A Lot Of A blur

Ja, auch ich bin so gespannt und begeistert wie ihr alle auf/über die Rückkehr von blur. Aber klar doch!

Alle drei bisher öffentlich gemachten Songs vom neuen Album sind auf ihre Weise umwerfend. „Go Out“, der wüster Mörder-Brezel-Whoosh-Radau-Popsong, in dem sich Graham Coxon total an den Gitarreneffekt-Pedalen austoben darf, aber der trotzdem seinen Ohrwurm-Faktor behält. (Vgl. blur-Ära ca „Music Is My Radar“)

Danach „There Are Too Many Of Us“, die nachdenkliche Ballade mit „The Universal“-Feeling und echter Botschaft zum Thema Überbevölkerung. (Vgl. blur-Ära ca „The Great Escape“)

Am Stärksten bisher: „Lonesome Street“, das pfiffige Poplied, das mit einer klassischen „For Tomorrow“-ähnlichen Gitarre loslegt und zwar zum Refrain Gas raus nimmt, aber trotzdem alleine deshalb so glücklich macht, weil man hier ein richtiges echtes blur-Lied wie aus besten Zeiten hört. (vgl. blur-Ära „Modern Life Is Rubbish“)

Ui ui ui, bin ich gespannt aufs komplette Album!!!

Blur – Lonesome Street from drew bienemann on Vimeo.

I’ve been (al)pining for this!

Woo-Hoo! So soll ein Morgen anfangen! Man checkt den Rechner und eine absolute Lieblingsband hat endlich, endlich einen neuen Song veröffentlicht!

Es geht um Alpine, das Sextett aus Melbourne mit der weiblichen Doppelspitze. Die zwei Sängerinnen Phoebe Baker und Lou James & Co haben ihr famoses, eigenwilliges Debüt „A Is For Alpine“ 2012 veröffentlicht – das war verspielter, unorthodoxer Gitarrenpop, in dem die Melodien weniger die Rolle spielten als die gegeneinander gebürsteten Gitarren- und Gesangsspuren, das war echt spannende Musik einer Band, die ihr eigenes Ding machte.

Jetzt endlich eine neue Single „Foolish“, sie ist der Vorbote des Albums „Yuck“, das Mitte Juni kommt. Update: Hurra, jetzt auch auf vimeo!

Alpine – Foolish (Official Video) from Alex Cardy on Vimeo.

…und nach dem Break gibt’s noch ein paar Alpine-Videos vom letzten Album, die erklären sollen, warum ich jetzt so aufgeregt bin! I’ve been (al)pining for this! weiterlesen

A Littlemore Pop for Mr Vines

Hui. Davon hatte ich gehört: Producer Nick Littlemore (PNAU – zu gerne würde ich jetzt auf mein Interview mit ihm vom alten Blog verlinken) hat sein Pophändchen, mit dem er schon Luke Steel aka The Sleepy Jackson zu Empire Of The Sun umfunktionierte, jetzt an einen anderen Aussie-Rocker angelegt: Gemeinsam mit Craig Nicholls (The Vines) entstand das neue Projekt White Shadows. Keine schlechte Idee, denn The Vines hatten zuletzt niemanden mehr hinter dem Ofen hervor geholt, Craig Nicholls aber hatte auf seinen Alben immer gezeigt, dass er echt Melodien schreiben kann.

Okay. Soweit also das. Aha. Hmmm. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob Craigs Stimme das richtige für diese Art Pop ist. Aber den Versuch war’s wert.

You Were Bury Loud

Oliver Ackermann, der Kopf der New Yorker A Place To Bury Strangers, ist ein solcher Klangnerd, dass er sich seine eigenen Gitarren-Effektpedale baut und diese verkauft – auch The Edge von U2 hat schon mal ein Komplettset bei ihm bestellt.

Nun ist es ja so: Wer zu Hause am eigenen Motorrad herum entwickelt, der baut bestimmt kein nettes Moped für die Teenagertochter, sondern brezelt seine Maschine zu einem röhrenden Offroad-Gerät auf. Entsprechend sind Ackermanns Gitarrenpedale was für Sound-Extremisten, designt, um Ohrmuscheln zu zerfetzen und in Gehörgängen Amok zu laufen.

Anders gesagt: Hier ist „What We Don’t See“, die neue Single vom aktuellen A Place To Bury Strangers-Album „Transfixiation“

Interview: San Cisco

San Cisco 3 openerGestern habe ich über Sufjan Stevens aktuelles Album gejubelt, aber es muss nicht immer dramatisch und tieftraurig sein. Nichts spricht dagegen, auch mal einfach nur zu sonnigem, fröhlichen Indiepop auf und ab zu hopsen, und hierfür sind wenige Bands so ideal geeignet wie San Cisco aus Perth. Die vier Aussies haben soeben hierzulande ihr zweites Album „Gracetown“ veröffentlicht und sind auch zur Zeit auf Deutschlandtour.

