Vinterview: Adam Olenius

Zwei Wochen noch, bis das fünfte Album der Shout Out Louds erscheint. Ich habe heute schon ein paar Stunden damit verbracht, mein aktuelles Interview mit Adam Olenius und Bebban Stenborg zu transkribieren. Wenn „Ease My Mind“ dann draußen ist, wird es das hier zu lesen geben.

Vorher aber mal wieder ein Blick ins Archiv meines alten Blogs. Fast vergessen: 2011 (so lange ist das her?!) veröffentlichte Shout Out Louds-Sänger Adam Olenius das Album eines Nebenprojekts. Gemeinsam mit seinem Kumpel Markus Krunegård, dem Sänger von Laakso, bildete er damals das Duo We Are Serenades. Das war eine schöne Platte, die man echt mal wieder auflegen kann. Ich nahm damals die Gelegenheit wahr, mit Adam unseren Fragebogen „Bloß nichts über Musik“ zu machen. Diese Interviews machen immer Spaß. Nach dem Break das Transkript, fünf Jahre alt. 

Ach, ich hab‘ da ja noch einen Fragebogen… Adam Olenius und/oder Markus Krunegård hätten uns den eigentlich im Atomic Café beantworten sollen, aber Nein, sie haben ja ihre Show als We Are Serenades jetzt schon zwei mal abgesagt. Nun gut, haben wir den Fragebogen halt wenigstens übers Telefon besprochen. Nett war‘s. Adam erzählt von Jobs, bei denen man sich krank stellt, von Hühnerherzen und zum Schluss macht er mich ganz verlegen.

Hallooo?

Hello? Hallo, Henning!

Und, wie geht‘s?

Richtig gut, wie geht‘s dir?

Ich muss ja schon sagen, dass wir alle sehr enttäuscht sind, dass dieses Gespräch heute nicht im Backstageraum des Atomic steigt. 

Oh ja, der Backstagebereich fehlt mir auch! Mir fällt gerade auf, dass ich da schon öfter gefeiert habe, als wir im Atomic überhaupt gespielt haben. Weil ja auch unsere letzten Aftershowparties da stattfanden.

Deswegen wäre es ja echt Zeit gewesen, dass Du dort mal wieder auftauchst. Zumal zwei meiner Freundinnen regelrecht militante Markus Krunegård-Fans sind und gar nicht erwarten konnten, dass er endlich ins Atomic kommt. Die sind jetzt am Boden zerstört.

Oooch, nein! Das sage ich ihm. Ich habe gestern erst mit ihm telefoniert, er wird jetzt wieder gesund, aber die letzten Tage ging es ihm halt wirklich schlecht, er war daheim bei Erica.

Was uns ja beunruhigt, ist die Ansage, man möge die Tickets zurückgeben. Die Show wird also nicht nachgeholt?

Das wissen wir selbst nicht. Markus‘ neue Platte ist in Schweden jetzt ja erst kürzlich erschienen, deswegen hat er viele Termine und im Sommer mehrere Festivals zu spielen, und für mich geht‘s am Dienstag ins Studio, um mit den Shout Out Louds Album Vier abzuschließen. Wir haben halt entschieden, jetzt erst mal abzuwarten, wann sich wieder ein Zeitraum ergibt, hoffentlich im Herbst.

Aber im Herbst ist doch sicher schon Shout Out Louds-Zeit. Was natürlich auch eine gute Sache ist.

Ja, aber noch kein Touren. Proben, Artwork, Video, Vorbereitungen, diese Dinge.

Unser properes Interview haben wir ja schon im Dezember geführt, aber wir haben im Heft auch diese Fragebögen, von denen ich mit dir einen machen wollte. Du kannst dir sogar aussuchen, welchen. Der eine geht um Musik, um Lieblingslieder oder prägende musikalische Momente – und der andere heißt „Bloß nichts über Musik“ und geht über allen möglichen Kram.

Hmmm. Kannst du mir mal Beispielfragen geben?

Also im nichtmusikalischen Fragebogen geht es zum Beispiel um die Sachen, die du nicht essen magst und wie dein erstes Haustier hieß. Im musikalischen Fragebogen fragen wir zum Beispiel nach dem „peinlichen Lieblingslied“ oder bei welchem Lied du weinen musst.

