Schlagwort-Archive: Morrissey

Sturm und Drangsal

Die Drangsal stellt mich vor ein Problem. Der Gruber Maxe, wie wir Bayern sagen, hat kürzlich doch tatsächlich hier im piranha Büro vorbei geschaut. Klar, wenn zwei Indie-Nerds aufeinander treffen, dann entspinnt sich statt einem Interview ein von hier nach da wie eine Flipperkugel spickendes Gespräch über Morrissey und die Welt. Über eine Stunde ist die Audiodatei lang und für ein Transkript, wie ich es hier normal platziere, nicht wirklich geeignet. Bis am 27.04. das neue Album „Zores“ erscheint, werde ich mir überlegen müssen, wie ich das Ganze hier verarbeite. Bis dahin erfreuen wir uns an den Johnny-Marr-Gitarren der neuen Vorab-Single „Magst Du Mich (Oder Magst Du Bloss Noch Dein Altes Bild Von Mir)“

We Need To Talk About Steven. Pt.1

Seit Freitag ist das neue Morrissey-Album draußen. Trotzdem habe ich hier noch nichts darüber geschrieben. Der Grund liegt auf der Hand: Moz hat in seinem Leben schon eine Menge Bullshit von sich gegeben, aber das Spiegel online – Interview, über das die Welt spricht, das ist schon noch mal ein neuer Level. Das muss sich erst mal setzen.

Man liest den Scheiss, den er verzapft und sitzt nur konsterniert kopfschüttelnd da. Das ist doch nicht der Typ, dessen Werk man immer so begeistert allen Leuten ans Herz legte?!
Okay, damals bei The Smiths, da war er halt viel jünger, geistig frischer. Ist es das? Aber der Idiot aus dem Interview ist ja nicht mal der Typ von „All The Young People Must Fall In Love“, dieser witzig-trotzigen Hymne von „Low In High School“, die so viel abdeckt, was man an Morrissey arg super fand!

Was ich an mir feststellen musste bei all der Enttäuschung: Ich bin noch nicht bereit, meine Smiths-Platten einzuschmelzen und meine Morrissey-CDs zu zerbrechen. Das kann ich nicht. Da hängen zu viele gute Erinnerungen dran. Mann, Morrissey!

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Review: The Front Bottoms

The Front Bottoms – „Going Grey“

Indie, das Wort wieder. Es bedeutet alles und nichts. Es bezeichnet für jeden etwas anderes. Man kann Indie in verschiedenste Schubladen aufteilen. Ich habe das Ganze für mich mal in zwei Kategorien gesplittet, die ein Münchner versteht. Erstens: Atomic-Indie. Zweitens Backstage-Indie.

Zum Atomic-Indie gehört das affige Posen, aber halt auch die Coolness. Pulp, The Strokes, Blur, das wären typische Atomic Indie-Bands. Blink 182, Chili Peppers, Bloodhound Gang dagegen – das wäre Backstage-Indie. Sonnenbrille im Club tragen? Atomic Indie. Als Weisser Dreadlocks haben? Backstage Indie. Nicht schwer.

Also, nicht falsch verstehen. Ich habe im Backstage tolle Konzerte gesehen. Ich finde es super, dass es das gibt. Aber meine Welt war und wird für immer der Atomic Indie sein. Muss ja so sein.

Am Atomic-DJ-Pult konnte das zu Komplikationen führen, wenn sich ein Backstage-Mensch ins Stüberl verirrte. Solche Leute erklären mir dann irritiert, da liefe ja gar kein Indie und ob ich etwa kein Green Day und Kraftklub auflegen wollte. Wollte ich nicht. Bei mir gab’s Kasabian, Timo Räisänen und Delays.

Das US-Label Fueled By Ramen ist natürlich sowas von Backstage-Indie. Paramore, Twenty One Pilots, Panic! At The Disco, die Fall Out Boy Connection. Aber dann mitten auf Fueled By Ramen: Eine Band, die meine Atomic-Indie Sensibilitäten anspricht, aber auf dem Backstage-Label trotzdem nicht fehl am Platze ist. The Front Bottoms. Review: The Front Bottoms weiterlesen

A Spent Force?

Meine positivistische Deutung über Morrisseys aktuelle Single „Spent The Day In Bed“ habe ich hier neulich schon verbreitet – siehe hier.

