Review: The Preatures

The-Preatures_Blue-Planet-EyesThe Preatures – Blue Planet Eyes

Teilt denn niemand meine innige Liebe zu Sydneys The Preatures? Reaktionen, die ich zu diesem Album bisher erhalten habe, lauteten z.B. „mir zu Bayern 3-mäßig“ oder „wie zu erwarten: nur ein einziger Hit drauf“ . Sorry, aber ich sehe das halt komplett anders!!

Bayern-3-mäßig? Oh, ich WÜNSCHTE, Bayern 3 würde Popmusik auf so hohem Niveau spielen! Denn klar, dies ist Pop. So, wie Phoenix und Haim Pop sind. So wie The Pretenders, manchmal Blondie, so wie sogar Clout und Suzi Quatro Pop waren. Es sind schnittige, kurze Songs voller Hooklines und ohne ein Gramm Fett. Auf meinem alten Blog (jaja – schnief) hatte ich ein Interview mit Preatures-Sängerin Isabella Manfredi, in dem sie davon sprach, wie sie lernte, zu kürzen. Wie sie in Songs, die vier Takte Intro hatten, versuchte, das Intro auf zwei Takte zu editieren. So schnell wie möglich zum Punkt zu kommen. Entsprechend toppt kein Song auf dieser Platte die 4-Minuten-Marke, und das ist gut so. Dafür haben die Lieder Refrains, die sich im Ohr einnisten, und subtile, luftige Arrangements mit viel freiem Raum. Dieser gibt den einzelnen Gitarrenlicks und den smarten Bassläufen die Möglichkeit, sich zu zeigen. Ausnahme: Der impressionistisch-schummrige Opener „Blue Planet Eyes“, der aber als atmosphärisches Intro eine prima Rolle erfüllt.

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Interview: The Punch Brothers

Punch Brothers Header

Oh, darauf habe ich mich gefreut! Chris Thile ist ein anerkanntes Genie! Der Mandolinen-Maestro ist nicht nur Vordenker der Punch Brothers, sondern hat noch zahllose weitere Projekte am Laufen, die Folk, Klassik, populäre und progressive Musik vereinen.
In unserem Telefoninterview ging’s allerdings vor allem um „The Phosphorescent Blues“, die aktuelle Platte der Punch Brothers – der Band, die zwar in der traditionellen Old Time String Band-Besetzung spielt (Banjo, Mandoline, Fiddle, Gitarre, Stehbass), sich aber auf inzwischen vier LPs in allen möglichen anderen Musikrichtungen austobt.

Zur Erklärung unseres Smalltalk-Einstiegs: Chris Thile & Co waren für ihre Interviews in Hamburg, als über der US-Ostküste gerade ein Rekordwintersturm niederging

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Crow Me Something New

Das jüngste Album der Alternative-Bluegrass-Könige (und engen Freunde von Mumford & Sons) Old Crow Medicine Show erschien letzten Hochsommer – jetzt legen die Herren um Ketch Secor mit einem zweiten Video aus der Platte nach, und zwar: „Brushy Mountain Conjugal Trailer“.
Der „Conjugal Trailer“, das wissen diejenigen von Euch, die US-Serien gucken, ist der Wohnwagen, in dem Häftlinge ihren ehelichen Pflichten nachkommen dürfen, wenn die Liebste mal auf Besuch kommt. Kein Wunder, dass die Stimmung Im Brushy Mountain Gefängnis sehr ausgelassen ist.

Review: Idlewild

Idlewild-Everything-Ever-WrittenIdlewild – Everything Ever Written

Ach, Idlewild! SO eine Lieblingsband, seit so langer Zeit! Aber: Ich war neulich beinahe geschockt, weil eine Freundin die vielleicht beste Band Schottlands nicht kannte. Wie kann man Idlewild nicht kennen? Nicht lieben?

Dann fiel mir auf: Halt, sie ist Anfang 20. Und Idlewilds letzte Platte „Post Electric Blues“ ist nun mal von 2009 – und es war keine Platte, die die Erde in ihren Grundfesten erschütterte. Es war, wie auch schon „Make Another World“ (2007), das Album einer Band, die vielleicht ein bisschen zu lange dabei war, und der die Bestimmung abhanden gekommen war. Eine Band, die nach dem Verlust des Majorlabel-Deals mehr aus Trotz und aus Routine weiter machte, als weil ihr wirklich Steine auf dem Herzen lagen. Beide Alben waren nicht gleich schlecht, beide hatten ihre definitiven Song-Highlights, aber im Vergleich zu Idlewilds so erstaunlicher Diskographie vom rotzigen „Hope Is Important“ (1998) über das packende „100 Broken Windows“ (2000), das überlegte „The Remote Part“ (2002) bis zum variantenreichen „Warnings/Promises“ (2005) waren die Alben ein bisschen ausgefranst. Nicht zielgerichtet. Idlewild waren also seit acht Jahren nicht mehr so wirklich relevant, also ist es nicht weiter verwunderlich, dass sie jüngeren Indie-Kids nur noch wenig sagen.

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Race For The Prize – Pt 3

Haim_Augustiner_2Letzte Woche war es wieder so weit – im kleinen Kreis traf sich in meiner Küche eine so unbestechliche wie unbedarfte, selbsternannte Expertenrunde. Wir kamen zusammen, um den unbedeutendsten Musik-Award der Industrie zu küren: Den inzwischen jährlichen 1-Kasten-Augustiner Preis für den Song des Jahres. (Was das ist, lest hier und hier – wo ihr auch die erste Kandidatenliste findet.)

