Review: Cut Copy

Cut Copy – „Haiku From Zero“

Hmm. Ich war mal richtiger Riesenfan von Cut Copy. Sowohl „In Ghost Colours“ als auch „Zonoscope“ waren in den Top 3 meiner Lieblingsalben der Jahre 2008 bzw. 2011. Ich jubelte innerlich beim Gedanken an diese Band. Eine australisches, lässiges Update von New Order? Was klang an dieser Idee nicht ideal?

Aber die neue Platte löst vergleichsweise wenig aus bei mir. Dabei sind die Songs nicht erkennbar schlechter. Sie sind sogar klarer, definierter, mehr auf den Punkt. Vielleicht ist das ihr Problem?

Timing ist sicher auch eine Sache. Natürlich hat man sich mit der Zeit an Cut Copy auch ein bisschen gewöhnt. Heute ist das schwer vorzustellen, aber 80-Revival-Sounds waren mal was Freshes. In den 90ern waren Synthies sogar lange so krass verpönt, dass es was fast Unverschämtes hatte, als nach der Jahrtausendwende die ersten Bands auftauchten, die Keyboards einsetzten. Es war, als machten die das aus Trotz gegen die jahrelange Unterdrückung durch Grunge, NuMetal und Britpop.

Das erste Cut Copy-Album „Bright Like Neon Love“ (2004) war noch ziemlich ungeschliffen. Dan Whitford war damals zuallererst ein Dance-DJ aus Sydney, der ein paar Buddies um sich geschart hatte. Jetzt lernten sie ihre Instrumente und probierten mal rum. Das Ergebnis war noch erkennbar ausbaufähig, aber man konnte den Spaß erkennen, den die Jungs bei diesen ersten Gehversuchen hatten.

„In Ghost Colours“ war deshalb so ein Triumph, weil es all die Versprechen, die „Bright Like Neon Love“ gegeben hatte, einlöste. Nein, sogar übertraf. Jetzt hatten die Sydneysider tatsächlich slicke Dancepop-Nummern wie „Lights & Music“ und richtig packende Songs auf der Pfanne. Das Video zu „Hearts On Fire“ wird auf immer in meinen Top Ten bleiben.

„Zonoscope“ legte dann sogar noch einen drauf. So ist das, wenn eine Band einen Lauf hat. Jetzt trauten sich Cut Copy was – und es klappte. Einen richtigen Gospelchor buchen für „Need You Now“? YES! Eine stampfende Gitarrennummer mittenrein („Where I’m Going“)? YES! Eine fünfzehnminütige Hypno-Dancenummer mit ewigem Instrumental-Schlussteil zum Ausklang? OH YES!!

Vielleicht tritt irgendwann die Routine ein. Vielleicht war’s der Niedergang ihres Labels Modular, der nicht spurlos an Cut Copy vorbei ging. Dann auch wenn die screamadeiica-tastische Vorab-Single „Let Me Show You Love“ sensationell war, war ihr viertes Werk „Free Your Mind“ das erste, das meine Erwartungen nicht übertraf. Diesmal beriefen sich Dan Whitford & Co auch auf frühen House und Raveklänge – und das sind Sounds, der mir Im Original nie so taugten. Es gab aber auch typischere Cut Copy-Songs – doch die gaben nicht wirklich was Neues. Die Single „We Are Explorers“ zum Beispiel lieferte einerseits alles, was man an Cut Copy gut fand – aber sie überraschte halt auch mit nichts.

Ich war nicht der Einzige, der mit diesem Album weniger anfangen konnte. Bis dahin war jede CC-Platte immer ein bisschen erfolgreicher als ihr Vorgänger. Diesmal ging’s erstmal abwärts.

Die Frage vorm fünften Album könnte lauten: So, in welche Richtung gehen sie diesmal? Welche neuen Elemente versuchen sie diesmal, in ihren Sound zu integrieren? Die Antwort auf diese Frage ist ein bisschen enttäuschend: Cut Copy treten auf der Stelle. Sie machen das, was sie auf „In Ghost Colours“  und „Zonoscope“ machten, nur ein bisschen routinierter und glanzlackierter. Der Charme des Unfertigen bleibt ein bisschen auf der Strecke.

So finde ich mich in der sonderbaren Situation, die Single „Black Rainbows“ einerseits als effektive, prima funktionierende, stylische Dancepop-Nummer zu erkennen zu schätzen und schon auch irgendwie geil zu finden – aber andererseits doch zu bedauern, wie punktgenau jede Tonspur sitzt und dabei etablierte CC-Sounds wiederholt. „Living Upside Down“ ist ein auch echt satter Knaller. Aber da gibt’s ein Problem: Auf „Zonoscope“ haben sie den Song quasi 1:1 schon mal geliefert, da nur unter dem Namen „Blink And You’ll Miss A Revolution“.

Zum Glück gibt es ein paar Momente, da überraschen sie dann doch. Einen so flott stampfenden 4/4-Indiegitarren-Song wie „No Fixed Destination“ gab’s zum Beispiel bisher nicht in der Cut Copy Diskographie. Eine so straighte Synthpopnummer wie „Stars Last Me A LIfetime“, die eher Men Without Hats als New Order aufgreift, auch nicht unbediungt. Das Beste kommt zum Schluss: Die auf Vocal-Loops (vgl, „Oh Superman“ von Laurie Anderson) aufbauende Ballade „Tied To The Weather“ wirkt endlich wieder verspielt, investigativ auf der Suche nach der Schönheit. Es ist die Stelle auf der Platte, auf der Cut Copy  erkennbar ihre Komfortzone verlassen – und dadurch der unbestreitbare Höhepunkt auf diesem Album.

Zusammengefasst: Versteht mich nicht falsch, das ist keine schlechte Platte. Cut Copy sind gar nicht in der LAGE, eine schlechte Platte zu machen. Die Sache ist nur die: Sie scheinen inzwischen sogar zu gut zu wissen, welche Knöpfchen sie fürs gewünschte Resultat drücken müssen. Das kommt zu safe rüber, das nimmt den Songs das charmant-linkische Element des Experiments und der Unberechenbarkeit. Trotzdem, grundsätzlich mag ich Cut Copy. Die Songs laufen immer noch gut ins Ohr und tanzbar sind sie eh. Speziell „Tied To The Weather“ zeigt uns, dass der Funke der Inspiration immer noch brennt. Ich würde mir wünschen, dass Cut Copy ihn auf Album sechs etwas öfter entfachen können.

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