Hm. Also, ich glaube, ich habe schon so viele Interviews über Musik geführt – da können wir ja mal den anderen ausprobieren?

Okay!

Manchmal wird das Gerede über Musik so prätentiös. Aber heute möchte ich aufgemuntert werden, da klingt das doch gut.

Normalerweise macht das auch immer allen Interviewgästen Spaß. Ich habe zwar vorher immer das Gefühl, mich entschuldigen zu müssen, wenn ich damit anfange, weil es halt kein „richtiges“ Interview ist. Aber am Schluss haben eigentlich immer alle ihren Spaß gehabt. Es geht los mit der Frage: Was ist dein Drink?

Mein Drink ist Campari und Orangensaft.

Und wie kurierst du den Kater?

Wie sagt man? Beiss den Hund, der dich gebissen hat? Heisst das so? Das Beste ist wohl, noch mal das Gleiche vom Vorabend zu trinken. Halt, weisst du was? Kennst Du „The Wire“?

Klar!

Ich hab‘s selbst noch nicht ausprobiert In der zweiten Staffel, da beginnen die Hafenarbeiter den Tag mit einem Bier und da schlagen sie ein rohes Ei rein.

Uuuh!

Das ist mein Plan, das mal auszuprobieren. Wie so ein echter Arbeiter. Der die ganze Nacht trinkt und den ganzen Tag arbeitet.

Also, ich bin ja großer „The Wire“ – Fan, aber so weit würde ich wohl dann doch nicht gehen.

Ich in echt wohl auch nicht. Aber man denkt schon drüber nach, oder?

Nächste Frage: Gibt es Speisen, das du nicht ausstehen kannst?

Hmmm… nicht wirklich. Ich mag echt viel. Und ich probiere viel aus, wenn wir auf Tour sind, das ist so ein Shout Out Louds-Ding, das machen wir alle. Aber, hmm, als ich Brasilien war, da habe ich Hühnerherz probiert. Und es sah echt lecker aus. Aber der Geschmack war echt schrecklich. Also sage ich: Gegrillte Hühnerherzen.

Interessante Wahl. Hört man nicht oft.

Die Brasilianer, sie sind sehr leidenschaftlich, beinahe romantisch mit ihrem Essen. Ich finde es richtig schade, dass ich das nicht mag – ich meine: Herz am Spieß! Das klingt doch richtig dramatisch!

Wie schmeckt es denn? Bitter? oder was ist die Sache mit diesem Herzen?

Ein bisschen wie Leber, aber noch mal intensiver. Fast schon… metallisch.

Aha. Die nächste Frage ist: Wofür gibst Du am meisten Geld aus?

Für Essen. Und Getränke.

Bist du so ein „Foodie“, wie man diese Leute in den USA jetzt nennt?

Ein bisschen. Vor allem ist es halt so: Wenn wir auf Tour sind, gehen wir halt gerne ins Restaurant, und zwar in möglichst verschiedene. Das ist die eine Sache. Aber ich gebe auch echt viel für Schuhe aus.

Okay, was ist dein Lieblingspaar Schuhe?

Jetzt gerade: Ein Paar schwarze Timberlands. So Oldskool Timberlands, wie die Hiphopper sie tragen. Aber komplett schwarz.

Aaaaha. Gibt‘s etwa auf der nächsten Shout Out Louds einen HipHop-Einfluss zu hören?

Äääh. Die gibt es immer, in allen meinen Liedern. Versteckt. Nicht sehr offensichtlich. Irgendwie schauen die Schuhe eh mehr gothic-mäßig aus. Das ist meine Mischung, Goth und HipHop!

Wie die Serenades-Platte ja bewiesen hat.

Genau, haha.

Okay, nächste Frage: Was ist das Unnötigste, für das du je Geld ausgegeben hast?

Hmmm… kennst du diese Hosen – als ich so 17 war, war ich in New York, und ich kaufte mir ein Paar dieser Jeans – wie heißen die, sie haben so Hosenträger – Weißt du, diese Dinger, wie Hillbillies sie tragen. Weißt du, was ich meine?

Ich glaube ja – auch deutsch kenne ich den Namen, aber nicht auf englisch. Meinst du Latzhosen? Diese Hosen mit Trägern, die, äh, vorne bis zu den Nippeln gehen?

