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Gebt’s uns endlich Friedberg

Ich dachte, es gäbe sowas wie nen Hype um Friedberg? Also um die Österreicherin Anna Friedberg, die in London eine Ladies-Band um sich geschart hat und so richtig lässigen, straubtrockenen, schmirgeligen Indie-Shuffle anbietet? Ihre Single „Go WIld“ klang, als sänge Hope Sandoval eine Antwort auf Becks „Loser“. Zu recht war der Song eine Nr.1 bei FM4 und landete auch auf einem dieser Game-Soundtracks, auf dem alle landen wollen, weil das Lied so von MIllionen gehört wird. (War’s „Fifa“? Keine Ahnung, Games sind mir ja ein bisschen egal).

Jetzt haben Anna & Band eine Liveaufnahme ihrer letztjährigen SIngle „BOOM“ eingespielt. Ein Song, der klingt wie The Kills in Samt, mit herrlich dissonantem Joey-Santiago-Riff on top. (Oder ist das ein Lick? Ab wann ist ein Lick ein Riff und umgekehrt?) Wenn ein Hype um Friedberg herrscht, warum ist dann der Youtube-Viewcount noch so niedrig? Lasst uns das ändern! Damit meine ich euch, meine ca zwei Leser (und mich)!

Motion Pixure Soundtrack

Also mir ging’s so, als die Pixies neulich in München spielten: Ich hab’s GELIEBT. Ich weiss, das ging nicht jedem so.

Es ist ja so: Im Nachhinein sind es wohl die Songs der Compilation „Wave of Mutilation: Best of the Pixies“, die die meisten Leute kennen.

Klar ist das ein super Sampler, aber einige meiner Lieblingslieder sind nicht drauf. „River Euphrates“ zum Beispiel, „Break My Body“, „Cactus“ oder „Brick Is Red“. Ich habe nicht damit gerechnet, dass sie die spielen würden – haben sie aber! Auch Songs wie „Ana“, „Havalina“ oder der Opener-Duo „Cecilia Ann/Rock Music“ habe ich nicht erwartet, umso besser kamen sie bei mir an. Da verzichte ich gerne auf in paar der öfter gehörten Songs.

Einen substantiellen Teil der Show machten natürlich auch die Songs vom neuen Album „Beneath the Eyrie“ aus. Das Bemerkenswerte: Sie stanken nicht ab. Die dritte Post-Reunion-Platte ist klar die Beste aus diesem Kreis. Klar, kein „Surfer Rosa“, kein „Doolittle“. Aber echt in Ordnung. Beweisstück A: Die neue Single „Long Rider“

Review: Pixies

pixies-head-carrierPixies – „Head Carrier“

Es gibt Leute, die sagen zum heutigen Lineup grundsätzlich: „Ohne Kim Deal sind es nicht die Pixies. Ohne Kim sollten die gar nicht erst auf die Idee kommen, neue Musik zu machen.“ Eine Frage habe ich an diese Leute: Was, Bitteschön, ist denn eure Alternative?

Wir sind uns einig, die Pixies vor der Trennung bzw Reunion sind unantastbare Legenden. Ach was, keine Legenden, sie sind Heilige. Sie haben das Genre Alternative Rock nicht geprägt, sondern geboren. Ich weiss noch den Moment, als ich zum ersten Mal „Bone Machine“ hörte. Die trockenen Drums von Dave Lovering. Die kreischende Gitarre von Joey Santiago. Der völlig derangierte Frontmann Black Francis, sein irres Gekläffe, der abstruse Text. Der stoische Bass von Kim Deal, ihre in diesem Sandsturm steinkalt lässige zweite Stimme.. Wie bahnbrechend das mal war, dafür gibt es gar keine Worte. „Surfer Rosa“ und „Doolittle“ bleiben zwei der umwerfendsten Rockalben aller, aller Zeiten. „Come On Pilgrim“ klingt immer noch wild, auch „Trompe Le Monde“, damals schwierig, entpuppte sich über die Jahre als Hammer, sogar„Bossanova“, zu seiner Zeit eher der Durchhänger, ist immer noch voller genialer Momente.

Ich habe mich gefreut, als die Pixies sich Anfang der 2000er wieder vereinigten. Ich gönnte es ihnen, dass sie jetzt endlich von ihrem Ruhm profitieren konnten. Review: Pixies weiterlesen

Gold Skool

Bevor ich was zur neuen Gold Class Single sage:
Freitag habe ich mir im Ampere Wolf Alice angeschaut – und was mich an deren Konzert am meisten geflasht hat, war die Zeitreise ins Jahr 1993. Wolf Alice klangen, als hätten all die Jahre seitdem nicht stattgefunden. Null Britpop-Einfluss, keine Post-Strokes-Garagigkeit, nix da Indie Landfill, New Rave oder Bumm-Tschack-Indie – alles weit, weit weg. Wolf Alice klangen und benahmen sich wie eine Band, die mitten im Post-Grunge direkt auf die Smashing Pumpkins, Breeders, Belly, Throwing Muses oder Dinosaur Jr antwortet – und irgendwie machte das ihr Konzert wieder unglaublich frisch. Ich habe einfach ewig nicht mehr gehört, dass eine Band nicht auf mitpfeifbare Refrains setzt und statt dessen ihre Songs so strukturiert, dass sie voller Brüche stecken. Großartiger Gitarrist auch.

Schön und gut – aber was hat das alles mit Gold Class aus Melbourne zu tun?

Folgendes: Auch diese Band klingt für mich, als ob sie zahllose Entwicklungen des Indie aus den letzten 25 Jahren ignoriert. Will sagen: Wenn ich ihre Dynamik, ihre Basslines und die dystopische Atmosphäre ihrer Sounds mit Joy Division vergleiche, dann meine ich tatsächlich Joy Division – und nicht Interpol, die Editors oder City Calm Down.
Gold Class‘ Gitarren wiederum kreischen und sägen ins Ohr, wie es die von Joey Santiago zu „Come On Pilgrim“-Zeiten taten – und irgendwo muss es auch herkommen, dass ich bei ihnen an Fugazis 1991’er Album „In On The Kill Taker“ denken muss – dabei habe ich diese CD seit jener Saison wohl nie mehr aus dem Sammlung gekramt.
Jedenfalls: Wie bei Wolf Alice habe ich bei Gold Class das Bedürfnis, sie mit Bands aus den 80ern/ganz frühen 90ern zu vergleichen und was Späteres fällt mir dazu gar nicht erst ein. (Na okay – Eagulls.)

So. Nach ihrem prima Album „It’s You“ aus dem September gibt’s eine neue Gold Class-Single namens „Kids On Fire“. Spannend, dass es Bands gibt, die noch/wieder so klingen.