Schlagwort-Archive: Shed Seven

This one left a Mark on me

Ich hab‘ neulich schon vorgewarnt: Wenn Shed Seven, die in diesen Tagen ihre frühen Videos auf youtube updaten, ihre Debütsingle „Mark“ (1994) neu online stellen, dann werde ich hier drüber schreiben müssen.

Sie haben noch eine Menge prima Britpop-Hits nachgelegt, aber für mich bleibt „Mark“ die Nummer, die Rick Witter und seine Crew aus York nicht mehr getoppt haben.  Ich weiss noch, wie ich’s das erste mal bei „120 Minutes“ sah und ich sofort hin und weg war. „LOVER! I wanna swap you for another, and another!“ Das finde ich heute noch genial cheeky.

Damals hat’s mir noch viel mehr aus der Seele gesprochen. Ich meine, heute will man sich das nicht mehr vorstellen – aber auch ich war ja mal ein hormongesteuerter Typ Anfang 20. Ein Bündel Nerven, das nicht wusste, wohin mit all diesen Bedürfnissen nach, äh, Nähe, und möglichst viel davon. „LOVER!“ Das klang echt dringlich, das war an die Liebste adressiert. Aber:  „I wanna swap you for another, and another…“ das war unerwartet, keck, und… das, was man TROTZDEM dachte, aber nicht sagte? Heute kann ich das nachbetrachten und sagen: Yup, diese nervöse Unschlüssigkeit, dieses Bedürfnis, zu drücken und gedrückt zu werden, eine regelrechte ungestillte Gier, bei gleichzeitiger Fernsteuerung durch den hyperaktiven Hormonhaushalt, plus ein fröhlicher Schluck Selbstüberschätzung, aber confidence is sexy – all das bringen diese Zeilen schon echt auf den Punkt, vielleicht sogar bewusst.

Damals habe ich diese Außenperspektive noch nicht eingenommen, da merkte ich einfach nur, dass dieser Refrain, diese Johnny Marr-Gitarre und ich im gleichen Team waren.

Sonic Youth waren in der Woche drauf im Melody Maker als Gastrezensenten der „Singles of the Week“ dran und haben voll hochnäsig und am Thema vorbei über den Song abgelästert. Ich hab‘ sie danach nie mehr gemocht.

Back In Your Shed

Aktivitäten auf dem Youtube-Kanal der Britpop-Außenseiter Shed Seven. Ich sage Außenseiter, weil Rick Witter und seine Band aus York zwar zur Britpop-Ära einen UK-Hit nach dem anderen landeten, aber von NME, Melody Maker & Co (die damals noch was zu sagen hatten) immer zerrissen wurden. Konkreter habe ich in meinem Text zum Shed Seven-Comeback-Album von 2017 drüber geschrieben.

Jedenfalls, auf dem Kanal werden peu a peu die alten Videos der Band hoch geladen, in besserer Auflösung und offiziell. Inoffizielle, körnige Versionen, die wohl mal von Fans hoch gestellt wurden, verschwinden derweil.

Mir soll’s recht sein. Ich guck doch lieber den schicken Clip als die grisslige, grob klingende Version. Seit heute aufgefrischt: Shed Sevens zweite Single. „Dolphin“ von 1994 war damals ein Lieblingslied von mir. (Den Vorgänger „Mark“ mochte ich sogar noch lieber. Na, der wird wohl auch bald folgen?)

The Shed and the Heart

Immer noch und immer wieder: Britpop, haha! Der verfolgt mich. Neulich habe ich The Magic Gang zu den Wiedergängern erklärt, heute Nachmittag habe ich die Meinung vertreten, dass Spector leider nicht die Retter/Wiederauferwecker des Genres sind – andererseits, vielleicht müssen sie das ja gar nicht sein. Rettung kam im Herbst von unerwarteter Seite mit einem erstaunlich dollen Comeback-Album von Shed Seven. Sie erinnern uns mal wieder an diese Veröffentlichung mit einem neuen Video, gedreht zu einem der Songs, der für mich zu den Highlights der Platte gehört: „Victoria“

Don’t Shed No Tears

Das Shed Seven-Comeback-Album „Instant Pleasures“ macht erstaunlich viel Spaß – ich schrieb in meinem Text dazu vor wenigen Tagen, dass man das Gefühl kriegt, als wäre wieder 1996 und als wollten Rick Witter & Co damit Oasis vom Thron stoßen, auf dem sie in diesem Moment noch/wieder sitzen. Für „Better Days“ = den Song, der am meisten nach „Be Here Now“ klingt, gibt’s jetzt ein animiertes Video.

Review: Shed Seven

Shed Seven – „Instant Pleasures“

Tatsächlich! Ein neues Album von Shed Seven! Eine Band, die mehr Lieblingslieder der 90er auf dem Kerbholz hat, als man denkt.

Nun gab es bekanntlich in den letzten Jahren zahlreiche Wiedervereinigungen, die sehr ermutigend abliefen. Es gab Comeback-Platten, die völlig okay (Pixies, OMD, JAMC) und sogar richtig gut waren (Suede, Ride, Swervedriver). Sogar ein paar begeisternde Highlights gab’s: Die Post-Reunion-Alben von Slowdive und Blur gehören zum Besten ihrer Diskographie.

Der Unterschied bei Shed Seven ist der, dass nach einem neuen Album keiner gefragt zu haben scheint. Pixies, Ride, Suede, Slowdive – alles Kritikerlieblinge. Shed Seven? Schon kichern so einige Medien, nach dem Motto: „Wie, was wollen DIE denn wieder?“

Ich glaube, es ist mal wieder eine Geschichtsstunde angebracht.

Also, tief Luft holen.

Der Stern von Shed Seven ging Mitte 1994 auf, als Britpop gerade so richtig in die Gänge kam. Review: Shed Seven weiterlesen

Review: FRONTEERS

Streets We're Born in - EP FRONTEERS – „Streets We’re Born In EP“

Ich habe in diesem Blog schon wiederholt auf einen Widerspruch hinweisen müssen, dem ich immer wieder anheim falle. Heute ist mal wieder so ein Tag, an dem ich diesen Widerspruch anerkennen, aber halt auch gleich wieder ignorieren muss.

Immer wieder fordere ich von Bands und Solisten/innen einen Grad an Originalität und Persönlichkeit, eine Wiedererkennbarkeit. Aber ab und an kommen Bands daher, deren Approach rein klassisch ist – und denen ich das nicht ankreiden kann, weil ich den Sound zu sehr liebe.

Die FRONTEERS sind so ein Fall. Die vier Kids aus Hull machen Britpop, klassischen Britpop. Sixties-beeinflusste Gitarrensongs, wie die La’s, wie Cast, Shed Seven wie The Kooks. Ein Sound, den wir auf- und ab gehört haben und der vielen Hörern entsprechend nichts mehr gibt. Mir aber schon. Weil ich ein Indie-Heini bin und dazu stehe.

Review: FRONTEERS weiterlesen