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Fegefeuer der Idle-keiten

in Album, das in diesem Jahr bisher ein bisschen unterging, das ist „Interview Music“ von Idlewild.

Tja, so ist das wohl, wenn eine Band inzwischen beim achten Album angekommen ist. Klar ist „Interview Music“ eine starke Platte, denn Idlewild haben was drauf, das wissen wir jetzt seit über 20 Jahren. Aber spannender findet man natürlich, wenn Newcomer aufdrehen, als wenn alteingesessene Favoriten ruhiger werden.

Was natürlich das ist, was passiert ist auf dieser Platte. Roddy Woomble rollt eben nicht mehr kreischend über die Bühne wie zu „Captain“-Zeiten, Idlewild sind heut eine reife, nachdenkliche, Band, die gerne auch mal eine experimentelle Note betont.

Mit „There’s A Place For Everything“ haben die Schotten nachträglich ein neues Video aus dem Album veröffentlicht. Ein angenehme, melancholische Indiepopnummer. Es wurde ja mal gesagt, dass Idlewild sich über die Jahre zu Schottlands REM entwickelt haben. Dieser Song liefert für diese These mal kein Gegenargument.

Idlewild Variations

Ganz ehrlich: Dafür, dass ich Idlewild so lange schon liebe, bin ich mit ihrer neuen Single „Dream Variations“ noch nicht so ganz warm geworden. Erst kommt der Song nicht so richtig in die Puschen – und ab Minute 3:17 driftet er einfach ab. Knackig ist was anderes. Das ist eher ein feiner Albumtrack als eine Single, oder?

Aber Hey – egal, das sind immer noch Idlewild und wenn Roddy Wooble und seine Mitschotten heute noch wie 1998 in 2 Minuten durch schrattelige Indiepunk-Fetzer schmirgeln würden, wäre ja irgendwas verkehrt. Die Band reift mit jedem Album und so muss das sein.

Ich mache mir jedenfalls keine Sorgen, dass ihr kommendes, inzwischen achtes Album „Interview Music“ (VÖ: 05.04.) nicht lieben werde.

Give em Enough Hope

Heute ist rundes Jubiläum. Vor genau 20 Jahren erschien „Hope Is Important“, das Debütalbum von Idlewild. Mann, habe ich diese Platte damals rotieren lassen! Ich habe mir meine Gehörgänge von innen tapeziert mit diesen Songs!

Roddy Woomble und seine Crew, damals noch jung und wild, machten noch fetzigen, uungewaschenen Struwwelpop. Aber „When I Argue I See Shapes“ oder „I’m Happy To Be Here Tonight“ deuteten schon an, dass diese Kids echt Substanz hatten. Dass sie mal zu sowas wie Schottlands REM werden sollten, das konnte man hier schon schemenhaft erkennen unter all dem wilden Gekritzel. Eine Band fürs Leben. Wird’s mal wieder Zeit für ein neues Album? Das letzte ist von 2015.

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where the idlewild things are

Das Erstaunliche ist ja, dass die Leute, die über Musik schreiben oder sie vermarkten, manchmal AHNUNG und RECHT haben. Als Idlewild in den späten 90ern auftauchten, da rollte Roddy Woomble kreischend über die Bühne und die anderen Idlewilden hackten tobend in ihre Instrumente – aber irgendwie haben bestimmte Leute gesehen, dass diese Kids substantieller in ihre Instrumente hackten, dass dieses struppige Knäuel Energie mit dem Mikrofon sich mit mehr Substanz über den Boden rollte als all die anderen Post-Punk-Hacker und Bodenroller, die die Jugendzentren der Welt bevölkern. Fast 18 Jahre nach dem ersten UK-Hype gibt es Idlewild immer noch/wieder, sie können auf UK-Top Ten-Alben zurück blicken und sie schreiben heute weise, leise Gitarrenlieder wie „Every Little Means Trust“. Und irgendjemand hat ihnen damals schon angesehen, dass das in ihnen stecken könnte. Schon stark, dass das so laufen kann. Manchmal.

Ach ja, „Every Little Means Trust“ stammt natürlich vom aktuellen Idlewild-Album „Everything Ever Written“. Ich habe hier eine Rezi dazu geschrieben.

Review: Idlewild

Idlewild-Everything-Ever-WrittenIdlewild – Everything Ever Written

Ach, Idlewild! SO eine Lieblingsband, seit so langer Zeit! Aber: Ich war neulich beinahe geschockt, weil eine Freundin die vielleicht beste Band Schottlands nicht kannte. Wie kann man Idlewild nicht kennen? Nicht lieben?

Dann fiel mir auf: Halt, sie ist Anfang 20. Und Idlewilds letzte Platte „Post Electric Blues“ ist nun mal von 2009 – und es war keine Platte, die die Erde in ihren Grundfesten erschütterte. Es war, wie auch schon „Make Another World“ (2007), das Album einer Band, die vielleicht ein bisschen zu lange dabei war, und der die Bestimmung abhanden gekommen war. Eine Band, die nach dem Verlust des Majorlabel-Deals mehr aus Trotz und aus Routine weiter machte, als weil ihr wirklich Steine auf dem Herzen lagen. Beide Alben waren nicht gleich schlecht, beide hatten ihre definitiven Song-Highlights, aber im Vergleich zu Idlewilds so erstaunlicher Diskographie vom rotzigen „Hope Is Important“ (1998) über das packende „100 Broken Windows“ (2000), das überlegte „The Remote Part“ (2002) bis zum variantenreichen „Warnings/Promises“ (2005) waren die Alben ein bisschen ausgefranst. Nicht zielgerichtet. Idlewild waren also seit acht Jahren nicht mehr so wirklich relevant, also ist es nicht weiter verwunderlich, dass sie jüngeren Indie-Kids nur noch wenig sagen.

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