Schlagwort-Archive: The Feeling

Original Gang-ster

Die letzten drei Jahre hat The Magic Gang aus Brighton damit verbracht, alle paar Monate eine neue Single oder EP rauszubringen und Stück für Stück mehr Fans für ihren cleveren Neo-Britpop einzusammeln. Inzwischen ist es so weit, dass die DJs der BBC ihre neuen Singles zur „hottest record on earth“ erklären (oder wie auch immer sie das dann nennen) – will sagen, der Hype, er rollt jetzt. Ende der Woche wird sich zeigen, was das wert ist, denn dann erscheint ihr Debütalbum.

Das heisst: Der Song, den sie jetzt, so kurz vorm Album, als letzte Single voraus schicken, das ist der „Impact Track“ schlechthin. Die Nummer, mit der man aufs Ganze geht. Mit der die Band die nächste Stufe zünden soll.

Hmm. Dafür haben sie mit „Take Care“ eine bemerkenswerte Wahl getroffen. Denn der Song beginnt als schläfrige Ballade, die 53 Sekunden braucht, um halbwegs in die Pötte zu kommen. In der Tat, das Lied entfaltet sich dann noch so richtig, zeigt uns regelrecht Beach Boys-eske Harmonien und raffinierte Akkordwechsel. The Magic Gang demonstrieren uns mit diesem Song, dass sie Substanz haben, in etwa so, wie Blur es uns damals mit „To The End“ demonstrierten*. Es bleibt eine gewagte Wahl, denn dies ist ein typischer „Grower“. Ob die UK-Radios da mitziehen, das will ich nicht garantieren. Aber wenn es klappt, dann kann der Song das sein, was „Sewn“ für The Feeling oder was „Somewhere Only We Know“ für Keane war – der Türöffner auf dem Weg zur UK-Million. Na, es bleibt spannend.

‚* Klar, wir wussten da längst, dass Blur Substanz hatten. Trotzdem war „To The End“ eine strategische Single-Wahl, damals auf „Parklife“. Es war kein Hit wie „Girls & Boys“ oder „Parklife“ selbst, es drängten sich flottere Lieder auf. Aber es war der Song, der klarstellte: Blur, die mit dem Album ja quasi gerelauncht wurden, sind keine reine Fun-Band. Sondern ernst zu nehmen.  Die Wahrnehmung der Band wurde da sehr gezielt gesteuert.

Review: Captain

Captain – „For Irini“

Elf Jahre, vier Monate und ein Tag. Captain haben mitgezählt. So viel Zeit ist vergangen zwischen ihrem Debüt „This Is Hazelville“ und dem zweiten (offiziellen – dazu später mehr) Album „For Irini“. Natürlich ist in der Zwischenzeit eine Menge passiert. Hoffnung, Enttäuschungen, Trennungen, Neuanfänge, Geburten und leider auch ein Tod.

Aber erst mal die Rückblende. Wir schreiben die Saison 2005/2006. Die großen Indie-Namen heißen Bloc Party, Franz Ferdinand und Arctic Monkeys. Aber auch das 80-Revival läuft auch Hochtouren. Mehr und mehr Bands berufen sich auf den Synth New Wave der Jahre 80-84. Ein paar französische Gruppen wie Phoenix, Rhesus oder Tahiti 80 haben derweil stylischen Softpop wieder salonfähig gemacht. Der richtige Moment, um eine Band unter Vertrag zu nehmen, die das Early-Eighties-Revival wenige Jahre weiter dreht und sich an mid-80s-Schlauberger-Bands wie Prefab Sprout, The Blue Nile oder The Lotus Eaters orientiert, oder? Prompt sägen The Feeling durch die britischen Charts und landen mit ihrem Album „Twelve Steps and Home“ einen UK-Millionenseller.

Hallo, Captain!
Captain sind zu diesem Zeitpunkt fünf geschmackvolle junge Londoner Popfans, die mit ihrer Single „Frontline“ einen Achtungserfolg auf einem Indielabel gelandet haben. Die EMI riecht die Chance und greift zu. Man gibt dem Quintett um den schlaksigen Sänger Rik Flynn einen Vertrag und verpflichtet 80s-Symbolfigur Trevor Horn als Produzenten.  Review: Captain weiterlesen

Review: White Lies

white-lies-friendsWhite Lies – „Friends“

Der letzte Text auf diesem Blog ging über die Kaiser Chiefs und ihre Versuche, am Ball zu bleiben, trotz massiver Einbrüche nach 2008/2009. Es ist eine Karrierekurve, die sich bei vielen englischen Bands spiegelt. Nach dem großen Indieboom von 2005-2008 waren Gitarren auf der Insel erst mal massiv out und fast alle Acts wurden in Mitleidenschaft gezogen. Selbst große Namen wie Bloc Party oder Franz Ferdinand spielen seitdem nur noch in der zweiten Liga, andere wie z.B. Hard-Fi oder The Feeling sind noch tiefer abgestiegen. Nun ist es natürlich nicht korrekt, künstlerischen und kommerziellen Erfolg gleichzusetzen. Aber wenn man als Band existieren will, braucht man von letzterem zumindest ein gewisses Maß, um überhaupt über die Runden zu kommen.

Auch die Frage „Was machen wir beim nächsten Album neu und anders?“ ist eine, die man sich aus künstlerischen Gesichtspunkten sowieso stellen sollte. Aber wenn der Karrierepfeil nach unten zeigt und man das Steuer herumreissen will, ist es auch aus kommerziellen Gründen eine Notwendigkeit, sich ihr zu widmen. Die Kaiser Chiefs haben sie radikal beantwortet, indem sie sich einem kompletten Reboot unterzogen haben. Die White Lies gehen nicht so weit, aber sie haben sich auf ihrem vierten Album zumindest umorientiert.

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How Longlist have you known? Pt1

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Die BBC hat heute ihre jährliche, immer viel beachtete Longlist gepostet. Also ihre Prognose, wer die musikalischen Newcomer des Jahres 2015 werden. Ich kenne viele davon nicht, aber ich höre sie mir jetzt für Euch an und sage zu allen 15 meine Meinung. Danach ein Fazit. Los geht’s!

George The Poet: Näh! Dieser Sesamstraßen-Rapper ist doch nur auf dieser Liste, weil er sich „Poet“ nennt. Dabei lallt er in echt die doofste Lifecoach-Grütze. „Seven Billion people, only one you. If I can do it, you can do it, too“ wiederholt er mantraartig, als wär’s voll die Augen öffnende Weisheit. Ist es nicht, es ist banalstes Lalala. Da achte ich erst gar nicht auf die Sounds drunter. Weg damit!

James Bay: Wenn Euch Ben Howard zu radikal strommastansägermäßig abgefahren ist, dann freut Euch über James Bay. Der trifft den kleinsten gemeinsamen Nenner zwischen Tom Odell und Ed Sheeran. Be. Schis. Sen!!!

Kwabs: Okay, das ist Soulpop, gefällig genug, um auch auf Radio NRJ ein Zuhause zu finden, aber angenehm post-Lorde-ig unberechenbar instrumentiert und hittig. Nicht mein Spezialgebiet, aber dass das ordentlich ist, erkenne auch ich als Außenstehender.

So, um des Seitendesigns willen mache ich hier einen Break. Für zwölf weitere Schnellurteile und mein Fazit… How Longlist have you known? Pt1 weiterlesen