Inzwischen hat Moz mal wieder ordentlichen Scheiss geredet, so dass ich vor dem Album „Low In High School“ ein bisschen Schiss habe. Oh je. Ist nach all den Jahren, in denen ich den Meister gegen alles verteidigt habe, der Punkt gekommen, an dem ich mich schweren Herzens abwenden muss? Na, ich habe irgendwie immer noch Hoffnung, dass das Album mich eines Besseren belehren wird. Der Song „Spent The Day In Bed“ wäre ja eigentlich begeisternd gut, wenn da nicht im Hinterkopf die Alarmglocke klingeln würde.

In Bed With Morrissey

Morrissey hat also eine neue Single draußen und schon wird wieder heftig diskutiert. Ich wollte mal eben meine Deutung des Textes beitragen.

Obwohl es wenige Leute gibt, die so direkt und konkret werden in ihren Texten, ist schon interessant, was die Leute so hinein lesen. Ich glaube, jeder Fan will, das Moz auf seiner Seite steht und legt die Texte entsprechend in seine Glaubensrichtung aus.

Es gibt schon seit Anfang der 90er Stimmen, die wollen Morrissey in die rechte Ecke stellen. In Bed With Morrissey weiterlesen

Series: The 80s – Classics and Curios, Pt. 1

vinterview-80sDas Frage, mit welchen Themen ich in den praktisch Release-freien Wochen um die Jahreswende Inhalte für meine Seite schaffen soll, die stelle nicht nur ich mir auf meinem kleinen Blog. Das Problem haben auch ganz andere, ungleich größere Musik-Medien. So hat Pitchfork vorgestern – a pro pos of nothing – eine Liste der 10 besten Songs der 80er zusammen gestellt. Aber warum auch nicht? Naturgemäß sind 10 Songs zu wenig, um eine ganze Dekade zusammen zu fassen und klar wird man drüber diskutieren. Sicher hat jeder der Pitchfork-Songs es verdient, auf der Liste zu landen – aber essentielle Namen fehlten trotzdem. Mich jedenfalls hat das Ganze dazu gebracht, 80s-Namen aufzuschreiben, die ich in meine persönlichen Top Ten packen würde. Natürlich ist das sofort ausgeartet und plötzlich hatte ich über 40 Namen auf dem Zettel stehen.

Weswegen ich mir sagte: Okay, da mach ich ne kleine Serie draus. Ich werde in unregelmäßigen Abständen eine kommentierte Selektion von 80s-Bands bzw Songs posten. Die 80s waren schließlich eine im Nachhinein herrlich alberne Dekade, in der viel ausprobiert wurde. Manches ging daneben, manches aber wurde zum Grundstein für spätere Entwicklungen. Manches, was damals noch als Mainstream-Pop galt, wäre heute fürs Indie-Fach zu schräg. Zumal: Seit youtube-Videos in Deutschland nicht mehr gesperrt sind, kann man alte Schätze neu entdecken.

Also gut, gehen wir in unsere erste Runde. Diese erste Rutsche habe ich unter einen Oberbegriff gestellt: Indie-Bands. Genauer: Bands, die als Pioniere das, was später zur eigenen Kategorie Indie werden sollte, vorbereiteten und noch lange prägten. All die nun folgenden Bands sind Gitarrenbands – was in den 80ern ja eher untypisch war.

Anmerkung: Die Liste ist alphabetisch geordnet, nicht nach irgendeiner Wertung. Sonst ginge es nicht ausgerechnet los mit…

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Review: Wanda

Bussi - CMS SourceWanda – „Bussi“

Okay, ihr habt mich. Ich steige zu euch ins Boot. Ins Wanda-Fan-Boot.

Alle flippten aus nach „Amore“. Und ich mal wieder nicht. Mich hat die Platte nicht gepackt.

