Reven, we’re Reven!

Wenn es das Genre Chillgazing gäbe, das Stockholmer Duo Korallreven wäre bisher sein Aushängeschild gewesen. Sie hatten sich spezialisiert auf atmosphärisch rauschende, transzendente Electronica, auf Shoegazing-Feeling, erreicht durch Chillwave-Sounds.

Die neue Single „Limitless“ wagt sich von diesem Ausgangspunkt aus in neue Gefilde. Richtig bombastisch und rhythmisch geht’s zu. M83 ist mit sowas zum Hollywood-Soundtrack-King geworden – wollen Korallreven ihm den Rang ablaufen? Mir gefällt’s jedenfalls.

Review: Skinny Lister

skinny-lister-down-deptford-broadway-7579Skinny Lister – „Down On Deptford Broadway“

Es gab eine Zeit, so ca zwei Jahre nach dem Riesenmegaerfolg von „Sigh No More“, da schüttete man uns zu mit weiteren britischen Folkbands. Weil die Mumfords so durch die Decke gegangen waren, signten die UK-Labels nun alles, was nicht rechtzeitig auf dem Baum war und androhte, Publikum bei deren Fans abzuzwacken.

Leicht fiele es, jetzt all diese Bands als Nachäffer über einen Kamm zu scheren. Aber zu den Combos, die dadurch eine Chance erhielten, gehörten so unterschiedliche Acts wie die poetischen Vogelbeobachter Stornoway, die malerischen Dry The River oder die urigen Akkordeon-Stampfer Skinny Lister, um die es hier jetzt geht.

Skinny Lister waren bestimmt keine Londoner Hipster, die ihr erstes Banjo auf einem Mumfords-Gig gesehen hatten und jetzt plötzlich Fischerlieder sangen. In London hatten sie sich zwar gegründet, dort aber als entwurzelte Landeier zueinander gefunden. Der Vater von Sänger Dan Heptinstall war selbst noch Fischer gewesen, im nordenglischen Küstenstädtchen Bridlington. Wenn Skinny Lister also Northumbrian Folk feierten und die Rumbuddel durchs Publikum gehen ließen, durfte man ihnen (sogar obwohl 3/5 der Band es vorher als Indietruppe namens The Alps versucht hatten) zugestehen, dass das nicht gestellt war.

Anyway, ich mochte Skinny Lister sehr. Review: Skinny Lister weiterlesen

Interview: Marius Ziska

Marius Ziska HeaderSchon mal in Søldarfjørður gewesen? Wohl kaum, oder? Das nämlich ist ein kleines Örtchen auf den Färöer-Inseln. Abgelegener geht’s in Europa kaum. Aber auch weitab vom Schuss kann tolle Musik entstehen. Hans Marius Ziska, Singer/Songwriter aus Søldarfjørður, ist ein weiteres Beispiel dafür, dass auf den Nordatlantikinseln eine erstaunliche Szene blüht. Sein zweites Album „Home/Heim“ erscheint bei uns am morgigen Freitag (17.04.), im Mai kommt Marius auf Tour. Kürzlich war war er aber bereits unterwegs in Deutschland, im Vorprogramm der Sängerin Eivør. Ich traf ihn für ein Gespräch. Interview: Marius Ziska weiterlesen

Dickitalism

Es gibt Promofotos von Courtney Barnett, da trägt sie ein T-Shirt von ihren Melbourner Kollegen Dick Diver. Dass auch ich von dieser Band sehr viel halte, habe ich kürzlich hier geschrieben in meiner Rezension zu ihrem aktuellen Album „Melbourne, Florida“. Nun gibt’s einen unterhaltsamen neuen Clip aus besagtem Longplayer: „Year In Pictures“.

p.s. AAARGH. Ich hasse das, wenn man sich erst freut „Hurra, dieses Video ist auf youtube nicht gesperrt!“ – und ein paar Stunden später ist es das dann doch. Ich werde regelmäßig vimeo checken, ob der Clip dort auftaucht, und in dem Fall hier ein Update machen.

Review: The Wombats

The Wombats – „Glitterbug“The_Wombats_Glitterbug

Wer hier regelmäßig liest und mich kennt, wird sich denken: Mann, der Henning gibt aber immer gute Noten! Der verreisst ja nie was! Dabei kenne ich ihn auch ganz anders: da schimpft er über seine Hassmusik – und zwar nicht wie ein Rohrspatz, sondern gleich wie ein… Pipelinehabicht!
Mindestens!

Das hat natürlich den Grund, dass ich diesen Blog nur nebenbei führe und gar nicht so viele Artikel schreiben kann. Also highlighte ich natürlich lieber Lieblingsplatten, als dass ich Alben ein Forum gebe, die ich mies finde.

Dann wiederum ist dies ein Indiepop-Blog. Da gibt es ein paar Alben und Bands, an denen ich nicht vorbei komme, weil sie im Genre nun mal eine gewisse Wichtigkeit haben. Die Wombats gehören dazu. Auch wenn ich nie kapiert habe, warum.

