Schlagwort-Archive: Broder Daniel

Hästa la Vista

Hoppla! Eins meiner derzeitigen Lieblingslieder hat seit drei Wochen ein Video – und ich hab’s gar nicht mitgekriegt! Hästpojken aus Göteborg haben sich in den letzten Jahren als Schwedens Meister der großen Melodien und des klassischen 70s-Songwritings entpuppt – gleichzeitig unterwandert Sänger Martin Elisson dies, und der er diese Melodien kräht, als würde man ihm wehtun. Klar auch, dass die Texte immer traurig und bitter sind. Die neue Single „Råttans År“ („Jahr der Ratte“) gehört für mich zum besten, was Hästpojken je gemacht haben.

Martin und Gitarrist Adam Bolmeus spielen schon seit Mitte der 90er zusammen, sie starteten als Teenager in der Band Bad Cash Quartet, die damals einen kleinen Hype in Schweden auslöste. (Für die, denen das noch was sagt: Ihr Song „Midnight Prayer“ war auf einem meiner Åtömström-Alben).

Seit 2008 sind Martin und Adam nun als Hästpojken (dt: Pferdejungs) unterwegs – am 20.4. erscheint ihr viertes Album „Hästpojken är död“.

The Class of 2017 – Pt 2

Es ist wieder so weit! Genauer gesagt: Es war wieder so weit. Sonntag war Stichtag. Unsere Blogclique hat den Ein-Kasten-Augustiner-Preisträger fürs Jahr 2017 gekürt! Yeah!

Aber bevor wir verraten, welche Band von uns einen Kasten Bier kriegt, muss der Ablauf des Ganzen nacherzählt werden. Es folgt: Runde 1

Zuerst aber noch mal ganz kurz: Worum geht’s?

Also. Der Gedanke ist: Wir wollen den besten Song des Jahres finden und der Band/dem/der Interprete(i)n dafür einen Preis überreichen. Aber keine von diesen Statuen, die nur auf dem Kaminsims verstauben. Lieber was Sinnvolles. Ein Kasten gutes Münchner Bier macht alle Musiker glücklich, oder? The Class of 2017 – Pt 2 weiterlesen

Meine Alben 2017, Pt.6 (5-1)

Finaaaaale! Der Countdown geht zu Ende. Hier jetzt also die Top 5 meiner persönlichen Lieblingsalben des Jahres 2017. Wie immer inklusive ein paar Zeilen zu den jeweiligen Platten. Also gut, have fun!

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Get off of my Clown

Eine Sache, die ich nie verstehen werde, das sind die Bonus-Tracks auf Alben.

Hey, Musikindustrie!  Entweder ein Song ist gut genug fürs „richtige“ Album. Oder er ist eben nicht ganz gut genug oder passt nicht in den Zusammenhang. Dann lässt man ihn weg.

Warum macht man verspätete Bonus-Versionen mit Extra-Tracks? Um Fans das Gefühl zu geben, eine „besondere“ Ausgabe des Albums zu besitzen, ihnen in echt aber drei Euro mehr aus der Tasche zu ziehen und sie eigentlich mit B-Material abzuspeisen?  Um die Fans, die sich sofort die erste Version des Albums besorgten, zu ärgern, weil sie neue Tracks nachkaufen müssen, während die Spätkommer gleich alle kriegen?

Eine meiner größten musikalischen Freuden dieses Jahr war das Comeback von Henrik Berggren, mit dem ich nicht gerechnet hatte. Das am 5. Mai erschienene Soloalbum des Sängers der legendären Kultschweden Broder Daniel ist eine bewegende, große Platte.

Nun hat Henrik nachträglich auch ein erstes Video aus dem Album gedreht. Zum Song „You Wore The Crown, I Played The Clown“ – den ich noch nicht kannte. Es stellt sich raus: Schon am 12.5. erschien eine Bonus-Version von „Wolf’s Heart“ mit drei zusätzlichen Tracks. Wie doof! Ich sollte mich über das Erscheinen des Videos freuen – statt dessen ärgere ich mich, dass ich drei Songs monatelang nicht mitgekriegt habe,

Nun denn. „You Wore The Crown…“ hält für mich tatsächlich mit den genialen Stücken des Albums wie „Wild Child“, „Parties“ oder „Run Andy Run“ nicht Schritt. Es ist ein Lied über einen früheren Weggefährten, der große Erfolge feierte, während es Henrik schlecht ging. Ich frage mich, ob es um Ex-Broder Daniel-Mitglied Håkan Hellström geht, der zum SWE-Superstar avancierte? So oder so, Henrik kommt hier doch sehr bitter rüber. Auf den besten Songs von „Wolf’s Heart“ fühlt man intensiv mit ihm mit. Hier weniger.

