Will The Circa Be Unbroken?

Tja, wie steht man zu Circa Waves aus Liverpool? Man weiss, die Jungs sind eigentlich nicht individuell und special genug. Sie haben bisher ein paar Singles zwischen okay und meh gemacht, die sich safe auf dem Gebiet von TDCC und den Kooks aufhalten, eigenen Wiedererkennungswert noch vermissen lassen und deswegen auch den eher bemühten als ehrlichen NME-Mini-Hype nicht rechtfertigen. Trotzdem, bei so wenigen UK-Indie-Bands, die zur Zeit unterwegs sind, die wenigstens ein Bisschen was versprechen, will man sie ja auch nicht abschreiben. Wenigstens benutzen sie Gitarren, wenigstens sind sie zu viert, wenigstens blubbern und fiepen und bassen sie nicht nur als Einzelgänger mit ihrem Laptop.
Die Single „T-Shirt Weather“ beginnt mit echt netten Gitarren, die sich gut ins Ohr kombinieren. Dann aber setzt die Strophe ein und alles geht den Bach runter. Denn die Gitarren setzen so ärgerlich vorhersehbar aus und alles klingt so 08/15 tausendmal gehört, dass man schon dem Glauben an Indie überhaupt abschwören will. Aber wie man noch hadert, kommt der Refrain mit der happy Hurra-Power eines frühen Kooks-Hits, was zwar auch nullnichts Neues ist, dafür aber ansteckend wie Ebola im Quadrat. Fazit? Mei, Circa Waves sind echt keine Offenbarung, aber lassen wir sie mal machen.

Kangaroo Courtney

Warum ging’s so schnell, dass Courtney Bartnett zum Hype-Thema wurde, obwohl sie doch so Melbourne-spezifische Lieder schreibt? Weil universelle Wahrheiten manchmal am Besten am konkreten Beispiel erklärt werden, und weil Courtney eine die idealen Bilder findende, und dabei auch drollige Erzählerin ist. Siehe: „Depreston“, ein weiterer Vorabsong des Albums „Sometimes I Sit And Think, And Sometimes I Just Sit“

Worum geht’s? Courtney sucht eine neue Bleibe und schaut sich ein ein Häuschen im Melbourner Stadtteil Preston an – eine Gegend so trist, dass sie sie gleich „Depreston“ umbenennt. Als sie im Haus auf Utensilien und Fotos der Vormieter stößt, lenkt sie das so ab, dass sie sich auf die Wohnung nicht mehr konzentrieren kann. Und jetzt sagt mir, dass ihr diese Situation und dieses Gefühl nicht total nachvollziehen könnt und diese Schwermut nicht mit Courtney fühlt. Ich kann’s und ich fühl’s – dabei war ich noch nie so richtig auf Wohnungssuche. Erst recht nicht in einem etwas außerhalb gelegenen Stadtteil Melbournes. Kleine große Kunst, thy name is Courtney.

Review: The Charlatans

charlatansThe Charlatans – Modern Nature

Ich bin spät dran mit dieser Rezension. Aber heute habe ich über Noel Gallagher geschrieben, über ein Album, über das jemand anderes behauptete, es sei „die beste Britpop-Platte seit Langem“. Derjenige hat keine Ahnung, denn eine prima Britpop-Platte erschien schließlich erst vor vier Wochen.

Britpop. Lange nicht gelesen, das Wort. Im Mai 1995, in genau der Woche, in der sich Oasis und Blur mit „Country House“ und „Roll With It“ den „Britpop War“ lieferten, erschien auch The Charlatans „Just When You’re Thinking Things Over“. Britpop blühte, und sie waren mittendrin. Ihr viertes Album, nur „The Charlatans“ getauft, ging auf die #1 der UK-Charts. Es war eine von vielen Wiedergeburten der Band, denn man hatte sie zwischendurch beinah abgeschrieben. Durchgestartet waren Tim Burgess und Co schließlich schon 1989, surfend auf der Baggy-Welle: Aber lange sah es so aus, als würden sie die Erfolge von ihrem Ewigkeits-Hit „The Only One I Know“ und ihrem #1-LP-Debüt „Some Friendly“ (1990) nie wiederholen können.

