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Rat Riding tha Hood

Sommerloch Sommerloch Popommerloch.

Fünf Tage ist mir kein Video unter die Finger gekommen, bei dem ich gesagt hätte: „Oh ja, das muss auf den Blog!“ Na immerhin, heute feiert RAT BOY die Premiere seiner neuen Single.

Ihr erinnert euch an RAT BOY? Jordan Cardy aus einem Dörfchen in Essex galt mal als Teenage-Future-Jamie-T. Sein erstes Album hatte auch einige echte Höhen. Ich muss aber gestehen, danach driftete er mir zu sehr in die US-Punk-Schiene – was auf mich angesichts dessen, dass er davor doch so very british war, irgendwie verkehrt wirkte. Das zweite Album lief ziemlich an mir vorbei.

Die neue Single „Truth Of The Youth“ sagt mir wieder mehr zu. „We’re the kids that your parents, that your parents warned you about“ geht als Refrain gut ins Ohr und zeigt eine angemessene Aufmüpfigkeit. Das Ganze ist dennoch immer noch für mich irritierend amerikanisiert – das, was RAT BOY mal ausmachte, war doch, dass er die UK-Jugend ausserhalb Londons repräsentierte?

Aber okay, Jordan (mittlerweile 23) lebt inzwischen offenbar in den Staaten, auch seine Fans sind längst nicht mehr nur Briten. Unsere alte Idee von RAT BOY als Teenager, der in der Garage seiner Eltern am Rande von Chelmsford seinen DIY-Kram macht, ist überholt. Jordans  jüngere Musik spiegelt das letztlich nur wieder.

Rat and Relocation

Neue Clips Pt 2: Auch Rat Boy meldet sich zurück. Bisher galten der Producer/Songwriter Jordan Cardy und seine Band als sowas wie Essex‘ Variante von Jamie T. Obwohl Jordan auch gerne mal rappte, war das very british.  Daher ist schon bemerkenswert, dass die Jungs im Video der neuen Single die Handlung ihrer shenanigans nach Kalifornien verlegen und nun unter Palmen durch typische US-Suburbs cruisen/crashen.. Nun gut, „Don’t Hesitate“ ist ein Ohrwurm, das ist das Wichtigste.

State Of The Rat

Das wirklich gelungene Rat Boy -Album „SCUM“ ist gerade mal ein halbes Jahr alt, aber Jordan Cardy ist keiner, der sich auf die faule Haut legt. Seit zwei Wochen bereits gibt’s eine Nachfolge-EP vom Rattenbuben und seiner Band: Sieben neue Songs, zusammengefasst unter dem Titel „CIVIL Disorder“. Zu einem dieser Tracks, „Knock Knock Pt II“ nämlich, hat jetzt Rat Boy nun das Video geteilt.

Meine Alben 2017, Pt.1 (30-26)

Das Jahr geht zu Ende, auf dem Musikmarkt erscheint nichts Neues. Damit hier auf dem Blog trotzdem was passiert, ergreife ich wieder die Gelegenheit zur Rückschau. Wir sind wieder an dem Punkt, an dem ich meine persönlichen Lieblingsplatten der Saison zur Top 30 zusammen stelle und so tue, als müsste diese komplett subjektive Liste jemanden interessieren. Klar ist aber auch: Nur einfach ne Liste tut’s nicht für mein unersättliches Ego. Ich kommentiere die Alben noch mal kurz und teile das Ganze als Countdown in sechs Teile auf. Okay, los geht’s nach dem Break!

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Review: Ratboy

Ratboy – „SCUM“

Die Mechanismen in der Musikindustrie laufen heute – eh klar – anders als früher. In den 90s war’s so: Hatte eine Plattenfirma das Next Big Thing gescoutet und unter Vertrag genommen, wurde die Band / der Musiker erst mal ein Jahr zum Songschreiben und Instrumente lernen weggesperrt. Die Band kam zum Label zurück mit 15, 20 Songs. Man pickte 3-4 Singles (die stärkste war meistens Nummer 3: Suedes „Animal Nitrate“, Oasis’ „Live Forever“, Placebos „Nancy Boy“), um mit ihnen Eindruck zu machen und einen Hype zu generieren. Bei Single 3 sollte die Begeisterung bei Presse und Kids am Kochen sein, sie war der Vorbote fürs Album, das kurz darauf folgte. Man konnte sich auf NME und Co verlassen, dass dieser Promo-Zyklus eingehalten wurde. War die Band zum Album-Release auf den Titelseiten und in aller Munde, ging die Platte garantiert in die Top 5. Und wenn die Singles einfach nicht griffen? Dann wurden Bands auch mal sang- und klanglos „gedroppt“, ihr Debütalbum verschwand ungehört im Archiv. Das Geld hatten Labels damals ja. Man konnte es sich leisten, auf mehrere Pferde zu setzen. Das eine, das durchkam, finanzierte den Rest.

Dieses Geld hat das Musikbiz heute nicht mehr. Kostspielige Fehlgriffe können sich Labels nicht mehr leisten. Schon lange ziehen sie ihre Kampagnen nicht mehr auf diese Weise auf. Es geht nicht mehr, immer größere Brocken in den Pool zu werfen, um Wellen zu machen. Singles und EPs sind keine Statements-of-intent mehr – eine Single zu veröffentlichen, das heißt heute, den Zeh in den Pool zu tauchen und mal abzuwarten, was passiert. Und dann noch einen. Ein Album? Oft erst nach sechs, sieben Stipsern des Zehs in den Pool wagt man den Sprung ins kalte Wasser. Und so kommt’s dann vor, dass eine Band oder ein Künstler gefühlt schon seit einer Ewigkeit herum werkelt, bevor ein Album am Horizont ist. Blossoms und WHITE hatten nicht weniger sechs bereits als Single bekannte Songs auf ihren Debütalben. The Vryll Society sind inzwischen bei sieben und vom Album ist nichts zu hören. Und Rat Boy? Hat acht Singles veröffentlicht seit 2015. Die genug Wirbel machten, dass er Anfang 2016 vm NME und der BBC zum „Sound of 2016“ erklärt wurde. Rat Boy hat auf der Insel eine Army von Fans, die seinen Style kopieren. Und trotzdem dauerte es bis zum August 2017, bis sein Label das Album rausrückte – und das Gefühl, das bei dieser VÖ vermittelt wird, ist nicht „Hoppla, jetzt kommt unser neuer Topstar!“, sondern „Naja, wir wollten das Ganze ja eigentlich auf dem Rücken eines echten Hits einreiten lassen, was aber immer noch nicht passiert ist. Doch wenn wir die Platte noch länger zurück halten, wird’s echt lächerlich.“

Schade, dass das so gelaufen ist, denn die Platte ist frech, smart und lässig.

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I Think I Smell A Ratboy

A pro pos Newcomer 2016: In meiner eigenen Liste habe ich Rat Boy alias Jordan Cardy aus Chelmsford nicht aufgeführt, weil mir sein Sound zwar sehr taugt, aber halt doch zu sehr bei Jamie T abgekupfert scheint. Die BBC hat ihn allerdings als Teil ihrer „Longlist“ nominiert und in dem Zusammenhang einen Clip mit ihm gedreht. „Left 4 Dead“ war die B-Seite von Rat Boys Single „Sign On“ und wenn Jordan den Track mit seiner Band performt, erinnert das weniger an Jamie T als an die ganz frühen Arctic Monkeys. Auch das muss man nicht originell finden, aber irgendwie prima ist es ja doch.