Schlagwort-Archive: Bobby Gillespie

Scream A Little Scream

Das entführt mich jetzt in ganz alte Zeiten. Primal Scream sind bekanntlich mehr ein Chamäleon als eine Band, so viele Farb- und Stilwechsel haben Bobby Gillespie & Co schon durchgemacht. Sie waren blubbernde Raver („Screamadelica“), kernige Südstaaten-Rocker („Give Out But Don’t Give Up“), sie waren Electronica-Berserker („XTRMNTR“), sie haben das alles auch ganz gern mal verwoben und noch mehr auf dem Kerbholz.

Angefangen haben die Schotten nämlich als Janglepop-Band. Ihre zweite Single „Crystal Crescent“ (1986) hatte sogar eine B-Seite namens „Velocity Girl“, die, obwohl nur 1:23 Minuten lang, zu einem definitiven Song des Genres wurde. In den frühen 90s gab’s sogar eine recht erfolgreiche US-Indieband, die sich nach dem Song benannte.

Witzigerweise habe ich den Song bis heute nicht gehört. Ich weiss um seinen Kultstatus, aber hey: Es war nun mal nur ein rare B-Seite von 1986. Ja, man hätte sich die Vinyl-Single für viel Geld bei einem UK-Versand bestellen können, auch schon bevor es das Internet gab. Aber gönnt man sich das, wenn man weiss, das Lied ist nur 1:23 lang? Ich tat’s nicht.

Naja, irgendwann gab’s das Internet und man gewöhnte sich dran. Aber der Gedanke „Hey, jetzt kann ich mir ja endlich ‚Velocity Girl‘ anhören!“, der kam mir in all den Jahren nicht.

Heute stellen Primal Scream doch tatsächlich ein Video zu dem Lied online, denn Bobby G und seine Gang haben eine neue Compilation namens „Maximum Rock’n’Roll: The Singles“ angekündigt. Darauf greifen sie tief ins Archiv, wie man sieht. Aber sie werden sicher auch ein paar spätere Hits featuren, die auf der 2003er-Best of „Dirty Hits“ nicht drauf waren. Anyway, das wird eine Best-Of wie ein Mixtape, so viel hat diese Band schon abgedeckt.

I Predict A Record – 2019, Pt. 2

Das neue Jahr hat begonnen und mit dem neuen Jahr kommen auch die vagen Prognosen und die fundierten Wahrscheinlichkeitsrechnungen. Hier gibt’s das Ganze für den Bereich Indie: Welche Alben stehen 2019 in den Startlöchern bzw. bei welchen Bands darf man mit einem aktiven Jahr rechnen?
Die ist der zweite Teil zu meinem Beitrag von gestern. Die Aufteilung wollte es, dass im gestrigen Post „kleinere“ Bands in der klaren Überzahl waren. Heute sind auch richtig große Namen dabei.

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Review: The Jesus and Mary Chain

The Jesus and Mary Chain – „Damage and Joy“

Keine Frage – The Jesus and Mary Chain sind Legenden. Dass sie sich 19 Jahre nach ihrem letzten Album mit einer neuen Platte zurück melden, macht viele Leute sehr, sehr happy. Aber seien wir ehrlich: Da wird eine Menge verklärt.

Ich hoffe ja immer, dass nicht nur die Langzeit-Indiefans, sondern auch ein paar Kids auf meinem Blog landen. Denen muss man vielleicht erklären: Warum gelten die zwei ewig zankenden Brüder Jim und William Reid aus dem schottischen East Kilbride als solche unantastbar ewigcoole Schweinepriester? Deswegen zuerst eine Rückblende.

