Talent Borrows, Genius Burrows

Alle sagen, Dave Grohl sei der netteste Mensch im Rock’n’Roll. Stimmt nicht. (Ich habe Dave Grohl getroffen, und er war mehr oberflächlich amerikanisch nett. Zwei Stunden nach dem Gespräch traf ich ihn noch mal in der Lobby, da zeigte er schon die kalte Schulter.) Der WIRKLICH netteste Mensch im Rock’n’Roll, das ist Andy Burrows. Der Ex-Drummer von Razorlight, der es auch selbst drauf hat, prima Songs zu schreiben. Mit Andy Burrows zu sprechen, das ist jedes Mal ein Geburtstag, so ein lieber Kerl ist das!
Andys aktuelle Platte „Fall Together Again“ klingt natürlich ganz schön erwachsen. Die Eltern erschreckt man damit nicht mehr, sie mögen es wahrscheinlich sogar! Denn es sind wirklich feine, schöne Lieder, Ohrwürmer alleroberster Kajüte, sehr filigran in Szene gesetzt.
Andy hat jetzt eine neue Single ausgekoppelt. Tja. Was sagen wir zu der Nummer? Es heisst doch „Talent borrows, Genius steals“, richtig? Kennt ihr „Gypsy“ von Fleetwood Mac? Aber: Andy darf das.

Andy Burrows – See A Girl (Official Video) from PIASGermany on Vimeo.

Jonas Gold

Juhu, Neues von Jonas Alaska = Jonas Aslaksen, dem hageren Singer/Songwriter aus dem Städtchen Åmli (NO), dessen erste zwei Alben in seinem Heimatland sehr erfolgreich waren. Und das zu recht, denn der Junge schreibt prima Lieder, teils verschmitzt, teils bewegend traurig, und verpackt sie gekonnt/gewitzt als Folk/Country/Retropop. Der neue Song „Summer“ ist eher untypisch, denn die Gitarre ist elektrisch. Das steigert unsere Spannung aufs dritte Album, für das diese Single ein Vorbote sein muss.

Das Video: Ich mag’s. Ein kompletter Teenie-Movie in dreieinhalb Minuten. Genau sowas hätte mir damals passieren können. Ich fühle mit dem Protagonisten total mit. Bei 3:02, wenn Jonas Alaska ins Bild kommt…

Review: Hello Saferide

hello saferide coverHello Saferide – The Fox, The Hunter and Hello Saferide

Es waren ja doch ganze vier Jahre, die Annika Norlin nichts Neues von sich hat hören lassen („Säkert på Engelska“ 2011 war ja nicht wirklich neu.)
Tja, sie kommt zurück, und sie zieht einem halt mit ihren Texten gleich wieder die Schuhe aus. Annika Norlin, sie ist die Frau, die mit dem Medium Poptext so perfekt umgeht wie kein Mensch seit… Morrissey in seinen besten Tagen. Nur natürlich komplett anders. Sie hat die Poesie drauf. Sie hat die Warmherzigkeit drauf. Sie hat diese hundeäugige Traurigkeit drauf, die einem Schauer über den Rücken pustet. Und sie braucht immer nur vier, fünf, sieben Worte, um einen den Teppich unter den Füßen weg zu ziehen, um einen die warme Hand über den Kopf zu streichen, den Dolch ins Herz zu drehen. Review: Hello Saferide weiterlesen

Stars On 44th

Ui, das gefällt mir! Sofort aufs erste Hören. Sind 44th Sunset aus Perth die Interpol des Dole-wave? Ihre Single „Hills“ ist so dunkelgrau wie die New Yorker, aber auch so loose wie ihre ungekämmt tagträumenden Landsleute aus Melbourne.

Sieh an, die Jungs haben gleich noch ein Video, denn „Hills“ ist eine Doppel-A-Seite gemeinsam mit dem Song „Stories, Not Sorry“, auch wenn der schon im April erschien. Dieser Song entspricht schon mehr dem typische Gitarren-Indie von jungen Leuten, die ziemlich angepisst sind und nicht wissen, warum. (Es sind die Hormone, Jungs, und das legt sich später, aber so toll ist das dann auch nicht.)

