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Prize and Shine – Pt2

augustiner-collected-2016-bEin mal im Jahr küren wir hier den Ein-Kasten-Augustiner-Preis. Die Idee dahinter ist, dass eine Gruppe Freunde und ich ein Lied zum „Song des Jahres“ ernennen und dann dem Sieger einen Kasten Augustiner zukommen lassen. Auch wenn wir den Kasten noch nicht oft wirklich an den Mann gebracht haben, fand doch letztes Wochenende unser entsprechendes Meeting statt. Hier nun Teil 1 unserer Zeremonie…

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Werde ich jetzt einer von euch?

Auf dem alten Blog gab’s bereits mehrere Beiträge über meinen Lieblingsgoth Henric de la Cour. Im alten Blog schrieb ich auch Ende letzten Jahres darüber, dass im schwedischen Fernsehen eine hintergründige und aufschlussreiche Doku über den Ex-Frontmann von Yvonne und Strip Music und heutigen Solokünstler laufen sollte. Ich schreibe jetzt noch mal über die Doku, denn inzwischen ist sie auf DVD erschienen, und inzwischen habe ich sie selbst gesehen.

henric de la cour dvdWas Henric in der Doku erstmals preisgibt, und was er lange auch vor privaten Freunden geheim gehalten hatte: Henric ist Mukoviszidose-Patient. Als die Krankheit diagnostiziert wurde, war er fünf. Damals lag die Lebenserwartung für Erkrankte bei 15 Jahren.

Nun hat die Medizin über die Jahre erhebliche Fortschritte gemacht. Nichtsdestotrotz, Henric führte ein Leben, in dem ihm der unausweichliche Tod, der ja auch uns allen bevor steht, immer näher war als uns. Er rechnete nicht damit, 20 zu werden. Er rechnete nicht damit, 30 zu werden. Er rechnete nicht damit, 40 zu werden. Er blieb seinen Freunden, sogar seiner Familie gegenüber distanziert. Er machte keine langfristigen Pläne. Er wusste ja, es könnte jederzeit sein, dass er sich von allen verabschieden muss.

Klar, die Krankheit prägte sein Leben und seine Kunst. Einerseits wegen akuten Krankheitsphasen, in denen Henric sich tagelang von der Außenwelt zurückziehen musste. Andererseits, wenn immer dieses Damokles-Schwert über einem schwebt, ist ja wohl selbstverständlich, dass die Gedankenwelt sich um Tod und Abschied dreht, ums Anderssein, und dass sich dies in Texten und Lebensgefühl niederschlägt.

Ich erwähnte: Die Medizin, sie hat riesige Fortschritte gemacht in den Jahrzehnten. Die Doku bietet daher eine bemerkenswerte, augenöffnende Szene, die Höhepunkt, Wendepunkt und Anticlimax zugleich ist. Ich will nicht mal verraten, was da passiert. Ich möchte euch regelrecht zwingen, euch das anzugucken. Es kommt ein Moment vor in dem Film, da werdet ihr schlucken und vieles hinterfragen, auch in eurem Leben. Nicht nur deswegen ist „Henric de la Cour“ für mich die Musikdoku des Jahres.

Mal abgesehen davon liefert der Mann seit Mitte der 90s verlässlich wahnsinnig gute Musik und er ist komplett unterbewertet.

Die Doku ist Schwedisch, aber mit englischen Untertiteln. Der Name des Regisseurs ist Jacob Frössén. Gönnt sie euch. Übrigens, auch die ersten beiden Yvonne-Alben von 1995 und 1997, lange nicht erhältlich, sind jetzt in Downloadstores verfügbar.