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Interview: Polish Club

In ihrer Heimat Australien räumen sie bereits total ab – ihr Debütalbum „Alright Already“ wurde down under schon letztes Jahr als eine der heissesten Rockplatten der Saison gefeiert. Hier in Europa dagegen müssen Polish Club noch mal bei Null anfangen. Aber Sänger/Gitarrist Novak und Drummer John-Henry (genannt J-H) haben da Bock drauf. Auch ohne Hilfe ihrer Plattenfirma sind die zwei aus Sydney kürzlich nach Deutschland gekommen und sind auf der gemeinsamen Tour von ABAY und Razz als Vorband mitgefahren. Ich traf die beiden zum Gespräch vor der Münchner Show.

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Review: Polish Club

Polish Club – „Alright Already“

Endlich. 

Zeit war’s. Zu Hause in Australien geht’s für Novak und J-H (John-Henry) seit mehr als zwei Jahren in Steilkurve immer noch weiter nach oben. Ausverkaufte Shows, tobendes Publikum überall. Zuletzt erlaubten sie sich eine Tournee mit Bläsersatz. Auverkauft, klar.

Aber im Rest der Welt? Ist ihr zu Hause im letzten Mai erschienenes Erfolgsalbum „Alright Already“ einfach ignoriert worden. Keine Universal-Zweigstelle der Welt wollte die die Band, die ihre Kollegen down under da unter Vertrag genommen haben, auf den heimischen Markt platzieren.

Irgendwo ist das vielleicht verständlich. Das Genre Garagenrock gilt jetzt schon länger nicht mehr als der ultimative Heisenscheisen. Die Besetzung Nur-Gitarre-und-Schlagzeug ist auch nicht mehr revolutionär. The White Stripes, The Black Keys, Johnossi und Co haben große Erfolge gefeiert, okay, aber in den letzten Jahren auch keine echten Schlagzeilen mehr geschrieben. Dass dann ein Plattenfirmen-Fritze, der ja auch auf Zahlen gucken muss, sagt: „Die australischen Black Keys? Nee Danke, I’ll give it a miss“ – das ist auf gewisse Weise nachvollziehbar. Wenn man Musik so betrachtet, dass sie nun mal nach Trendkurven abläuft.

Es ist aber fucken unverzeihlich, wenn man die Platte gehört hat.

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Take The Longlist and walk it Pt 2

Stichwort: Longlist.
Schon ein kleines Ritual hier: Ein mal im Jahr pickt die BBC ihre Favoriten fürs neue Popjahr und sagt: „Die werden berühmt! Das ist ‚The Sound of 2018!‘
Ich höre mir den Kram dann an und gebe auf dem Blog meinen Senf dazu ab.

Der nächste Schritt folgt jetzt: Ich kontere ich mit meiner eigenen Longlist. Das sind dann aber immer Acts aus meinem Indie-Geschmacksbereich. Ich prognostiziere auch nicht den großen Durchbruch. Ich sage nur: „Ich traue denen nächstes Jahr ein ordentliches Debütalbum zu.“

Aber ganz ehrlich: Dieses Jahr war’s schwerer als je zuvor, diese Liste zusammen zu kriegen.
Dafür gibt’s bestimmt mehrere Gründe und ich habe auch eine halbe Abhandlung darüber begonnen. Ich hab’ sie aber wieder gelöscht. Wer will denn schon so Krisengerede lesen?
Zumal ich ja eh ewiger Optimist bin und glaube, dass sich das wieder einrenkt. Und ausrenkt. Und wieder einrenkt. Weil das alles zyklisch kommt und geht.

Anyway. 16 Bands und Solist(inn)en, denen ich 2018 was zutraue, findet ihr nach dem Break. Besser als die Grütze von der BBC sind sie allemal.

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O Temples, O Mores

Das Ende des Jahres kommt auf uns zu. Das heisst auch: Wir stellen so langsam unsere Bestenlisten zusammen. Eine Band, die das Frühjahr prägte, waren die Temples. Ihr zweites Album „Volcano“ begeisterte viele Fans zwar nicht so wie ihr Debüt, aber zweifellos waren eine Menge starke Tracks drauf. Ein Kandidat für die Top 20 ist „Volcano“ allemal.

Heute haben die Briten aus Kettering ein ganz drolliges Doku-Filmchen geteilt: Es verfolgt die Temples bei einer Aufnahmesession in den Toe Rag Studios. Toe Rag bzw sein Studiobesitzer Liam Watson ist bekannt dafür, dass hier streng ohne Computer, Overdubs und sonstige Tricks und Sperenzchen, sondern statt dessen ganz traditionell analog mit Vintage Technologie gearbeitet wird. Das berühmteste Album, das hier entstand, ist „Elephant“ von den White Stripes. Wir hören Schnipsel von drei „Volcano“-Songs, die in der Toe Rag-Version anders klingen. Dadurch, finde ich, wird die Stärke ihrer Komposition noch mal hervor gehoben.

