Schlagwort-Archive: Dave Cobb

Just Say Noe

Wer famose Alternative-Country-Songwriter sucht, der wird zur Zeit in Kentucky fündig. Sturgill Simpson und Tyler Childers haben’s vorgemacht, Ian Noe macht’s dennoch nicht nach, er macht’s anders. Der junge Singer/Songwriter aus Beattyville geht mehr in die Americana/Neil Young/Dylan-Richtung, Ein sehr schönes erstes Album namens „Between the Country“ hat er am Freitag veröffentlicht und dieses Video zum Titelsong ist auch erst wenige Tage alt.

Review: The Secret Sisters

The Secret Sisters – „You Don’t Own Me Anymore“

Eine Platte, zu der man ihre Geschichte erzählen muss.

Okay, wir haben hier also The Secret Sisters. Am Anfang sind sie des Countrys Glückspilzinnen. Laura Rogers aus Muscle Shoals, Alabama, ist 22, da sieht sie, dass eine Plattenfirma in Nashville ein öffentliches Casting veranstaltet. Sie singt mehr aus Jux als aus echter Ambition ein paar Lieder und die Herren sind begeistert. Laura soll wiederkommen. Beim nächsten Mal bringt sie, ein bisschen eingeschüchtert durch das Gerede von Plattenverträgen, ihre Schwester Lydia mit. Man schlägt den beiden vor, gemeinsam zu singen. Das tun sie seit ihrer Kindheit, die Harmonien kommen von selbst. Jetzt sind die Labelfritzen erst recht begeistert. Einer von ihnen ist Andrew Brightman, renommierter Manager. Ein anderer ist Dave Cobb, heute als Super-Producer (Jason Isbell, Sturgill Simpson, Christ Stapleton) und Grammygewinner bekannt.

Kurz und gut, die Girls kriegen einen Vertrag. Man fliegt sie nach LA und zurück, sie dürfen mit Dave Cobb aufnehmen, danach sogar mit Jack White und T-Bone Burnett. Ein erstes Album („The Secret Sisters“, 2010) besteht größtenteils aus Coverversionen, doch die Schwestern beginnen bereits, eigene Songs zu schreiben. Das zweite Album „Put Your Needle Down“, diesmal mit ca 2/3 Songs aus eigener Hand, erscheint 2014 und wird zum weltweiten Kritikerfavorit. Review: The Secret Sisters weiterlesen

Meine Alben 2016, Pt. 6 (5-1)

header-2016-1-sturgeFanfare! Yeah! Hier sind sie! Die Alben des Jahres 2016, according to his Nerdness Meinereiner! Ihr habt lange durchgehalten, über fünf frühere Posts habe ich diese Liste schon ausgewalkt. Jetzt sind wir bei den Top 5 angekommen. Na, wer wird gewinnen?

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Review: Rival Sons

rival sons coverRival Sons – „Hollow Bones“

Ich bin ja kein Rocker. Allen zeigen, was ich für’n harter Typ bin, das ist so gar nicht meins. Klar, ich bin ja auch nicht hart. Dann wiederum, andere Typen, die’s auch nicht sind, versuchen mit aller Macht, sich mit martialischer Musik so aussehen zu lassen. Vielleicht fehlt mir das Testosteron?

Jedenfalls, Rockmusik geht mir meistens am Popo vorbei. Aggressives Rumgeschocke lässt mich mit den Augen rollen, Machismo-Posen finde ich affig. Wenn ich ausnahmsweise mal was mag, das in diese Kategorie fällt, etwas das „rockt“, so alle paar Jahre – dann deshalb, weil es mit einem Bein in der Indie-Welt steht. Jet zum Beispiel, die ja nur zur einen Hälfte AC/DC waren und zur anderen Oasis. Royal Blood, die in ihrer Zweier-Konstellation auch Garagen-Feeling rüber bringen.

Dass ich jetzt hier, auf diesem Indie-Schmindie-Blog über die Rival Sons schreibe, ist möglicherweise für viele echte Rocker der Beweis, dass sie diese Band abstoßen müssen, weil jetzt endgültig auch die Hipsterluschen mit auf den Zug aufgesprungen sind.

Tja, tut mir leid, Jungs. Aber ich werde diese Kalifornier den Indie-Kids durchaus ans Herz legen.

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Review: Sturgill Simpson

sturgill-simpson-a-sailors-guide-to-earth-002Sturgill Simpson – „A Sailor’s Guide To Earth“

Als ich Sturgill Simpson, diesen traditionsbewussten Ultra-Freigeist des Country, im September 2014 zum Interview traf, da hatte er seine Pläne für die Zukunft schon klar vor sich: „Ich habe drei neue Platten (fertig geschrieben), die wir machen könnten. […] Es geht jetzt ums Timing und dann um das bestmögliche Ausführen dieser Vorstellungen.“ Sturgill sagte auch: „All meine Lieblingsalben, als ich groß wurde, das waren die Art Alben, zu denen man Konzeptalbum oder Song Cycle sagen würde. Platten wie ‚Pet Sounds’ oder ‚What’s Going On’, oder all die 70s-Platten von Willie Nelson, die alle thematisch sehr zusammenhängend waren.“

