Schlagwort-Archive: Noel Gallagher

Freu dich Blossoms nicht zu früh…

Als die Blossoms sich kürzlich mit der Single „I Can’t Stand It“ zurück meldeten, da habe ich noch gezweifelt. Wenn die anderen Songs auch so sein würden, weniger eingängig als „Charlemagne“ oder „At Most A Kiss“, dann würden sie den Erfolg vom Debütalbum – das war immerhin eine UK-Nr. 1 – wohl nicht wiederholen können.

Jetzt kommt die neue Vorab-Single vom zweiten Album „Cool Like You“: „There’s A Reason Why I Never Returned Your Calls“. Und Holla, ist das mal eine in-your-face-Popbrezel! Die Keyboardmelodie am Anfang – die sich, typisch für Blossoms, dann im Refrain wiederholt – geht ins Ohr wie ABBA in Fischöl!

Okay, die Leute, denen Blossoms grundsätzlich zu gefällig klingen, denen wird das viel zu viel Zuckersirup sein.  Ich mag die Live-Version dieses Clips auch lieber als die noch knalligere Studio-Aufnahme. Die gibt’s noch mal beim Klick auf… Freu dich Blossoms nicht zu früh… weiterlesen

What did you expect from 2018, Pt.1

Hallo, 2018!
Wirst du ein gutes Indie-Jahr werden? Die ersten Anzeichen sind nicht schlecht. Auf so einige spannende Newcomer dürfen wir uns freuen – darüber habe ich neulich schon mal einen Post geschrieben. Natürlich warten wir aber auch auf so einige Größen und persönliche Favoriten, die sich zurück melden.

Ich habe eine Liste unter folgendem Motto zusammen gestellt: „Ausgesuchte kommende Alben 2018“. Dies sind Platten, die fürs neue Jahr schon definitiv angekündigt wurden, die man sicher erwarten oder zumindest realistisch erhoffen darf – oder über die man wenigstens spekulieren kann.
Plötzlich standen da über 30 Namen auf meinem Zettel. Deswegen teile ich die Liste in drei Beiträge auf.
Los geht’s mit Teil 1.

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Review: Noel Gallagher

Noel Gallagher’s High Flying Birds – „Who Built The Moon?“

Es ist ja zum Glück kein Wettbewerb. Man kann als Hörer ja sowohl Liam als auch Noel okay finden. Man muss sich ja gar nicht für den einen und damit automatisch gegen den anderen entscheiden, auch wenn der konstante Zank der zwei in den Medien den Eindruck erwecken mag. Genauso, wie man sich in den 90ern auch herrlich über den Oasis/Blur-Konflikt amüsieren und gleichzeitig an beiden Bands seine Freude haben konnte.

Aber wenn es so wäre: Da tendiere ich zu Team Liam. Einfach, weil Noel immer schon geschafft hat, all die Props für sich einzusammeln. Weil er nie Skrupel hatte, seinen Bruder blöd aussehen zu lassen. Auch jetzt wieder, da die zwei schlagzeilenwirksam Giftpfeile aufeinander schießen: Noels Sprüche gegen Liam wirken sehr herablassend. Liam kläfft mehr, mag aggressiver sein, frecher, herausfordernder, dabei durchaus nicht ohne Augenzwinkern. Noel wiederum tut immer so, als stünde er drüber, dafür setzt er dann zwischendurch gemeine Tiefschläge. Souverän ist was anderes.

Tja guck. Schon wieder schreibe ich über den Bruderzwist, aber es soll doch um die Musik gehen. Hier sind wir uns einig, dass beide Gallaghers zuletzt was zu beweisen hatten. Review: Noel Gallagher weiterlesen

Cheeky For A Releasin‘

Heute ist bekanntlich der Erscheinungstag des neuen Noel Gallagher-Albums – und wäre heute nicht so gutes Wetter gewesen, das mir die vielleicht letzte Radtour des Jahres erlaubte, säße ich wohl schon an einer Besprechung dieser Platte.

So erst mal: Congrats, Liam Gallagher. Dein neues Video an Noels großem Tag zu teilen und auch noch ausgerechnet den Titel „Come Back To Me“ zu picken, das ist schon expert trolling.

Hier noch mal der Link zu meinem ewig langer Text zum Liam-Album. Hoffentlich kann ich mich bei Noel ein bisschen bremsen.

