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Split Perssona

Ach guck. Nicht nur eine neue Single von Nina Persson (The Cardigans, A Camp) – sondern sogar ihr erste auf Schwedisch.

„Var ligger Sverige?“ bedeutet auf deutsch „Wo liegt Schweden?“ Es könnte, wenn ich das richtig verstehe, in dem Song sowohl um eine abkühlende Beziehung gehen, die auf ihr Ende zusteuert – als auch um den Rechtsruck in der schwedischen Gesellschaft. Die im Text offenbar werdende Abkapselung voneinander würde demnach nicht einer Person gelten, sondern der gefühlskälter werdenden schwedischen Gesellschaft, in der frühere, freigeistige Werte verschwinden. „Wo liegt Schweden? Liegst du auf Eis?  Liegst du bei jemand anderem?“ fragt Nina im Refrain.

Geschrieben haben den Song Thomas Öberg (von bob hund) sowie !Regeringen (ich muss gestehen, der/die ist/sind mir kein Begriff – und schwer zu googlen, weil „Regeringen“  = die Regierung bedeutet und lauter offizielle Seiten auftauchen). Beide gastieren auch im Song, ebenso wie der schwedische Indie-Musiker Moto Boy. der bei den Cardigans-Liveshows ihren Ex-Gitarristen und Songwriter Peter Svensson vertritt, seit der sich als Hitschreiber für die Stars in LA nieder gelassen hat. („I Can’t Feel My Face“ von The Weeknd hat Peter zum Beispiel geschrieben.) Ha. wieder erfolgreich vom Hundersten ins Tausendste gekommen!

Geben wir eben noch mal die Youtube-Video-Beschreibung bei GoogleTranslate ein. Aha. „‚Wo liegt Schweden?‘ ist ein neues schwedisches Lied, das eine Diskussion über Demokratie beginnen möchte, daüber, was es bedeutet, ein Bürger zu sein und über die Wichtigkeit darum, sich in einer Gesellschaft zu engagieren. Gleichzeitig möchte es, selbstverständlich, auch ein guter Popsong sein.“

Einerseits: Bin ich ein bisschen stolz, dass ich kapiert habe, worum es geht. Andererseits hätte ich das auch gleich übersetzen lassen können, anstatt mir da den Wolf zu denken…

 

Review: Alvvays

Alvvays – „Antisocialites“

Okay, stellt euch vor, ihr seid Bergsteiger. Eure kleine Vierergruppe hat sich einen Gipfel zur Besteigung auserkoren. Also kraxelt und klettert ihr durch unwegsames Gebiet und schafft es auf die Bergspitze! Aber als ihr oben angekommen seid, stellt ihr fest: Hier sind ja schon dreißig andere! Auf der anderen Hangseite gibt es einen Wanderweg! Der ist sehr beliebt und wird von zahlreichen Reisegruppen frequentiert.

So in etwa müssen sich Alvvays aus Toronto fühlen. Sängerin Molly Rankin und ihre Band sagen von sich, dass sie Teenage Fanclub lieben. Dass sie klassische Songs schreiben wollen, mit denen sie was auslösen beim Hörer. Sie glauben dabei, einen gewissen Einfluss keltischer Melodien mitzubringen, denn Mollys Eltern leiteten eine Traditions-Folkband, damit ist sie aufgewachsen.
Aber wann immer Alvvays eine Zeitung aufschlagen, lesen sie über ihre Band zuerst die Worte „Indie-Janglepop“ und „Tweepop“. Immer wieder die Vergleiche ihrer Musik mit Bands der späten 80er aus England und Neuseeland. Bands, von denen Alvvays sagen, sie seien nie ihre Vorbilder gewesen.

