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Review: Weeping Willows

Weeping Willows – „After Us“

Ich bin alt genug, um bestätigen zu können, dass ich die Konsequenzen des Klimawandels mit eigenen Augen und auf der eigenen Haut erlebe. Ich erinnere mich an Winter, in denen es üblich war, dass mir der Schnee mindestens bis zur Hüfte ging – heute bleibt die Schneedecke selten länger als eine Woche geschlossen. Im Sommer gab es hitzefrei bei 27° – eine Temperatur, auf die das Thermometer in Münchens August nicht mal mehr nachts sinkt. Wenn ich durch mein heimatliches Allgäu radle, komme ich an Bächen vorbei, die, von einem Schneefeld gespeist, den ganzen Sommer Wasser führten – und inzwischen in den heissen Monaten oft ausgetrocknet sind.

Was hat das alles mit dem neuen Album der Weeping Willows zu tun?

Die wunderbaren Weeping Willows haben sich in über 20 Jahren einen festen Platz in den Herzen der schwedischen Musikfans erspielt. Magnus Carlson, ein echter Ausnahmesänger, und seine Mitstreiter begannen mit ihrem gefeierten Debüt „Broken Promise Land“ (1997) als orchestrale Bombast-Retropopper. Auf folgenden Alben zeigten sie sich auch als Könner in Gebieten wie Synthpop/Indie und Akustikfolk, aber seit ihrem sechsten Album „The Time Has Come“ (2014) sind sie zurück bei dem Sound ihrer ersten Alben angekommen: Die Trauerweiden machen herrlich sentimentale Popsongs voll großer Geste und voll gefühlsseligem Pathos. Manch einer wird ihre Musik sogar schwülstig und schnulzig finden – aber das ist eine Fehldeutung. Denn das Ganze findet auf einem viel zu hohen Level statt, um kitschig sein zu können.

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Review: Weeping Willows

Tomorrow Became TodayWeeping Willows – „Tomorrow Became Today“

Es gibt eine wahre Geschichte der Band The Alarm. Im Jahr 2004 hatten die Waliser, früher umjubelte Chartstürmer, genug davon, dass man sie mittlerweile als „zu alt“ abschrieb. Für ihre neue Single nannten sie sich „The Poppy Fields“ und ließen sich im Video zur Single „45 rpm“ von einer jungen Band spielen. Es wurde ihr erster UK-Hit seit Jahren. Als sie sich zu erkennen gaben, guckten so manche dumm aus der Wäsche.

Es ist nicht so, dass die Weeping Willows so etwas nötig hätten. Nein, daheim in Schweden wird Sänger Magnus Carlson und seiner Band würdevolle Referenz erwiesen. Seit fast 20 Jahren gehören sie dort zu den festen Größen der Szene und mit ihrem opulent-schwelgerischen Retro-Sound sind sie über jeden Zweifel erhaben. Aber im Rest der Welt ist halt nie wirklich etwas passiert mit dieser Gruppe – und es wird wohl schon deshalb nicht mehr stattfinden, weil sie schon zu lange dabei sind. Ein Tobias Jesso Jr, der kann mit einer gezielten Retro-70s-Songwriter-Platte auch bei Pitchfork & Co seinen Hype generieren, weil er eben Ende 20 ist und als Newcomer präsentiert werden kann. Aber die Weeping Willows – Männer Ende 40 in Anzügen mit sieben Alben auf dem Buckel? Die wird einem niemand mehr als hot new shit andrehen wollen.

Kann ich trotzdem jemanden dafür begeistern, sich die Herren mal anzuhören? Ich werde es zumindest versuchen. Review: Weeping Willows weiterlesen

Vinterview: Albert Hammond

Vinterview Header Hammond2010 begann ich mit dem Bloggen, damals unter der Webadresse hennissey.piranha.tv. Doch letzten Sommer wurde mein Blog leider gelöscht.

Ich werde die dabei verlorenen gegangenen Interviews hier nun nach und nach wieder online stellen. Diese “vintage Interviews” (Hüstel!) nenne ich “Vinterviews”.

Das neue Album von Albert Hammond Jr ist sehr gelungen – siehe Review etwas weiter unten. Und sein Erscheinen erinnert mich daran, dass ich den „Old Man“ des Strokes-Gitarristen 2012 fürs Classic Rock treffen konnte.  Albert Hammond, die Hitmaschine, die so viele Welterfolge geschrieben hat, vor allem für andere Künstler. Das Interview hatte ein Motto namens „Lifelines“- was das bedeutet, erkläre ich im Text. Jedenfalls, Albert Hammond ist ein wunderbar freundlicher Gentleman, und dieses Interview gehört zu meinen allerliebsten, die ich je geführt habe.

Damals veröffentlichten auch die Strokes gerade ihr letztes Album „Comedown Machine“, sie gaben aber keine Interviews dazu. Darüber redeten Hammond und ich gerade, als ich das Mikrophon anschaltete. Und damit geht’s los.

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Interview: Sturgill Simpson

Header SturgillDieser Typ ist ’ne Sensation. Sturgill Simpson hat meine Lieblingsplatte des Jahres 2014 gemacht und mir eine neue Welt erschlossen: Seit ich seine Musik kenne, habe ich mich wieder neu ins Thema Country (die traditionelle bzw. alternative Variante) reingebissen. Im September war ich dann in Stockholm, um den Mann, der Country mit seinen zwei Alben gerade einen Adrenalin-Schuss ins Herz verpasst hat, vor seiner Show im Bryggarsalen fürs Classic Rock Magazine zu treffen.

Das folgende Gespräch dreht sich erst um Sturgills Musik, artet aber bald ins Politische aus. (Sorry, dass ich auf dem Gebiet immer nur so Halbwissen rauspusten kann.) Jedenfalls, was für’n Typ!
Als ich mein Aufnahmegerät anschalte, bedauert Sturgill gerade, noch nicht in Deutschland gespielt zu haben. Interview: Sturgill Simpson weiterlesen