Sturge it up!

Ach, ich freu‘ mich einfach so für den umwerfenden Sturgill Simpson, dass es für ihn in den USA gerade so durch die Decke geht. „Metamodern Sounds In Country Music“ hat jetzt 100.000 Alben verkauft und steigt neun Monate nach VÖ weiterhin in den Country Charts nach oben, all die Pop-Acts hinter sich lassend. Remember, das ist eine Platte, die Sturgill komplett selbst finanzierte und mit seinem eigenen Label an den Mann brachte. Inzwischen hat er fürs dritte Album einen Vertrag bei Atlantic unterschrieben und dieses offenbar im Januar auch aufgenommen. Nach seiner (natürlich krass ausverkauften) aktuell laufenden US-Tour dürfen wir uns wohl darauf einstellen, dass die VÖ von Album 3 erstmals mit viel Brimborium angeschoben wird.

Gestern spielte Sturgill mal nicht vor einer ausverkauften US-Halle, sondern hatte seinen zweiten Auftritt bei David Letterman. Er spielte „Long White Line“ und Gitarrist Laur Joamets aka Little Joe tobte sich mal wieder so richtig auf dem Griffbrett aus. Ich bin normal kein Fan von Gitarrensolos, aber wenn Little Joe loslegt, liebe ich es.

Hier eben noch mal der Link zu meinem Interview.

spot-ting some danes, pt 1

Es ist schon sowas wie Tradition: Ein mal im Jahr besuche ich in Aarhus das SPOT Festival, denn dort stellt die dänische Musikwelt der internationalen Branche und zahlreichen Fans immer die neuesten Acts ihrer florierenden Szene vor. Auch aus dem Rest Skandinaviens zeigen sich neue und kommende Namen. So konnte ich dort schon prima dänische Lieblingskünstler wie VETO, Turboweekend, Vinnie Who, the Raveonettes, The William Blakes, Blaue Blume, Rangleklods, Reptile Youth, Treefight For Sunlight, When Saints Go Machine und zig andere kennenlernen oder endlich live sehen. Das gleiche gilt für Nicht-Dänen wie Jonas Alaska (NO), Jonathan Johansson (SE), Byrta (FO), Young Dreams (NO), Familjen (SE), Deportees (SE), Amason (SE) und noch viel mehr. Also lohnt sich ein Blick ins Programm – picken wir doch mal blind ein paar Bands raus, die wir noch nicht kennen und bilden uns ein Blitzurteil. Nach dem Break gibt’s also eine Handvoll Videos von dänischen (relativen) Newcomern. spot-ting some danes, pt 1 weiterlesen

Salo Mortale

Mei, was haben wir uns Anfang der Nullerjahre über The Ark gefreut! Nachdem Indie die Jahre zuvor stagniert hatte, hatte die paradiesvogelbunte Popwucht dieser Schweden was regelrecht Radikales. Mit The Ark konnte man die Leute mal wieder so richtig aufregen – denn Kostümwechsel von hautengem Plastik in die Federboa, die waren lange verboten. Zuckersüßer Hurra-Glampop erst recht! Aber bei Indie geht’s darum, nicht mitzulaufen, sondern sein eigenes Ding zu drehen und stolz weiter zu machen, auch wenn die Leute spucken. Deswegen waren The Ark mutiger und mehr Indie als ihre Zeitgenossen.

Aber klar, irgendwann war die Luft raus aus dieser Party. 2011 kam ihre abschließende Single-Collection „Arkeology“ und danach habe ich die Sache auch nicht mehr weiter verfolgt. Ich habe so weit mitgekriegt, dass The Ark-Sänger Ola Salo heute in Stockholm auf Musicalbühnen singt, u.a. den „Jesus Christ Superstar“. Dass er eine Solokarriere verfolgt, war an mir bisher vorbei gelaufen. Das aber tut Ola, und er hat eine aktuelle Single draußen namens „Go On Go On“. Ja, es ist immer noch so nah am Glitzerpop, dass man Zahnschmerzen kriegt. Andererseits, auch bei The Ark musste man erst durch die Zahnschmerzen durch, ums zu kapieren. Und: Es gibt Killers-Songs, die sind ähnlich nah am Schlager. Posten wollte ich’s immerhin, damit man sich eine Meinung bilden kann.

Das Video habe ich noch nicht in einbettbarer Version gefunden, hier immerhin ein Link und eine SWE-TV-Performance der Single:

Twerpy Twerpy Tweep Tweep

Hach, ich liebe sie ja schon sehr, die Twerps aus Melbourne. Am Donnerstag hatte ich ein Skype-Gespräch mit Sänger Martin Frawley. Leider ist es noch nicht transkribiert. Das hätte natürlich gepasst, wenn ich es pünktlich zum neuen Video „Stranger“ hätte liefern können. So aber muss ich euch vertrösten und um etwas Geduld bitten. Übrigens, die Twerps kommen im Mai für drei Termine nach Deutschland, unter anderem nach München ins Theatron. Hurra!


Ach ja, „Stranger“ kommt natürlich vom zweiten Twerps-Album „Range Anxiety“. Aber das wusstet ihr ja alle schon!

Interview: Guster

header guster

Karrieren können umschlungene Wege gehen. In den USA sind Guster aus Boston seit tatsächlich fast zwei Jahrzehnten aktiv. Sie können dort inzwischen auf eine große Fanbase zählen und steigen mit ihren Alben immer mindestens in den Billboard Top 30 ein. In Europa dagegen kennt man ihren feinen Indiepop noch beinahe gar nicht. Ob sich das mit dem neuen Album „Evermotion“ ändern wird? Immerhin haben die vier im März nun ihre erste Deutschlanddaten im Tourplan. Gusters Sänger Ryan Miller beantwortete mir ein email-Interview.