Jajaja, genau! So, wie Bauarbeiter sie tragen. Und ich dachte, die sähen cool aus, weil irgendwer – ich weiss nicht mehr welche Band… irgendein Gitarrist in irgendeiner Band hatte eine.

Bestimmt Dexy‘s Midnight Runners.

Wahrscheinlich. Also, Kevin Rowland, der sieht gut aus in so einem Paar Hosen. Aber ich hab sie ein mal getragen und nie wieder.

Also, den englischen Namen für diese Art Hosen kenne ich nicht, aber den deutschen, und das reicht ja für unser Heft. Nächste Frage: Wie hieß dein erstes Haustier, und was für eins war es?

Das war eine Katze, sie hieß „Snurran“.

Ich weiß, was das heißt, glaube ich! Wegen dem Familjen-Song „Snurrar I Min Skallen“!

Genau, ja!

Es heißt Schnurren, Rauschen.

Ja, aber es hat auch die Bedeutung von diesem Kinderspielzeug, das sich dreht.

Verstehe. Der Kreisel! Oder Brummkreisel. So heißt das bei uns.

Am Ende wurde sie so komisch. Wir haben gleichzeitig auch einen Hund gekauft und sie war ihr Leben lang immer so gemein zu ihm. Aber zum Schluss war sie voll anhänglich und nett zu allen. Ich bin ja nicht so der Katzentyp, ich traue ihnen nicht. Alt sind sie mir lieber, wenn sie wissen, dass sie nett zu einem sein müssen. Alter macht das mit einem.

Möglicherweise, ja. Bei Katzen. Bei Menschen gibt es, glaube ich, beide Richtungen. Die werden entweder superlieb oder supergrantig. Das sind so meine Erfahrungen zumindest.

Hmm, also ich habe zuletzt eher die Erfahrung gemacht, dass sie netter werden. Die Leute, die merken, dass sie dem Verlassen dieser Erde näher kommen, sind freundlicher. Hängt aber vielleicht davon ab, ob sie verbittert sind oder nicht.

Okay, nächste Frage: Was ist dein Lieblings-Urlaubsziel?

Das ist mein kleines Waldhäuschen, eineinhalb Stunden außerhalb von Stockholm. Es sieht so dermaßen nach Astrid Lindgren aus, es ist so typisch schwedisch! Ich versuche, dort so oft wie möglich hin zu gehen, da erhole ich mich. Manchmal vielleicht auch, um Musik zu schreiben.

Oh, das klingt echt idyllisch. Hat es auch einen See und alles?

Alles! Es gibt Kühe, es gibt einen See, es gibt Krebse im See, man kann angeln – gerade erst haben wir eine Sauna gebaut, es ist so ein angenehmer Ort.

Ich beneide dich total! Gibt es denn auch ein Urlaubsziel, von dem du uns abrätst?

Hmm, da nehme ich Billings, Montana. In Billings, da waren wir auf Tour mit den Serenades. We haben das Mädchen an der Rezeption unseres Hotels gefragt – ein seeehr dickes Mädchen – was man so tun kann, in Billings. Und sie meinte: „Nichts, außer Trinken und Glücksspiel und Schießen.“ Okay, Trinken geht. Glücksspiel, wohl eher nicht so. Schießen mag ich gar nicht. Es gab dort keinen Bürgersteig, man musste alles mit dem Auto machen, auf dem großen Highway. Eine Stadt, in der man Angst bekommt. Wenn man sich für irgendwas anderes interessiert außer Trinken, Schießen und Gambling, dann muss man wegziehen. Also sage ich Billings, Montana.

Dabei klingt das so schön. Montana, das klingt nach Bergen und Natur…

Oh, es ist schön dort. Es sieht aus wie in den Cowboy- und Indianerfilmen, die man als Kind gesehen hat. Es gibt eine sehr schöne Stadt namens Missoula, die wohl sechs, sieben Stunden weg liegt, eine Stadt, die völlig anders ist als Billings. Keine Ahnung, warum. Aber in Billings kriegt man es mit der Angst zu tun.

Wenn man in Billings wandern geht, muss man sich Sorgen machen, erschossen zu werden?

Ja, und zwar nicht von Bären. Von Menschen.

Die nächste Frage ist: Was kannst Du in der Küche?

Äääähm. Eh… da gibt es was, worin ich ziemlich gut… ich weiß nicht… äh… ich mache ein tolles Kartoffelmus!

