Schlagwort-Archive: Belly

Bully Idol

Ich hatte mir ja eigentlich vorgenommen, zur VÖ des zweiten Albums von Bully hier eine meiner Reviews zu schreiben.  Bisher bin ich aber nicht dazu gekommen und inzwischen ist die Release von „Losing“ (siehe Cover links) bald zwei Wochen her.

Naja, Kurzfassung: Ich mag’s. Weil das Trio so schön nach 1993 klingt, nach dem Girlgrunge/Pop dieser Ära, nach Bands wie Babes in Toyland, Veruca Salt, The Breeders, Belly. Weil’s trotzdem nicht veraltet klingt, denn clever artikulierte, positiv zickige Rage ist etwas, das per se gar nicht aus aus der Mode kommen KANN. Denn es gibt immer genug, über das man sich aufregen sollte und das verbessert werden muss – und es gibt nicht genug Bands zur Zeit, die sich aufregen und zu viele, die unpolitisch vor sich hin dudeln. Alicia Bognanno, die Sängerin von Bully, gibt entsprechend ein smartes, emanzipiertes, informiertes Role Model ab. Schön, dass die Band jetzt auf Sub Pop gelandet ist, denn das war immer schon ihre spirituelle Heimat.

Musterbeispiel für das, was Bully machen: Der Album-Opener „Feel The Same“. Jetzt auch mit Video.

Deal or no Deal

Das kommt unerwartet: Eine neue Single von The Breeders, einfach so. Ich habe nicht mitgekriegt, dass sich das angekündigt hätte. Freuen tut’s mich natürlich trotzdem.

Bei den wiedervereinigten Pixies ist Breeders-Frontfrau Kim Deal vor ein paar Jahren ausgestiegen. Dem Vernehmen nach, weil sie nicht verantworten wollte, dass die 90s-prä-Grunge-Legenden mit neuen, nicht perfekten Songs ihr makelloses Erbe beschmutzten.

Bei ihrer eigenen Band hat sie diesbezüglich offenbar weniger Skrupel. Soll mir recht sein. „Wait In The Car“ ist zackig.

Für die Jüngeren: Kim Deal war also Bassistin der Pixies. Umwerfende Pioniere der späten 80er, frühen 90er. The Breeders gründete sie auch so um die 80er/90er-Wende parallel zu den Pixies, damals u.a. mit Tanya Donnelly (Throwing Muses), die vorm zweiten Album wieder ausstieg, um die ebenfalls prima Band Belly zu gründen. Dafür war bei Album 2 („Last Splash“) Kims Zwillingsschwester Kelley Deal mit an Bord. Damals landeten sie einen Welthit mit dem schrägen „Cannonball“, das man auch heute noch auf Indie-Abenden hören kann.

Und wil ich jetzt Bock auf weitere alte Kim Deal Videos gekriegt habe, geht’s nach dem Break noch ein bisschen weiter. Irgendwo ist Kim Deal auch durchaus eine Vorläuferin für Ellie Rowsell / Wolf Alice – um einen aktuellen Bezug herzustellen.

Deal or no Deal weiterlesen

Interview: Wolf Alice

Seit Freitag (29.9.) draußen: „Visions Of A Life“, das zweite Album von Wolf Alice. ‘Ne richtig gute Band ist das. Was genau ich an den Briten herausragend finde, das erkläre ich Sängerin Ellie Rowsell am Telefon selbst. Die hat unseren Interviewtermin für piranha an einem Vormittag Ende August offenbar vergessen. Die Kollegin der englischen Plattenfirma ist beim ersten Versuch nicht bei der ihr durchgekommen und bringt unsere Verbindung erst verspätet zustande. Zu dem Zeitpunkt ist Ellie erkennbar gerade geweckt geworden und noch nicht so ganz bei hundert Prozent. Hilft nix, da müssen wir jetzt durch.  Interview: Wolf Alice weiterlesen

Review: Pumarosa

Pumarosa – „The Witch“

Es gibt Bands, aus denen wird man nicht so ganz schlau. Was ja nichts Schlechtes sein muss – so ein bisschen was Mysteriöses schadet normalerweise nicht.

Londons Pumarosa aber verwirrten mich letztes Jahr mit ihren Singles, weil die klangen, als kämen sie von ganz verschiedenen Bands. Auf „Honey“ klang das Quintett wie ein typischer 90s-Indie-Postgrunge-Lady-Throwback, so im Stile der Breeders/Belly/Veruca Salt. „Cecile“ ging mehr so in Richtung 80s-Popgoth, a la The Cure/Siouxsie. „Priestess“ (das absolute Highlight) dagegen war was wirklich komplett anderes: Ein brodelndens, hypnotisch-dräuend anschwellendes Elektronikpop-Ding mit The Knife-Feeling. Klar, man findet es normal prima, wenn Bands Abwechslungsreichtum zeigen. Aber das war schon keine Variation mehr, das klang schon fast, als widersprächen sich Pumarosa selbst. Da schien der rote Faden nicht immer durch.

