Einer geht woch!

Ihr habt’s mitgekriegt – der Stop/Start-Abschied vom Atomic Café, das noch mal eine Gnadenfrist bis zum Ende des Jahres bekam, bedeutete, dass mein Britwoch vom Ende November letztlich gar nicht mein letzter Britwoch war. Obwohl wir das damals noch dachten und schon so tränenreich Abschied feierten. Mein wirklich aller-aller-letzter Britwoch war vorgestern, in der Nacht des 24. auf den 25. Dezember. Es folgt also meine wirklich allerletzte Britwoch-Spotify-Liste.

Anmerkung 1: Der 24. war ein „stiller Feiertag“, also einer dieser bayerischen Tage mit Tanzverbot. Da durfte ich zwischen 23.00 und 0.00 Uhr noch kein Gas geben. Die erste Stunde des Abends besteht daher aus Balladen und melancholischen Liedern. Ich mag sowas ja. Mit „Rent I Pay“ von Spoon beginnt dann das „Tanz“-Programm.

Anmerkung 2: Auch einen smart Club bestritt ich am 13.12. noch mal, gemeinsam mit Tobi Bavarian Mobile Disco. Statt eine weitere Playlist anzufangen, habe ich die Songs, die ich an dem Abend auflegte (und die sich nicht mit dem Britwoch-Programm überschnitten) hinten angehängt. Die kommende Liste besteht also quasi aus eineinhalb Sets.


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Werde ich jetzt einer von euch?

Auf dem alten Blog gab’s bereits mehrere Beiträge über meinen Lieblingsgoth Henric de la Cour. Im alten Blog schrieb ich auch Ende letzten Jahres darüber, dass im schwedischen Fernsehen eine hintergründige und aufschlussreiche Doku über den Ex-Frontmann von Yvonne und Strip Music und heutigen Solokünstler laufen sollte. Ich schreibe jetzt noch mal über die Doku, denn inzwischen ist sie auf DVD erschienen, und inzwischen habe ich sie selbst gesehen.

henric de la cour dvdWas Henric in der Doku erstmals preisgibt, und was er lange auch vor privaten Freunden geheim gehalten hatte: Henric ist Mukoviszidose-Patient. Als die Krankheit diagnostiziert wurde, war er fünf. Damals lag die Lebenserwartung für Erkrankte bei 15 Jahren.

Nun hat die Medizin über die Jahre erhebliche Fortschritte gemacht. Nichtsdestotrotz, Henric führte ein Leben, in dem ihm der unausweichliche Tod, der ja auch uns allen bevor steht, immer näher war als uns. Er rechnete nicht damit, 20 zu werden. Er rechnete nicht damit, 30 zu werden. Er rechnete nicht damit, 40 zu werden. Er blieb seinen Freunden, sogar seiner Familie gegenüber distanziert. Er machte keine langfristigen Pläne. Er wusste ja, es könnte jederzeit sein, dass er sich von allen verabschieden muss.

Klar, die Krankheit prägte sein Leben und seine Kunst. Einerseits wegen akuten Krankheitsphasen, in denen Henric sich tagelang von der Außenwelt zurückziehen musste. Andererseits, wenn immer dieses Damokles-Schwert über einem schwebt, ist ja wohl selbstverständlich, dass die Gedankenwelt sich um Tod und Abschied dreht, ums Anderssein, und dass sich dies in Texten und Lebensgefühl niederschlägt.

Ich erwähnte: Die Medizin, sie hat riesige Fortschritte gemacht in den Jahrzehnten. Die Doku bietet daher eine bemerkenswerte, augenöffnende Szene, die Höhepunkt, Wendepunkt und Anticlimax zugleich ist. Ich will nicht mal verraten, was da passiert. Ich möchte euch regelrecht zwingen, euch das anzugucken. Es kommt ein Moment vor in dem Film, da werdet ihr schlucken und vieles hinterfragen, auch in eurem Leben. Nicht nur deswegen ist „Henric de la Cour“ für mich die Musikdoku des Jahres.

Mal abgesehen davon liefert der Mann seit Mitte der 90s verlässlich wahnsinnig gute Musik und er ist komplett unterbewertet.

Die Doku ist Schwedisch, aber mit englischen Untertiteln. Der Name des Regisseurs ist Jacob Frössén. Gönnt sie euch. Übrigens, auch die ersten beiden Yvonne-Alben von 1995 und 1997, lange nicht erhältlich, sind jetzt in Downloadstores verfügbar.

