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Review: Razorlight

Razorlight – „Olympus Sleeping“

Echt jetzt – eine neue Razorlight-Platte! Danach hat niemand gefragt. But I’ll take it.

Da kommen wir natürlich nicht drum rum, über die frühen Razorlight zu sprechen. Die in den 00’s mehrere Top Ten-Hits auf der Insel landeten, die uns von den Titelseiten der Musikzeitungen entgegen grinsten und die schnell einen extrem beschissenen Ruf hatten. Und wenn ich Razorlight sage, dann meine ich natürlich Johnny Borrell. 

Denn Razorlight, das waren auch damals immer Johnny Borrell +3. Darum macht es auch nichts, dass in den neuen Razorlight außer Johnny niemand von früher dabei ist. Auch wenn ich die zwei Schweden Carl Dalemo (Bass) und Björn Ågren (Gitarre) mochte, auch wenn Andy Burrows (Drums) selbst durchaus eine Type war (und er entsprechend hinterher als Erster auch eine Solokarriere hinkriegte).

Also: Johnny Borrell. Warum hat die Britpresse ihn eigentlich so gehasst? Klar, er war affektiert. Klar, er hatte die Tendenz, sich auch mal so richtig affig aufzuspielen. Klar, wenn er auf der Bühne seinen Oberkörper nackig machte, dann griff man sich an den Kopf, denn solches Posen ist verpönt, erst Recht in der Indie-Welt.  

Aber sagen wir mal so: Ist das nicht auch die Aufgabe eines Rockstars, sich exzentrisch oder unnormal zu verhalten? Auch mal die Drama-Queen oder die selbstverliebte Diva zu sein?

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There Is A Razorlight That Never Goes Out

Ein Razorlight-Comeback, das durfte nur so aussehen: Auf keinen Fall hätte Johnny Borrell nach dem geflopptem Solo-Album mit eingeklemmtem Schwanz angewinselt kommen dürfen. Er musste mit stolz geschwellter Brust so tun, als wäre nichts passiert seit „Slipway Fires“. Als wäre wieder 2006, als wollte die Welt immer noch genau das hören, was sie zu Zeiten von „Stumble and Fall“ und „Golden Touch“ hören wollte. Und wenn er’s frech genug durchzieht, dann könnte er damit durchkommen.

Am 26.10. kommt das Comebackalbum „Olympus Sleeping“ und auch der neue Voarb-Track „Carry Yourself“, er klingt so original nach goldenen Razorlight-Zeiten, dass das klappen kann.

It’s no shame about Razorlight

Oha. Mit viel habe ich gerechnet, aber nicht damit, dass ich heute vier(!) neue Razorlight-Videos teilen würde.

Ganz schön lange her, seit Johnny Borrell seine Band so nannte (es sind außer ihm keine Ex-Mitglieder von den ersten drei Alben dabei).

In ihren letzten Monaten wurden Johnny und Co von der UK-Presse als richtige Feindbilder in Grund und Boden geschrieben. Auch sein Solo-Album wurde mit Schmackes in die Pfanne gehauen. Jetzt aber präsentiert nme.com (den NME selbst gibt’s nicht mehr…) die neuen Songs mit ausführlichem Interview. Tja, schaut ganz so aus, als hätte eine Charakterfigur wie Johnny, so polarisierend er wirken mag, der UK-Szene letztlich doch gefehlt.

Die neuen Songs? Energisch und energetisch. Sie klingen wie frühe Razorlight, so zur „Stumble and Fall“-Ära. Das ist nicht verkehrt. Ende Oktober kommt ein Album namens „Olympus Sleeping“

drei weitere Songs nach dem Break… It’s no shame about Razorlight weiterlesen

Review: Duke Special

duke-special-look-out-machines-7692Duke Special – „Look Out Machines“

Es wird nicht zu vermeiden sein, dass ich mich hier ab und zu wiederhole. Deswegen: Sorry, aber einmal mehr beginne ich eine Rezension mit meiner These, dass ein Singer/Songwriter steht und fällt mit seiner Persönlichkeit. Sowie mit der Story bzw. der Figur, die er verkörpert.

Duke Special ist so eine Persönlichkeit. Der Mann aus Belfast, der eigentlich Peter Wilson heisst, sieht aus wie Robert Smiths kleiner Bruder aus dem Wanderzirkus: Schäbige Anzüge, Dreadlocks, Kajal zentimeterdick um die Mauseaugen. In einem Märchenfilm könnte man ihn als Rumpelstilzchen casten. Deswegen ist so besonders, was passiert, wenn er sich ans Klavier setzt: Dann wachsen ihm Schwingen und schwingt sich er in einen Himmel des Musiktheaters auf. Er wird zu einem zerknitterten Rufus Wainwright, der nicht auf der Met, sondern in der Augsburger Puppenkiste singt. Es hat was von Cabaret, es hat was von Drama, und es hat auch was von Elton John. Es ist, sozusagen, große Kleinkunst.  Review: Duke Special weiterlesen

Review: Circa Waves

circa waves albumCirca Waves – Young Chasers

Ach jemine, England. Aber ihr habt’s euch ja selbst kaputt gemacht. Ihr habt erstens zu einer Zeit, als Indie eine echt starke Phase hatte, jede Band hochgejubelt, die Saiten auf eine Gitarre spannen konnte. Das ging nach hinten los und Indie fing an zu nerven. Also habt ihr Gitarren grundsätzlich zu „Indie Landfill“ erklärt und die guten Bands gleich mit verteufelt. Das war das eine.

