Review: The Helio Sequence

heliosequence-theheliosequence-1425px300The Helio Sequence – „The Helio Sequence“

Langsam dürfen The Helio Sequence sich ungerecht behandelt fühlen. Gitarrist/Sänger Brandon Summers und Drummer Benjamin Weikel bewegen sich in Portland in einem Umfeld von Bands, die alle auf von Album zu Album ein Stück bekannter wurden. Aber während Modest Mouse (für die Weikel zeitweise trommelte), Death Cab For Cutie, The Decemberists und Spoon irgendwann eine kritische Schwelle überschreiten, ein Massenpublikum erreichen und in die US-Top-Ten stürmen konnten, scheint dieser Knackpunkt für The Helio Sequence immer noch außer Reichweite. Ich fürchte, auch ihr sechstes Album wird an der Situation wenig ändern. Ich lege euch die Platte trotzdem hiermit ans Herz.

„Battle Lines“, der Opener von „The Helio Sequence“ beginnt mit einem Marsch-ähnlichen Midtempo-Drumbeat, wie ihn auch Modest Mouse gerne einsetzen. Ein dezentes, spielerisches Gitarrenmotiv von Summers setzt ein – der Mann kann hörbar was an der Gitarre, aber er macht kein flashiges Brimborium draus. Das ist sehr souverän. Auch im Gesang bleibt er zurückhaltend, beinahe stoisch. So murmelt/flüstert er die Strophen und den Refrain, es sind gute Melodien, aber gebremst rüber gebracht, angenehm ohne Pathos.

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Right As Rainy

Ich will hier nicht wahllos jedes neue Video posten, sondern lieber wirklich nur das, was ich prima oder aus einem anderen Grund irgendwie bemerkenswert, wichtig oder spannend finde. Ich habe deshalb zuletzt ein paar Tage überlegt, ob ich diesen Clip der Rainy Day Women aus Perth, Westaustralien, hier platzieren soll. Sie ist ja schon ein bisschen brav, ihre aktuelle Single „Are You Coming Home?“ Und ich habe mich gefragt: Gefällt mir das vielleicht auch deshalb, weil die Sängerin, sie heisst Carmen Pepper, so bezaubernd aussieht in dem Clip?

Aber je öfter ich den Song höre, desto mehr wächst er mir ans Herz, desto mehr entdecke ich hier Mazzy Star/Cardigans-Vibes. „Rainy Day Women“ ist natürlich ursprünglich ein Songtitel von Bob Dylan, das ist sicher schon mal ein Hinweis, wo diese Band so etwa hin will. Ihr Songwriter trägt sogar den Vornamen Dylan (Nachname: Olivierre) und er nennt auch Feist, Fleetwood Mac, Elliott Smith und The Sleepy Jackson als Einflüsse.

Marlon Brandnew

Oh, das sind super Nachrichten: Wenn nächste Woche die wunderbaren Australier Husky (hier mein Interview zum letzten Album „Rucker’s Hill“) auf Deutschlandtour kommen, nehmen sie im Vorprogramm den neuseeländischen Sänger Marlon Williams mit. Der junge Mann ist mir schon positiv aufgefallen – down under ist sein Solodebüt in diesen Tagen erschienen, hierzulande müssen wir noch warten.
Aber vielleicht hat er’s ja am Merch-Stand dabei? Anyway: Ein Grund mehr, zur Show zu kommen, und zwar früh!

Review: DMA’s

DMA’S – „DMA’S“

Jetzt aber. Fuck yeah! THAT’S what I’m talking about!

Das hier, das ist der Grund, weswegen wir Indie-Fans wurden! Musik, die man hört und es durchfährt einen ein Blitz von Euphorie! Gleissende, blendend weisse Begeisterung!

Oh Gott ja, jajaja, die DMA’s klingen wie Oasis. Hundertpro. Sie singen sogar Textzeilen, die mit „Shiiiiiiine“ enden! Aber! Aber aber! Sie schreiben genau die Songs, die Noel aufgehört hat, zu schreiben, bevor „Be Here Now“ kam!

