World In Marr Eyes

Record Store Day Record Store Day Popecord Store Day.

Okay, klar, auch mich traf man früher sehr viel öfter im Plattenladen als heute. Und klar, was Leute in die Plattenläden zieht, kann so verkehrt nicht sein. Auch dieses Jahr gibt’s also wieder zig limitierte Releases für Leute, denen ein Mal im Jahr einfällt, dass sie Sammler sind. Für Andere wiederum ist jeder Wochentag im Jahr Record Store Day.

Anyway. Eine der limitierten Singles, die erscheinen wird, kommt von Johnny Marr. Er covert Depeche Modes „I Feel You“. Ich find’s… okay. Es gibt dazu nun ein Video.

Auf den Punch gebracht

Kürzlich hier: Mein Interview mit Chris Thile von den umwerfenden Progessive Folkies The Punch Brothers.

Sehr sehenswert: The Punch Brothers haben jüngst für die „Desk Concert“-Serie von „NPR Music“ aufgespielt. Vier Songs vom aktuellen Album „The Phosphorescent Blues“ live, bei denen einem wieder der Kiefer runterklappt, was diese Band drauf hat. Das gebe ich hiermit weiter. Thanks, NPR.

Review: Susanne Sundfør

Susanne sundforSusanne Sundfør – Ten Love Songs

Ich war in Oslo, als Susanne Sundførs letztes Album „The Silicone Veil“ erschien. Die Schallplattenläden der Stadt, sie waren zugekleistert mit Plakaten, ihre CDs lagen stapelweise an den Kassen und Eingängen. Das war schon wirklich erstaunlich. Einerseits, ok, jedes Land hat seine Local Heroes – aber Susanne Sundfør ist halt ein echt sperriger Superstar. Sie ist die vielfache Spellemansprisen-Gewinnerin (= der norwegische Grammy), die sich hinterher beschwerte, warum sie eigentlich „Sängerin des Jahres“ wurde – muss der Preis eigentlich auf zwei Geschlechter aufgeteilt werden? Sundfør liefert entsprechend ungemütliches, hochkomplexes, arty Songwriting mit anklagendem Zeigefinger. So war’s zumindest auf ihren letzten zwei Werken, dem vielschichtigen, mit Jazz-Elementen versetzten „The Brothel“ und eben „The Silicon Veil“, wo sie dem Ganzen einen kühl-synthetischen Digital-Dreh mitgab. Das ist extrem hohes Niveau, nur eben ganz schön unpoppig, und deshalb verwundert es einfach, so etwas auf der Nummer Eins der Charts zu sehen.

Und jetzt geht die Dame her und nennt ihre neue Platte ganz schlicht „Ten Love Songs“. Da schrillen die Alarmglocken. Denn: Nette Liebeslieder? Die gibt’s HIER bestimmt nicht! Aber trotzdem: Susanne geht auf dem Album mit großen Schritten in Richtung Pop.
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Vinnie some, losie some

Das ist interessant. „Then I Met You“, das Debütalbum von Vinnie Who, war meine Lieblingsplatte des Jahres 2010. Denn sie klang wie eine retro-futuristische Discoplatte, die auf DFA hätte erscheinen können, mit den Vocals einer schwarzen Diva – aber dahinter steckte ein blasser Kopenhagener, der kaum 20 war. Auf Vinnies zweiten Album „Midnight Special“ (2013) entzog er dem „Retrofuturistischen“ sanft den „Futur“-Anteil, das war mehr klassischer Disco-Synth-Pop. Nun hat er einen neuen Track online gestellt, der – wie auch seine 2014er-Single „Seven“ – nun auch die „Disco“ aus der Mischung heraus filtert und statt dessen in Richtung kalifornischen Songwriter-Pops geht. Im Video sehen wir Vinnie am Klavier mit neuem, passenden Look, die Haare sind lang geworden. Sehr schick, das Ganze, ein bisschen overstyled, aber zweifellos auch extrem gekonnt – und overstyle war ja immer schon ein Asset von Niels Bagge Hansen (so Vinnies richtiger Name). Vinnies drittes Album „Harmony“ soll am 30. März kommen, und ich spüre so was wie Vorfreude.

Hier ein Reminder an Vinnie Who 2010:


p.s. dies ist der 100ste Beitrag auf dem neuen Blog. Ich war schon gespannt, wen das treffen würde. Vinnie Who ist mir recht, der war auch von Beginn an Stammgast auf meinem alten Blog.