Review: Henrik Berggren

Henrik Berggren – „Wolf’s Heart“

Ich habe „13 Reasons Why“ noch nicht gesehen. Die Diskussion habe ich aber natürlich mitgekriegt. Es ist eine Gratwanderung, wenn man in der Popkultur mit Selbstmord und Depression umgehen will. Vieles, was gut gemeint war, ist sehr naiv und kann auch als Verherrlichung rüberkommen. Wir sind von diesem Thema fasziniert und das schon lange. Bereits Goethes „Leiden des jungen Werther“ sorgten für eine Selbstmordwelle.

Viele von uns haben diese Gedanken schon gehabt. Wir sind durch Täler der Depression gegangen oder stecken fest drin. Wir haben Leute im Freundeskreis, die „suchtgefährdet“ sind, wie man das dann nennt. Die einfach von allem mehr brauchen, als gesund ist, Alkohol, Zuneigung, Thrills. Konsterniert lernt man, dass helfen und oft auch nur verstehen zu können unsere Fähigkeiten übersteigt. Manchmal sind die Gefühle so übermächtig, dass sie jede Logik und Vernunft besiegen. Wer selbst in dieser Spirale gefangen ist, weiss, dass das nichts mit Romantik zu tun hat. Aber wenn Künstler diese emotionalen Unwetterkatastrophen zum Ausdruck bringen, sind wir berauscht von ihrer Ausdruckskraft. Wir müssen aufpassen, echte Krankheit und irren Schmerz nicht zu glorifizieren.

Henrik Berggren hat 13 Jahre lang keine neue Platte gemacht. Seine Rückkehr ist ne Sensation, ne absolute Sensation. In Schweden wurde die Berggren-Soloplatte schon zum sagenumwobenen Mythos. Henrik war der Frontmann von Broder Daniel.  Review: Henrik Berggren weiterlesen

Long Listance Call Pt 2

bad-sounds-headerGestern habe ich meinen Senf zur jährlichen „BBC Longlist 2017“ gegeben (siehe unten).

Glaubt man den UK-Kollegen, sieht die Zukunft des Indiepop weiterhin düster aus. Nur drei Acts aus dem Genre wurden in die Longlist aufgenommen, einer davon ist richtig mies (The Amazons), einer davon zu sperrig für die breite Masse (Cabbage) und der dritte (Declan McKenna) zwar sicher gut vermarktbar, aber noch nicht ganz ausgereift.
Ich glaube trotzdem dran, dass sich weiter spannende Indiebands gründen. Musiker, die was zu sagen haben, was Neues entwickeln, Stil und Persönlichkeit zeigen – oder die den Sound wenigstens gekonnt auf den Punkt bringen.

Also los geht’s – Es folgen meine 15 Tipps für 2017. Nicht, dass ich glaube, dass diese Namen die Welt erobern werden. Aber ich traue ihnen zu, nächstes Jahr ein starkes Debütalbum abzuliefern, und das ist schon mal was.

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Review: Laakso

Laakso Grateful DeadLaakso – „Grateful Dead“

Dieses Comeback ist schon eine kleine Überraschung. Okay, sie hatte sich durch drei Singles in den letzten Monaten angekündigt. Trotzdem hatte man bis zu deren Auftauchen nicht mehr mit einem vierten Album von Laakso gerechnet. Nicht mal ich glaubte daran – dabei habe ich mal ihren Drummer Lars Skoglund getroffen, als er bei den Shout Out Louds aushalf. Lars, der auch für Lykke Li trommelt, war sich vor drei Jahren schon sicher: „Eines Tages machen wir noch ein Laakso-Album! Das Kapitel ist noch nicht abgeschlossen, versprochen!“ Er klang aber eher wie ich, wenn ich sage: „Eines Tages fliege ich noch mal nach Australien, dabei mache ich ein Foto von mir in Geelong und schreibe drunter: ‚I’ve been everywhere, man!‘“ Man spricht von einem Wunschtraum, an den man nicht echt glaubt. Was man an Lars Versicherung aber erkannte, war: Diese Band war für ihre Mitglieder weiter eine Herzensangelegenheit.

Trotzdem, das letzte Album des Quartetts („Mother, Am I Good Looking?“) ist nun mal inzwischen neun Jahre alt und auch wenn der Song „Västerbron“ ein SWE-Hit wurde, wäre es ja geflunkert, wenn man erzählen würde, dass die Band zwischen 2003 und 2007 so supererfolgreich gewesen wäre. Die Kritiker in Schweden, die mochten Laakso – und man darf sagen, dass die Band Achtungserfolge landete. Aber eine große Nummer waren sie nicht.

Markus Krunegård dagegen, der ist eine große Nummer in Schweden. Review: Laakso weiterlesen