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… and NOTHING Hurts

Man merkt schon daran, dass sie auf dem Brutal-Metal-Label Relapse erscheinen, dass die Amerikaner NOTHING keine typische Shoegazer-Band sind.

Die Nachrichten, die ihr drittes Album „Dance On The Blacktop“ mit sich bringt, sind traurig: Es stellte sich inzwischen heraus, dass sich Bandkopf Domenic Palermo bei dem gewalttätigen Raubüberfall, dem er zwischen den ersten beiden Alben zum Opfer fiel, ein bleibendes Hirntrauma zugezogen hat. CTE nennt man das Syndrom, das zuletzt öfter in die Schlagzeilen kam, weil auch viele ehemalige Football-Spieler daran leiden.

Tja, was sagt man dazu. Es muss niederschmetternd sein, zu wissen, dass das eigene Gehirn abbaut. Niederschmetternde Musik ist zwar eine Sache, in der NOTHING echt bockstark sind, aber das soll doch bitte nicht die Inspiration dafür sein. Hoffen wir, dass Domenics Krankheitsverlauf sehr milde abläuft und auf rasante Fortschritte in der Medizin.

Es gibt ein neues Video vom neuen Album: „I Hate The Flowers“.

Mein Interview mit Domenic zum zweiten Album „Tired Of Tomorrow“ (2016): HIER.

Review: Lowtide

Lowtide – „Southern Mind“

Ich beginne eben – mal wieder – mit einem kurzen Abriss der bisherigen Shoegazing-Historie. Die späten 80s, frühen 90s, brachten bekanntlich eine ganze Welle der UK-Bands, die mit Feedback und Noise hypnotische Effekte erzeugten. Los ging’s mit The Jesus and Mary Chain, das entwickelte sich über MBV zu Ride, Chapterhouse, Swervedriver, The Boo Radleys, Pale Saints, Lush, Moose etc. Picken wir uns als Musterbeispiel Slowdive. Wenn andere Bands aus Feedback „Klanggewitter“ schufen, dann untermalten die fünf aus Oxford den Morgennebel, durch den die ersten Sonnenstrahlen brechen. Wolkige Schwaden aus Gitarren und süßer Schimmer. Morningrise.

Parallel aber entwickelte sich auf der anderen Seite des Atlantik der Grunge. Als Nirvanas „Nevermind“ mit seinem schroffen Expressionismus explodierte, sahen die schüchternen englischen abstrakten Klangmaler daneben plötzlich wischi-waschi und zahnlos aus. Als nicht lange danach auch noch der Britpop kam, wurden die Überlebenden vollends verdrängt. Slowdive versuchten damals die Flucht nach vorne in den Ambient-Minimalismus – es half nichts. Ihr drittes Album „Pygmalion“ wurde nicht mal mehr wahrgenommen. Mann, waren Slowdive 1995 out! Wenn ihnen damals jemand erzählt hätte, dass sie eines Tages als gefeierte Pioniere zurück kommen würden, dass ihr Reunion-Album als eine der besten Platten des Jahres 2017 bejubelt werden würde – sie hätten nur laut gelacht. Ja klar. Review: Lowtide weiterlesen

Review: Slowdive

Slowdive – „Slowdive“

Ohne Slowdive zu nahe treten zu wollen – aber ich glaube, von all den early-90s-Bands, die sich in den letzten Jahren wiedervereinigt haben, haben sie den leichtesten Job, wenn es darum geht, an ihr altes Schaffen anzuknüpfen. Ich meine: Suede müssen glamourös und verrucht bleiben, auch als gegen den Bierbauch ankämpfende Familienväter. Blurs Alben müssen immer irgendwie einen Kommentar zum Zeitgeschehen abgeben. My Bloody Valentine müssen cutting edge, revolutionär und „out there“ bleiben. Auf den Schultern der Stone Roses und Rides lasten zentnerschwere Erwartungen von Fans, für die sie mal das Ein und Alles waren. Slowdive waren aber immer nur: Neblig und verträumt.

Natürlich, sie waren herrlich und majestätisch neblig und verträumt. Ihre verschwommene, aber erhabene Melancholie ließ den Hörer abdriften, in Sphären schweben. Die Gitarren schnurrten ineinander und schichteten sich wie hauchfeine Schleier. Ihr wolkiger Gesang blieb unkonkret, vage, für alle Interpretationen offen. So wurden Slowdive in den frühen 90s zur Poesiealbum-Band unter den Shoegazern – und ich sage das mit aller Zuneigung. Mann, ich erinnere mich genau an den Tag, als ich das erste Mal die „Morningrise EP“ auflegte! Es war ein sonniger Frühlingstag, ich bin danach im Wäldchen an der Dülferwiese spazieren gegangen und das blendende Licht des zwischen den Bäumen klang wie die Musik in meinen Ohren. Review: Slowdive weiterlesen

Interview: Nothing

interview HeaderShoegazing – das ist der verträumte Sound behüteter Briten, die per Feedback zur seligen Weltflucht aufrufen, richtig? Nicht immer. Aus Philadelphia kommt Nothing, die Band, die mit diesem Sound Gewalt und Schmerz verarbeitet. Sänger Domenic Palermo, ehemaliger Hardcore-Punk, war wegen einer Messerstecherei schon im Knast und wurde erlebte auch im Vorfeld des zweiten Albums wieder traumatische Ereignisse. Kein ganz unproblematischer Zeitgenosse, offenbar. Im Skype-Gespräch zum zweiten Nothing-Album „Tired Of Tomorrow“ (erschienen letzten Freitag) aber war er die Freundlichkeit selbst.

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