Bibby One More Time

Peter Bibby stammt ja eigentlich aus Perth, er ist einer der engsten Buddies von Nicholas Allbrook (Pond, ex-Tame Impala), aber ich finde, er passt als Neu-Wahl-Melbournian PERFEKT in die Welt des Dolewave mit seinen verstimmten Gitarren und diesen schräg-konfessionellen Tagebuch-Texten aus seinem Privatleben. Gerne drehen sie sich ums zu-viel-Trinken, Peters Band heisst nicht umsonst „His Bottles Of Confidence“. Ich warte immer noch darauf, dass sein unglaublich gut betiteltes Album „Butcher/Hairstylist/Beautician“ endlich hierzulande veröffentlicht wird. Immerhin gibt es die Single „Goodbye Johnny“ jetzt offiziell auch in unseren Downloadstores, was ein gutes Zeichen ist. Und ein neues Video hat er dazu auch gedreht.

Review: Swervedriver

swervedriver coverSwervedriver – I Wasn’t Born To Lose You

You’ve been away for sooo long –
you can’t ask why…
You’ve been away – you can’t ask why…
You can’t ask why…

(INDUSTRIESTAUBSAUGER-GITARRENRIFF!!)

Das muss vorausgeschickt werden: „Duel“ von Swervedriver ist und bleibt der Song, der das Mixtape meines Lebens eröffnen wird.

Noch so eine Zeitreise also. Schon sonderbar, dass die Bands, die 1991 meine Lieblingsbands waren, einfach nicht von der Bildfläche verschwinden. Slowdive und Ride haben sich reformiert. Blur haben ein neues Album angekündigt. Die Pixies und MBV waren vor einem bzw zwei Jahren dran. Das jüngste Werk der Charlatans habe ich kürzlich erst rezensiert. Und jetzt Swervedriver. Es muss doch was aussagen, dass die Bands zurück auf die Bühne gerufen werden, von ihren inneren Stimmen, und von Legionen von Fans. Dass die Bands den Absprung verpasst haben und nicht aus diesem Leben raus können? Dass das, was aus dem UK nachrückt, halt nicht in diese Schuhgrößen passt? Aber doch am ehesten: Dass diese Bands eben doch verdammt großartig waren.

Es ist ja nicht mal so, dass Swervedriver damals so irre erfolgreich gewesen wären. Aber ihre vier Alben haben die Zeit erstaunlich gut überdauert und neue Fans gesammelt – keine riesigen Massen, aber genug, dass es sich für Adam Franklin und Jimmy Hartridge lohnte, die Sache wieder auf die Beine zu stellen. Sie touren seit 2008, und jetzt gibt es also ihr erstes neues Album seit 1998. Was herrlich ist.

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Review: Kagu

kagu-ep-coverKagu – EP

Es war ein kurzes Vergnügen mit Snakadaktal. Die Teenager aus Melbourne erfreuten uns mit einer EP („Snakadaktal“, 2011), einer Single („Dance Bear“, 2012) und einem Album („Sleep In The Water“, 2013), dann trennten sie sich auch schon wieder. Ihr Sound: Ein sehr bedächtiger, reduzierter Boy/Girl-Indie-Pop, in dem alles zu schweben schien, eine Zauberwelt der pingenden Flageolett-Tönen und der schüchtern stotternden Rhythmen. The xx und Foals zur „Total Life Forever“-Ära standen hörbar Pate, aber die Aussie-Kids fanden ihren eigenen, schlängelnden Weg. Ihren eigenen Klangwald, in dem eine gewisse Holprigkeit auf ihrer zauberhaften ersten EP für einen linkischen Charme sorgte, der dann auf dem dagegen etwas gestreamlineten, keyboardflächigen Album nicht mehr ganz so zur Geltung kam.

Snakadaktal also. Diese lange Vorrede hat natürlich einen Sinn: Sean Heathcliff, Snakadaktals Sänger und GItarrist, meldet sich zurück. Unter dem Namen Kagu veröffentlicht er heute sein erstes Lebenszeichen nach Snakadaktal, eine EP, bestehend aus vier Songs. Eine EP, mit der Sean das Erbe Snakadaktals antritt und ihren Sound quasi 1:1 weiter führt. Er darf das, das ist nun mal sein Sound.

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Klods am Bein?

Hmmm. Was soll man dazu sagen? Ich fand Rangleklods mal großartig. Das Debüt „Beekeeper“ vom Dänen Esben Andersen war eine meiner Lieblingsplatten 2012. Es war elektronische Musik, die man als Indie-Fan super finden konnte. Rangleklods war Esbens Soloprojekt, aber live hatte er eine Gitarristin namens Tikki dabei, die auch bei den Aufnahmen mit ihrer impressionistischen Spielweise eine Menge zur trippigen Atmosphäre seiner Tracks beitrug. Rangleklods Tracks pulsierten und brodelten unheilvoll, und manchmal zogen sie voll durch und wurden zum Dancefloor-Knüller (siehe „Young And Dumb“).