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Review: Jack River

Jack River – „Highway Songs #2“ EP

Man hat früher ja auch immer Lieblingslabels gehabt. Wo zum Beispiel „Creation“ drauf stand, das war normalerweise prima, weil Alan McGee leidenschaftlich und geschmackssicher unterwegs war. Aktuell lautet das Zauberwort „I Oh You“ und stammt aus Sydney. Johann Ponniah heisst der Mann, der down under als Trüffelschwein unterwegs ist und uns einige der tollsten australischen Bands zutage gefördert hat. DMA’s, Snakadaktal (leider schon getrennt) und City Calm Down gehören zu meinen Spitzenfavoriten der letzten Jahre, und auch wenn ich in Sachen Punkpop/Grunge weniger versiert bin, kann ich doch erkennen, dass DZ Deathrays, Bleeding Knees Club und Violent Soho hier ganz weit vorne sind. Was ich sagen will, ist: Wenn Johann Ponniah jemanden signt, dann sollte man sich das anhören. Jack River ist die Neue auf I Oh You.

Ein Mädel namens Jack? Holly Rankin hatte zwei Schulfreundinnen, als Teenager gab man sich zum Spaß Piraten-Alter Egos und Holly war eben Jack River. Ich finde es schon mal sympathisch, dass dieser Name überdauert hat – zumal: Shakey Graves hat eine ganz ähnliche Geschichte, da gaben er und eine Gruppe Kumpels sich gegenseitig Gruselnamen. (Das hat mit Jack River nichts zu tun, ist aber eine coole Assoziation.)

Was macht sie denn, die gute Jack? Sie ist eine Singer/Songwriterin. Und jetzt stehen wir wieder vor dem üblichen Problem: Erklären, warum der eine Singer/Songwriter prima ist und der andere nicht, obwohl beide doch in der gleichen Disziplin unterwegs sind und alles auf einer Gitarre angefangen hat.

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Review: Timo Räisänen

Timo sjunger TedTimo Räisänen – „Timo sjunger Ted“

Es gab mal eine Zeit, da hat Timo Räisänen ein Album pro Jahr veröffentlicht. Zwischen 2005 und 2008 war der ehemalige Gitarrist des schwedischen Superstars Håkan Hellström regelrecht im Schaffensrausch. Da legte er nicht weniger als vier Longplayer hin, ein jeder ein Tischfeuerwerk voller Indiepop-Knallbonbons. Nun aber sind fast vier Jahre verstrichen seit seinem letzten Werk „Endeavour“  (2012) – und zurück meldet er sich ausgerechnet mit einem Cover-Album?

Bevor wir aber über einen möglichen Writer’s Block lamentieren, lasst uns angucken, wen Timo Räisänen hier covert. Schweden, die den Vornamen „Ted“ hören, wissen wer gemeint ist, so wie ein Ami weiss, wer mit Elvis gemeint ist. Es ist Ted Gärdestad, eine faszinierende, tragische Figur des Scandi-Pop.

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Right As Rainy

Ich will hier nicht wahllos jedes neue Video posten, sondern lieber wirklich nur das, was ich prima oder aus einem anderen Grund irgendwie bemerkenswert, wichtig oder spannend finde. Ich habe deshalb zuletzt ein paar Tage überlegt, ob ich diesen Clip der Rainy Day Women aus Perth, Westaustralien, hier platzieren soll. Sie ist ja schon ein bisschen brav, ihre aktuelle Single „Are You Coming Home?“ Und ich habe mich gefragt: Gefällt mir das vielleicht auch deshalb, weil die Sängerin, sie heisst Carmen Pepper, so bezaubernd aussieht in dem Clip?

Aber je öfter ich den Song höre, desto mehr wächst er mir ans Herz, desto mehr entdecke ich hier Mazzy Star/Cardigans-Vibes. „Rainy Day Women“ ist natürlich ursprünglich ein Songtitel von Bob Dylan, das ist sicher schon mal ein Hinweis, wo diese Band so etwa hin will. Ihr Songwriter trägt sogar den Vornamen Dylan (Nachname: Olivierre) und er nennt auch Feist, Fleetwood Mac, Elliott Smith und The Sleepy Jackson als Einflüsse.