Right as Rainbow

Das bekannteste Werk des britischen Pop-Art Künstlers Peter Blake bleibt das Cover von „Sergeant Pepper“, aber auch sein 1968-Druck „Babe Rainbow“ hat einen festen Platz in der Popkultur. 1992 benannten The House Of Love eins ihrer Alben nach dem Bild, ein kanadischer Elektronik-Musiker und Remixer hat dieses Pseudonym gewählt, und inzwischen trat eine australische Band namens The Babe Rainbow auf den Plan.
Das Trio stammt aus dem Örtchen Rainbow Bay in New South Wales, das liegt an der Gold Coast, angeblich ein Surferparadies (ich als Nicht-Sportler kann da nicht mitreden). Die Musik von The Babe Rainbow bezieht sich, passend zum Bandnamen, auf die späten Sixties. Liebevoll augenzwinkernd kopierend, mit guten Songs. Beweisstück 1: Die aktuelle Single „Planet Junior“

Drei weitere Babe Rainbow Videos nach dem Break.
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You Needed Morén

Peter Morén, das P von PB&J = Peter, Björn & John, hat auch schon zwei sehr charmante Soloalben auf Schwedisch aufgenommen. Prima Songwriting, klassisches 60s/70s-Feel, echte Ohrwurm-Melodien. Viel zu gut, um nur von Schweden und Schweden-Nerds gehört zu werden, das hat auch Peter gemerkt und inzwischen zwei EPs namens „Broken Swinglish“ (Vol.1 bzw. 2) veröffentlicht, auf denen er die besten Lieder ins Englische übertragen hat. Von Peters 2010er-Album „I Spåren Av Tåren“ stammte der Song „Esther“, für dessen internationale Version „(English) Esther“ nun ein Video online gestellt wurde.

Lies Lies Lies

Als ich hier neulich meine eigene Longlist für 2015 postete, da pickte ich auch die Londoner Real Lies als Kandidaten für den Durchbruch. Nun haben die Herren eine neue alte Single an den Start gebracht: Mit „World Peace“ hat die Band vor ca einem Jahr schon ihr Debüt gefeiert, jetzt hat sie den Song neu aufgenommen und einen neuen Clip gedreht. Die neue Version klingt detaillierter als die erste Aufnahme – aber auch immer noch wie die 2010 kurzzeitig gefeierten Delphic.

Turbo weakened

Turboweekend. Ehrlich gesagt, die hatte ich abgeschrieben. Als ich sie das letzte Mal live sah, habe ich es nur fünf, sechs Songs lang ausgehalten. Ich war soo enttäuscht.

Dabei hatten die Kopenhagener so prima angefangen: Ihr Debüt „Night Shift“ (2007) war ein crunchy Whomadewho-Pendant, noch nicht ganz fertig, aber: vielversprechend. Auf ihrem zweiten Album „Ghost Of A Chance“ hielten Turboweekend das Versprechen und mehr: Sie legten ihren Dance-Ansatz in Richtung Interpol aus, gaben dem Ganzen einen dunklen Effet. Das war richtig, richtig gut und eins meiner Lieblingsalben 2009/2010. Das Problem: Ab jetzt wollten sie eine ernste Band sein, und ihr drittes Album „Fault Lines“ wurde, auch wenn es in Dänemark auf die Nummer Eins stieg, nichts Halbes und nichts Ganzes. Kaum mehr tanzbar, überfrachtet, überkanditelt. Und dann die Liveshow letztes Jahr beim SPOT Festival! Wo sie nur noch Balladen spielten, die mehr nervten als all die Pompös-Schleicher auf dem letzten Editors-Album!

Ich habe mich also fast nicht getraut, ihr neues Video anzuklicken. Und in der Tat, es geht damit los, dass Sänger Silas Bjerregaard unnötig im Falsett wimmert. Aber: Ein gewisser subtiler Rhythmus liegt drunter, die Sounds sind exquisit gewählt und die Stimmung des Songs ist zwar neblig-melancholisch, kommt aber nicht mit holzhammermäßigem Bombasmus daher. Sieh an, das ist die beste Turboweekend-Nummer seit „Ghost Of A Chance“.

Turboweekend – Miles and Miles (Official Music Video) from Turboweekend on Vimeo.