So oder so, ebenfalls sehr ordentlich.

High Flying Byrta

Ich hab’s wiederholt gesagt (okay, im alten Blog), und ich werde es wieder sagen: Byrta ist das Duo, das dem CHVRCHES’schen Ideal, melancholisch kühle, schnittige Synthetiksounds mit unaufdringlichem, aber unwiderstehlichen Pop-Juhu zu verbinden, näher kommt als all die tausend anderen, die’s versuchen. Allerdings: Guðrið Hansdóttir und Jan Rasmussen kommen von den Färöer-Inseln, entsprechend verstehen nur ca 48.000 Menschen auf der Welt ihre Texte, das steht einer Weltkarriere schon im Wege. Einen Riesenvorteil haben die „Schafsinseln“ im Nordatlantik dann aber doch: Man muss nur mal vor die Tür gehen und kann schon ein Video drehen, das ausschaut als habe man es in der krassesten Fabelwelt aufgenommen. Byrtas neue Single trägt den Titel „Í tínum eygum“, was offenbar „In deinen Augen“ heisst

About VEYU now

VEYU aus Liverpool sind eine Band, wie es sie auf der Insel doch eigentlich gar nicht mehr geben dürfte. Ist nicht mal ein Gesetz erlassen worden, wonach Breitwand-Mehrschicht-Schwermutsschönheits-Metabritpop a lá Doves, Geneva, frühe Verve untersagt ist? Es fühlt sich zumindest so an, denn dieser früher mal so typische UK-Sound ist heute nur noch selten zu finden (vielleicht weil die zu Beginn immens guten Coldplay ihn mit ihrem Niedergang zur seichten Händchenhalt-Band negativ besetzt haben). Wie auch immer, VEYU haben ein neues Video online gestellt: „In The Forest“

Atomic! Playlist Britwoch, 22.10.14

Phase 1: Doors Open. Eintröpfeln der ersten Gäste. Erstmal atmosphärisches Eingrooven.
Phase 2: Okay, jetzt gebe ich dann doch ein bisschen Schub. Ohne gleich die Holzhammer-Hits raus zu holen.
Phase 3: Es ist elf, der Laden voll, die Kids haben angefangen zu tanzen. Jetzt flotte Songs von Bands, die man kennt. Für Klischee-Hits ist’s aber noch zu früh.
Phase 4: Jetzt kann ich mal eine Phase mit etwas mehr Synthies und Beats machen.
Phase 5: Zurück zu den Gitarren. Sogar ein paar richtig satte Rock-Gitarren!
Phase 6: Und wieder ein Übergang zurück zu mehr Synthies und Indietronica.
Phase 7: …und jetzt eine Runde Indiepop
Phase 8: …und nun wieder mehr elektronisch
Phase 9: Zurück zu Gitarren. Erste Folk-Phase!
Phase 10: Kurze Phasen Britpop, Indierock, Klassiker
Phase 11: Es war wieder Zeit für ein paar Beats.
Phase 12: Followed by: ROCK!
Phase 13: Evergreens satt
Phase 14: 80s Partay
Phase 15: Noch mal drei Folklieder
„Phase“ 16: Der Rausschmeisser