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The Pokey To Your Heart

Krank sein nervt so dermaßen! Diese Tage habe ich die Konzerte von Idlewild sowie von Kitty, Daisy & Lewis verpasst, weil mein Körper fand, er muss unbedingt zitternd und schwitzend unter der Decke liegen und schon kurze Trips in die Küche als Zumutung empfinden. Das erwähne ich, weil auch immer an Kitty, Daisy & Lewis denken muss, wenn es um Pokey LaFarge geht, den drolligen Country-Boy, der mit den Londoner Geschwistern den 40s/50s-Retro-Ansatz teilt.
Das Lyric-Video zu Pokeys neuer Single (sowie Titelsong vom kommenden Album) „Something In The Water“ habe ich neulich schon geteilt, jetzt hat Mr. LaFarge auch ein properes Video nachgelegt. Ich hoffe, der Gute tourt auch mal wieder hierzulande – und dann bin ich hoffentlich nicht krank.

Review: Noel Gallagher

Noel Gallagher CoverNoel Gallagher’s High Flying Birds – Chasing Yesterday

Wer beim Kicker-Managerspiel ein Team angemeldet hat, ärgert sich jeden Montag, wenn die Noten vergeben werden. Da kriegt der holzhackende Innenverteidiger vom Abstiegskandidaten, der ein Unentschieden rettete, einen Bestwert – dabei KANN er gar nicht besser gespielt haben als der Top-Stürmer vom Gegner, der ausnahmsweise mal nicht getroffen hat und zur Strafe gleich Minuspunkte kriegt. Denn beim Kicker benoten sie offenbar nicht das tatsächliche Spiel, sie benoten eher, wie nah der einzelne Fußballer den oberen Rand seiner Leistungsgrenze abruft. Wer wenig drauf hat, aber alles rausholt, kriegt seine Belohnung – ein Fußballgenie dagegen, das nicht sein komplettes Potential zeigt, wird abgestraft. Ihr ahnt schon, was das alles jetzt mit Noel Gallagher zu tun haben wird.

Wir alle LIEBEN Noel Gallagher als Type. Derzeit machen wieder einige Zitate aus der aktuellen Interview-Rutsche die Runde, für die man dem Mann lebenslang einen ausgeben will. Noel redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist – wer sonst tut das noch in der Musikbranche, wo schon jeder Neuling PR-trainiert nur mit angezogener Handbremse antwortet, um ja nicht anzuecken. Noel gibt herrliche Soundbites, in denen er rüberkommt wie ein gewitzter Typ, der mit sich im Reinen ist, der sich über alles, was er sieht, eher amüsiert als aufregt und eigentlich nur seine Ruhe will. Das sei ihm gegönnt. Nur: So ein Mindset ist nicht unbedingt die beste Ausgangslage, um eine neue Platte zu machen. Und weil es Noel Gallagher ist, von dem wir hier reden, dürfen wir schon auch mal richtig enttäuscht sein.

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Race For the Prize – Pt. 4

Haim_Augustiner_magenta

So, meine Lieben! Ihr habt verdient, zu erfahren, wer den 1-Kasten-Augustiner-Preis für den Song des Jahres 2014 bekommen wird!
Was das ist? Das erkläre ich noch mal HIER!
Wer dieses Jahr nominiert war: HIER!
Teil 1 der Auswertung: HIER!
Jetzt aber ohne Umschweife zur Kür der Sieger! Race For the Prize – Pt. 4 weiterlesen

Åtömström revisited

Kürzlich postete ich hier einen Beitrag, weil mir aufgefallen war, dass die warner Schweden all die alten Videos von den Caesars neu digitalisiert auf youtube gestellt hat. Inzwischen macht man dort fleißig weiter mit zahllosen weiteren Vintage-Clips – Clips, die dabei ursprünglich gar nicht auf warner erschienen, sondern bei Virgin. Wir kombinieren ergo: Ganz offenbar ist die ehemalige Virgin SWE von der schwedischen warner übernommen worden. Jetzt kümmert man sich dort darum, diesen Backkatalog verfügbar zu machen.
Dazu muss man wissen: Die Virgin Schweden hatte Anfang des Jahrtausends einen echten Lauf (nicht zuletzt durch ihr Göteborger Indie-Subsidiary Dolores). Neben den Caesars waren dort u.a. The Ark, Weeping Willows und Håkan Hellström unter Vertrag – alles Acts, ohne die die Atomic-Schweden-Sampler namens „Åtömström“, die ich 2004/2005 kompilieren durfte, nicht ausgekommen wären.
Also gönnen wir uns doch eben eine Nostalgie-Runde mit drei Songs von „Åtömström 2“:



