Review: Wesley Fuller

Wesley Fuller – „Inner City Dream“

Ich werde mich nicht dafür entschuldigen – ich mag Britpop. Das war ne gute Zeit. Das hat Spaß gemacht. Nicht nur Oasis und Blur. Auch Supergrass, The Charlatans, Dodgy, The Bluetones, Super Furry Animals, sie alle. Gute Jahre. Viele tolle Songs.

Vielleicht bin ich also anfällig für einen gewissen Gitarrensound und sehe es durch eine rosa Brille. Vielleicht hat das, was Wesley Fuller macht, nichts mit dem Jahr 2017 zu tun. Vielleicht doch, als bewusste Verweigerung.

Jedenfalls: Dies ist ne ziemlich geile Britpop-Platte. Aus Australien, eh klar.

Schauen wir uns Wesley Fuller mal an. Frisur: Typ Marc Bolan, frühe Siebziger. Oder James Bagshaw von den Temple, heute. Damit haben wir auch schon den Klangbereich des jungen Melbourners eingegrenzt. Merseybeat, Glamrock, Britpop, Neo-Psychedelia. Alles Retro. Gut so.

„Retro“ wird oft negativ verwendet. Ich mein’s nicht negativ. Klar, alles, was wir auf „Inner City Dream“ hören, haben wir so oder so ähnlich schon gehört. Sagen wir also nicht „retro“, sondern „klassisch“.

Wenn man dieser Sache gegenüber negativ eingestellt ist, könnte man sagen, dass hier jemand eine Ansammlung von Klischees verquirlt. Ich bin anderer Meinung. Mir macht diese Platte große Freude. Weil Wesley Fuller erkennbar weiss, was er tut. Die Sounds und Bands, denen er Tribut zollt, wählt er sehr stilsicher. Und er kombiniert die Elemente so, dass es immer was Neues ergibt.

Vor allem: Die Songs sind gut. Das sind Hooklines. Das sind Melodien, die sich in die Hirnrinde fräsen.

Der Opener „Inner City Dream“ zum Beispiel erinnert mich gleich mal an Jeff Lynne und an Supergrass. Dazu Farfisa und Handclaps!
„Someone To Walk Around With“? T-Rex-Glam mit Sägezahngitarre. Yay!
Das minimalistische „Better Of Me“: In der Strophe nur Gesang und Drums, dann nur Gitarre und Drums – quasi ein Cousin von Temples „Keep In The Dark“, gespielt von den White Stripes.

Hat man die Platte erst drei, vier Mal gehört, hat jeder dieser 12 Songs seinen eigenen Stempel hinterlassen.

Es gibt Bands, die sich auf frühere Sounds und Styles beziehen, aber über den Verlauf des Albums wird ihr Klangbild eintönig. Bei diesem Album passiert das nicht. Jede Nummer hat ihren eigenen nuancierten Flavour, ihre eigene Klangkombi. Bei „Morality“ ist es ein wurliges Spielzeug-Orgelriff, das heraussticht. An „Wish You Would“ erinnert man sich, weil es der „’Strawberry Fields Forever‘-in-schneller“-Song ist. So hat jedes Lied einen kleinen Kick. Das macht die Platte variabel auch innerhalb ihres gesteckten Glam/Britpop/60sBeat-Rahmens.

„Inner City Dream“ ist keine wichtige Platte, die Leben verändern wird. Aber es ist sind 39 farbenfrohe Minuten, die einfach gut reinlaufen. Wenn man Supergrass, Temples, T-Rex, Deep Sea Arcade und „Ticket To Ride“-Gitarren ohnehin mag, umso besser.

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