Interview: Husky

Husky HeaderHeute (10.04.) ist es offiziell so weit: „Rucker’s Hill“, das zweite Album des wunderbaren australischen Folk-Trios Husky wird bei uns veröffentlicht. Vor ein paar Wochen waren Sänger Husky Gawenda und Organist Gideon Preiss schon für ein paar Promo-Termine in München. Auch ich konnte wieder ein Interview führen… Interview: Husky weiterlesen

where the idlewild things are

Das Erstaunliche ist ja, dass die Leute, die über Musik schreiben oder sie vermarkten, manchmal AHNUNG und RECHT haben. Als Idlewild in den späten 90ern auftauchten, da rollte Roddy Woomble kreischend über die Bühne und die anderen Idlewilden hackten tobend in ihre Instrumente – aber irgendwie haben bestimmte Leute gesehen, dass diese Kids substantieller in ihre Instrumente hackten, dass dieses struppige Knäuel Energie mit dem Mikrofon sich mit mehr Substanz über den Boden rollte als all die anderen Post-Punk-Hacker und Bodenroller, die die Jugendzentren der Welt bevölkern. Fast 18 Jahre nach dem ersten UK-Hype gibt es Idlewild immer noch/wieder, sie können auf UK-Top Ten-Alben zurück blicken und sie schreiben heute weise, leise Gitarrenlieder wie „Every Little Means Trust“. Und irgendjemand hat ihnen damals schon angesehen, dass das in ihnen stecken könnte. Schon stark, dass das so laufen kann. Manchmal.

Ach ja, „Every Little Means Trust“ stammt natürlich vom aktuellen Idlewild-Album „Everything Ever Written“. Ich habe hier eine Rezi dazu geschrieben.

Ride The Thrill

Ich bin ja gar kein so großer Fan von Wiedervereinigungen. Wenn Leute mit mir diskutieren, ob Oasis wohl noch mal zusammen spielen, sage ich: „Ich weiss nicht mal, ob ich da hingehen würde. Wieso einem alten Noel und einem alten Liam zugucken, wie sie lustlos fürs Geld Lieder runterspielen, die man ja kennt, in- und auswendig, und die ja nicht verschwunden sind… wenn man SO nostalgisch nach alten Zeiten ist, wieso wirft man dann nicht eine DVD ein aus ihrer besten Zeit? Können manche Sachen nicht einfach VORBEI sein und wir behalten sie dafür in bester Erinnerung?“

Deswegen habe ich auch nicht gequiekt und gekreischt, weil sich Ride wiedervereinigt haben. Klar habe ich die Band zu ihrer Zeit unglaublich geliebt – sie nimmt sogar einen richtig wichtigen Platz in meiner… wie nenne ich das jetzt mal.. Persönlichkeitsentwicklung(?) ein. Aber jetzt durch die Gegend fliegen, damit ich Mark Gardner mit Hut sehen kann? Okay, wenn sie in meiner Nähe spielen oder in einer Stadt, die ich Bock habe zu besuchen, gucke ich mir das natürlich an.

Aber das Gefühl, das ich hatte, als ich „Leave Them All Behind“ zum ersten Mal live hörte – es war am Nachmittag auf dem Bizarre-Festival in Giessen, die Single war noch nicht veröffentlicht, sie spielten den Song als neue Nummer, kamen auf die Bühne zu DIESER Synth-Loop… Loz Colbert löst mit seinem Drumeinsatz den Song aus, Steve Queralt geht in den Groove, dann – ZACK! RHHAAAARRR! fliegen mir die Gitarren nur so um die Ohren, transportieren mich auf eine andere Ebene, gleissendes weisses Rauschen in der Stirn, Euphorie, this is happening, this is NOW,…!!!!! Also, ich bin superfroh, dass ich das erlebt habe, und ich werde es nicht nacherleben können, wenn ich Ride noch mal sehe.

Andererseits…

Interview: Ebbot Lundberg (A Tribute To The Velvet Underground)

ebbot-nina-magnus-headerEine höchst interessante Produktion kommt da im Mai auf Deutschlandtournee: „A Tribute To The Velvet Underground„. Unter diesem Motto wird eine schwedische Supergroup um Nina Persson (The Cardigans), Ebbot Lundberg (The Soundtrack Of Our Lives, Union Carbide Productions) und Magnus Carlson (Weeping Willows, Tandem Sky, Moon Ray Quintet) die Klassiker der 60s-Kultband um Lou Reed, Nico, John Cale & Co interpretieren.

