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Review: Weeping Willows

Tomorrow Became TodayWeeping Willows – „Tomorrow Became Today“

Es gibt eine wahre Geschichte der Band The Alarm. Im Jahr 2004 hatten die Waliser, früher umjubelte Chartstürmer, genug davon, dass man sie mittlerweile als „zu alt“ abschrieb. Für ihre neue Single nannten sie sich „The Poppy Fields“ und ließen sich im Video zur Single „45 rpm“ von einer jungen Band spielen. Es wurde ihr erster UK-Hit seit Jahren. Als sie sich zu erkennen gaben, guckten so manche dumm aus der Wäsche.

Es ist nicht so, dass die Weeping Willows so etwas nötig hätten. Nein, daheim in Schweden wird Sänger Magnus Carlson und seiner Band würdevolle Referenz erwiesen. Seit fast 20 Jahren gehören sie dort zu den festen Größen der Szene und mit ihrem opulent-schwelgerischen Retro-Sound sind sie über jeden Zweifel erhaben. Aber im Rest der Welt ist halt nie wirklich etwas passiert mit dieser Gruppe – und es wird wohl schon deshalb nicht mehr stattfinden, weil sie schon zu lange dabei sind. Ein Tobias Jesso Jr, der kann mit einer gezielten Retro-70s-Songwriter-Platte auch bei Pitchfork & Co seinen Hype generieren, weil er eben Ende 20 ist und als Newcomer präsentiert werden kann. Aber die Weeping Willows – Männer Ende 40 in Anzügen mit sieben Alben auf dem Buckel? Die wird einem niemand mehr als hot new shit andrehen wollen.

Kann ich trotzdem jemanden dafür begeistern, sich die Herren mal anzuhören? Ich werde es zumindest versuchen. Review: Weeping Willows weiterlesen

Earth Is The Longlist Planet, Pt 2

Header AmasonIch habe eine kleine Artikelserie versprochen. Es geht ums Thema: Wer sind die Newcomer-Tipps für 2016? Dabei werde ich die „Longlist“ der BBC kommentieren und meine eigenen Favoriten vorlegen – aber ich checke auch nach, wie korrekt wir (also die BBC und ich) mit unseren Prognosen vom letzten Jahr gelegen haben.

Nachdem ich neulich die letztjährigen Tipps der BBC beurteilt habe, folgt als Teil 2 der kleinen Serie nun die Nachbetrachtung meiner 15 Newcomer Tipps für 2015.

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Review: Tobias Jesso Jr.

tobias jesso jrTobias Jesso Jr. – Goon

Wir leben in einer Ära, in der in der Musik (zumindest nicht in der elektronischen) relativ wenig neu entwickelt wird. Schon seit 20 Jahren und länger reicht es für viele Künstler, sich bei einem vergangenen Stil, einer früheren Ära zu bedienen, oder sie gleich komplett nachzustellen. Und immer wieder bejubeln wir diese Leute für ihren Klassizismus, nach dem Motto: „Wir dachten, das kann gar niemand mehr so gut wie damals.“

Es gibt aber auch einen Grund, warum man das nicht mehr können sollte: Weil die Welt sich weiter gedreht hat. Weil neue Kunst, wie auch immer man sie kreiert, in einem anderen Zeitzusammenhang steht.
Sagen wir’s so: Man könnte heute ja auch kein Woodstock-Festival mehr feiern. Weil die Unschuld, die man damals brauchte, dieser utopische Hippie-Glauben ans Gute im Menschen, schon in den 80s vom Turbokapitalismus überholt wurde und längst als Märchen ad acta gelegt ist. Ein heutiges Woodstock, das müsste entweder ein konspiratives Anonymous-Festival sein, auf dem man neben der Musik alternative Denkweisen propagiert – oder, wahrscheinlicher: es wäre ein Austin-Powers-Woodstock, auf dem man sich lustig im 68er-Stil verkleidet und den Look, die Sounds, die Räucherstäbchen und die Ideologie liebevoll nachahmt oder persifliert, aber nicht lebt.

Keine Angst, ich werde schon noch zu Tobias Jesso Jr kommen. Review: Tobias Jesso Jr. weiterlesen