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Kleine KOllektion 2020/25

Wenn das Jahr vorbei ist und man seine Liste der Alben des Jahres zusammenstellt – also, es müssten schon noch einige plötzliche Superalben erscheinen, damit „Sunlight“ von Spacey Jane dann nicht in meinen Top 5 auftaucht. Es ist nicht so, dass die Westaustralier besonders spektakuläre Musik machen, aber die Songs haben eine sonderbare… ich nenne das mal „staying power“: Aufs erste Hören mag man sie. Aufs fünfte, sechste Hören LIEBT man alles an ihnen. Das gilt natürlich auch für den Song „Straightfaced“, für den Spacey Jane heute ein Video geteilt haben.

Sehr wohl spektakulär sind seit 2000 bereits die Gorillaz. The Cure sind es seit den späten 70s. Ihr braucht nicht diesen Blog, um mitbekommen, zu haben dass Robert Smith auf der neuen Single von Damon Albarns Artpop-Projekt gastiert – aber posten muss ich den Clip schon.

Addieren wir eben noch einen Corona-Clip? Britt Daniel und sein Kollege Alex Fischel von Spoon haben eine Liveversion von „Rainy Taxi“ (von „They Want My Soul“, 2014) geteilt.

You’ve got the Hook

Die Gorillaz sind immer so ein bisschen ’ne Wundertüte. Damon Albarn hat mit seinem experimentellen Kollaborations-Projekt einige richtige Klassiker geschaffen, keine Frage. Aber manchmal will’s einfach nicht zünden, das, was er da mit seinen wechselnden Kollegen angemischt hat.

Zuletzt aber haben Damon & Co ein Projekt namens „Song Machine“ gestartet. Sie veröffentlichen unter diesem Motto zur Zeit alle paar Wochen eine neue Single. Vermutlich werden die Songs eines Tages sehr wohl auf einem Album zusammen gefasst, so oder so: Dieser Fokus auf einzelne Tracks funktioniert. Alle drei „Song Machine“-Singles bisher sind prima.

Heute neu: „Aries“. Mit an Bord Elektro-Allrounderin Georgia und Indie-One-Trick-Pony Peter Hook. Letzteren kennt man für eine Sache, nämlich für typische New-Order-Basslines (klar, er war Jahrzehnte ihr Bassist). Er liefert entsprechend ab. Nur wenige Bassisten erkennt man sofort, Hooky ist einer davon.

Kleine Kollektion 2020/2

Klar, diese Videos (zumindest 1 und 2) werden gerade auf allen wichtigen und großen Musik-Plattformen geteilt. Ihr braucht nicht meinen Popelblog, um darauf aufmerksam gemacht zu werden. Trotzdem. Tut ja auch niemand weh, wenn ich sie hier platziere, oder?

Also erstens: Tame Impalas aktuelle Single „Lost In Yesterday“ ist  prima. Die Bassline ist supergroovy und auch wenn ich Samstag damit die Tanzfläche im Folks eher leer fegte, wird das Ganze sich schon noch zum neuen „The Less I Know The Better“ entwickeln, da bin ich mir sicher. Jetzt gibt’s ein Video dazu.

Zweitens: Dass was Neues von Gorillaz ansteht, das hatte ich gar nicht auf dem Zettel. Slowthai und die Slaves sind die Gäste auf „Momentary Bliss“. Ein Track, der tatsächlich hittig ist, so in a Jamie-T-kinda way.

Ach, wo wir schon dabei sind, posten wir drittens doch auch die neue Single der australischen Surf-Groove-Favoriten Lime Cordiale. „Addicted To Sunshine“. Nicht weltbewegend, aber nice.

Und viertens: Die Blossoms haben ja ihr neues Album draußen seit heute, Freitag. In dem Zusammenhang waren sie bei der BBC im Studio.