… und als nächstes hoffen wir, dass auch die Virgin-Videos von Melody Club und den Deportees nachgelegt werden.

Review: The Preatures

The-Preatures_Blue-Planet-EyesThe Preatures – Blue Planet Eyes

Teilt denn niemand meine innige Liebe zu Sydneys The Preatures? Reaktionen, die ich zu diesem Album bisher erhalten habe, lauteten z.B. „mir zu Bayern 3-mäßig“ oder „wie zu erwarten: nur ein einziger Hit drauf“ . Sorry, aber ich sehe das halt komplett anders!!

Bayern-3-mäßig? Oh, ich WÜNSCHTE, Bayern 3 würde Popmusik auf so hohem Niveau spielen! Denn klar, dies ist Pop. So, wie Phoenix und Haim Pop sind. So wie The Pretenders, manchmal Blondie, so wie sogar Clout und Suzi Quatro Pop waren. Es sind schnittige, kurze Songs voller Hooklines und ohne ein Gramm Fett. Auf meinem alten Blog (jaja – schnief) hatte ich ein Interview mit Preatures-Sängerin Isabella Manfredi, in dem sie davon sprach, wie sie lernte, zu kürzen. Wie sie in Songs, die vier Takte Intro hatten, versuchte, das Intro auf zwei Takte zu editieren. So schnell wie möglich zum Punkt zu kommen. Entsprechend toppt kein Song auf dieser Platte die 4-Minuten-Marke, und das ist gut so. Dafür haben die Lieder Refrains, die sich im Ohr einnisten, und subtile, luftige Arrangements mit viel freiem Raum. Dieser gibt den einzelnen Gitarrenlicks und den smarten Bassläufen die Möglichkeit, sich zu zeigen. Ausnahme: Der impressionistisch-schummrige Opener „Blue Planet Eyes“, der aber als atmosphärisches Intro eine prima Rolle erfüllt.

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Interview: The Punch Brothers

Punch Brothers Header

Oh, darauf habe ich mich gefreut! Chris Thile ist ein anerkanntes Genie! Der Mandolinen-Maestro ist nicht nur Vordenker der Punch Brothers, sondern hat noch zahllose weitere Projekte am Laufen, die Folk, Klassik, populäre und progressive Musik vereinen.
In unserem Telefoninterview ging’s allerdings vor allem um „The Phosphorescent Blues“, die aktuelle Platte der Punch Brothers – der Band, die zwar in der traditionellen Old Time String Band-Besetzung spielt (Banjo, Mandoline, Fiddle, Gitarre, Stehbass), sich aber auf inzwischen vier LPs in allen möglichen anderen Musikrichtungen austobt.

Zur Erklärung unseres Smalltalk-Einstiegs: Chris Thile & Co waren für ihre Interviews in Hamburg, als über der US-Ostküste gerade ein Rekordwintersturm niederging

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Crow Me Something New

Das jüngste Album der Alternative-Bluegrass-Könige (und engen Freunde von Mumford & Sons) Old Crow Medicine Show erschien letzten Hochsommer – jetzt legen die Herren um Ketch Secor mit einem zweiten Video aus der Platte nach, und zwar: „Brushy Mountain Conjugal Trailer“.
Der „Conjugal Trailer“, das wissen diejenigen von Euch, die US-Serien gucken, ist der Wohnwagen, in dem Häftlinge ihren ehelichen Pflichten nachkommen dürfen, wenn die Liebste mal auf Besuch kommt. Kein Wunder, dass die Stimmung Im Brushy Mountain Gefängnis sehr ausgelassen ist.

Indiekram. Mehr oder weniger. Interviews, Reviews, Playlists, Commentary.