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Brand – New – Lies

Neulich hat mein itunes-Shuffle mal wieder die Real Lies gepickt. Da hält man kurz inne und fragt sich: Was wohl aus der Band geworden ist? Ihr Debütalbum, inzwischen auch zweienhalb Jahre alt, war ein echt spannendes Brit-Indie-Dance-Dingens. In meinem Text zu der Platte verglich ich die Jungs mit New Order, The Streets, Hard-Fi, The Specials und Pet Shop Boys. Es war dann aber nicht so, dass die Platte die Welt oder auch nur die Insel erobert hätte. Oft genug packen solche Bands dann sang- und klanglos ein.

Real Lies aber sind seit heute zurück – mit einer Single, die elektronischer ist als all das, was sie vorher gemacht haben. Da kann man jetzt wohl auch Underworld zur Liste der Einflüsse addieren?

 

 

Interview: Formation

Vor fast vier Wochen erschien das Album „Powerful People“ von Formation – eigentlich wollte ich mein Interview mit Will Ritson, einem der beiden Frontmänner des Londoner Quintetts (der andere ist sein Zwillingsbruder Matt), natürlich pünktlich zum Releasedatum hier platzieren. Aber hey, man kommt halt nicht immer dazu. So ein Gespräch abzutippen, das dauert. Heute habe ich den tristen Ostermontag endlich dafür genutzt.

Formation sehen sich selbst nicht als Indie-Band. Ihr Sound ist nicht der einer Gitarrencombo, sondern tanzbar und groovy. Aber sie sind zu fünft, sie spielen „echte“ Instrumente und sie geben ihren Kommentar zur Gesellschaft ab. Außerdem finde ich sie prima.

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Review: White Lies

white-lies-friendsWhite Lies – „Friends“

Der letzte Text auf diesem Blog ging über die Kaiser Chiefs und ihre Versuche, am Ball zu bleiben, trotz massiver Einbrüche nach 2008/2009. Es ist eine Karrierekurve, die sich bei vielen englischen Bands spiegelt. Nach dem großen Indieboom von 2005-2008 waren Gitarren auf der Insel erst mal massiv out und fast alle Acts wurden in Mitleidenschaft gezogen. Selbst große Namen wie Bloc Party oder Franz Ferdinand spielen seitdem nur noch in der zweiten Liga, andere wie z.B. Hard-Fi oder The Feeling sind noch tiefer abgestiegen. Nun ist es natürlich nicht korrekt, künstlerischen und kommerziellen Erfolg gleichzusetzen. Aber wenn man als Band existieren will, braucht man von letzterem zumindest ein gewisses Maß, um überhaupt über die Runden zu kommen.

Auch die Frage „Was machen wir beim nächsten Album neu und anders?“ ist eine, die man sich aus künstlerischen Gesichtspunkten sowieso stellen sollte. Aber wenn der Karrierepfeil nach unten zeigt und man das Steuer herumreissen will, ist es auch aus kommerziellen Gründen eine Notwendigkeit, sich ihr zu widmen. Die Kaiser Chiefs haben sie radikal beantwortet, indem sie sich einem kompletten Reboot unterzogen haben. Die White Lies gehen nicht so weit, aber sie haben sich auf ihrem vierten Album zumindest umorientiert.

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Review: Real Lies

Real LifeReal Lies – „Real Life“

Mann, wie BRITISCH dieses Album klingt!
Britischer als alles sonst in diesem Jahr!

Aber ich rede natürlich nicht von dem Britannien, das man aus dem Englischunterricht kennt. Schon lustig – mir zumindest wurde damals in der Schule beigebracht, Engländer würden um fünf Uhr in feiner Gesellschaft Tee trinken, den kleinen Finger abgespreizt, und höflich-distanzierten Smalltalk über das Wetter und die Fuchsjagd halten.

Wer in London war, kennt’s anders. Regennasse Nächte, Adrenalin liegt in der Luft. Junge Lads in Tracktops stehen vor Clubs, in die sie nicht reinkommen. Die, die’s rein geschafft haben, tanzen weggetreten zuckend oder versuchen, mit dem ersten Geld des Monats Girls abzuschleppen. Die Meisten gehen alleine heim und in der Schlange vorm Curry-Schnellimbiss endet die Frustration gerne mal in einer Schlägerei. Am nächsten Tag der Kater, das Wissen, in einem Hamsterrad gefangen zu sein und der Wunsch, daraus auszubrechen. Aber unter der Woche werden im Job die Sekunden bis zum Freitag gezählt, um am Wochenende alles wieder genauso zu machen. Das Britannien, das so in seiner klammen Romantik und seinen vergänglichen Momenten der Euphorie und der Hoffnungslosigkeit immer wieder besungen wurde, von New Order, von The Streets, von The Specials, Hard-Fi, ja sogar den Pet Shop Boys.

Also von genau den Bands, die Real Lies alle in Erinnerung rufen auf „Real Life“.  Review: Real Lies weiterlesen