Anders als üblich habe ich bei „Amore“ erst die Texte gelesen, bevor ich die Musik hörte. Es kam damals die Pressemitteilung ins Büro, dass die Wiener in München eine Pressekonferenz aus dem Hotelbett geben wollten. Das fand ich superwitzig, also zog ich die CD aus dem „Muss-jetzt-endlich-mal-angehört-werden“-Stapel und blätterte schon mal durchs Booklet. Was ich las, fand ich wahnsinnig gut. Diese Texte waren dreckig, witzig, selbstironisch, schlau, augenzwinkernd hinterfotzig. Dann legte ich die CD ein… und war einfach extrem enttäuscht von der Musik. Im Vergleich zu den Texten und Aussagen, die sich ohne Untermalung schon wie derbe Poesie lasen, wirkte ihre Umsetzung auf mich hemdsärmelig, altbacken, geradezu banal. Ich habe dann bei der folgenden Wanda-Party nicht mitfeiern können. Die gingen durch die Decke, alle jubelten, und ich so: „Jaja. Die Texte sind gut.“

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Review: Spector

SPECTOR Moth BoysSpector – „Moth Boys“

So. Ich lehne mich mal wieder aus dem Fenster. Ich sage: Wenn eine Platte den Britpop zurück holen kann, dann ist es diese. Denn Spectors zweites Album „Moth Boys“ ist eine wirklich clevere Platte, die etwas übers Leben im Jahr 2015 zu sagen hat. Aber sie ist auch zugänglich, verständlich, so sehr, dass man ihr fast Populismus unterstellen darf. Das Ergebnis ist: Leute, die Pulp, Suede und Blur ca „The Great Escape“ mochten, können hier einiges wieder finden. Aber auch die Killers-Fans von heute werden hier abgeholt.

Spector haben immer angedroht, dass sie das drauf haben. Schon die ersten Singles der Londoner waren große Statements („Never Fade Away“ und „What You Wanted“, 2011). Ihr Sänger Fred MacPherson war damals schon eine echte Type – die Mischung aus Großmaul und Denker, die manche Leute auch auf die Palme bringt. Immer gut, diese Qualität zu haben. Spector waren Favoriten für den großen UK-Durchbruch im Jahr 2012.  Review: Spector weiterlesen

Vinterview: Lloyd Cole

Lloyd Cole Header2010 begann ich mit dem Bloggen, damals unter der Webadresse hennissey.piranha.tv. Doch letzten Sommer wurde mein Blog leider gelöscht.

Ich werde die dabei verlorenen gegangenen Interviews hier nun nach und nach wieder online stellen. Diese “vintage Interviews” (Hüstel!) nenne ich “Vinterviews”.

Sehr aktiv ist in diesen Tagen Lloyd Cole. Zum einen erschien kürzlich eine umfangreiche Komplettbox seiner 80s-Band Lloyd Cole & The Commotions. Nun steht demnächst ein elektronisches Instrumentalalbum des vielseitigen Briten an. Anlass genug, mein Interview abzustauben, das ich vor zwei Jahren mit ihm führen konnte, als er sein Album „Standards“ veröffentlichte.

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Review: Frankie & The Heartstrings

frankie_decency_artwork_541_541Frankie & The Heartstrings – „Decency“

Als sie mir erstmals auffielen mit ihren UK-Singles wie „Ungrateful“ und „Hunger“ – das muss wohl irgendwann 2010 gewesen sein – da habe ich mich sehr gefreut über Frankie & The Heartstrings aus Sunderland. Nicht, weil sie so eine originelle neue Stimme waren, sondern weil sie sich in dieser Zeit, in der auf der Insel gerade die Gitarren verteufelt wurden, davon so gar nicht beeindrucken ließen. Sie wollten, dem Trend trotzend, nichts anderes darstellen als das, was man sich unter einer Brit-Indie-Band vorstellt. Ihr Frontmann Frankie Francis, ein schlaksiger Rotschopf mit Tolle, war genau der Typ Schlauberger, dessen bestes Schulfach früher ganz bestimmt nicht Sport, sondern Literatur war – und er passte perfekt in die Tradition Morrissey / Jarvis Cocker / Lloyd Cole: Blasse Briten, die sich in einer für Grobiane zugeschnittenen Welt durch ihren Zynismus behaupten.

Die Heartstrings spielten dazu pfiffigen Indie-Janglepop, ursprünglich und unverfälscht, mehr 80s als 90s, mehr Housemartins als Britpop, ohne höhere Ansprüche, als genau die Indiegitarren-Nische auszufüllen, die in dieser Zeit so vernachlässigt wurde. Das war genug für ein sehr ordentliches Debütalbum („Hunger“, 2011), das, als wollte es beweisen, wie 80s-Indie es war, auf Platz 32 der UK-Charts einstieg.

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