Ein willkommener Anlass, mal bei Ebbot Lundberg nachzuhaken und diesen Longtime-Favorite über die Tournee zu befragen – und um sich ein grundsätzliches Update einzuholen. Es ist ja ziemlich lange her, seit man hierzulande zuletzt etwas von diesem urigen Original der SWE-Szene hörte. Interview: Ebbot Lundberg (A Tribute To The Velvet Underground) weiterlesen

Review: Pokey LaFarge

Pokey-LaFarge-CoverPokey LaFarge – Something In The Water

… und noch mal zum grundsätzlichen Thema Retro, das ich ansprach im Zusammenhang mit der Rezension von Tobias Jesso Jr (siehe unten). Dem guten Mann hielt ich vor, dass er die frühen 70s zwar fein nachahmt, aber dabei vergisst, sie auch irgendwie upzudaten. Aber ich bin inkonsequent. Denn wenn es aber einen Songwriter gibt, der mal wirklich komplett anachronistische Musik macht, so ist das ja wohl Pokey LaFarge. Dennoch kann ich dies dem 31jährigen Roots-Musiker aus Bloomington, Illinois, unmöglich zum Vorwurf machen.

Was nun machen LaFarge und seine famose Begleitband? Sie spielen Ragtime, Western Swing, Country Blues – Musik der USA der 1940er. Und zwar so urig, so authentisch, dass man glauben muss, man höre originale Schellack-Platten. Einzig das Fehlen von Kratzern und Knistern entlarvt dies als Musik, die 2014 aufgenommen wurde. Pokey ist also, wenn man so will, der Kitty, Daisy & Lewis der Staaten. Dies ist retro as retro can. Bezug zu 2015? Fast null.

Aber hey – Review: Pokey LaFarge weiterlesen

Review: Vinnie Who

Harmony-Vinnie-WhoVinnie Who – „Harmony“

Gestern habe ich mich in meiner Rezension von Tobias Jesso Jrs Debütalbum beschwert, dass es mir zu retro ist. Dass Jesso zu wenig Originalität an den Tag legt, wenn er die Klassizismen nachahmt. Wie man Retro richtig macht, mit eigenem, kauzigen Charakter, das zeigt uns Niels Bagge Hansen alias Vinnie Who auf seiner Dritten.

Ein Faible für Styles der Vergangenheit hat der Kopenhagener immer schon an den Tag gelegt. Auf seinem Debüt „Then I Met You“ (2010) gab er sich als Seventies-Disco-Glitzertyp, und es war schon faszinierend, wie dieser dürre Däne die Glamourdiva hinkriegte. Ich habe damals gerne den Leuten erst einen Song von Vinnie gespielt und ihnen dann ein Bild von ihm gezeigt, um die Reaktionen zu sehen. Denn keiner konnte sich vorstellen, dass dieser blasse Hänfling und diese Stimme zusammen gehören sollten.
Sein zweites Album „Midnight Special“ fuhr dann den Disco-Faktor runter und gab sich sophisticated – mich haute es nicht so um wie das Debüt. Aber im Nachhinein macht „Midnight Special“ Sinn, denn heute ist es erkennbar das Übergangsalbum zu „Harmony“.

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Interview: Twerps

jpg Twerps HeaderSo, endlich widme ich mich meinem Twerps-Interview. Seit ein paar Jahren (okay, dafür hätte man den alten Blog verfolgen müssen) schreibe ich hier Liebesbriefe ans Genre „Dolewave“ bzw „The New Ordinary“ – so nennt man down under all die Bands aus Melbourne, die so unglaublich gemütlich und nonchalant klingen, die zwischen ihren Zeilen traurige und gewitzte Weisheit durchscheinen lassen. Die Könige dieser Musik, das sind die Twerps, die vor einigen Wochen ihr zweites Album veröffentlichten: „Range Anxiety“. Ich sprach mit Sänger Marty Frawley per skype. Interview: Twerps weiterlesen

Review: Tobias Jesso Jr.