Interview: Guster weiterlesen

Thank You For The MEWsic

Oh, Hurra! Da ist sie, die neue Single von Mew!
Der erste Teaser fürs kommende Album namens „+ -“

Wer Mew nicht kennt (und es ist ja auch schon sechs Jahre her, seit die Kopenhagener was Neues gemacht haben): Das ist verkünstelter, komplexer, ambitionierter, atmosphärischer Indie-Rock mit Brüchen, Tempo- und Farbwechseln – was ja eine knifflige Kombi sein kann, die anderen Bands gerne mal daneben geht. Dieser Sound könnte auch in prätentiöse Wichtigtuerei ausarten, aber die ehemaligen Filmstudenten Mew schaffen es immer, echten schwelgerischen Ohrenschmaus zu kreieren.

Es singt: Jonas Bjerre, der seit dem letzten Mew-Album „No More Stories“ (2009) auch ein prima Soloalbum und zwei Alben mit Apparatjik (seiner gemeinsamen Band mit Magne Furuholmen von a-ha, dem Producer Martin Terefe und Guy Barryman, Coldplay) hingelegt hat, die ebenfalls superduper-hörenswert sind und Euch hiermit ans Herz gelegt seien.

MEW „Satellittes“ from casper balslev on Vimeo.

Ditch This!

Wie regelmäßige Leser des Blogs mitbekommen haben, habe ich ein paar Playlists auf Spotify angelegt, zumeist alte DJ-Sets vom Britwoch im (Gott habe es selig) Atomic.
Allerdings, diese Playlists sind ja quasi abgeschlossen. Deshalb dachte ich mir: Ich könnte ja mal eine Liste anlegen, die ich regelmäßig um neue Songs erweitere und bei der ich alle paar Monate die Lieder rausschmeiße, die schon länger drin sind. So hätte man immer einen relativ aktuellen Stand. Alright – und damit präsentiere ich Best Ditches – die Spotify Playlist. Enjoy.

p.s. Mein Schwedisch ist leider minimal, und Jonathan Johansson singt auch noch mit extremem Skåne-Dialekt. Wenn man einen Text schon nicht versteht, ist es da nicht umso lustiger, wenn einem in der Middle Eight seiner neuen Single „Alla Helveten“ plötzlich das Wort „Ibrahimovic“ entgegen springt?

Art Brood

Im letzten halben Jahr des Atomic Café hatte ich die Möglichkeit, noch mal einen neuen Abend auszuprobieren. Ich rief den etwas holprig benannten „Hank Furbisher’s Hee Haw Humdiger“ ins Leben, um meine wieder gefundenen Liebe in Sachen Americana/alt.Country und Indiefolk hinterm DJ-Pult auszuleben, setzte mir einen Stetson auf und wurde einen Donnerstag im Monat zu Hank Furbisher. Nun gut, der Donnerstag im Atomic war nicht mehr wieder zu beleben und ich hatte mir schon mehr Resonanz erhofft. Aber ein paar der Abende wurden zu wirklich prima Parties. Ein Song, der dort zuletzt ins Programm fand, ist die Nummer „Jigsaw Heart“ der kanadischen Indie-Folker Elliott Brood. Es ist das klare Highlight ihres Albums „Work And Love“, weswegen sie nun auch ein neues Video dafür gedreht haben.

Barnett mit dir

„Put me on a pedastal, and I’ll only disappoint you“ singt Courtney Barnett auf ihrer neuen Single „Pedestrian At Best“. Klingt, als sei der Selfmade-Songwriterin und Label-Leiterin der Hype um ihre Person selbst nicht ganz geheuer. Am 23. März erscheint weltweit die neue Platte, da werden wir sehen, wie sich all die Vorschusslorbeeren auswirken.

Was Courtneys Label angeht, das nennt sich Milk Records, und hier veröffentlicht sie die Songs befreundeter Bands aus Melbourne. denn, so sang sie ja schon in „Are You Looking After Yourself“: „My friends play in bands that are better than anything on the radio“. Eine dieser Bands sind z.B. Royston Vasie, die Musiker von Royston Vasie überschneiden sich zum Großteil mit Courtneys Backingband.

Und falls ihr euch jetzt fragt: „Woher kenne ich noch den Namen ‚Royston Vasie'“? – Vielleicht habt ihr vor ein paar Jahren die UK-Comedyserie „The League Of Gentlemen“ geschaut? Die spielte im fiktiven Ort „Royston Vasie“. Benannt übrigens nach dem Geburtsnamen des UK-Komikers Roy „Chubby“ Brown.
Was ist aus dem Trio „The League Of Gentlemen“ geworden? Steve Pemberton und Reece Shearsmith haben die Serien „Psychoville“ und „Inside Nr. 9“ gedreht – zwei absolute DVD-Tipps. Mark Gattiss wurde zu einem der Autoren hinter „Doctor Who“ und „Sherlock“ – hier spielt er auch mit, die Figur des „Mycroft Holmes“. Bei „Game Of Thrones“ spielt er den „Tycho Nestoris“. Tja, und so haben wir den Bogen von Courtney Barnett bis zu Game Of Thrones gespannt.

Indiekram. Mehr oder weniger. Interviews, Reviews, Playlists, Commentary.