Sports ist mords

Vor ein paar Wochen habe ich auf dem Blog einen Post geteilt, in dem ich meine Tipps für 2019 auflistete. Einer davon: Sports Team aus London.

Dieses Quintett updatet mit schrägem Witz und wurliger Energie Britpop-Traditionen. Ich bilde mir ein, in Sports Team Spuren von Blur, Madness, Supergrass, Pulp oder den Housemartins zu entdecken – zumal ihr Sänger Alex Rice ein kauziger Exzentriker ist, auf seine Weise eine Variante des Typen Suggs/Jarvis/Damon.

Sports Team haben heute eine neue Single geteilt – und sie bestärken mich mit dieser herrlich beknackten Nummer in meiner Einschätzung. Ja, 2019 kann das Jahr von Sports Team werden.

p.s. Die M5 ist eine englische Autobahn – und zwar der Weg in den Südwesten. Wer aus Liverpool, Manchester oder Birmingham in den Urlaub an die Südküste fährt, nimmt den Motorway 5. Damit hat diese Straße für den Briten so etwa die Bedeutung wie der Brenner für den deutschen Italien-Urlauber.  Die Fahrt auf der Straße bedeutet Vorfreude und ist quasi erster Teil des Ferienrituals.

The La’z

Ich muss ja gestehen, dass das letzte Gorillaz-Album „Humanz“ komplett an mir vorbei lief. Ich bin nun mal Indie-Kid. Nein, es ist nicht so, dass ich was gegen HipHop habe, aber mei, Songs packen mich halt und Raps tun es nicht. Das ist halt mein Geschmack und es bringt ja nix, wenn ich so tue, als wär’s anders. „Humanz“ war ein HipHop-Album und kein Indie-Album, es gab mir nichts.

Jetzt sind Damon Albarn & Co bereits zurück mit einem Nachfolger für „Humanz“ – das neue Album  „The Now Now“  wurde von Damon größtenteils auf Tour vorproduziert, denn der Mann hat immer ein ipad bei sich, das er quasi als mobiles Studio nutzt.

Im Boiler Room in Tokio haben die Gorillaz das neue Album am Wochenende live aufgeführt und gestreamt. Ich hab’s mehr so aus Pflichtbewusstsein mal angeklickt – und bin jetzt aber doch sehr angetan. Das komplette Konzert habe ich mir gerade gegeben. Visuell sind die Gorillaz natürlich immer ein Zuckerl, und was die Musik angeht, betont Albarn auf „The Now Now“ wieder die Indie/Synthpop-Komponente des Gorillaz-Sounds.

UPDATE: Der Stream der Show ist wieder von Youtube entfernt worden. Menno.

Review: Ratboy

Ratboy – „SCUM“

Die Mechanismen in der Musikindustrie laufen heute – eh klar – anders als früher. In den 90s war’s so: Hatte eine Plattenfirma das Next Big Thing gescoutet und unter Vertrag genommen, wurde die Band / der Musiker erst mal ein Jahr zum Songschreiben und Instrumente lernen weggesperrt. Die Band kam zum Label zurück mit 15, 20 Songs. Man pickte 3-4 Singles (die stärkste war meistens Nummer 3: Suedes „Animal Nitrate“, Oasis’ „Live Forever“, Placebos „Nancy Boy“), um mit ihnen Eindruck zu machen und einen Hype zu generieren. Bei Single 3 sollte die Begeisterung bei Presse und Kids am Kochen sein, sie war der Vorbote fürs Album, das kurz darauf folgte. Man konnte sich auf NME und Co verlassen, dass dieser Promo-Zyklus eingehalten wurde. War die Band zum Album-Release auf den Titelseiten und in aller Munde, ging die Platte garantiert in die Top 5. Und wenn die Singles einfach nicht griffen? Dann wurden Bands auch mal sang- und klanglos „gedroppt“, ihr Debütalbum verschwand ungehört im Archiv. Das Geld hatten Labels damals ja. Man konnte es sich leisten, auf mehrere Pferde zu setzen. Das eine, das durchkam, finanzierte den Rest.