tobias jesso jrTobias Jesso Jr. – Goon

Wir leben in einer Ära, in der in der Musik (zumindest nicht in der elektronischen) relativ wenig neu entwickelt wird. Schon seit 20 Jahren und länger reicht es für viele Künstler, sich bei einem vergangenen Stil, einer früheren Ära zu bedienen, oder sie gleich komplett nachzustellen. Und immer wieder bejubeln wir diese Leute für ihren Klassizismus, nach dem Motto: „Wir dachten, das kann gar niemand mehr so gut wie damals.“

Es gibt aber auch einen Grund, warum man das nicht mehr können sollte: Weil die Welt sich weiter gedreht hat. Weil neue Kunst, wie auch immer man sie kreiert, in einem anderen Zeitzusammenhang steht.
Sagen wir’s so: Man könnte heute ja auch kein Woodstock-Festival mehr feiern. Weil die Unschuld, die man damals brauchte, dieser utopische Hippie-Glauben ans Gute im Menschen, schon in den 80s vom Turbokapitalismus überholt wurde und längst als Märchen ad acta gelegt ist. Ein heutiges Woodstock, das müsste entweder ein konspiratives Anonymous-Festival sein, auf dem man neben der Musik alternative Denkweisen propagiert – oder, wahrscheinlicher: es wäre ein Austin-Powers-Woodstock, auf dem man sich lustig im 68er-Stil verkleidet und den Look, die Sounds, die Räucherstäbchen und die Ideologie liebevoll nachahmt oder persifliert, aber nicht lebt.

Keine Angst, ich werde schon noch zu Tobias Jesso Jr kommen. Review: Tobias Jesso Jr. weiterlesen

Processed Beaks

Was halten wir eigentlich von den Crushed Beaks aus London?

Ist ihr Indie-Janglenoise jetzt klassisch? Oder ist er unoriginell und derivativ?

Auf ihrem Debütalbum „Scanner“, da gibt es Songs, die mich echt nicht packen. Da gehen die Gitarren ins Nichts und da stört mich auch der Gesang von Matthew Poile, weil er keine Töne trifft und sich nicht die Mühe zu geben scheint, eine prima Melodie zu finden.
Aber das war doch, was an lärmigem Feedback-Rauschepop so gut war: Diese Gesangsmelodien, die man unter all den Schichten aus Fuzz entdecken konnte! Das und die Reibung, die die ineinander verzahnten Gitarren aufbauten!

Dann wiederum haben Crushed Beaks auch andere Songs, da stimmt die Energie, da stimmt die Fuzzyness, da stimmt die Melodie und da stimmt das Indierock-Gesamtpaket. Das Trio erfindet das Rad zwar nie neu, aber ab und an gelingt es ihnen fast kreisrund.
Aber manchmal eiern sie rum.

„History“, das neue Video der Crushed Beaks, liegt da irgendwo in der Mitte.
Hmm. Entscheidet selbst.

A Lot Of A blur

Ja, auch ich bin so gespannt und begeistert wie ihr alle auf/über die Rückkehr von blur. Aber klar doch!

Alle drei bisher öffentlich gemachten Songs vom neuen Album sind auf ihre Weise umwerfend. „Go Out“, der wüster Mörder-Brezel-Whoosh-Radau-Popsong, in dem sich Graham Coxon total an den Gitarreneffekt-Pedalen austoben darf, aber der trotzdem seinen Ohrwurm-Faktor behält. (Vgl. blur-Ära ca „Music Is My Radar“)

Danach „There Are Too Many Of Us“, die nachdenkliche Ballade mit „The Universal“-Feeling und echter Botschaft zum Thema Überbevölkerung. (Vgl. blur-Ära ca „The Great Escape“)

Am Stärksten bisher: „Lonesome Street“, das pfiffige Poplied, das mit einer klassischen „For Tomorrow“-ähnlichen Gitarre loslegt und zwar zum Refrain Gas raus nimmt, aber trotzdem alleine deshalb so glücklich macht, weil man hier ein richtiges echtes blur-Lied wie aus besten Zeiten hört. (vgl. blur-Ära „Modern Life Is Rubbish“)

Ui ui ui, bin ich gespannt aufs komplette Album!!!

Blur – Lonesome Street from drew bienemann on Vimeo.

Indiekram. Mehr oder weniger. Interviews, Reviews, Playlists, Commentary.