Kochen mit Superfood

superfood openerEiner der doofsten Momente für einen Interviewer ist der, wenn man gerade fertig ist, das Aufnahmegerät ausschalten will – und feststellt: Auweia, das Mistding ist gar nicht mitgelaufen! Falsche Taste gedrückt, oder nicht fest genug, oder was weiss ich! Passiert aber halt doch immer mal wieder. Mir geschah es neulich, als ich Dom Ganderton am Telefon hatte, den Sänger der erfreulichen Nu-Britpopper Superfood aus Birmingham.

Woran ich mich aber dann doch erinnere: Ich fragte „Was ist denn dein persönliches Lieblings-Superfood?“ und Doms Antwort war: „Die Süßkartoffel. Die gilt doch als Superfood, oder?“ Also, ich finde schon. Dom: „… und weisst du, wie man die Süßkartoffel am leichtesten zubereitet? Einfach in die Mikrowelle damit! Zehn Minuten, und wenn du sie rausholst, ist sie innen schön weich und du kannst sie praktisch aus der Schale löffeln. Perfekt, wenn’s schnell und unkompliziert gehen soll!“ Oh, das werde ich mal ausprobieren, sage ich.

Also kommt jetzt eine Süßkartoffel für zehn Minuten in die Mikrowelle. Danach erzähle ich euch, ob’s schmeckt. Und ich erinnere mich an ein paar weitere Gesprächsthemen aus dem Interview. Nach dem Break. Kochen mit Superfood weiterlesen

The House that Kele Built?

Okay, besonders originell sind sie nicht, die Melbourner Jungs vom Northeast Party House. Ihr Indie-Dance-Dingens, das klingt ziemlich wie die Vorstellung, was aus Bloc Party geworden wäre, hätten Kele & Co all ihre künstlerischen „Wir-müssen-uns-immer-verändern!“-Ambitionen gleich nach „Silent Alarm“ ad acta gelegt und mit den Worten „Fuck it, die Kids wollen tanzen!“ den einfacheren Weg eingeschlagen. Nichtsdestotrotz, diesen Sound so hinzukriegen, dass man wirklich mitzucken will, auch das verlangt ganz zweifellos Talent – schließlich gibt’s auf der Welt zig Bands, die bei „Silent Alarm“ hängen geblieben sind. Aber Party House gehören zu den wenigen, die ich trotzdem regelmäßig poste. „Fake Friends“ ist die zweite Single ihres sehr ordentlichen Debütalbums „Any Given Weekend“

Talent Borrows, Genius Burrows

Alle sagen, Dave Grohl sei der netteste Mensch im Rock’n’Roll. Stimmt nicht. (Ich habe Dave Grohl getroffen, und er war mehr oberflächlich amerikanisch nett. Zwei Stunden nach dem Gespräch traf ich ihn noch mal in der Lobby, da zeigte er schon die kalte Schulter.) Der WIRKLICH netteste Mensch im Rock’n’Roll, das ist Andy Burrows. Der Ex-Drummer von Razorlight, der es auch selbst drauf hat, prima Songs zu schreiben. Mit Andy Burrows zu sprechen, das ist jedes Mal ein Geburtstag, so ein lieber Kerl ist das!
Andys aktuelle Platte „Fall Together Again“ klingt natürlich ganz schön erwachsen. Die Eltern erschreckt man damit nicht mehr, sie mögen es wahrscheinlich sogar! Denn es sind wirklich feine, schöne Lieder, Ohrwürmer alleroberster Kajüte, sehr filigran in Szene gesetzt.
Andy hat jetzt eine neue Single ausgekoppelt. Tja. Was sagen wir zu der Nummer? Es heisst doch „Talent borrows, Genius steals“, richtig? Kennt ihr „Gypsy“ von Fleetwood Mac? Aber: Andy darf das.

Andy Burrows – See A Girl (Official Video) from PIASGermany on Vimeo.

Jonas Gold

Juhu, Neues von Jonas Alaska = Jonas Aslaksen, dem hageren Singer/Songwriter aus dem Städtchen Åmli (NO), dessen erste zwei Alben in seinem Heimatland sehr erfolgreich waren. Und das zu recht, denn der Junge schreibt prima Lieder, teils verschmitzt, teils bewegend traurig, und verpackt sie gekonnt/gewitzt als Folk/Country/Retropop. Der neue Song „Summer“ ist eher untypisch, denn die Gitarre ist elektrisch. Das steigert unsere Spannung aufs dritte Album, für das diese Single ein Vorbote sein muss.

Das Video: Ich mag’s. Ein kompletter Teenie-Movie in dreieinhalb Minuten. Genau sowas hätte mir damals passieren können. Ich fühle mit dem Protagonisten total mit. Bei 3:02, wenn Jonas Alaska ins Bild kommt…

Review: Hello Saferide

hello saferide coverHello Saferide – The Fox, The Hunter and Hello Saferide

Es waren ja doch ganze vier Jahre, die Annika Norlin nichts Neues von sich hat hören lassen („Säkert på Engelska“ 2011 war ja nicht wirklich neu.)
Tja, sie kommt zurück, und sie zieht einem halt mit ihren Texten gleich wieder die Schuhe aus. Annika Norlin, sie ist die Frau, die mit dem Medium Poptext so perfekt umgeht wie kein Mensch seit… Morrissey in seinen besten Tagen. Nur natürlich komplett anders. Sie hat die Poesie drauf. Sie hat die Warmherzigkeit drauf. Sie hat diese hundeäugige Traurigkeit drauf, die einem Schauer über den Rücken pustet. Und sie braucht immer nur vier, fünf, sieben Worte, um einen den Teppich unter den Füßen weg zu ziehen, um einen die warme Hand über den Kopf zu streichen, den Dolch ins Herz zu drehen. Review: Hello Saferide weiterlesen

Stars On 44th

Ui, das gefällt mir! Sofort aufs erste Hören. Sind 44th Sunset aus Perth die Interpol des Dole-wave? Ihre Single „Hills“ ist so dunkelgrau wie die New Yorker, aber auch so loose wie ihre ungekämmt tagträumenden Landsleute aus Melbourne.