Diese Band hat vor einem Jahr ca gerade mal ihr erstes Konzert gegeben. Zwei, drei Jahre haben Johnny Took, Matt Mason und Tommy O’Dell davor nur für sich Songs geschrieben und zu Hause in Johnnys Schlafzimmer/Studio in Newtown, einem Stadtteil von Sydney, aufgenommen. Review: DMA’s weiterlesen

Review: Mumford & Sons

mumfords klein 3Mumford & Sons – „Wilder Mind“

Wir selbsternannten Musik-Gourmets können ja schon auch total blöde Snobs sein. Wir wollen immer nur die „Early Adopter“ sein, wir bejubeln junge Bands und teilen jedem, der’s nicht wissen will, mit: „Die werden mal GROSS!!!!“ Aber was, wenn das tatsächlich passiert? Was, wenn wirklich die breite Masse in echt auf unseren Zug aufspringt? Wenn die von uns als Nachwuchscombo noch begeistert geförderte Gruppe tatsächlich gigantisch erfolgreich wird? Dann wenden wir uns ab, rümpfen die Nase und wollen nix mehr damit zu tun haben.

Gut, es gibt die Fälle wie Coldplay oder die Killers, die tatsächlich eine Kehrtwende in die Belanglosigkeit gemacht haben. Die standen in der Tat schnell für das Gegenteil dessen, für das wir ihre ersten Singles liebten. Aber Mumford & Sons konnte man das bisher nicht vorwerfen. Trotzdem kenne ich Leute, die noch kreischten, als „Sigh No More“ erschien, aber die seit Längerem bei der bloßen Erwähnung ihres Bandnamens ein Gesicht machen, als sollten sie den Rest ihres Lebens auf ein Dixie-Klo gehen.

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Review: Lo-Fi Fnk

nightclub nirvanaLo-Fi Fnk – Nightclub Nirvana

Ich will es kaum glauben – Tasächlich, 2006 war’s, als „City“ erschien! Echt jetzt, neun Jahre ist das her??!! In meinem Kopf ist das schwedische Duo Lo-Fi Fnk immer noch unter „die hippen Newies“ abgespeichert. Denn einen ganz kurzen Moment definierten sie genau den Puls der Zeit: 2006-08, das war die Ära, als die Klaxons etc auftauchten und unter dem Schlagwort „New Rave“ eine Indie-Dancefloor-Revolution einläuteten. Es war die Zeit, in der man noch nägelkauend auf den neuen Kitsuné-Sampler wartete (anstatt ihn wie heute gähnend zu erdulden). Songs von Lo-Fi Fnk landeten auf diesen Samplern.

„City“ ist auch in den Jahren danach nie ganz aus meinem Atomic-Set verschwunden. Denn dieses Highlight vom Lo-Fi Fnk-Debütalbum „Boylife“ klingt sogar heute noch fresh. Der Song wummert und lasert sonderbar minimalistisch, leicht schräg, verwirrend zeitlos – insofern, dass er 80s-mäßig klingt, aber auch zu 80s-Synthpop-Zeiten Außenseiter gewesen wäre und nirgends wirklich dazu gepasst hätte. So wie es auch in die Nu-Rave-Party zwar nicht konkret reinpasste, aber genau deshalb ja auch cool auffiel. (Ein anderes Beispiel für so einen Song ist „Fafafa“ von Datarock – auch komplett klassisch, aber in keine konkrete Schublade zu stecken)

So viel Aufmerksamkeit haben Leonard Drougge und August Hellsing nie wieder bekommen.  Review: Lo-Fi Fnk weiterlesen

Review: Jacco Gardner

jacco hypnoJacco Gardner – „Hypnophobia“

Und wieder das Problemchen mit dem Prinzip Retro: Kann es überhaupt jemals originell sein, den Stil einer vergangenen Ära zu imitieren? Was für den einen eine liebevolle Hommage ist, ist für den anderen ein ideenloser Abklatsch – und wer entscheidet, wer Recht hat?