Kurz vorab: Unser Gespräch steigt am Tag, nachdem die Band in allen Musikmedien war, weil Bassist Nick Gardener ein übles Missgeschick passierte – er hat sich doch tatsächlich in den Fuß geschossen! Im wahrsten Sinne des Wortes! Ein Gewehr ging los, das in einem Auto zu seinen Füßen lag!

Nach mehreren Fehlversuchen klappt ein Skype-Gespräch in die WG-Küche von Sänger Jordi Davieson und Gitarrist Josh Biondillo. Interview: San Cisco weiterlesen

Review: Sufjan Stevens

sufjan stevens coverSufjan Stevens – Carrie And Lowell

Ein Album zum Eintauchen. Ein Album, mit dem wir noch viel Zeit werden verbringen müssen. Jede Zeile voll Bedeutung.

Als Sufjan Stevens damals „Seven Swans“ veröffentlicht hat, habe ich mir ein Banjo gekauft. Nicht, dass ich es je zu spielen gelernt hätte. Ich will nur sagen: Das war eine Platte, die mich so geflasht hat, dass ich meinte, das tun zu müssen. Wann macht ein Album schon mal so was mit einem?

Sufjan Stevens ist einfach ein echter Ausnahmetyp. Ich wiederhole mich, aber ich stelle ein mal mehr die Frage: Es gibt zigtausend Songwriter – WIE schaffen es einzelne, unter all den Anderen herauszuragen? So sehr gleich, dass man sie nur beim Vornamen nennen muss und schon hat man einen Klang im Kopf? Die Antwort ist: Persönlichkeit. Sufjan hatte damals sofort unverwechselbaren Style: Gespenstisch, spinnwebig, ausgeklügelt aber innig, so innig sogar, so nah, als wisperte er einem ins Ohr, fast unangenehm nah.

Sufjan wurde zum Experten für das, was der Ami „Oversharing“ nennt — er erzählte ZU VIEL von sich. Zum Beispiel, als er sein Weihnachts-Album veröffentlichte: Eigentlich Privataufnahmen, die er jährlich anfertigte, um mit diesem „Christmas“ klar zu kommen. Diesem Fest der Anderen, das all die Menschen da draußen in eine so seltsame Stimmung versetzte, das er in seiner eigenen, versprengten Patchwork-Familie inklusive Sektenmitgliedern nie so feiern konnte, wie einem die Welt weismachen will, dass die US-Vorzeigefamilie es tut.

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Review: Jonathan Johansson

jonathan johanssonJonathan Johansson – „Lebensraum!“

Wenn man auf die neue Platte eines absoluten Lieblingskünstlers wartet, hat man immer auch eine kleine Angst. Die eigenen Wünsche können so hoch gestiegen sein, dass sie kaum erfüllt werden können. Mit den Alben „En Hand I Himlen“ (Eine Hand im Himmel, 2009) und „Klagomuren“ (Klagemauer, 2011) hat Jonathan Johansson, der ernste junge Mann aus Malmö, der auf schwedisch mit extremem Skane-Akzent singt, mich in diese Position gebracht. Diese Platten waren für mich zwei Mega-Highlights der letzten Jahre.

„En Hand I Himlen“ war 80s-mäßig auf eine Weise, wie wenige Alben 80s-mäßig sind: Da wurde nicht ironisch grinsend die New Wave-Ästhetik nachgebaut, sondern Johansson adaptierte die unschuldig-pathetische Schwermut bestimmter New Romantics: Bands wie China Crisis, Fiction Factory  A Flock Of Seagulls – nicht zufällig coverte Johansson hier Tears For Fears „Everybody Wants To Rule The World“ als „Alla vill ha hela världen“.

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The GIF that keeps on Giving

Die Schweden haben einfach ’nen besseren Geschmack. Sogar, was die Fußballsongs angeht. Joel Almes „Snart Skiner Poseidon“ (die Hymne vom IFK Göteborg) hat die herrlichste Melodie und Magnus Carlsons Lied für Hammarby IFs Söderstadion klingt wie ein verloren gegangener Noel Gallagher-Hit, komplett mit Pseudo-George Harrison-Solo.

Carlsons Lieblinge Hammarby sind dieses Jahr wieder in die schwedische Bundesliga „Allsvenskan“ aufgestiegen, mit ihnen hat es auch der GIF Sundsvall aus dem Norden des Landes geschafft. Grund genug für Sundvalls bekannteste Indieband The Confusions, erstmals auf schwedisch zu singen und dem Verein eine neue Hymne zu schreiben.