Seitdem hat sich allerdings einiges getan im Hause Rangleklods. Es hat sich Pernille Smith-Sivertsen getan, Esbens Freundin. Tikki ist raus, dafür darf Pernille singen (und ich denke mal, sie wird sich auch darüber hinaus in die Musik einbringen). Das ist alles legitim, change is welcome and to be embraced. Andererseits: Die Gitarren sind jetzt also weg, und ich mag Gitarren. Ich mochte insbesondere Tikkis Gitarren.

Also: Ich find’s total okay, dass Esben jetzt andere, elektronischere Musik machen möchte und dass er sie mit seiner Freundin machen möchte. Aber was mich als Hörer angeht, gefallen mir persönlich die zwei bisherigen Singles „Control“ (2013) und „Lost U“ (Vorbote des neuen Albums „Straitjacket“, das Ende Mai erscheint) halt leider nicht annähernd so gut wie sein älteres Material. Naja, wer weiß, das Album liefert ja vielleicht doch noch Titel, die mich wieder umhauen. Und dann dürfen wir ja auch noch auf neue Musik von Slow Celebration hoffen, Ebsens Duo mit Mads Darmsgaard Kristiansen von Reptile Youth.

Außerdem: Vielleicht findet ihr Rangleklods Neue ja total super. Ich halt leider nicht. Oh well.

Delta fourth

Die Kalifornier Delta Spirit fingen an als 70% alt.Rock – 30% Folk-Band, aber im Verlauf von vier Alben haben sie den Folk-Anteil immer weiter runter reduziert. Heute sind sie bei reinem, raumgreifendem Alternative Rock angekommen, der eigentlich ins Stadion gehört, dort aber noch nicht angekommen ist. Delta Spirits viertes Album „Into The Wide“ aus dem letzten Herbst zeigte jedenfalls, dass ein gewisser Bombast und große Gefühle sehr wohl gute Musik ergeben können, obwohl die meisten Stadionrocker einen ja eher abschrecken.

Man kann sich also, wenn man will, Delta Spirit vielleicht als eine Variante von Imagine Dragons vorstellen, die nicht entsetzlich beschissen ist, sondern erstaunlich anhörbar. Die keinen affigen Gong auf der Bühne hat und ohne dass man dem Sänger links und rechts eine feuern will, und dann noch eine, und dann noch eine, dann das Knie in die Eier rammen und mit Triumphgeheul davon laufen will.

Hmmm. Diese Beschreibung hat eine andere Richtung genommen als geplant. Jedenfalls: Delta Spirit haben ein neues Video aus „Into the Wide“ vorgelegt: „Language Of The Dead“. Baut ein Stadion drumrum!

Will The Circa Be Unbroken?

Tja, wie steht man zu Circa Waves aus Liverpool? Man weiss, die Jungs sind eigentlich nicht individuell und special genug. Sie haben bisher ein paar Singles zwischen okay und meh gemacht, die sich safe auf dem Gebiet von TDCC und den Kooks aufhalten, eigenen Wiedererkennungswert noch vermissen lassen und deswegen auch den eher bemühten als ehrlichen NME-Mini-Hype nicht rechtfertigen. Trotzdem, bei so wenigen UK-Indie-Bands, die zur Zeit unterwegs sind, die wenigstens ein Bisschen was versprechen, will man sie ja auch nicht abschreiben. Wenigstens benutzen sie Gitarren, wenigstens sind sie zu viert, wenigstens blubbern und fiepen und bassen sie nicht nur als Einzelgänger mit ihrem Laptop.
Die Single „T-Shirt Weather“ beginnt mit echt netten Gitarren, die sich gut ins Ohr kombinieren. Dann aber setzt die Strophe ein und alles geht den Bach runter. Denn die Gitarren setzen so ärgerlich vorhersehbar aus und alles klingt so 08/15 tausendmal gehört, dass man schon dem Glauben an Indie überhaupt abschwören will. Aber wie man noch hadert, kommt der Refrain mit der happy Hurra-Power eines frühen Kooks-Hits, was zwar auch nullnichts Neues ist, dafür aber ansteckend wie Ebola im Quadrat. Fazit? Mei, Circa Waves sind echt keine Offenbarung, aber lassen wir sie mal machen.

Indiekram. Mehr oder weniger. Interviews, Reviews, Playlists, Commentary.