How Longlist Have You Known? Pt2

DMAs
Kürzlich habe ich mich hier im Blog über die aktuelle „Longlist“ der BBC ausgelassen, in der die ehrwürdige UK-Sender-Institution ihre Newcomer fürs Jahr 2015 sammelt. Dieses Jahr fand ich nur drei der 15 Acts gut, einen okay, elf daneben.

In dem Zusammenhang versprach ich, meine eigene Longlist zusammen zu stellen. Die kommt nun hier, aber ich ändere die Regeln ein bisschen. Diese folgenden Bands/Künstler sind keine Acts, bei denen ich unbedingt an einen kommerziellen Durchbruch glaube. Vielmehr sind es die Bands, von denen ich mir 2015 ein prima Debütalbum erhoffe. Einen Longplayer, der meinem Geschmack taugen wird – aber ob auch Erfolg über meine Küche hinaus folgen wird, wage ich in einigen Fällen sehr zu bezweifeln.

Ach ja: Ich erwähnte, dass die BBC-Poll fast nur Solisten beinhaltete und kaum Bands. Ich dagegen habe NUR Bands in meiner Liste. Was entweder zeigt, was für einen konservativen Geschmack ich habe, oder aussagt: „Es geht doch, Bands!“

Wer meinen Blog (oder seinen unerwartet vom Netz gegangenen Vorgänger) verfolgt, wird die meisten der folgenden Namen hier kennen, vielleicht sogar schon als Stammgast. Egal – fangen wir endlich an, nach dem Break.
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Graves Expectations

Anfang Dezember. Die Zeit, in der man gefragt wird, seine Album-Top Ten des Jahres zusammen zu stellen. In meinen Top Ten befindet sich „And The War Came“, das tolle Album des Nu.Country-Singer/Songwriters Alejandro Rose-Garcia alias Shakey Graves. Eins meiner Lieblingslieder der Platte ist der Song „Hard Wired“, den Shakey nun für „Live And Breathing“ eingespielt hat. Das ist es wert, geteilt zu werden.

Blackladder

Schwer, über Jack Ladder zu schreiben, ohne an Nick Cave zu denken. Denn auch Ladder ist ein langer, hagerer Australier mit marianengrabentiefer Stimme, der im Dunklen steht und feixt.
Und wo Nick Cave seine Bad Seeds hat, u.a. mit dem unorthodoxen Gitarristen Blixa Bargeld, hat Jack Ladder seine Dreamlanders, u.a. mit dem unorthodoxen Gitarristen Kirin J Callinan. (Auch Lawrence Pike von PVT ist Mitglied der Dreamlanders, übrigens.)
Um Ladder nun Kopistentum zu unterstellen, reicht das nicht – eher scheint mir, beide kommen nun mal künstlerisch von einem ähnlichen Ansatz, also ergeben sich gewisse Parallelen von selbst. Aber selbst wenn’s so wäre, ist Nick Cave ein Künstler, den gerne mehr Leute kopieren sollten. Denn das ist ein verdammt hoher Level, auf den man sich da begibt.
Auch nicht cave-isch: Auf dem vierten gemeinsamen Album entdecken Jack Ladder And The Dreamlanders die synthetischen Sounds für sich. Sicher hat Producer Kim Moyes (eine Hälfte von The Presets) seinen Teil dazu beigetragen. Zum Song „Her Hands“ gibt’s nun ein Video.

Susanne Sundshine

Susanne Sundfør, Megastar in Norwegen trotz ihres sperrigen, anspruchsvollen Artpops, war zuletzt auch gemeinsam mit M83 und Röyksopp als Sängerin in Erscheinung getreten. Ob sie da Lust auf etwas leichtere Kost bekommen hat? Ihr kommendes Album trägt den schlichten Titel „Ten Love Songs“.
Fast glaubt man, sie erlaube sich einen Spaß – denn über so was Banales wie die Liebe singt doch eine Sundfør nicht! Bestimmt beleuchtet das Album all die Schattenseiten der Liebe: Die Leere, die Unfähigkeit, zu kommunizieren, die Verdammtheit, zu sterben, die Fäulnis! Haha! Aber es scheint in der Tat etwas zugänglicher zu werden: die Vorab-Single „Fade Away“ jedenfalls zeigt Susanne eingängig und beinahe tanzbar – für Susannes Verhältnisse ist dies Sunshine-Pop!

CN_SUSANNE SUNDFOR „Fade Away“_14 from ArtOfficial Agency on Vimeo.

Indiekram. Mehr oder weniger. Interviews, Reviews, Playlists, Commentary.