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Review: Gold Class

Gold Class – „Drum“

Eine der Eigenschaften, die ich bei Bands nicht schätze: Humorlosigkeit. Es ist ja nicht so, dass ich Künstler will, die witzisch-witzisch-hahaha-Musik machen – aber eine gewisse Selbstdistanz, Verspieltheit und Selbstironie schadet niemandem, finde ich. Bierernstigkeit dagegen kann sehr verkrampfend wirken. Es ist wohl ein Indiz dafür, was Gold Class für eine verdammt gute Band sein müssen, dass ich sie echt großartig finde, obwohl ihnen jegliche Leichtigkeit und jeder Witz abgeht.

Wenn Adam Curley lesen würde, dass ich ausgerechnet die Leichtfüßigkeit und das Grinsen beim zweiten Album seiner Band vermisse, würde er sich wahrscheinlich wortlos umdrehen und gehen. Dies sind Dinge, die in der Welt des Sängers und Texters von Gold Class nicht vorkommen. Dieser junge Mann hat Pommes auf seiner Schulter, um eine englische Redewendung absichtlich falsch zu übersetzen. Mehr als das – Curley trägt noch viel schwereres Gewicht auf seinem Rücken.

Zitieren wir ausnahmsweise den Pressezettel: “The week we started to write Drum, my relationship ended and I was left alone in a draughty old house, which belonged to a friend of a friend. In the house, I sat around with my notebook, the quiet hours cut with news from friends and the TV: the suicides of musicians and writers I’d known and queer kids I hadn’t; the systematic abuse of vulnerable people, the constant mockery of anyone on the outs.“

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Class is Permanent

Na da ist ja auch das Video! „Twist In The Dark“, die aktuelle Single von Melbournes Gold Class, begeistert mich sehr und gehört in meine persönliche Top Ten des Jahres 2017. Ihr zweites Album „Drum“ haben die vier nun für den 18. August angekündigt. Ich bin sehr gespannt, denn für mich haben Gold Class das Potential, zu Australiens Joy Division/Interpol-Pendent zu werden.

Ein bisschen enttäuscht bin ich vom Video. Für mich hat der Song eine extreme innere Spannung – in meiner Küche zwingt er mich immer, in einem Ian Curtis-esken Tanzstil mit zackigen Bewegungen mit zu zucken. Deswegen hätte ich die Band jetzt weniger statisch erwartet. Aber gut. Der Song bleibt Wahnsinn.

Review: New Order

new-order_music-completeNew Order – „Music Complete“

Die Reaktionen auf diese Platte gehen auseinander. Man liest auf der einen Seite, New Order hätten hier ihre beste Platte seit den 80s gemacht. Eine zweite Fraktion meint dagegen, dies sei ja wohl ein totaler Griff ins Klo und überhaupt, ohne Peter Hook geht schon mal grundsätzlich nix. Und ich? Kann mich mal wieder keiner größeren Gruppe anschließen, als wäre das ein Prinzip meines Seins. Ich find die Platte „so mittel“. Eigentlich ganz ordentlich.

Was erwarten wir denn von New Order? Ihre letzte Platte, auf der sie sich selbst gepusht haben und dabei auch Teile ihrer Fanbase erschreckten, war „Technique“. Und das war vor 28 Jahren. Seitdem verwalten sie auf hohem Level ihr Erbe, und das ist ja auch vollkommen okay so. Das steht ihnen ja zu. Angefangen hat das mit „Republic“ (1993), da reichte es, dass sie das Album mit einer Lead-Single ankerten, die unverwechselbar klang wie ein New Order-Hit. „Regret“ war das. New Order waren damals schon Legenden, wegen ihrer Geschichte.

Diese Geschichte kennt ihr ja: New Order waren 3/4 von Joy Division, bis zum Selbstmord von deren Sänger Ian Curtis im Mai 1980. Ein Ereignis, das den Rest der Band natürlich komplett konsterniert zurück ließ. Review: New Order weiterlesen