Review: Deportees

Deportees – The Big Sleep

Sowas wie die Deportees sollte es eigentlich gar nicht mehr geben. Heute bleibt doch niemand mehr unentdeckt, wozu gibt’s schließlich das Internet? Wie kann es sein, dass eine Band, die in ihrer Heimat – immerhin Schweden, kein weisser Fleck auf der Musiklandkarte – zu den Top-Kritikerlieblingen gehört und deren Drummer für ihre Liveshows von Phoenix(!) rekrutiert wurde, auch elf Jahre nach ihrem Debüt keinen gescheiten internationalen Deal hat? Obwohl ihr bisheriges Schaffen herausragend ist, vor allem ihre letzten zwei Alben „Under The Pavement, The Beach“ (2009) und „Islands & Shores“ (2011)? Werden sie das mit ihrem fünften Album endlich gerade rücken?

Nun, ich befürchte nicht. Auch „The Big Sleep“ wird nicht die Platte, die Deportees endlich international etabliert. Denn um international was zu reissen, braucht man einen Hit. Aber Hits, das ist nicht die Währung, in der die Deportees bezahlen.

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Review: Swim Deep

Mothers (Deluxe)Swim Deep – „Mothers“

Sie haben’s halt ernsthaft gebracht. Swim Deep haben in der UK-Presse verlautbart, dass ihr zweites Album die zeitgenössische Antwort auf „Screamadelica“ sein sollte. Auf das legendäre Primal Scream Indie-Dance-Crossover-Album von 1991, damals der Kulminationspunkt einer ganzen Bewegung. Neben „Pills’n’Thrills’n’Bellyaches“ sowie „The Stone Roses“ DAS ultimative Album der Baggy-Ära.

Da ist der erste Reflex, loszuprusten. Schritt zwei ist, tief Luft zu holen, der Band in die Augen zu schauen und zu sagen: „Swim Deep. Jetzt mal im Ernst. Ihr seid Heinis, die von der UK-Maschine mal wieder total überschätzt wurden. Auf Eurem Debüt („Where The Heaven Are We?“, 2013) habt ihr ein paar nette, aber auch komplett belanglose Songs zusammen gestöpselt. Außerdem, ich habe euch live gesehen damals, im Atomic. Ihr seid mit riesigem Nightliner vorgefahren und habt dann ein dermaßen holpriges, unknackiges Set gespielt, da sind viele Münchner Schülerbands weiter!“

So, jetzt ist dieser Stein vom Herzen, jetzt können wir durchatmen und das Ganze noch mal mit etwas Abstand angucken. Review: Swim Deep weiterlesen

Review: Mercury Rev

mercury-rev-the-light-in-you22Mercury Rev – „The Light In You“

Es wird niemanden von Euch überraschen zu lesen, dass ich immer schon Nerd war. Ich weiss noch, wie ich kurz nach Weihnachten 1991 zu Hause im Allgäu auf meinem Zimmerboden meine 25 Lieblings-CDs des Jahres 1991 ausbreitete und eine Hitliste aufstellte. „Yerself Is Steam“ von Mercury Rev war Rang 2. (Ich erinnere ich mich nicht mehr, was mein Rang 1 war. Aber „Raise“ war sicher in den Top Ten, „Whirlpool“ sicher auch weit oben, so wie „Leisure“, „Bandwagonesque“, „Loveless“, „The Real Ramona“, „Trompe Le Monde“ und „Just For A Day“. 1991 war ein gutes Jahr. Wow, manche meiner Freunde waren da noch nicht geboren.)
So gerne mochte ich Mercury Rev, diese transzendenten schrägen Vögel, die Symphonien mit dem Staubsauger zu schreiben schienen, dass ich nie zugeben konnte, wie wenig mir eigentlich ihr sperriges zweites Album „Boces“ gefiel, nach dem sie ihren Sänger David Baker rauswarfen (was okay war, denn die besten Songs wie „Car Wash Hair“ oder „Chasing A Bee“ stammten immer schon aus der Feder von Jonathan Donahue und Sean Mackowiak alias „Grasshopper“.) Auch „See You On The Other Side“ konnte ich dann nicht ungekauft im Regal meines CD-Dealers stehen lassen, das war wieder viel besser, aber noch ziemlich verquer und verwirrend.

