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What did you expect from 2018, Pt.1

Hallo, 2018!
Wirst du ein gutes Indie-Jahr werden? Die ersten Anzeichen sind nicht schlecht. Auf so einige spannende Newcomer dürfen wir uns freuen – darüber habe ich neulich schon mal einen Post geschrieben. Natürlich warten wir aber auch auf so einige Größen und persönliche Favoriten, die sich zurück melden.

Ich habe eine Liste unter folgendem Motto zusammen gestellt: „Ausgesuchte kommende Alben 2018“. Dies sind Platten, die fürs neue Jahr schon definitiv angekündigt wurden, die man sicher erwarten oder zumindest realistisch erhoffen darf – oder über die man wenigstens spekulieren kann.
Plötzlich standen da über 30 Namen auf meinem Zettel. Deswegen teile ich die Liste in drei Beiträge auf.
Los geht’s mit Teil 1.

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Review: Børns

borns DopamineBørns – „Dopamine“

In den USA ist diese Platte seit Oktober auf dem Markt und Garrett Borns ist sowas wie ein gefeierter Senkrechtstarter. Auch sein Debütalbum „Dopamine“ wird bejubelt. Der 24-jährige aus Minnesota ist, glaubt man seiner Presse, sowas wie ein Beck des Glamrock. Er vereint fetzige Marc Bolan-Riffs mit moderner Pop-Produktion, überhaupt sprüht sein Debüt nur so vor originellen Style-Kombis und das alles hat er auch noch quasi als Selfmade-Man auf die Beine gestellt. Schließe ich mich der Meinung an? Meh.

Ich will nicht bestreiten, dass Borns vermutlich ein echter Showman ist. Schon als Zehnjähriger war er ausgebildeter (es gibt für sowas eine Ausbildung? Okay…) Bühnenmagier – und wenn das keine perfekte Lehre ist, um später mal eine kostümierte Rampensau geben zu können, das weiss ich nicht weiter.

Magiers lernen auf der Bühne, uns mit Nebel, Spiegeln und cleveren Manövern abzulenken. Wir achten auf die großen Gesten, anstatt auf die kleinen Tricks, mit denen sie uns dann hinters Licht führen. Für mich setzt auch „Dopamine“ zu oft auf den plakativen Knalleffekt. Das Album plustert sich zu mehr auf, als es ist.

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Meine Alben 2015 – Pt.1 (30-21)

josh pyke header

So. 2015 neigt sich dem Ende entgegen. Auch dieses Jahr habe ich wieder (ich bin nun mal voll der Nerd, can’t help it) meine eigene Hitliste der besten Alben der letzten 365 Tage aufgestellt. „Sollte leichter gehen als sonst“, dachte ich, „dieses Jahr habe ich schließlich lauter Reviews auf den Blog gestellt. Ich muss ja eigentlich nur schauen, wer die meisten Punkte kriegte.“ Aber, tja, die jetzige Liste sieht letztlich doch anders aus.

Es zeigte sich: Manchen Alben habe ich in der ersten Euphorie vielleicht zu viele Punkte gegeben, andere Alben entpuppten sich erst langfristig als „Grower“. Ein paar Alben meiner Top 30 habe ich gar nicht besprochen, meistens, weil ich den/die Künstler sowieso im Interview auf dem Blog hatte.

Anyway, jetzt reicht’s mit dem Palaver, ich beginne mit meinem Countdown. Nur eins noch: Am Ende des Artikels findet ihr eine Spotify-Playlist dazu.

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Video Analyse: Awolnation

Laut meinem Zähler rechts ist dies der hundertste Beitrag, den ich seit meinem Blog-Neubeginn unter der Kategorie „New(ish) Clips“ poste. Ich will das zum Anlass nehmen, von jetzt an (wenn ich die Möglichkeit/Zeit habe, oft kommt man ja gar nicht erst dazu) Videos auch mal etwas vertiefter zu besprechen bzw zu bewerten. So nach dem Motto: Was finde ich gut, was nicht? Was finde ich witzig, oder auffällig? Wie deute ich den Song/das Visuelle? Denn wenn es hier nur darum ginge, Videos weiter zu leiten, warum sollte man meinen Blog dann lesen?