Sieh an, die Jungs haben gleich noch ein Video, denn „Hills“ ist eine Doppel-A-Seite gemeinsam mit dem Song „Stories, Not Sorry“, auch wenn der schon im April erschien. Dieser Song entspricht schon mehr dem typische Gitarren-Indie von jungen Leuten, die ziemlich angepisst sind und nicht wissen, warum. (Es sind die Hormone, Jungs, und das legt sich später, aber so toll ist das dann auch nicht.)

So oder so, ebenfalls sehr ordentlich.

High Flying Byrta

Ich hab’s wiederholt gesagt (okay, im alten Blog), und ich werde es wieder sagen: Byrta ist das Duo, das dem CHVRCHES’schen Ideal, melancholisch kühle, schnittige Synthetiksounds mit unaufdringlichem, aber unwiderstehlichen Pop-Juhu zu verbinden, näher kommt als all die tausend anderen, die’s versuchen. Allerdings: Guðrið Hansdóttir und Jan Rasmussen kommen von den Färöer-Inseln, entsprechend verstehen nur ca 48.000 Menschen auf der Welt ihre Texte, das steht einer Weltkarriere schon im Wege. Einen Riesenvorteil haben die „Schafsinseln“ im Nordatlantik dann aber doch: Man muss nur mal vor die Tür gehen und kann schon ein Video drehen, das ausschaut als habe man es in der krassesten Fabelwelt aufgenommen. Byrtas neue Single trägt den Titel „Í tínum eygum“, was offenbar „In deinen Augen“ heisst

About VEYU now

VEYU aus Liverpool sind eine Band, wie es sie auf der Insel doch eigentlich gar nicht mehr geben dürfte. Ist nicht mal ein Gesetz erlassen worden, wonach Breitwand-Mehrschicht-Schwermutsschönheits-Metabritpop a lá Doves, Geneva, frühe Verve untersagt ist? Es fühlt sich zumindest so an, denn dieser früher mal so typische UK-Sound ist heute nur noch selten zu finden (vielleicht weil die zu Beginn immens guten Coldplay ihn mit ihrem Niedergang zur seichten Händchenhalt-Band negativ besetzt haben). Wie auch immer, VEYU haben ein neues Video online gestellt: „In The Forest“

Atomic! Playlist Britwoch, 22.10.14

Phase 1: Doors Open. Eintröpfeln der ersten Gäste. Erstmal atmosphärisches Eingrooven.
Phase 2: Okay, jetzt gebe ich dann doch ein bisschen Schub. Ohne gleich die Holzhammer-Hits raus zu holen.
Phase 3: Es ist elf, der Laden voll, die Kids haben angefangen zu tanzen. Jetzt flotte Songs von Bands, die man kennt. Für Klischee-Hits ist’s aber noch zu früh.
Phase 4: Jetzt kann ich mal eine Phase mit etwas mehr Synthies und Beats machen.
Phase 5: Zurück zu den Gitarren. Sogar ein paar richtig satte Rock-Gitarren!
Phase 6: Und wieder ein Übergang zurück zu mehr Synthies und Indietronica.
Phase 7: …und jetzt eine Runde Indiepop
Phase 8: …und nun wieder mehr elektronisch
Phase 9: Zurück zu Gitarren. Erste Folk-Phase!
Phase 10: Kurze Phasen Britpop, Indierock, Klassiker
Phase 11: Es war wieder Zeit für ein paar Beats.
Phase 12: Followed by: ROCK!
Phase 13: Evergreens satt
Phase 14: 80s Partay
Phase 15: Noch mal drei Folklieder
„Phase“ 16: Der Rausschmeisser

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Snö way

Nett von Jonathan Johansson, einem Stammgast meines letzten Blogs, dass er mit seiner neuen Single/seinem neuen Video geduldig gewartet hat, bis ich wieder Posts ins Netz stelle. (Ich meine, Zufall kann’s ja wohl nicht sein, oder, dass er sich ausgerechnet JETZT zurück meldet?)
Was lernen wir aus dem Video zu „Ny/Snö“?
1. „Berghain“ spricht man auf Schwedisch „Börjen“ aus und statt Euro sagt man dort „Evro“
2. Schweden sind auch am Mittelmeer immer noch schwermütig. Aber zu Hause passt es ihnen auch nicht.
3. Jonathan Johansson wird noch unabsichtlich zum Hipster. Als „En Hand En Himlen“ erschien, da schienen seine Depeche Mode- und Tears For Fears-ismen ziemlich aus der Zeit gefallen. Obwohl es einen ganzen Wald von 80s-Revival-Acts gab, war er trotzdem wie allein stehender Baum. Vielleicht ist es nur die Optik des neuen Clips – aber mir scheint, die Chillwave-Brigade und Johansson sind aufeinander zugedriftet.
http://cache.vevo.com/m/html/embed.html?video=SEBGV1400077
Sorry, VEVO kann hier offenbar nicht eingebunden werden. Wenn der Clip noch auf vimeo kommt, tausche ich den Link aus.

Indiekram. Mehr oder weniger. Interviews, Reviews, Playlists, Commentary.