Going Noelwhere

Das Liam Gallagher-Album ist ja ziemlich in Ordnung – was Bruder Noel unter einen gewissen Druck setzt. Sein letztes Album hatte (wenigstens meiner Meinung nach) einige gute Songs, aber auch einige echt dröge, zu routiniert abgearbeitete  Durchhänger.
Auf dem neuen Noel Gallagher’s High Flying Birds-Album „Who Built The Moon“ soll es dafür wieder experimenteller und psychedelischer zugehen. Die erste Single „Holy Mountain“ hat aber nicht unbedingt alle überzeugt. Nun haben Noel und Band in der Sendung von Jools Holland einen neuen Track vorgestellt: „She Taught Me How To Fly“.
Wir sehen: Eine Lady am Instrument Schnipp-Schnapp-Schere,  Whooo, es geht los. Es wird weird. Oder?

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Review: Liam Gallagher

Liam Gallagher – „As You Were“

Zuerst mal: Was für ein cleverer Albumtitel! „As You Were“ stammt aus der militärischen Sprache. Mit dieser Order ruft man den jeweils letzten zuvor gegebenen Befehl zurück. Es bedeutet also „Kommando zurück!“ – aber, damit das nicht missverstanden wird, nicht im Sinne von „Zurückziehen!“. Sondern im Sinne von „Zurück in die letzte Position!“ oder „Wieder so weitermachen wie davor!“

Längst hat der Ausdruck seinen Weg auch in den informellen Sprachgebrauch gefunden. Wenn man „as you were“ beiläufig verwendet, ist das salopp formuliert und bedeutet quasi „so wie immer halt“, „so wie du’s kennst“, „so ist es doch“ oder „so gehört sich’s“.

Liam Gallaghers Ausritt mit Beady Eye war nicht erfolgreich. Warum, steht auf einem anderen Blatt. Aber es gibt eine Message, die muss er all seinen verlorenen Oasis-Fans unbedingt rüberbringen. Sie lautet: „Staub abklopfen, weiter im Programm. Was zuletzt passiert ist, ist egal!“ Das Ganze sollte auch noch in möglichst Liam-esken Ton gesagt werden, also leicht patzig. „As You Were“. Perfekt. Subtext: Diese Platte ist erstens das, was Oasis-Fans von mir hören wollen und ich bin zweitens immer noch unverbesserlich.

Das ist zumindest die Aussage, die Liams Plattenfirma unbedingt an den Mann bringen will. Nach dem Reinfall mit Beady Eye (so muss man es sehen, die Platten verkauften offenbar nur ein Zehntel der späten Oasis-Alben) wird „As You Were“ als Liams letzte Chance gesehen. Er selbst hat das in Interviews bestätigt (bzw., dass das Label ihm das eingebläut hat). So erleben wir ihn, wie er diesem Schicksal die Stirn bietet, kampfbereit. Wie er allen noch mal zeigt, dass Bruder Noel (dessen Soloalben ja schon ein bisschen routiniert und stellenweise einschläfernd waren) vielleicht der Kopf von Oasis gewesen sein mag, er aber die Seele. Das zumindest ist die Darstellung, wie die Plattenfirma sie pusht.

Inwieweit stimmt das denn auch? Review: Liam Gallagher weiterlesen

Vinterview: Kasabian (I)

Am 05. Mai ist’s so weit – dann kommt Kasabians neues Album „For Crying Out Loud“ in die Läden. Anlass genug, mein Archiv zu durchforsten. Auf meinem alten Blog hatte ich nicht weniger als vier Interviews mit Serge bzw Tom gespeichert. Jener Blog steht leider nicht mehr online. Also ab in den Speicher, pusten wir den Staub von den alten Gesprächen und machen wir sie wieder verfügbar. Anfangen wollen wir 2011. „Velociraptor!“ steht vor der Tür.

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Review: Elephant Stone

elephant-stone-coverElephant Stone – „Ship Of Fools“

Jeder kennt die Frage: Was war zuerst da, das Huhn oder das Ei? Ein ähnlicher Fall ist die Sache mit Psychedelia und indischen Instrumenten.

Als sich das Genre in den späten Sechzigern entwickelte, war das auch die Zeit, als weltweit die Hippies – an prominentester Stelle natürlich die Beatles – indische Philosophien für sich entdeckten. Die neuen indischen Einflüsse, die sich die Westler bei ihren Gurus holten, landeten in der Folge auch ihrer Musik. Das „Zwoing Doing“ der Sitar, das „Niiieöörrh sschrrrrrng“ der Esraj, die handgetrommelten Tablas, all das wurde zur charakteristischen Klangfarbe dieser Stilrichtung. Ein Beispiel, das jeder kennt, wäre „Norwegian Wood“ – aber es waren nicht nur die Beatles, die damals indische Instrumente einsetzten. Auch sind sie seitdem nicht verschwunden. Immer, wenn jemand seinen Sound ein bisschen mystifizieren will, wird an der Sitar getwoinkt. George Harrison hat in seiner Solokarriere weiter auf diese Töne gesetzt, Kula Shaker haben sich zu Britpop-Zeiten auf diese Weise als Hippie-Throwbacks dargestellt, auch Paul Weller oder Noel Gallagher greifen immer mal wieder auf dieses Klangbild zurück.