Es gibt ein zweites Video vom Awolnation-Album „Run“, und als Single gepickt wurde „I Am“. Nicht unbedingt der Titel, der meine erste Wahl gewesen wäre. Mein Lieblingslied von der Platte ist der Titelsong, der aber wohl im Radio keine Chancen hat. Am Single-tauglichsten ist meiner Meinung nach „Woman Woman.“ Aber gut.

So. Betrachten wir den Clip doch mal. Die ersten 40 Sekunden sind musikalisch sehr reduziert, was der Regisseur (sein/ihr Name wird nicht genannt) auch visuell wiedergibt. Auffällig die Textzeile „I’ll be swimming in a face of flames for these friends of mine I overpaid“ – ganz offenbar eine Abrechnung mit Aaron Brunos alten Dealern.  awolnation i am 1

45 Sek: Der Refrain kommt rein, die Synths, die Beats, und damit gehen auch die Scheinwerfer an. Aaron ist nicht allein, befindet sich in einer ganzen Masse von Tänzern und Tänzerinnen. Der Text des Refrains: „All of these things made me who I am“ – es geht also immer noch um frühere Fehler, aber vor allem darum, diese zu akzeptieren. Video Analyse: Awolnation weiterlesen

Interview: AWOLNATION

awolnation HeaderEine Interviewform, die ich besonders mag, ist unser Fragebogen „Bloss nichts über Musik“, den wir monatlich im piranha haben. Klar, es gibt niveauvollere Gespräche, aber hier kriegt man immer interessante und lustige Sachen mit – und die Befragten haben normal auch ihren Spaß dabei.

Im März spielten AWOLNATION anlässlich ihres zweiten Albums „Run“ in München, so hatte ich die Möglichkeit, ihren Kopf Aaron Bruno über Haustiere, miese Jobs und sonderbaren Lesestoff zu sprechen. Interview: AWOLNATION weiterlesen

Review: Awolnation

awolnation-runAWOLNATION – Run

Aaron Bruno hat eine Historie. Ja, vor „Sail“. Aaron Bruno war Sänger der grellen Knallbonbon-Plakativ-Popper Under The Influence Of Giants, die 2006 ein einziges Mal ihre Rakete zündeten und einen irren Funkenschauer niedergehen ließen – und die komplett ignoriert wurden

War ja klar, dass ich Under The Influence Of Giants total LIEBTE – und damals ein einsamer Rufer in der Wüste war. So eine Popwucht, die erträgt nun mal nicht jeder. Schon gar nicht 2006. Damals glaubten Leute doch echt, die Babyshambles (würg!) wären ’ne gute Band.

Nach diesem niederschmetternden Misserfolg zog sich Aaron erst mal komplett zurück. Wollte, pleite und gebrochen, gar keine Musik mehr machen. Die Lieder, die er danach als One-Man-Projekt AWOLNATION schrieb, waren an erster Stelle Therapie, nichts sonst, es waren Frust-, Rage- und Angstzustand-Bekenntnisse. Aber weil Aaron Bruno nun mal tief im Herzen ein Pop-König ist, entstand dabei ein sonderliches, grobschlächtig-schizophrenes Konglomerat: Juppheidi-Hurra-Pop prallte auf Pulsaufschneid-Grunge, diese zwei Elemente gingen aufeinander los wie zwei verfeindete Frettchen im gleichen Käfig

„Megalithic Symphony“ war ein umwerfend beknacktes Debütalbum voller hanebüchener Brüche, das nur durch Brunos roten Pop-Faden gerade so zusammen geschnürt wurde. Doch in all diesem Chaos: „Sail“, der Welthit. Der den Regeln nach nie einer hätte sein dürfen. Der Beat viel zu schleppend, der Gesang viel zu verzerrt, der Laut/Leise-Kontrast viel zu schroff – und doch, in den USA, in Kanada, in Europa, überall passierte das gleiche: Der Song ringelte sich in die Charts wie eine signalfarbene Raupe – und da blieb, blieb, blieb er einfach. Hielt sich monatelang. Jahrelang, kein Scheiss. Rettete Aaron Bruno. Machte ihn zum Erfolgsact. Zum Millionenseller. „Sail“ steht jetzt bei unglaublichem 6-fach-Platin, sowohl in den USA als auch in Kanada. Und verkauft immer noch.

So. Was bedeutet das jetzt alles fürs zweite AWOLNATION-Album „Run“? Review: Awolnation weiterlesen