Zum Glück gibt es da eine Instanz: Die bist Du, die bin ich, die ist immer der individuelle Hörer selbst, der seinen Geschmack entscheiden lassen darf: Gefällt mir das – oder gefällt mir das nicht?

Jacco Gardner bewegt sich auf dünnem Eis. Wer sich so explizit einem Teilgenre der Musikhistorie widmet wie der junge Holländer – in seinem Falle ist das barocker Sixties-Psychedelia-Pop – der kann auch als Abziehbild rüberkommen. Wie ein Ensemblemitglied eines Austin Powers-Films, der sich mit Klamotten aus der Kiste von Omas Speicher verkleidet hat und der sich jetzt amüsiert, wie putzig die Sechziger Jahre doch waren. Okay, ein solcher Umgang mit den Sixties könnte ja sogar Spaß machen und man kann da mitspielen – ich verlange ja kein bierernstes Klammern an Authentizität (auch das ist nur einschränkend). Aber was ich verlange, das sind gute Sounds und gute Songs, hinter denen mehr steckt als nur eine Psychedelia-Maskerade. Review: Jacco Gardner weiterlesen

Review: Mikal Cronin

mikalcroninalbumMikal Cronin – MCIII

Wisst ihr, was das Schönste daran ist, einen Blog zu führen? Man muss sich nicht an Textvorgaben halten! Im Heft, da muss über ein Album in 800 Zeichen alles gesagt sein. Hier kann ich mich austoben – und wenn’s seitenlang wird!

Andersrum geht’s auch. Ich meine, hier kommt zum Beispiel eine feine Platte, auf die ich aufmerksam machen will – aber ich kann verdammt wenig dazu erzählen. Und weil ich niemandem was schuldig bin auf diesem Blog, dürfte ich’s theoretisch dabei belassen, nicht mehr zu sagen als: „Hört rein, dass ist gut gemachter amerikanischer Indierock. Von der Sorte, wie ihn die Posies und Teenage Fanclub und so machen. Ein klassischer Sound, an dem man nix rum verbessern muss, sondern den man nur liebevoll und mit genug Talent ausführen muss und ich bin happy. Mikal Cronin – übrigens der Gitarrist der Ty Segall Band – tut das auf seinem dritten Album, also gefällt’s mir.“

Okay, ein paar mehr Sätze erlaube ich mir dann doch. Alleine, weil ich über mich selbst nachdenken muss. Review: Mikal Cronin weiterlesen

Review: Django Django

Django_Django_Born_Under_Saturn_Album_CoverDjango Django – „Born Under Saturn“

Talk about a Luxusproblem! Als Django Django mit ihrem Debüt auftauchten, da kamen sie buchstäblich aus dem Nichts. In Schottland hatten sie praktisch isoliert von der Außenwelt an der Platte herum gefrickelt – aber unerwartet etwas fabriziert, auf das sich alle einigen konnten. Indiepop, der schlau war, aber nicht abgehoben, groovy und mit eigenem Charakter. Die Kritiken auf der Insel waren super, ein Hype kam ins Rollen, die warner kam an Bord und lizenzierte das Album für den Rest der Welt.

Die Ausgangspositionen für die Aufnahmen des Nachfolgers hätten also nicht unterschiedlicher sein können. Vor ihrem Debüt wussten nicht mal ihre Nachbarn, dass Django Django Musik machten – heute sind sie eine Band, die rund um die Welt bejubelt wurde, die rund um die Welt tourte (sie sollen von schüchternen Studenten zu ziemlichen Rampensäuen geworden sein) und deren zweites Album rund um die Welt mit offenen Armen erwartet wird.

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Indiekram. Mehr oder weniger. Interviews, Reviews, Playlists, Commentary.