Wir immer wurde die Shortlist erweitert, denn wer mitmacht, darf auch nominieren: Julian wählte „Easy Money“ von Johnny Marr, Nat pickte „Ålen“ von Amason. Dani konnte sich nicht entscheiden, aber Elena hatte trotz Abwesenheit aus dem Wiener Exil einen Kandidaten gemeldet: Der Nino aus Wien mit „Am heissesten Tag des Sommers“

Das Prinzip ist nun wie beim Tennisturnier: Es treten immer zwei Songs gegeneinander an, der Sieger kommt weiter in die nächste Runde. Legen wir doch einfach gleich los!

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There will be Flood(lights)

Ein neuer Monat = ein neuer Clip vom aktuellen Aussie-Album „Soft Focus“ von The Ocean Party = eine neue Beschwerde von mir, warum man die Platte auch in Zeiten des Internet hierzulande noch nicht legal kriegt = ein weiteres Mal droppe ich die ebenfalls aus Melbourne stammenden Namen Twerps, Lower Plenty und Dick Diver, weil ich finde, auch The Ocean Party gehören mit ihrem smarten LoFi-Jangle-Pop in die Dolewave-Schublade, in die natürlich keiner von all denen rein will. Whatever. Der neue Clip ist zum Song „Floodlights“.

Pokey-Dokey

Ich bin kein Fan von „Lyric Videos“, aber dafür mag ich Pokey LaFarge umso lieber. Was Kitty, Daisy & Lewis können, kann der fein gekleidete Mann aus Illinois auch: 40s/50s-Sounds so 1:1 superauthentisch rekreieren, dass man kaum glauben kann, dass es brandneue Musik ist. Nur, dass Pokey das Ganze mit Country-Flavour macht.

Pokeys letztes Album erschien 2013 auf Jack Whites Label Third Man Records (es ist nie verkehrt, so einen Promi-Fan zu haben), eine neue kommt (zumindest in den Staaten) am 07.04. über die renommierten Rounder Records (u.a.Willie Nelson).

Re-Introducing Palace Players

Das war eigentlich eine ziemlich gute Band, die Caesars bzw Caesars Palace, wie sie ursprünglich in Schweden hießen, als sie ihre Karriere begannen. Mit ihrem Garagenpop haben sie uns in den Nullerjahren viel Spaß gemacht. Sänger Cesar Vidal ist heutzutage Musiklehrer, liest man, während Jocke Åhlund (Gitarre) als Mitglied der Teddybears immer noch aktiv ist und demnächst offenbar wieder ein Album an den Start bringt.

Warum komme ich auf die Caesars? Weil ihr Label in Schweden einen ganzen Stapel alter Videos auf youtube hochgestellt hat. Darunter eine Menge Clips, die ich nie vor die Augen gekriegt habe – und die uns daran erinnern, dass die Jungs eine Menge Hits außer „Jerk It Out“ hatten.

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Various Clipping

Es gibt in diesen Tagen wieder ein paar (recht) neue Videos, aber auch das alte Problem, dass ich hier nur youtube, vimeo und dailymotion einbauen kann, wobei youtube gerne gesperrt wird. Was soll’s, dann gibt’s eben erst mal ein paar Links.

1. Ich liebe den norwegischen Songwriter Jonas Alaska. Während hierzulande in Kürze eine Art Best-Of seiner ersten zwei Alben erscheinen wird, steht in Norwegen sein drittes Album vor der Tür. Hier setzt Jonas, der bisher fast ausschließlich akustisch unterwegs war, mehr E-Gitarren ein- aber dezent genug, dass es Jonas Alaska bleibt. Hier seine aktuelle NO-Single „I’m Sorry“.

An dieser Stelle mache ich einen Break – aber wenn ihr auf „Continue Reading“ klickt, findet ihr zu Clips von Spector, The Cribs, Theme Park, The Love Junkies und Shakey Graves Various Clipping weiterlesen

Sturge it up!

Ach, ich freu‘ mich einfach so für den umwerfenden Sturgill Simpson, dass es für ihn in den USA gerade so durch die Decke geht. „Metamodern Sounds In Country Music“ hat jetzt 100.000 Alben verkauft und steigt neun Monate nach VÖ weiterhin in den Country Charts nach oben, all die Pop-Acts hinter sich lassend. Remember, das ist eine Platte, die Sturgill komplett selbst finanzierte und mit seinem eigenen Label an den Mann brachte. Inzwischen hat er fürs dritte Album einen Vertrag bei Atlantic unterschrieben und dieses offenbar im Januar auch aufgenommen. Nach seiner (natürlich krass ausverkauften) aktuell laufenden US-Tour dürfen wir uns wohl darauf einstellen, dass die VÖ von Album 3 erstmals mit viel Brimborium angeschoben wird.

Gestern spielte Sturgill mal nicht vor einer ausverkauften US-Halle, sondern hatte seinen zweiten Auftritt bei David Letterman. Er spielte „Long White Line“ und Gitarrist Laur Joamets aka Little Joe tobte sich mal wieder so richtig auf dem Griffbrett aus. Ich bin normal kein Fan von Gitarrensolos, aber wenn Little Joe loslegt, liebe ich es.

Hier eben noch mal der Link zu meinem Interview.

Indiekram. Mehr oder weniger. Interviews, Reviews, Playlists, Commentary.