Das andere ist die gesellschaftliche Entwicklung bei euch, dass sich Kids aus der Unterschicht praktisch nicht mehr leisten können, kreativ zu sein. Nur Sprößlinge aus gut situierten Familien können nach der Schule auch mal zwei Jahre vor sich hin muszieren und auf Plattenverträge warten, gerne während ihres Studiums auf einer der Pop-Akademien. So wachsen fast nur noch Bands auf, die wenig zu erzählen haben, die nur noch in den seltensten Fällen eine Message rüber bringen.

Aber Indie war doch mal die Bastion und die Überlebensgrundlage eurer Musikpresse! Die Musikpresse liegt entsprechend am Boden. Neue Bands müssen her, aber Indie wurde abgesagt. Damit herrscht eine Situation, in der Peloton-Mitfahrer hochgejubelt werden. Und so müsst ihr Circa Waves, die in jeder anderen Ära eine unter-ferner-Liefen-Band wären, im NME 8 Punkte geben – obwohl ihr euch im Text der Rezension dauernd für ihre miesen Texte entschuldigt und Ausreden dafür findet, dass sie so unoriginell sind.

Okay okay okay, ich rege mich wieder ab. Das Problem sind ja nicht die Circa Waves. Review: Circa Waves weiterlesen

Dukebox Hero

Duke Special ist ein sonderbarer, aber sympathischer Vogel. Ein Piano-Songwriter zwischen Kurt Weill und Rufus Wainwright, der allerdings mit seiner sonderbaren Crusty-Dreadlock-Frisur aussieht, als (Zitat Nat, die gerade mit in der Küche sitzt) säße eine Vogelspinne auf seinem Kopf. In Irland ist der gute Mann aus Belfast ein Star, in Bälde kommt sein neues Album „Watch Out Machines“, je nach Zählweise (=ob man Compilations und Coveralben mitrechnet) sein sechstes oder achtes. Hierfür hat Peter Wilson (so der Geburtsname des Duke) eine neue Single namens „Elephant Graveyard“ voran geschickt und für diese gibt’s ein Claymation-Video.

Übrigens: Vor ein paar Jahren habe ich eine Zeitlang einen Duke Special-Song als Atomic-Rausschmeißer gespielt. Seine Klavier-Balladen-Cover-Version von Razorlights „Stumble And Fall“ nämlich, vielleicht erinnert sich jemand?
Und noch eine Atomic-Connection hat Duke Special: Er hat nämlich mindestens zwei mal im Atomic gespielt, als support anderer Künstler. Beim ersten Mal schrieb er in der Wartezeit vor der Show einen Song, und zwar in dem langen Gang zwischen großer Bar und Backstage-Raum. Dieser Song (Sorry, ich weiss nicht mehr, wie er heisst) blieb lange Zeit in seinem Set, denn immer wenn ich ihn in München live sah (er war seitdem noch zwei Mal hier, u.a. als Support von The Divine Comedy), spielte Peter die Nummer und erzählte vorher: „Das Lied wurde in München geschrieben, im Atomic Café, in dem langen Flur!“

Talent Borrows, Genius Burrows

Alle sagen, Dave Grohl sei der netteste Mensch im Rock’n’Roll. Stimmt nicht. (Ich habe Dave Grohl getroffen, und er war mehr oberflächlich amerikanisch nett. Zwei Stunden nach dem Gespräch traf ich ihn noch mal in der Lobby, da zeigte er schon die kalte Schulter.) Der WIRKLICH netteste Mensch im Rock’n’Roll, das ist Andy Burrows. Der Ex-Drummer von Razorlight, der es auch selbst drauf hat, prima Songs zu schreiben. Mit Andy Burrows zu sprechen, das ist jedes Mal ein Geburtstag, so ein lieber Kerl ist das!
Andys aktuelle Platte „Fall Together Again“ klingt natürlich ganz schön erwachsen. Die Eltern erschreckt man damit nicht mehr, sie mögen es wahrscheinlich sogar! Denn es sind wirklich feine, schöne Lieder, Ohrwürmer alleroberster Kajüte, sehr filigran in Szene gesetzt.
Andy hat jetzt eine neue Single ausgekoppelt. Tja. Was sagen wir zu der Nummer? Es heisst doch „Talent borrows, Genius steals“, richtig? Kennt ihr „Gypsy“ von Fleetwood Mac? Aber: Andy darf das.

Andy Burrows – See A Girl (Official Video) from PIASGermany on Vimeo.