschöpft hat und es auf der kommenden Shout Out Louds auch wieder ein bisschen peppiger zugeht.

Ranking Adam Olenius

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