Review: The Front Bottoms

The Front Bottoms – „Going Grey“

Indie, das Wort wieder. Es bedeutet alles und nichts. Es bezeichnet für jeden etwas anderes. Man kann Indie in verschiedenste Schubladen aufteilen. Ich habe das Ganze für mich mal in zwei Kategorien gesplittet, die ein Münchner versteht. Erstens: Atomic-Indie. Zweitens Backstage-Indie.

Zum Atomic-Indie gehört das affige Posen, aber halt auch die Coolness. Pulp, The Strokes, Blur, das wären typische Atomic Indie-Bands. Blink 182, Chili Peppers, Bloodhound Gang dagegen – das wäre Backstage-Indie. Sonnenbrille im Club tragen? Atomic Indie. Als Weisser Dreadlocks haben? Backstage Indie. Nicht schwer.

Also, nicht falsch verstehen. Ich habe im Backstage tolle Konzerte gesehen. Ich finde es super, dass es das gibt. Aber meine Welt war und wird für immer der Atomic Indie sein. Muss ja so sein.

Am Atomic-DJ-Pult konnte das zu Komplikationen führen, wenn sich ein Backstage-Mensch ins Stüberl verirrte. Solche Leute erklären mir dann irritiert, da liefe ja gar kein Indie und ob ich etwa kein Green Day und Kraftklub auflegen wollte. Wollte ich nicht. Bei mir gab’s Kasabian, Timo Räisänen und Delays.

Das US-Label Fueled By Ramen ist natürlich sowas von Backstage-Indie. Paramore, Twenty One Pilots, Panic! At The Disco, die Fall Out Boy Connection. Aber dann mitten auf Fueled By Ramen: Eine Band, die meine Atomic-Indie Sensibilitäten anspricht, aber auf dem Backstage-Label trotzdem nicht fehl am Platze ist. The Front Bottoms. Review: The Front Bottoms weiterlesen

Polished Sounds

Ich habe noch gar nichts über Australiens derzeitige Buzzband Polish Club geschrieben. Novak und John-Henry (genannt JH) sind, so sagt man, „the sweatiest Rockband in Sydney“ und ihr Album „Alright Already“ ist down under jetzt erscheinen. Hier jedoch noch nicht, was bedeuten kann, dass ein properes Label gefunden wurde, das es in Europa und Amerika zeitversetzt anschieben will. Nun sind verschwitzte Rockbands auf diesem Blog ja nicht meine Expertise, aber ich erkenne schon, warum Polish Club durchstarten. Als Gitarre/Drums-Duo im dirty Indiebluesrock-Style ist es nix unbedingt Neues, aber da ist Druck dahinter und die Typen kommen smart rüber. Neu: Das Video zu „Divided“. (weitere frühere Videos nach dem „Weiterlesen“-Break)


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Single Review: Catholic Action

Catholic Action Rita Ora - SingleCatholic Action – „Rita Ora“

Sensationell.

Ein Zickzackriff, das es genau hinkriegt: Simpel zu sein wie ein Abzählreim, aber dabei nicht zu nerven, sondern zu kicken!

Handclaps!

Und der Text. „Rita! Ora! Take me! Love me!“ Hah!

Rita Ora war mir bisher ja ziemlich egal. Aber ab sofort ist sie Kultfigur. Aber nicht für ihre Musik.

Man hat Catholic Action ja von Anfang an mit Franz Ferdinand verglichen. Nicht nur, weil sie (wie auch die andere Band, die gerade immer mit den Franzen in Verbindung gebracht wird, WHITE) aus Glasgow kommen. Auch klanglich sind FF der erste offensichtliche Referenzpunkt für Catholic Action, aber die Primitivität des Riffs und der trockene Beat erinnern mich auch an DEVO.

Aber das wichtigste:
Catholic Action klingen hier ja einerseits so typisch Indie, wie es nur geht. Aber auch heutig – alleine wegen der Rita Ora-Referenz, die man 2008 und 1979 (die Jahre, nach denen der Song sonst klingt) nicht hätte machen können.