Dieses Geld hat das Musikbiz heute nicht mehr. Kostspielige Fehlgriffe können sich Labels nicht mehr leisten. Schon lange ziehen sie ihre Kampagnen nicht mehr auf diese Weise auf. Es geht nicht mehr, immer größere Brocken in den Pool zu werfen, um Wellen zu machen. Singles und EPs sind keine Statements-of-intent mehr – eine Single zu veröffentlichen, das heißt heute, den Zeh in den Pool zu tauchen und mal abzuwarten, was passiert. Und dann noch einen. Ein Album? Oft erst nach sechs, sieben Stipsern des Zehs in den Pool wagt man den Sprung ins kalte Wasser. Und so kommt’s dann vor, dass eine Band oder ein Künstler gefühlt schon seit einer Ewigkeit herum werkelt, bevor ein Album am Horizont ist. Blossoms und WHITE hatten nicht weniger sechs bereits als Single bekannte Songs auf ihren Debütalben. The Vryll Society sind inzwischen bei sieben und vom Album ist nichts zu hören. Und Rat Boy? Hat acht Singles veröffentlicht seit 2015. Die genug Wirbel machten, dass er Anfang 2016 vm NME und der BBC zum „Sound of 2016“ erklärt wurde. Rat Boy hat auf der Insel eine Army von Fans, die seinen Style kopieren. Und trotzdem dauerte es bis zum August 2017, bis sein Label das Album rausrückte – und das Gefühl, das bei dieser VÖ vermittelt wird, ist nicht „Hoppla, jetzt kommt unser neuer Topstar!“, sondern „Naja, wir wollten das Ganze ja eigentlich auf dem Rücken eines echten Hits einreiten lassen, was aber immer noch nicht passiert ist. Doch wenn wir die Platte noch länger zurück halten, wird’s echt lächerlich.“

Schade, dass das so gelaufen ist, denn die Platte ist frech, smart und lässig.

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Strategic Gorill‘ Locationz

Uuh. Eerie.

Das kann kein Zufall sein, dass die Gorillaz den Abend vor Trumps Amtseinführung gewählt haben für ihr Comeback. Für einen Song, der „Hallelujah Money“ heisst, der von Benjamine Clementine gesungen wird wie von einem Gespenst, und in dessen Refrain Damon Albarn/2D mit den Worten „When the morning comes, we are still human“ Hoffnung spricht, aber Verzweiflung ausdrückt.

Ah okay. Jetzt sehe ich: Das steht ja auch alles in der Video-Beschreibung. Ich hätte mir das Selbst-Denken sparen können. Mal wieder, haha:

Gorillaz returns after six years with the apocalyptic „Hallelujah Money“ video, the first taste of their new record which is coming later this year. The band has issued this song on the eve of the Inauguration of President-Elect Donald Trump to serve as commentary on a politically-charged, historical moment.

… in dem Zusammenhang…

Herrjeh. WE ARE SO FUCKED.

Review: Blur

Blur – „The Magic Whip“Blur_The_Magic_Whip

Klar muss auch ich meine Meinung zum Comeback-Album von Blur abgeben.

Es ist eine sehr gute Platte.

Es ist keine perfekte Platte, aber doch, sie ist sehr gut.

Es ist zuallererst mal eine Platte, die uns vor Augen führt, was für eine Traum-Kombi diese Band ist und wie gut sich die einzelnen Mitglieder ergänzen.

Dazu: Blur haben sich 2009 für Liveshows wieder vereinigt. 2011 haben sie eine erste Post-Reunion-Single für den Record Store Day veröffentlicht: „Fool’s Day“ schloss ich sofort ins Herz als eines meiner all-time-Blur-Lieblingslieder – alleine für das Gitarrensolo, das Graham Coxon am Ende hinlegt. Review: Blur weiterlesen