Aber der große Höhepunkt des Schaffens dieser Band, das war natürlich „Deserter’s Songs“, 1998. Review: Mercury Rev weiterlesen

It was like, so Husky Husky

Die feinen, sympathischen Australier Husky sind in den kommenden Wochen wieder sehr aktiv in Deutschland – da ist eine eigene Tour im Oktober, und auch im Vorprogramm von BOY wird man sie im November wieder sehen können.

Ihr deutsches Label hat nun das Video zum Song „Drunk“ online gestellt. Kann sein, dass es in Australien längst gepostet wurde, mir egal. Ihr aktuelles Album „Rucker’s Hill“ ist prima, da kann man gerne zwischendurch mal wieder drauf hinweisen.

Ach, da verlinke ich doch auch noch mal auf mein Interview aus dem Frühjahr.

Is it loves or is it lusts?

Zwei Wochen noch, dann erscheint das Debütalbum der Lusts – sicher eine der spannendsten neuen Brit-Bands. Lusts, das sind die Brüder Andy und James Stones aus Leicester. In ihren Fotos erinnern sie mich immer an die Reid-Zwillinge von The Jesus & Mary Chain, vom Sound her muss ich dann eher an 80s-Dunkelpopper wie The Psychedelic Furs oder Echo & The Bunnymen denken. Den Titelsong ihres Albums „Illuminations“ gibt’s jetzt als Video.

Lusts – Illuminations from Youth Hymns on Vimeo.

A Night At The Opry

„Mei, ich beneide die Leute in Erlangen“ ist so ein Satz, da muss ich lange nachdenken, ob ich ihn wohl schon je vorher schon mal gesagt habe. Oder ob ihn überhaupt jemals wer gesagt hat. Aber in zwei Wochen, am 20.10., spielt dort im E-Werk der umwerfende Country-Traditionalist Pokey LaFarge. In München schaut er nicht vorbei. Ich will Pokey unbedingt sehen, ich habe schon angefangen, einen Erlangen-Trip zu planen.

Inzwischen entschied mich mich schweren Herzens dagegen, denn am 21.10. werde ich ja meinen Termin im MIAO haben (siehe unten) – und an dem Tag will ich hundertpro fit und ausgeschlafen sein.

Ausgerechnet jetzt hat die Country-Institution Grand Ole Opry ein Video von Pokeys letzter Performance dort online gestellt. Mann, das ist halt schon ganz schön super, was Pokey und Band da zaubern. Da muss ich ja schier noch mal nachdenken, ob Erlangen nicht doch noch sein muss.

Catchy Catchy-ing up

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Updates zu Catchy Catchy, also dem neuen Indie-Abend von Hannes und mir im MIAO.

Also, der Plan ist, dass das Ganze zweiwöchentlich stattfindet. Hoffentlich läuft’s gut genug, dass sich das auch so ausgeht. Manchmal werden Hannes & ich gemeinsam auflegen, manchmal aber auch einzeln.

Bis 23:00 gibt’s freien Eintritt, danach 3€.

Über die Musik habe ich ja geschrieben: Indiepop, Hurra! Hits und Klassiker, aber auch Hits der Zukunft, also Neues.

So und jetzt catch you soon!

Hier geht’s zur Facebook-Veranstaltung …

Some like it shot

Auch ein erschossener Fuchs scheint noch zu grinsen, sagt man. In Australien ist der „Shot Fox“ deshalb zum geflügelten Wort geworden.