Teil 1 seiner Ankündigung hat Sturgill mit „A Sailor’s Guide To Earth“ nicht eingelöst. Sein drittes Album ist keiner der angesprochenen drei quasi fertig geschriebenen Liederzirkel. Vielmehr hat er fast alle Songs in einer kurzen Phase im letzten März neu verfasst. Da gab es ein Zeitfenster von wenigen Wochen, in dem er keine Shows im Kalender hatte. Was ihm erlaubte, ins Studio zu gehen und seiner neuen Plattenfirma (nach zwei eigenfinanzierten Alben ist Sturgill nun bei der großen Atlantic = warner gelandet) sein erstes Werk nach dem kommerziellen Durchbruch zu liefern.

Teil 2 seiner Ankündigung hat Sturgill wahr gemacht: „A Sailor’s Guide To Earth“ (komischer Name für eine Country-Platte, was? Schließen sich Country und Meer nicht aus? Aber dazu später…) ist ein Konzeptalbum, durch das sich ein roter Faden zieht. In diesem Fall ist es eher ein roter Balken: Simpson hat dieses Album für seinen kleinen Sohn geschrieben.

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Interview: Corb Lund

 

CorbLund Header

Hierauf habe ich mich gefreut: Corb Lund! Kanadas Nummer Eins in Sachen Alternative Country! Der Mann schreibt urige Songs mit gewitzten Texten und hat sich in seiner Heimat innerhalb von zwei Jahrzehnten von ganz unten nach ganz oben gespielt – da weiß man schon vorher, das Gespräch KANN nur gut werden.  So war’s dann auch!

Lunds aktuelles Album „Things That Can’t Be Undone“ – sein achtes – steht ab morgen auch in Deutschland in den Läden.  Das ist natürlich der Hauptgrund unseres Gesprächs, aber wir reden auch über Pop Country vs Alternative Country, Gentrifikation in Berlin und Fracking in Alberta.

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Gib mir’n Corb!

Ich mag alt.Country. Corb Lund aus dem Bundesstaat Alberta ist einer von Kanadas größten Country-Stars, aber keine Angst – dies ist kein schleimiger Radio-Country, sondern die Sorte erdiger Rockmusic, die auch Kings Of Leon-Fans gefallen kann. Sein kommendes Album „Things That Can’t Be Undone“ hat er nun mit Producer Dave Cobb (Sturgill Simpson, Jason Isbell, Rival Sons) aufgenommen, das klingt nach einer Killer-Kombi. Voraus schickt uns Lund nun eine Akustikversion des Songs „Alt Berliner Blues“

Review: Jason Isbell

jason isbellJason Isbell – „Something More Than Free“

Ich schreibe es ja immer wieder und ich weiss, dass ich mich da wiederhole – trotzdem noch mal: Die Qualität eines Singer/Songwriters wird für mich letztlich davon bestimmt, was er für eine Persönlichkeit ist. Songwriter sind Geschichtenerzähler und/oder Dichter. Die entscheidenden Fragen sind, was sie uns zu sagen haben, wie sie es sagen und wie überzeugend sie dabei rüber kommen – nehmen wir ihnen das ab, was sie uns erzählen? Jemand, der etwas zu sagen hat, wird fast immer ein guter Songwriter sein – denn er wird dem Inhalt dessen, was er sagt, eine Form geben, die dieser Aussage angemessen ist und sie untermalt, illustriert oder verstärkt. Andersrum ist es viel schwieriger. Wer nur die formalen Mittel, aber keine Aussage hat, endet ziemlich sicher als Windei.

Wenn wir also über die neue Platte von Jason Isbell sprechen, müssen wir darüber sprechen, wer Jason Isbell ist und warum er repräsentiert, was er heute repräsentiert.

Also, Schnelldurchlauf: Isbell, 36, aus Green Hill, Alabama, hat schon zwei Jahrzehnte in der Musikindustrie auf dem Buckel. Review: Jason Isbell weiterlesen

Interview: Sturgill Simpson

Header SturgillDieser Typ ist ’ne Sensation. Sturgill Simpson hat meine Lieblingsplatte des Jahres 2014 gemacht und mir eine neue Welt erschlossen: Seit ich seine Musik kenne, habe ich mich wieder neu ins Thema Country (die traditionelle bzw. alternative Variante) reingebissen. Im September war ich dann in Stockholm, um den Mann, der Country mit seinen zwei Alben gerade einen Adrenalin-Schuss ins Herz verpasst hat, vor seiner Show im Bryggarsalen fürs Classic Rock Magazine zu treffen.

Das folgende Gespräch dreht sich erst um Sturgills Musik, artet aber bald ins Politische aus. (Sorry, dass ich auf dem Gebiet immer nur so Halbwissen rauspusten kann.) Jedenfalls, was für’n Typ!
Als ich mein Aufnahmegerät anschalte, bedauert Sturgill gerade, noch nicht in Deutschland gespielt zu haben. Interview: Sturgill Simpson weiterlesen