Okay. Was ist der mieseste Job, den du je hattest?

Der mieseste Job… hm… kann ich dir auch den besten erzählen?

Aber klar!

Ich habe für ein Krankenhaus gearbeitet und da habe ich so getan, als wäre ich krank. Alles, was ich tun musste, war im Bett liegen. Es kamen dann ein Universitäts-Arzt und seine Studenten, und dann tat ich zum Beispiel so, als hätte ich Blinddarmentzündung. Ich musste also nur da liegen, so quasi im Halbschlaf, und dabei wurde ich abgetastet. Dafür wurde ich bezahlt! Das war der beste Job in der Welt!

Das klingt echt super. Aber es ist bestimmt nicht so gut, wie Sänger einer Band zu sein, oder?

Ganz ehrlich? Manchmal, wenn ich im Flieger sitze, oder im Tourbus, dann denke ich zurück an den Job und wünsche mir, ich könnte einfach nur rumliegen und mich krank stellen.

Und dann denkst du dir: Warum habe ich aufgehört! Ich war SO GUT darin!

Hähä, ich wäre bestimmt immer noch ziemlich gut! Aber jetzt gerade ist alles perfekt, ich habe die beste Zeit meines Lebens. Ich habe zwei Bands, die ich echt mag, und jetzt geht es weiter mit der neuen Platte der Shout Out Louds, ich bin SO aufgeregt über das, was damit gerade passiert. Der Sound, bei dem wir angekommen sind, die neuen Richtungen, die wir nehmen – ich könnte nicht happier sein! Es sind gute Zeiten.

Hast du den Job dann an einen Kumpel weiter vermittelt? Die Warteliste muss ja ewig sein!

Oh, aber man muss vorher eine Schule besuchen, vier Jahre lang. Nee, war ein Witz. Weisst du, an wen ich den Job gerne weiter vermitteln würde? An Obama. Der muss immer diese Grabenkämpfe ausstehen. Wenn seine Amtszeit mal um ist, braucht er echte Ruhe.

Ob es wohl Spezialisten gibt in dem Job? Leute, die besonders gut das kaputte Bein simulieren und andere, die den kranken Hals perfekt können?

Bestimmt.

Aber wir müssen weiter machen. Ich muss ja meine Fragen durchdrücken. Welchen Sport kannst du?

Eightball. Poolbillard. Und ich kann auch ganz gut skifahren.

Alpin, oder mehr langlaufen?

Nein, schon bergab.

Welches Buch liest du gerade?

Momentan lese ich diesen norwegischen Autor, Knausgård. Kennst du ihn?

Nein, den muss ich googlen.

K-n-a-u-s-gård. Fast wie Krunegård. Nur halt Knausgård. Ich mag den unglaublich gern, er schreibt über Alltagssituationen, aber so… er schreibt halt so gut! Was echt sonderbar ist: Wenn man den Titel des Buches, „Min Kamp“ ins Deutsche übersetzen würde, er hieße „Mein Kampf“. Das ist natürlich echt heikel. Aber es geht um sein persönliches Leben, und über sein Aufwachsen. Und übers Leben an sich. Es sind schon Bücher, die mich sehr inspirieren. Mit Deutschland haben die natürlich nichts zu tun. Tolle Bücher aber, ich kann sie nur empfehlen.

Die nächste Frage ist: Was ist dein Lieblingsfilm oder Fernsehshow?

Ich mag gerade die neue Ricky Gervais Show, „Life‘s Too Short“. Und ich gucke „Game Of Thrones“.

Das mag ich auch, aber ich war überrascht, dass es mir gefiel. Ich mag so Fantasy Zeug normal gar nicht.

Ich auch nicht.

Dann las ich die Beschreibung „Sopranos in Mittelerde“, also dachte ich: Okay, ich probier‘s mal aus.

Es sind halt wirklich gute Scripts, oder? Da geht es fast mehr um Politik, gar nicht so um Fantasy.

Und der Look ist ja doch schön. Es ist Eye-Candy.

Das stimmt, auf jeden Fall.

Gibt es auch was, wo du umschaltest, oder das Kino verlässt?