Okay, kann man da sagen, das waren die ersten Singles. Die dokumentierten eben eine Band, die noch auf der Suche nach ihrem Stil, ihrer Identität war. Wenn dann das erste Album käme, wird sich ihr Style heraus kristallisieren.

Nun gut, jetzt ist es da. Aber ich bin mir immer noch nicht ganz im Klaren über diese Band. Ich finde an Pumarosa einiges sehr gut, aber ich habe nicht das Gefühl, dass sie alles aus sich heraus geholt haben.

Okay. Dröseln wir das mal auf.  Review: Pumarosa weiterlesen

Leaders of the Freazy World

Jetzt glaube ich langsam, Wolf Alice sind gar keine aktuelle Band – die Briten fielen nur in ein Zeitloch. In Wirklichkeit stammen sie aus dem Jahr 1993. Aus einer Indie-Welt, in der der Britpop nie stattgefunden hat und die Smashing Pumpkins immer noch der Goldstandard in Sachen Sound sind. Der jüngste Beweis: Das Video zu „Freazy“, der aktuellen Single aus ihrem wirklich prima Album „My Love Is Cool“.

„Freazy“ parodiert in bonbonbunten Schlaraffenlandfarben die Art Heile-Welt-Videos, die uns in bonbonbunten Schlaraffenlandfarben vormachen will, dass alles toll ist und wir glücklich sind. Denn obwohl Wolf Alice überzogen in die Kamera grinsen, wird sich zeigen: Uuh, diese Welt ist gruselig und psychedelisch verzerrt!

Das ist SO KRASS 90’s!! Schon damals gab’s bereits mehr Heile-Welt-Parodie-Videos, als es überhaupt bunte Heile-Welt-Pop-Videos gab. „Black Hole Sun“ von Soundgarden wäre ein Musterbeispiel für ein „die-grinsen-aber-es-ist-fake!“-Video, auch Nirvanas „Heart Shaped Box“ setzt knallige Farben als Anti-Effekt ein. Außerdem: Nie sah Wolf Alice – Sängerin Ellie Rowsell Tanya Donelly von Belly ähnlicher als in diesem Clip.

Abgesehen davon ist „Freazy“ in der Tat einer meiner Lieblingssongs des Jahres.

Review: Wolf Alice

wolf alice my love is coolWolf Alice – „My Love Is Cool“

Ich muss mich bei Wolf Alice entschuldigen. Wie oft habe ich ihren Namen fallen lassen, wenn ich darüber schimpfte, dass es mit Indie in Grossbritannien so fürchterlich bergab gegangen ist! „Das erkennt man doch schon daran“, argumentierte ich immer, „dass (verächtlich) WOLF ALICE eine große neue Hoffnung sein sollen!“

Aber hui, wer belehrt mich hier eines Besseren? Sagen wir’s so: Ein gewisses Quartett aus Nordlondon mit der Sängerin Ellie Rowsell.

Okay, ich habe Wolf Alice noch nicht live gesehen. Vielleicht gab es da etwas zu erkennen, was ich auf ihren frühen Singles nicht erkannt habe? Die fand ich einfach… nicht gut. So überhaupt nicht! Die waren, so fand ich, Grunge von der Stange. Die liefen sowas von an mir vorbei!

Was, bitteschön, ist zum Beispiel prima an ihrer Single „Moaning Lisa Smile“? Die Melodie mal nicht! Die Grunge-Gitarren? Also echt, die konnte man doch nur spannend finden, wenn man noch nie Grunge gehört hat. Das, was Wolf Alice bisher machten, das haben the Breeders, die Throwing Muses und sogar Veruca Salt vor über 20 Jahren viel aufregender gemacht!

Review: Wolf Alice weiterlesen

Review: Best Coast

California Nights - CMS SourceBest Coast – „California Nights“

Ja, es gibt ein drittes Best Coast-Album, (genauer sind es dreieinhalb, wenn wir die „Fade Away“ EP von 2013 mitrechnen), obwohl man sich lange schon darüber wundern darf, wie zur Hölle Beth Consentino und Bobb Bruno ihren engen Spielraum noch nicht ausgereizt haben. Wenn man immer auf dem gleichen Kaugummi kaut, verliert er doch schließlich irgendwann den Geschmack? Wie viele melancholische, aber aufbauende Drei-Akkord-Girlpop-Garagenrock-Lieder übers unglücklich-Verliebtsein-in-Kalifornien kann man schreiben, ohne dass der Zuhörer das Interesse verliert? Erstaunlich viele, wie auch „California Nights“ wieder zeigt, obwohl schon der Albumtitel uns unmissverständlich mitteilt, dass Best Coast nullnicht vorhaben, etwas an ihrem Grundrezept zu ändern.

Aber wenn sie am Grundrezept schon nichts ändern, dann variieren sie eben die Nuancen. Das reicht bei Best Coast, weil das Grundrezept gut ist. Genau so wie es bei den Raveonettes auch immer reicht (und bei den Dum Dum Girls knapp nicht).  Review: Best Coast weiterlesen