Also ab ins Jahr 1984. Auch in einer Zeit des Postpunk war der Ansatz der Brüder ganz schön radikal. Jim und William verknüpften in ihren Songs zwei polare Gegensätze: Einerseits schrieben sie klassische, bewusst simpel gehaltene Ohrwurm-Songs, die sich an den Sixties und nicht an ihren Synthpop-Zeitgenossen orientierten. Parallel starteten sie brachiale Feedback-Attacken auf die Gehörgänge – damals ein so nie gehörtes Stilmittel. Obendrein waren die zwei natürlich Typen, die Streit suchten. Das war die Attitüde, die sie an den Tag legten. The Jesus and Mary Chain spielten anfangs Konzerte, die nur 15 Minuten dauerten. Woraufhin das Publikum regelmäßig den Laden zerlegte. Schnell hatten sie einen Ruf weg. Review: The Jesus and Mary Chain weiterlesen

Interview: Oscar

Header OscarDas Debütalbum des Londoner DIY-Songwriters und Producers Oscar ist jetzt auch schon über zwei Wochen draußen – klar wollte ich mein Interview eigentlich pünktlich zur Veröffentlichung von „Cut & Paste“ transkribiert haben. Immerhin, gestern saß ich ein paar Stündchen im Zug und konnte die Abschrift abschließen. Ein Telefongespräch, das außerordentlich viel Spaß gemacht hat. Hoffentlich kommt das beim Lesen rüber!

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Review: Primal Scream

prima scream ChaosmosisPrimal Scream – „Chaosmosis“

Bevor wir mit der Besprechung der neuen Platte loslegen, muss ich mal eben eine grundsätzliche Wertschätzung für Primal Scream loswerden. Man sagt ja, sie seien die Chamäleons des Indie, weil sie so oft ihre Farbe wechseln. Ich möchte sogar einen Schritt weiter gehen und sagen: Sie sind die Indie-Schlange: Warum? Weil sie nicht nur die Farbe ändern, sondern sogar von Album zu Album ihre alte Haut abstreifen.

Mit einem Unterschied zur echten Schlange: Da zeigt die neue Haut trotzdem das alte Muster. Primal Scream präsentieren nach ihren Häutungen immer wieder ein neues, sich vom letzten oft radikal unterscheidendes Design. Dass sich unter dieser Haut die gleichen Muskeln, das gleiche Skelett und das gleiche Hirn befinden, das merkt man trotzdem spätestens, wenn Bobby Gillespie seinen Mund aufmacht und beginnt, seine Zeilen zu zischen. Denn dieser Frontmann ist eine echte Type. Eine Charakterfigur, die auch politisch für ihre Sache einsteht. Review: Primal Scream weiterlesen

Scream a little Scream with me

Primal Scream sind immer ’ne Wundertüte. Man weiss nie: Wird ihr nächstes Album wieder ein wütendes Polit-Avantgarde-Tech-Dings? Oder setzen sie doch wieder mehr auf satten Bluesrock? Holen sie mal wieder Dub und Screamadelica in den Vordergrund? Oder machen sie alles gleichzeitig?

Mit ihrem CV als ewige futuristische Chamäleons sollten Bobby Gillespie & Co uns nicht mehr überraschen können. Auf dem kommenden Album „Chaosmosis“ tun sie’s doch, denn das wird ihre Pop-Platte. Das Ding ist keine 35 Minuten lang und enthält lauter flott und fluppig ins Ohr gehende Synthpop-Lieder. Die erste Single „Where The Light Gets In“ ist dabei nicht mal die eingängigste Nummer. Aber wenn man schon Skye Ferrara als Duettpartnerin engagiert, dann macht man den Song auch zur Single, oder?

Vinterview: Primal Scream

Vinterview Primal ScreamWeil im Januar nur wenig neue Releases erscheinen, habe ich angekündigt, ein paar vintage Interviews („Vinterviews“) von meinem alten Blog aus dem Archiv zu holen. Heute: Primal Scream. 

Im März erscheint „Chaosmosis“, das inzwischen bereits elfte Album von Bobby Gillespie und seiner Band. Primal Scream, das sind die ewigen Formwandler, musikalisch zwischen Agit-Punk, Haudrauf-Rock und weggetretener Screamadelica, thematisch zwischen Party-Exzess und wütender Revolution. Ich hatte Bobby Gillespie vor drei Jahren am Telefon, anläßlich des 2013er-Albums „More Light“. Nach dem Break folgt der damalige Text.

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