Nein, nicht wirklich. Ich bin manchmal schon extrem leicht zu unterhalten. Aber weisst du, was ich wirklich hasse? Diese Pseudo-Dokus über alternde Frauen in Hollywood, oder New Jersey, oder wo auch immer in Amerika. Diese Shows haben einen echten Sexismus, sie vergrößern die Kluft zwischen Männern und Frauen. Diese reichen Frauen, die nichts tun, außer sie gehen vielleicht mal zum Friseur…

Ich weiss jetzt ehrlich gesagt nicht genau, wovon du sprichst. Sind das Reality Shows? Oder geht es um „Desperate Housewives“, oder sowas?

Weiß nicht, „Desperate Housewives“ habe ich noch nicht gesehen, muss ich sagen. Nein, ich meine diese Reality-Shows, die wie halbe Werbungen sind. Wo es um Konsum geht, wo der Hauptinhalt das Kaufen von Sachen ist. Diese Shows, wo Leute eigentlich nur beim Einkaufen gezeigt werden.

Wenn es sowas auch bei uns gibt, habe ich‘s noch nicht gesehen. Aber ich glaube, wenn dein Hauptlebensinhalt Shopping ist, dann bist du echt arm dran. Dann herrscht eine echte Leere in deinem Leben. Vielleicht wollen uns diese Shows das im Subtext mitteilen? Vielleicht auch nicht.

Ich weiß nicht. Leute sind nun mal blöd, ne? Es gibt nicht sehr viele schlaue Leute. Das muss man ja immer bedenken. Andererseits, ich kaufe ja selbst gern ein, aber ich hoffe doch aus anderen Gründen, weil mich das Handwerk interessiert. Das ist ja nicht anders bei Musik, man kann sie nur einfach anhören und sagen: „Guter Song“ – oder man kann eintauchen, die Interviews lesen, seine eigenen Welten um den Song bauen. Das geht auch bei Schuhen und Mode, ich mag lieber Marken, die irgendwie… na, vielleicht nicht unbedingt was zu sagen haben. Aber die halt irgendwie Persönlichkeit haben.

Wo wir von reichen Frauen beim Shoppen reden: Weisst Du, was mich aufregt? Superteure Handtaschen. Handtaschen, die 100.000 EUR oder mehr kosten. KEINE Handtasche ist das mehrfache Jahresgehalt von anderen Menschen wert! 

(Adam versucht was zu sagen, aber ich bin in Fahrt gekommen…)   

Da ist mir egal, ob Diamanten dran sind – ob das Ding aus Krokodilleder ist MIT Diamanten und mit… Platinknöpfen. KEINE Handtasche kann jemals so viel Wert sein wie das, was – sagen wir eine Krankenschwester – im Jahr verdient. Das ist einfach FALSCH.

Also, wenn‘s David Bowies alte Handtasche wäre vielleicht, aber das wäre wieder was Anderes. Also, ich muss ja zugeben, irgendwas lockt mich da. Klar ist es pervers, wenn etwas so viel kostet, dass man damit, sagen wir, zehn Krankenschwestern bezahlen könnte. Aber die Welt ist so, und oft kommt auch aus dem Schlechten irgendwie etwas Gutes raus.

Also, gut ist diese Sache im Speziellen höchstens für den Typen, der auf die Idee kam, zu sagen: „Hey, ich stelle eine Handtasche für 50.000 her, aber ich verkloppe sie für 100.000 an die, die schon alles haben.“ Für den hat dieser Quatsch was Gutes,

Hehehe, sicher.

Aber weiter mit den Fragen: Hast Du eine Phobie?

Och… also ich mag Schlangen nicht besonders. Gerade habe ich hier nebenbei eine Doku über Schlangen laufen. Und auch wenn ich viel fliege, ist es doch… ach nee, ich habe eigentlich keine Flugangst mehr. Ich bleibe bei: Schlangen.

Gibt es denn viele Schlangen in Schweden?

Nee. Bei meinem Landhaus gibt es ein paar, aber es ist eine ungefährliche Art, ich glaube, die gleiche, die es auch in Deutschland gibt.

Wenn du jemandem ein Denkmal bauen könntest, für wen wäre das, und wie sähe es aus?

… (überlegt)… ah … also, wenn ich echt die Chance habe, ein Denkmal zu errichten, dann baue ich doch eins für mich selbst, oder?

So?

Klar, so eine Chance hat man doch nur ein Mal im Leben! Also würde ich mich selbst auf einen … Elefanten setzen, oder auf ein Pferd. In Rom vielleicht. Oder in Paris…

Und darunter eine Plakette: Adam, Eroberer Roms!