Und jetzt meine Frage: Verwenden all die Musiker diese Instrumente deshalb, weil ihre Sounds das verschwurbelte Reise-auf-dem-fliegenden-Teppich-Ding nun mal klangmalerisch so perfekt darstellen? Oder stellen diese Instrumente das verschwurbelte Reise-auf-dem-fliegenden-Teppich-Ding auch deshalb so perfekt dar, weil wir nach Jahrzehnten der Psychedelia längst darauf konditioniert sind, mit diesen Klängen automatisch Om, Transzendenz und Hare Rama zu assoziieren?

Wie auch immer, der Punkt ist: Es gibt eine Tradition der indischen Instrumente in der britischen Gitarrenmusik, seit den Sixties bis heute, und die wird weiterhin aufgegriffen. Sogar von Nicht-Briten. In diesem Falle von Kanadiern.

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Review: Jake Bugg

Jake Bugg On My One Albumcover - CMS SourceJake Bugg – „On My One“

Am Wochenende habe ich mein drei Jahre altes Interview mit Jake Bugg zu seinem zweiten Album als „Vinterview“ hier platziert. Beim Nachträglich-noch-mal-drüber-Lesen fiel mir auf: Auf meine Frage nach „Authentizität“ reagierte er ganz schön pikiert. Jake glaubte, ich wolle ihn aufs Glatteis führen. Da ist ein wunder Punkt angesprochen worden. Die Tatsache, dass das Wunderkind aus Nottingham seine Songs in Kollaboration mit Profi-Songwritern aus den Hinterzimmern der Musikindustrie schrieb, die wurde von seinen Gegnern immer als willkommener Angriffspunkt verwendet.

Dabei finde ich selbst es ja gar nicht schlimm, wenn jemand mit den „Experten“ arbeitet. Das machen auch andere „credibile“ Bands, oft heimlich. Was zählt, ist doch das Ergebnis. Und wenn am Ende ein guter Song steht, der ins Ohr flutscht und dort hängen bleibt, haben doch alle gewonnen.

Seien wir doch ehrlich: Auch wenn es immer als schlimmer Eingriff in die Persönlichkeit gewertet wird, als kommerzgeile Normierung, als anmaßender Overreach und als kleingeistiges Zeichen von kreativer Angst bzw. kreativer Armut – Labels haben oft genug Recht, wenn sie die hochtrabenden Ideen ihrer Künstler durch Input von außen kanalisieren und fokussieren lassen.

Wie war’s bei Jake Bugg? Ein 16jähriges Songwriter-Talent kriegte einen Plattenvertrag. Man brachte den Jungen mit ein paar Profi-Autoren zusammen, bei denen er quasi in die Lehre gehen sollte. Als er dann mit 17 sein Debüt veröffentlichte, wurde gejubelt: Die Songs dieses Teenagers waren prima. Man sprach vom neuen Noel Gallagher, sogar vom neuen Bob Dylan.

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Review: Richard Ashcroft

richard-ashcroftRichard Ashcroft – „These People“

Ein paar meiner facebook-Freunde haben sich schon beschwert. Ganz besonders dröge, zäh und einschläfernd sei es geworden, das vierte Soloalbum von Richard Ashcroft (wenn man „RPA & The United Nations Of Sound“ nicht mitrechnet) und sein erstes musikalisches Lebenszeichen seit sechs Jahren. Auf der Insel jubeln hingegen ein paar Reviewer, Ashcroft sei endlich wieder in Bestform und er zeige all den Songwritern, die nach ihm kamen, wo der Hammer hängt. Ed Sheeran, James Bay und Tom O’Dell könnten wieder nach Hause gehen.

Was stimmt denn nun?

Okay, zuerst mal: Die Pissnelken Sheeran, Bay und O’Dell dürfen nicht der Maßstab sein, an dem man einen Ashcroft misst. Nach Hause gehen dürfen die so oder so, ganz unabhängig von dem, was Ashcroft macht, der auch dann noch turmhoch über deren Banalitäten schweben wird, wenn er nur auf dem Klo die TItelmelodie von Biene Maja summt.

Aber zur Sache. Zu Richard Ashcroft. Review: Richard Ashcroft weiterlesen