Schlagwort-Archive: Brian Jonestown Massacre

Review: Les Big Byrd

Les Big Byrd – „IRAN IRAQ IKEA“

Man nimmt immer automatisch an, dass der Sänger einer Band auch die Songs und die Texte schreibt. Ist ja meistens auch so. Bei den Caesars aber war’s anders. Die Caesars kennt ihr ja noch? Ab den späten 90s zimmerte das Quartett in Stockholm fröhlich-dreckigen 60s-Garagenrock, ursprünglich unter dem Namen Caesar’s Palace. Mitte der Nullerjahre konnten sie ein paar Jahre weltweit im Indie-Boom mitsurfen. Ihr internationaler Hit war „Jerk It Out“, ein Lied, das zeitweise so allgegenwärtig war, dass es fast nervte. Aber die Caesars hatten weit mehr auf der Pfanne als nur diesen einen Erfolg. Jedes ihrer fünf Alben ist prima. 

Jedenfalls: Sänger Cesar Vidal war nicht der Hauptautor der vier. Fast alle Songs kamen von Gitarrist Joakim „Jocke“ Åhlund. Der überhaupt ein interessanter Typ war/ist. Parallel zu den Caesars war er immer auch Mitglied der Elektro-Schmirgler Teddybears STHLM. In dieser Kapazität arbeitete er wiederum länger schon eng mit Robyn zusammen, was ihn wiederum zu einem gefragten Pop-Producer und Songwriter machte (bei Cheryl Coles UK-Nr 1 „I Don’t Care“ hat er u.a. mitgeschrieben, für Giorgio Moroder, Charlie XCX und zahlreiche andere hat er produziert). Auch als Video-Regisseur war Jocke aktiv – den Clip-Klassiker „New Noise“ von Refused hat er u.a. gedreht. Da kann er sich mal echt was drauf einbilden.

All das sagt uns: Was immer Jocke macht, das sollt man im Auge haben. Review: Les Big Byrd weiterlesen

Review: The Charlatans

The Charlatans – „Different Days“

In diesen Wochen gab’s/gibt es neue Alben von Ride, Slowdive, The Jesus and Mary Chain, alle mit großem Medienecho. Auch ihre Zeitgenossen The Charlatans haben ’ne Neue, doch der Hype fällt gering aus. Wenn man so will, haben die Madchester-Veteranen, die den ewigen Klassiker „The Only One I Know“ geschaffen haben, also einen Fehler gemacht: Sie haben sich nämlich nie getrennt. So können sie jetzt mit keinem Comeback -Brimborium um die Ecke kommen.

Aber selbstverständlich war es KEIN Fehler der „Charlies“, all die Jahre durchzuhalten. Die Band hat die Jahre, die andere Combos liegen ließen, genutzt, um ein beeindruckendes Gesamtwerk zu schaffen. Und im Verlauf des Ganzen ist den Baggy- und Britpop-Überlebenden etwas gelungen, was andere Bands sich nur wünschen: In Würde zu altern und in einem angemessenen Rahmen relevant zu bleiben, ohne sich Trends anzubiedern.

Ein Abstecher: Charlatans-Sänger Tim Burgess hat vor ein paar Jahren seine Autobiographie geschrieben. So ein Teil besorgt man sich, weil man halt Fan und Nerd ist – aber nicht, weil man glaubt, ein tolles Buch zu lesen. Es war dann aber so, dass ich das Ding kaum weglegen konnte. Tim kommt in seinen Memoiren extrem nachvollziehbar rüber. Als ein Mensch erstens mit Hummeln im Hintern und zweitens mit unbeirrbarem und ansteckendem Optimismus. Review: The Charlatans weiterlesen

O tempora, o Moses

Psychedelic Pop. Ein Genre, in dem momentan alles andere als Flaute herrscht. Ein ganzer Haufen Bands und Künstler sind zur Zeit in dem Sound unterwegs und sie alle spielen sich ins 60s-Alice-im-Wunderland.

Dabei gibt’s zwei Varianten, wenn man so will. Einerseits sind da die verspulten Verschwurbler wie King Gizzard & The Lizard Wizard, Connan Mockasin, Brian Jonestown Massacre oder Pond – Bands, die auf freaky Verspulung und Mantrapop-Transzendenz setzen.

Andererseits gibt’s die Popper wie Temples, Tame Impala, The Vryll Society oder Jacco Gardner, die kristallklare Songs schreiben, aber diese quasi im Paisley-Kaftan ankleiden.

Aus Brisbane stammt die Moses Gunn Collective – und sie schwanken zwischen den beiden Polen. Auf ihrem Album „Magic Mountain“ gibt’s sowohl Flippigeres als auch Poppigeres, in letztere Kategorie fällt ihre aktuelle Single „Hole In The Wall“, zu der es jetzt ein Video gibt.