Alpine, das prima Sextett aus Melbourne um die zwei Sängerinnen Phoebe und Lou, hat ihre dritte Single aus dem Album „Yuck“ (meine Review hier) daher dem „Shot Fox“ gewidmet. Es geht, natürlich, ums Ende einer Beziehung. Man fühlt sich tot wie der erschossene Fuchs, aber man grinst wieder. Oder noch? Ehrlich gesagt habe ich nicht ganz verstanden: Geht’s um die gute Miene zum bösen Spiel, die man aufsetzt, wenn man so tut, als wäre alles okay, aber völlig fertig ist? Oder darum, nicht kaputt zu kriegen zu sein und weiter zu grinsen, auch wenn alles vorbei ist?

So oder so – das Video zu „Shot Fox“ gibt’s zwar schon seit wenigen Wochen, es war auf youtube aber gesperrt, wie immer. Jetzt habe ich’s nachträglich doch noch auf dailymotion gefunden. Enjoy.

Review: Wanda

Bussi - CMS SourceWanda – „Bussi“

Okay, ihr habt mich. Ich steige zu euch ins Boot. Ins Wanda-Fan-Boot.

Alle flippten aus nach „Amore“. Und ich mal wieder nicht. Mich hat die Platte nicht gepackt.

Anders als üblich habe ich bei „Amore“ erst die Texte gelesen, bevor ich die Musik hörte. Es kam damals die Pressemitteilung ins Büro, dass die Wiener in München eine Pressekonferenz aus dem Hotelbett geben wollten. Das fand ich superwitzig, also zog ich die CD aus dem „Muss-jetzt-endlich-mal-angehört-werden“-Stapel und blätterte schon mal durchs Booklet. Was ich las, fand ich wahnsinnig gut. Diese Texte waren dreckig, witzig, selbstironisch, schlau, augenzwinkernd hinterfotzig. Dann legte ich die CD ein… und war einfach extrem enttäuscht von der Musik. Im Vergleich zu den Texten und Aussagen, die sich ohne Untermalung schon wie derbe Poesie lasen, wirkte ihre Umsetzung auf mich hemdsärmelig, altbacken, geradezu banal. Ich habe dann bei der folgenden Wanda-Party nicht mitfeiern können. Die gingen durch die Decke, alle jubelten, und ich so: „Jaja. Die Texte sind gut.“

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Review: Editors

EditorsEditors – „In Dream“

Die Editors haben in der Indie-Community viele Sympathien verspielt mit ihrem letzten Album „The Weight Of Love“. Es hätte eine wegweisende Platte für Tom Smith und Co sein sollen, aber nicht deshalb, weil ihr Gitarrist Chris Urbanowicz von Bord gegangen und durch zwei Neue ersetzt worden war. Es war so: Nach drei Alben als erfolgreiche Indierockband standen die Briten an der Schwelle. Wenn sie ihren nächsten Schritt richtig setzten, so war das allgemeine Gefühl in der Musikbranche, dann könnten sie die nächste Stufe nehmen und in die Megaband-Sphären aufsteigen zu U2 und Coldplay. (Ein Status, den sie ausgerechnet in Belgien interessanterweise bereits besitzen.)

Aber dieser versuchte Aufstieg auf den nächsten Level, er misslang. Das lag nicht daran, dass die Editors es nicht versucht hätten. „The Weight Of Your Love“ hatte ein paar schleimtriefende Wimmer-Pathos-Balladen, die bei der breiten Masse theoretisch hätten offene Türen einrennen sollen. Aber irgendwie drangen sie mit „What Is This Thing Called Love“ oder „Nothing“ trotzdem nicht zum Radio NRJ-Publikum durch. Statt dessen vergraulten sie mit diesen Nummern einen ordentlichen Teil ihres Indie-Publikums, das sich durch diese Sülze verraten fühlte.

Dabei hätten selbst Fans der ersten Stunde vorgewarnt sein sollen. Pathos und eine gewisse Aufgeblasenheit gab’s bei dieser Band von Anfang an. Review: Editors weiterlesen

Indiekram. Mehr oder weniger. Interviews, Reviews, Playlists, Commentary.