Schlagwort-Archive: Britpop

Review: The Creases

The Creases – „Tremolow“

Achtung! Bevor ich über diese sehr gelungene, lebhafte Britpop-Platte aus (wo sonst) Australien schreibe, werde ich mal wieder ausholen.

Zu meiner Entschuldigung: Ich bin nun mal ein Kind der 70er, ein Teenie der 80er und war als Twentysomething bewusster Anhänger des Britpop. Darauf bin ich geprägt und darin bin ich gefangen. Als ich zum Beispiel mein Abi machte, da gab’s The Smiths, Pixies, The Cure, The Stone Roses, Ride. Diese Frisuren und Attitüden waren und bleiben für mich der Zenit dessen, was cool bedeuten konnte und kann. Das waren meine Rebellen. Meine individualistischen, stylischen, kunstbeflissenen, smarten Rebellen. Aber vermutlich ging die Prägung schon in Kindeszeiten los, weil die Beatles-Filme „Help“ oder „Yellow Submarine“ oft genug im Fernsehen kamen. Vier Jungs mit Gitarre, Gitarre, Bass und Drums sind für seitdem für mich die ewige Verkörperung von Nonkonformismus, Expression, Freundschaft, Zusammenhalt, Aufmüpfigkeit und vom Glauben, dass man gemeinsam etwas schaffen kann, das man alleine nicht schafft.

Deswegen beschleicht mich ein ungutes Gefühl, wenn ich sehe, dass heute gefühlt nur noch Solisten unterwegs sind. Ob jetzt Singer/Songwriter, Electronic Landfill-Producer, Rapper, egal. Alles selbstzentrierte Egomanen: MEINE Gefühlswelt, MEIN Kopfkino, MEINE Selbstdarstellung! Ich bilde mir ein, dass diese Solo-isierung der Musiker schon irgendwie symptomatisch steht für die Jeder-für-sich-isierung einer Welt, in der jeder sich selbst über alles und alle anderen stellt, seinen Profit über das Wohl der Allgemeinheit. Dafür, dass wir verlernen, gemeinsam zu arbeiten.

Deswegen sehe ich gerne Bands. Außerdem mag ich Songs.

Review: The Creases weiterlesen

Review: PLANET

PLANET – „Singles EP“

So. Das sollte schnell gehen. Ich habe mir jedenfalls vorgenommen, heute mal nicht vom Hundersten ins Tausendste zu kommen. Und es ist ja nicht so, dass wir PLANET nicht schon länger auf dem Schirm hätten. Seit Spätsommer 2015 kommt die Band so ca alle 4 bis 5 Monate mit einer neuen Single um die Ecke, es haben sich inzwischen 5 Titel angesammelt. Diese haben die Australier nun gemeinsam mit dem neuen Song „Aimless“ auf einer EP zusammen gefasst.

Dass diese Jungs Australier sind, war ja wohl klar. Wir wissen schließlich längst, dass der beste Britpop in den letzten Jahren konsequent von down under kommt. (Nein, ich zähle jetzt KEINE Namen auf, die Liste wird einfach zu lang.)  PLANET stammen aus Sydney und hier wiederum aus dem näheren Umfeld meiner geliebten DMA’s. Was sogar eine Untertreibung ist. Der Frontmann von PLANET trägt den Namen Matty Took – genau, er ist der Bruder von Johnny Took, dem Gitarristen und Sprecher (wenn auch einziger Nicht-Sänger) der DMA’s. Die wiederum klingen bekanntlich wie Oasis in ihren besten Zeiten – wenn  nicht sogar noch besser. PLANET schlagen, das überrascht jetzt wohl niemanden, in die gleiche Kerbe. Sie klingen den DMA’s verdammt ähnlich. So ähnlich, dass ihre Songs Album-Tracks oder B-Seiten der DMA’s sein könnten. Review: PLANET weiterlesen

Review: Green Buzzard

Green Buzzard – „Space Man Rodeo“

Es geht halt immer auch um die Erwartungshaltung, mit der man vorher an ein Album ran geht. Als Sydneys Neo-Britpopper Green Buzzard letztes Jahr ihr erstes Mini-Album „Easy Queezy Squeezey“ veröffentlichten, da hoffte ich auf ganz große Dinge, denn ein halbes Jahr zuvor hatten die Jungs eine Wahnsinns-Debütsingle namens „Zoo Fly“ hingelegt. Es zeigte sich aber, dass das Quintett den Level dieses ersten Knallers nicht noch mal erreichen konnte. Da war ich schon ein bisschen enttäuscht.

Folglich habe ich meine Erwartungen ans zweite Mini-Album der Band ein gutes Stück nach unten geschraubt. (Auch „Space Man Rodeo“ ist noch kein „richtiges“ Album – drei der zehn Tracks sind kurze Instrumentals, das Ding ist insgesamt 28 Minuten lang) Ist das der Grund, warum ich jetzt so positiv überrascht bin? Oder haben Green Buzzard tatsächlich einen echten Sprung nach vorne gemacht? Review: Green Buzzard weiterlesen

Review: The Charlatans

charlatansThe Charlatans – Modern Nature

Ich bin spät dran mit dieser Rezension. Aber heute habe ich über Noel Gallagher geschrieben, über ein Album, über das jemand anderes behauptete, es sei „die beste Britpop-Platte seit Langem“. Derjenige hat keine Ahnung, denn eine prima Britpop-Platte erschien schließlich erst vor vier Wochen.

Britpop. Lange nicht gelesen, das Wort. Im Mai 1995, in genau der Woche, in der sich Oasis und Blur mit „Country House“ und „Roll With It“ den „Britpop War“ lieferten, erschien auch The Charlatans „Just When You’re Thinking Things Over“. Britpop blühte, und sie waren mittendrin. Ihr viertes Album, nur „The Charlatans“ getauft, ging auf die #1 der UK-Charts. Es war eine von vielen Wiedergeburten der Band, denn man hatte sie zwischendurch beinah abgeschrieben. Durchgestartet waren Tim Burgess und Co schließlich schon 1989, surfend auf der Baggy-Welle: Aber lange sah es so aus, als würden sie die Erfolge von ihrem Ewigkeits-Hit „The Only One I Know“ und ihrem #1-LP-Debüt „Some Friendly“ (1990) nie wiederholen können.

Review: The Charlatans weiterlesen

Interview: Embrace

embrace header… und hier ein weiteres Interview, das ich eigentlich schon vor Monaten online stellen wollte, als die Sache dazwischen kam, dass mein alter Blog vom Netz ging:

Embrace. Die guten, alten Embrace. Mann, was habe ich Embrace geliebt, als sie damals auftauchten gegen Ende des Britpop! Mit ihren großen Gesten und ihren gigantomanischen Refrains! All You Good Good People, damit ging es los. Fünf Alben folgten in unregelmäßigen Abständen. Dann waren sie acht Jahre weg, einfach weg. Um dieses Jahr zurück zu kommen, als wäre nichts gewesen. Es gibt eine Menge nachzuholen. Ein Anruf bei Danny McNamara.

Interview: Embrace weiterlesen