Okay, „Det Är Här Vi Står Idag“ ist vermutlich komplette Themaverfehlung – denn soll so ein Fußball-Song nicht vorm Anpfiff mitreissen und zu Höchstleistungen anspornen? Oder soll er etwa irgendwie melancholisch vor sich hin grübeln darüber, dass manchmal die kleinen Sachen die wichtigen sind und uns 2:40 auf einen Refrain warten lassen, der dann nicht abhebt? Wenn GIF so Fußball spielt, wagen sie sich nur zaghaft in des Gegners Hälfte. Trotzdem, immer noch besser als all die Schlager, die man in den Arenen hierzulande als Clubhymnen erdulden muss.

Review: Modest Mouse

modestmouse-strangerstoourselvesModest Mouse – Strangers To Ourselves

Ich bin – da bin ich allerdings Teil einer Mehrheit – bei Modest Mouse erst recht spät dazu gestoßen. Als sie sich in den späten 90s erstmals einen Namen unter Fans von Built To Spill und Pavement machten, da waren meine Ohren noch total inselfixiert. Da favorisierte ich Bands der großen Gesten wie Mansun, The Verve und Radiohead, da hatte ich keine Zeit für Lo-Fi-Amis. Als Isaac Brock und seine Mitstreiter im Jahr 2000 mit „The Moon And Antarctica“ dann offenbar ein Majorlabel-Debüt hinlegten, auf dem sie ihren Horizont sprengten, ein Album, das in den USA als ihr bahnbrechendes, definitives, essentielles Werk gilt, lief auch dies – Schande über mich – noch komplett an mir vorbei.

Erst, als 2004 „Float On“ zum Hit wurde, konnte auch ich die Band nicht länger ignorieren. Ich leistete mir „Good News For People Who Like Bad News“ und fand Gefallen an ihrem Style: Isaac Brocks Texte waren sowohl obskur als auch aussagekräftig in ihrer Bildhaftigkeit (Johnny Marr hat ihn später nicht unabsichtlich wiederholt als den besten Texter bezeichnet, mit dem er je arbeitete) und auch rhythmisch hatten sie echt individuelle Eigenheiten: Sie hatten den Indie-Stampfer im Programm, den Indie-Marsch und den Indie-Schunkler. „Float On“ war z.B. ein Indie-Marsch. Das war ein Song, der mit Bestimmung voran schritt. Ein Song, der super funktionierte auf dem Atomic-Dancefloor. Review: Modest Mouse weiterlesen

Review: Awolnation

awolnation-runAWOLNATION – Run

Aaron Bruno hat eine Historie. Ja, vor „Sail“. Aaron Bruno war Sänger der grellen Knallbonbon-Plakativ-Popper Under The Influence Of Giants, die 2006 ein einziges Mal ihre Rakete zündeten und einen irren Funkenschauer niedergehen ließen – und die komplett ignoriert wurden

War ja klar, dass ich Under The Influence Of Giants total LIEBTE – und damals ein einsamer Rufer in der Wüste war. So eine Popwucht, die erträgt nun mal nicht jeder. Schon gar nicht 2006. Damals glaubten Leute doch echt, die Babyshambles (würg!) wären ’ne gute Band.

Nach diesem niederschmetternden Misserfolg zog sich Aaron erst mal komplett zurück. Wollte, pleite und gebrochen, gar keine Musik mehr machen. Die Lieder, die er danach als One-Man-Projekt AWOLNATION schrieb, waren an erster Stelle Therapie, nichts sonst, es waren Frust-, Rage- und Angstzustand-Bekenntnisse. Aber weil Aaron Bruno nun mal tief im Herzen ein Pop-König ist, entstand dabei ein sonderliches, grobschlächtig-schizophrenes Konglomerat: Juppheidi-Hurra-Pop prallte auf Pulsaufschneid-Grunge, diese zwei Elemente gingen aufeinander los wie zwei verfeindete Frettchen im gleichen Käfig

„Megalithic Symphony“ war ein umwerfend beknacktes Debütalbum voller hanebüchener Brüche, das nur durch Brunos roten Pop-Faden gerade so zusammen geschnürt wurde. Doch in all diesem Chaos: „Sail“, der Welthit. Der den Regeln nach nie einer hätte sein dürfen. Der Beat viel zu schleppend, der Gesang viel zu verzerrt, der Laut/Leise-Kontrast viel zu schroff – und doch, in den USA, in Kanada, in Europa, überall passierte das gleiche: Der Song ringelte sich in die Charts wie eine signalfarbene Raupe – und da blieb, blieb, blieb er einfach. Hielt sich monatelang. Jahrelang, kein Scheiss. Rettete Aaron Bruno. Machte ihn zum Erfolgsact. Zum Millionenseller. „Sail“ steht jetzt bei unglaublichem 6-fach-Platin, sowohl in den USA als auch in Kanada. Und verkauft immer noch.

So. Was bedeutet das jetzt alles fürs zweite AWOLNATION-Album „Run“? Review: Awolnation weiterlesen

Indiekram. Mehr oder weniger. Interviews, Reviews, Playlists, Commentary.