Atomic! Playlist Britwoch, 22.10.14 weiterlesen

Snö way

Nett von Jonathan Johansson, einem Stammgast meines letzten Blogs, dass er mit seiner neuen Single/seinem neuen Video geduldig gewartet hat, bis ich wieder Posts ins Netz stelle. (Ich meine, Zufall kann’s ja wohl nicht sein, oder, dass er sich ausgerechnet JETZT zurück meldet?)
Was lernen wir aus dem Video zu „Ny/Snö“?
1. „Berghain“ spricht man auf Schwedisch „Börjen“ aus und statt Euro sagt man dort „Evro“
2. Schweden sind auch am Mittelmeer immer noch schwermütig. Aber zu Hause passt es ihnen auch nicht.
3. Jonathan Johansson wird noch unabsichtlich zum Hipster. Als „En Hand En Himlen“ erschien, da schienen seine Depeche Mode- und Tears For Fears-ismen ziemlich aus der Zeit gefallen. Obwohl es einen ganzen Wald von 80s-Revival-Acts gab, war er trotzdem wie allein stehender Baum. Vielleicht ist es nur die Optik des neuen Clips – aber mir scheint, die Chillwave-Brigade und Johansson sind aufeinander zugedriftet.
http://cache.vevo.com/m/html/embed.html?video=SEBGV1400077
Sorry, VEVO kann hier offenbar nicht eingebunden werden. Wenn der Clip noch auf vimeo kommt, tausche ich den Link aus.

Bibby I Love Your Way

Singer/Songwriter. Das alte Problem: Wie schafft man es, nur mit einer Gitarre in der Hand heraus zu ragen, unter all den anderen Typen mit einer Gitarre in der Hand? Peter Bibby zeigt, wie’s geht: Mit Persönlichkeit.
Für mich ist Peter Bibby ein ganz neuer Name, aber ein bisschen Googlen ergibt: Der Mann kommt nicht aus dem Nichts. Wenn ich das richtig verstehe, stammt er aus Perth, wo er Mitglied der Bands Frozen Ocean (SUPER Bandname!) und Fucking Teeth war. Jetzt hat er sich offenbar in Melbourne nieder gelassen – und sein Songwriting passt perfekt in die Stadt des Dolewave. Ich würde sagen, er ist so was wie die männliche Version von Courtney Barnett: Alltagsgeschichten, gleichzeitig ehrlich auf die Knochen aber auch todeswitzig erzählt. Die Single „Hates My Boozin“ ist ein Musterbeispiel dafür. Beruhend auf einem (wahren) Streit, an dem seine Freundin drohte, ihn zu verlassen, singt Peter eine selbstironische Hommage ans „einen-Heben-gehen“.
Peters kommendes Debütalbum wird den Namen „Butcher/Hairstylist/Beautician“ tragen. Dieser Titel alleine macht mich glücklich. Für Deutschland weiss ich allerdings kein Release-Date.

Auch sehr lesenswert: Dieses Interview auf der Aussie-Indie-Website Mess & Noise. Peter interviewt seinen Kumpel Nick Allbrook (Ex-Tame Impala, Pond), Nick interviewt zurück. In dem Zusammenhang: Ponds neues Video „Elvis‘ Flaming Star“ schon gesehen? Großes Kino!

It Pains Me To Say This…

Hmm. Dieses Jahr kam das dritte Album von The Pains Of Being Pure At Heart, „Days If Abandon“ mit Namen, und irgendwie hat es niemand so richtig mitgerissen, oder? Dabei war ihr Schritt, sich nach dem Smashing Pumpkins-Ausflug „Belong“ zurück zum Tweepop zu bewegen, ja nicht verkehrt, und die zwei Singles „Simple And Sure“ und „Until The Sun Explodes“ gehören zweifellos zu ihren besten. Aber es fehlen halt die Ecken und Kanten auf der Platte, die Dornen, an denen man hängenbleibt. Und besonders auffällig kommt das zum Ausdruck auf der dritten Single „Kelly“, gesungen von der Gastsängerin Jen Goma (A Sunny Day, Glasgow). Klar, dies SOLL eine liebe, niedliche Popnummer sein. Dieses Ziel erreichen Pobpah, aber eben auf sehr gefällige Weise. Da hatte „Young Adult Friction“ doch viel mehr sympathische Ungeschliffenheit. Tja, das ist das Problem, wenn man einen solchen Bringer hingelegt hat: Alles andere muss sich daran messen lassen.

Indiekram. Mehr oder weniger. Interviews, Reviews, Playlists, Commentary.