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Review: INHEAVEN

INHEAVEN – „INHEAVEN“

„Talent borrows, genius steals“ wird immer behauptet. Ein Satz, den ich gar nicht unterschreiben will. Wenn ich das Gefühl kriege, dass eine Band mir nur aufgewärmtes und kopiertes Zeug vorsetzt, kriege ich ganz gerne mal die Krise. Immer wieder, wenn ich hier meine Texte schreibe, fordere ich von Musikern, dass sie eine gewisse Originalität und Persönlichkeit einbringen.

Aber – um noch eine ausgelutschte Redewendung zu zitieren – Ausnahmen bestätigen die Regel.

Das Londoner Quartett INHEAVEN macht nun echt keine Musik, die man so oder so ähnlich nicht schon gehört hat. Sie machen sogar Musik, die man so schon ganz präzise akkurat genau gehört hat. Aber es ist die Musik, wegen der wir uns einst in Indie verliebt haben. Und INHEAVEN machen das Ganze mit der Wucht und dem Spaß bei der Sache, dass der Funke überspringt.

Es gehört eine gewisse Unverschämtheit dazu, so ungeniert zu klauen. Aber Unverschämtheit ist im Indie eine wichtige Tugend. Man muss unverschämt sein, um zu überzeugen, Wenn man schon alles Glänzende aus den Regalen im Indiestore mopst, darf man sich nicht dafür entschuldigen.

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Review: Maxïmo Park

Maxïmo Park – „Risk To Exist“

Die UK-Plattenfirma Cooking Vinyl hat sich in den letzten Jahren eine interessante Taktik zugelegt. Besonders gerne nimmt man dort Bands unter Vertrag, die schon vier, fünf Alben auf dem Buckel und sich mit diesen eine treue Fanbase erarbeitet haben. Zu Beginn ihrer Karriere waren diese Bands vielleicht mal richtige Hype-Themen mit UK-Nummer Eins. Aber wie’s so kommt – und es kommt eigentlich immer so – nach acht bis zehn Jahren ist eine Band für ihr Major- oder Hipster-Label nicht mehr interessant. Die Zahlen gingen abwärts, man glaubt nicht mehr an die Trendwende und will nicht mehr investieren. Dabei ist die Band lange noch nicht durch – sie wird mit ihren frühen Fans weiter mittelgroße Hallen füllen, die man sich als Newcomer erst mal erarbeiten muss. Die treuesten Anhänger kaufen sich weiter die neuen Platten. Die Band wird weiter auf einem angemessenen Niveau operieren können.

Man kann also sagen, dass Cooking Vinyl einen wichtigen, lobenswerten Dienst leistet, indem man die Karrieren von verdienten Bands aufrecht erhält. Embrace, Turin Brakes, The View, The Subways, The Frateillis, The Rifles, Carl Barât, Ocean Colour Scene – sie alle sind aktuell bei Cooking Vinyl und können ihre Laufbahn auf einem sinnvollen Level weiter führen. Es werden keine unvernünftigen Geldsummen mehr reingesteckt, aber dafür werden auch keine Top Ten Hits erwartet. Super Sache für alle Beteiligten, oder?

Wenn man aber gemein ist, wenn man das Negative unterstreichen will – dann sieht man’s so: Cooking Vinyl ist der Gnadenhof für die abgehalfterten Mähren des Indiepop/Rock. Die Herbstweide, auf der sie alle noch mal in Ruhe im Sonnenuntergang grasen dürfen, bevor’s in die Kleberfabrik geht. Und wenn eine Band erst mal bei Cooking Vinyl gelandet ist, dann ist es der traurige Beweis, dass ihr Zenit endgültig überschritten ist.

So sieht man es immer mit einem lachenden und einem weinenden Auge, wenn auf dem neuen Album einer einstigen Raketenband das Logo von Cooking Vinyl prangt. Einerseits: „Vernünftiger Move, beiden Seiten alles Gute!“ Andererseits: „Wie – jetzt auch Maxïmo Park?!“ Review: Maxïmo Park weiterlesen