Mann, ein Lied wie „Rita Ora“ macht mich happy. Weil da draußen die Leute sind, die uns erzählen wollen, Indie sei abgesagt und durch und was weiß ich. Und dann kommen Catholic Action daher und machen alles wie immer, aber alles kommt so taufrisch und so spitzbübisch frech, dass man von der ersten bis zur letzten Sekunde durch die Küche springt. Das zeigt mir: Indie is alive and kicking, immer. Denn Indie is a state of mind – das kriegt ihr nicht kaputt, so lange da draußen Menschen mit den richtigen Ideen rum laufen. „Rita Ora“ ist so eine Idee.

Rope Is Important

Hmm. Auf ihren ersten zwei Alben hat sich das US-Duo Shovels & Rope mit einem prima Sound aus Blues, Country und Garage eine schöne Nische geschaffen. Der erste Vorgeschmack auf ihr drittes Album „Little Seeds“, das am 7. Oktober erscheinen wird, betont allerdings den Garagen-Anteil in ihrem Sound schon sehr. Das ist okay, aber auch ein bisschen vernachlässigen Michael Trent (Gitarre, ehemals Sänger von The Films) und seine Ehefrau Carrie Ann Hearst (Drums) für meinen Geschmack hier schon das, was sie besonders macht, zugunsten doch recht typischer White Stripes/Black Keys-ismen. Aber okay, sie sollen sich ja auch nicht wiederholen und das Album wird sicher genug Variation aufweisen. Wir bleiben am Ball.

Review: Rival Sons

rival sons coverRival Sons – „Hollow Bones“

Ich bin ja kein Rocker. Allen zeigen, was ich für’n harter Typ bin, das ist so gar nicht meins. Klar, ich bin ja auch nicht hart. Dann wiederum, andere Typen, die’s auch nicht sind, versuchen mit aller Macht, sich mit martialischer Musik so aussehen zu lassen. Vielleicht fehlt mir das Testosteron?

Jedenfalls, Rockmusik geht mir meistens am Popo vorbei. Aggressives Rumgeschocke lässt mich mit den Augen rollen, Machismo-Posen finde ich affig. Wenn ich ausnahmsweise mal was mag, das in diese Kategorie fällt, etwas das „rockt“, so alle paar Jahre – dann deshalb, weil es mit einem Bein in der Indie-Welt steht. Jet zum Beispiel, die ja nur zur einen Hälfte AC/DC waren und zur anderen Oasis. Royal Blood, die in ihrer Zweier-Konstellation auch Garagen-Feeling rüber bringen.

Dass ich jetzt hier, auf diesem Indie-Schmindie-Blog über die Rival Sons schreibe, ist möglicherweise für viele echte Rocker der Beweis, dass sie diese Band abstoßen müssen, weil jetzt endgültig auch die Hipsterluschen mit auf den Zug aufgesprungen sind.

Tja, tut mir leid, Jungs. Aber ich werde diese Kalifornier den Indie-Kids durchaus ans Herz legen.

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Review: The Kills

TheKillsAshIceThe Kills – „Ash & Ice“

Ihr braucht mich natürlich nicht, um euch zu sagen, dass das neue Album der Kills wieder extrem cool ist. Jeder liebt The Kills. Ich kenne keinen Menschen, der was gegen diese Band sagen würde. Die Kills sind sogar so durch die Bank anerkannt, dass es mich ja schon fast wieder juckt, rein aus Prinzip eine Gegenposition einzunehmen, haha. Aber nicht mal das klappt. Da kann ich mir nichts vormachen, Alison Mosshart und Jamie Hince sind ein lässiges Team, das gibt es nicht in Frage zu stellen.

Erstaunlich kann man finden, wie lange das schon so geht. Das erste Album der beiden erschien schließlich 2003 – das ist 13 Jahre her! Jamie war damals schon 33, er ist jetzt ergo 46 – und gilt trotzdem noch als coole Sau! Andere Bands wären von der Coolnesspolizei inzwischen längst mal für „durch“ erklärt worden, The Kills bleiben on top. Dabei es ist ja nicht so, dass die zwei, wie z.B. Radiohead, dadurch anerkannt blieben, weil sie sich stetig neu erfanden. Im Gegenteil, sie haben nie groß was verändert an ihrem Stil.

Aber ihr Stil, diese Kombi aus ruppiger Gitarre, Stimme, Drummachine, Kajal, schwarzer Lederjacke und null Bullshit – dies ist eine Mischung, die so zeitlos gültig ist, die KANN gar nicht aus der Mode kommen. So wie schwarzweiss-Abbildungen von Marlon Brando in „The Wild One“ oder von Jean Seberg in „Außer Atem“ niemals unstylisch werden können. (Siehe auch: The Raveonettes, die genauso lange unterwegs sind.)

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