Hmm, da könnte stehen: Adam, Melody Maker. Man könnte mich ja auch als Engel bauen, der die Harfe spielt.

Ha, das kann ich regelrecht vor mir sehen! 

Nächstes: Ohne was kämest du nicht klar?

Ohne welches Ding?

Ach, wir müssen uns nicht auf Dinge beschränken.

Das ist ne gute Frage – also, Dinge, Instrumente, da gibt es nichts, was ich unbedingt brauche, ich könnte auch einfach singen. Aber Familie und die Band, das ist da, wovon ich sagen würde: Ohne das ginge es nicht!

Okay, und damit kommen wir zur letzten Frage: Was war die beste, und was war die schlechteste Entscheidung eurer Karriere?

Hmm. Ach, ich denke nicht so nach über falsche Entscheidungen. Es gab die eine oder andere kleine Sache a la: Musste das Saxofon-Solo wirklich sein? Wobei… wir hatten diese eine US-Tour, ca 2007, nach „Our Ill Wills“. Da nahmen wir eine Band mit, deren Label als Gegenleistung einige Kosten von uns übernahm, sie zahlten den T-Shirtdruck, glaube ich, und noch irgendwas, jedenfalls klang es damals nach einer sinnvollen Entscheidung. Aber ich hasste die Musik dieser Band so sehr! Das war kein Geld der Welt wert. Das war eine Lehrstunde: Man sollte nichts tun, nur des Geldes wegen.

Sagst du uns, welche Band das war?

Nein, lieber nicht, sie sollen es nicht irgendwo lesen. Sie waren ja echt nette Leute. Hehe.

Damit bleibt uns noch die beste Entscheidung.

Hmm… Das war, auf unsere erste Deutschlandtour zu gehen, 2004, als du unser Tourmanager warst!*

Ist das wahr! Das sagst du doch nur, um mir zu schmeicheln!

Ein bisschen, hehe.

Ich habe aber tatsächlich neulich gelesen, dass du dich mit Markus in Stockholm angefreundet hast, weil wir damals Laakso zufällig auf der Autobahnraststätte getroffen haben? Stimmt das?

Ja, genau – das war ja auf der Tour!

Da ist mir das dann auch eingefallen – ich war ja dabei! Ich weiss noch, ich war wohl etwas verpennt im Bus – aber ich erinnere mich, wie aufgekratzt ihr wart! Hey, wir haben tatsächlich neben einer anderen schwedischen Band geparkt! 

Aber wirklich, das war eine gute Zeit – es war unsere erste Tour durch Deutschland, und auch wenn es nur sechs Dates waren, wir merkten, dass da etwas ins Rollen kam mit den Shout Out Louds – und auf der gleichen Tour habe ich Markus getroffen. Also nehme ich diese Tour.

Hach. Jetzt kann ich auflegen und glücklich weiterleben. 

Hahaha.

Mann, jetzt bin ich noch trauriger, dass wir das Gespräch nicht im Atomic führen konnten. Jetzt würde ich gerne mit dir anstoßen. Aber das klappt hoffentlich ein andermal!

Das machen wir, beim nächsten Mal!

Dann sag schöne Grüße an die Shout Out Louds und an Markus! Tschüß!

Wird gemacht, bye!

We Are Serenades – Come Home from Future Sweden on Vimeo.

 

  • 2004 veröffentlichten wir mit dem Atomic Café die CD „Åtömström“, einen Sampler mit schwedischer Indiemusik. Damals hatte es durchaus noch was Neues, der Welt die schwedische Szene näher zu bringen.
    Um den Sampler zu promoten, fragten wir die Shout Out Louds – die damals gerade in SWE ihr Debüt veröffentlicht hatten – ob sie Lust auf eine kurze Deutschlandtour hätten, bei der ich auflegen würde und sie spielen sollten. Ja, hatten sie. So kam‘s, dass ich im November 2004 eine Woche mit der Band im Tourbus unterwegs war – für die Shout Out Louds war es, wie ich erfahren sollte, die erste Tour außerhalb Schwedens. Das war natürlich alles in recht kleinem Maßstab damals. Aber hey, wenn Adam sagt, es war ihre beste Entscheidung, dann werde ich nicht gegenan reden.

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