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Review: White Shadows

WhiteShadows_secret1200-2White Shadows – Secret Of Life

Nicht wenige werden gefeixt haben, als sie hörten: Aha, Craig Nicholls hat jetzt also eine Dance-Platte gemacht. „Klar“, denkt der Zyniker da, „für The Vines hat sich seit Jahren keiner mehr interessiert. Da muss der letzte Strohhalm her: Die Synthies rausholen! Peinlich…“

Aber um es voraus zu schicken: Das gemeinsame Album, das Craig und Nick Littlemore (Empire Of The Sun, PNAU) hier vorlegen, ist prima. Es könnte sogar die Platte sein, die Craig Nicholls, der es sich ja als schwieriger Typ mit vielen verscherzt hat und der die Vorschusslorbeeren nach dem ersten Vines-Album nie abernten konnte, als prima Songwriter rehabilitiert.

Wie kam’s zu der Kooperation der zwei Australier? Nick Littlemore stieß auf ein Interview von Craig, in dem der Vines-Frontmann darüber fabulierte, dass er gerne eine „elektronische Fantasia-Platte“ machen wollte. Als Fan von Craigs Vines-Melodien ahnte der Producer: Das könnte passen!

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Review: Stornoway

stornoway-BonxieStornoway – Bonxie

Brian Briggs, Sänger von Stornaway, ist ausgebildeter Ornithologe. Ein Vogelkundler also, und bevor seine Band erste Erfolge feiern konnte, verbrachte er fürs Studium immer mal Wochen auf windigen Nordseeinseln, Vögel beobachtend.

Es passt ins Bild, das seine Band ihrem dritten Album den Namen eines Vogels gibt. „Bonxie“, so nennt man auf den Hebriden, den Orkneys und Shetlands die große Raubseemöwe. Ein Vogel, der davon lebt, dass er anderen die Fische abjagt, die sie gefangen haben, und der – untypischerweise – zuletzt an manchen Orten dazu übergegangen ist, kleinere Seevögel wie den Wellenläufer zu jagen. Forscher glauben, dass die große Raubseemöwe unter dem Klimawandel sehr leiden wird.  Denn die Zone, in der sie lebt, wird sich nach Norden verschieben – auf Breitengrade, auf denen einfach weniger Inseln liegen. Tja, das wusste ich alles vorher nicht, ich habe es mir gerade erlesen. Es hat auch mit der Musik selbst wenig zu tun, aber hey, wenn jemand seine Platte so benennt, ist es ja sicher im Sinne desjenigen, wenn man sich auch schlau macht über das Viech.

Naja, mit der Musik hat es vielleicht insofern was zu tun, als man sich ein Bild machen kann über Stornoway. Dies sind Typen, die sich in Dünen legen und Vögel beobachten! Review: Stornoway weiterlesen

Review: Lord Huron

lordhuronLord Huron – „Strange Trails“

Das hier ist eine echte Überraschung. Ich musste glatt noch mal ins erste Album von Lord Huron reinhören – was habe ich da nicht bemerkt? Aber nein, das hat sich so nicht angekündigt. Damit konnte man nicht rechnen!

Aber von vorne: 2012 hat ein gewisser Ben Schneider sein Debütalbum veröffentlicht – unter dem Namen Lord Huron, denn Ben, als Grafiker in Kalifornien lebend, stammt ursprünglich aus der Gegend des Huronsees. Also von einem der großen Seen an der Grenze zwischen den USA und Kanada, entsprechend wurde Ben vom Folk des Nordens geprägt. Dieser Erstling also, „Lonesome Dreams“ war eine wirklich feine Platte, wenn man Musik a la Band Of Horses, Fleet Foxes oder The Head And The Heart mag. Leise Americana. Gut gemacht. Klar, ein Sound, den man gut kennt, daher nicht wirklich originell. Aber auf hohem Level.

Ich dachte also, sowas würde ich auch hören, wenn ich Lord Hurons zweites Werk „Strange Trails“ einlege. Aber, hey, wow – dieses Album ist so viel BESSER, das man von einem Quantensprung sprechen muss!  Review: Lord Huron weiterlesen

Interview: Husky

Husky HeaderHeute (10.04.) ist es offiziell so weit: „Rucker’s Hill“, das zweite Album des wunderbaren australischen Folk-Trios Husky wird bei uns veröffentlicht. Vor ein paar Wochen waren Sänger Husky Gawenda und Organist Gideon Preiss schon für ein paar Promo-Termine in München. Auch ich konnte wieder ein Interview führen… Interview: Husky weiterlesen

where the idlewild things are

Das Erstaunliche ist ja, dass die Leute, die über Musik schreiben oder sie vermarkten, manchmal AHNUNG und RECHT haben. Als Idlewild in den späten 90ern auftauchten, da rollte Roddy Woomble kreischend über die Bühne und die anderen Idlewilden hackten tobend in ihre Instrumente – aber irgendwie haben bestimmte Leute gesehen, dass diese Kids substantieller in ihre Instrumente hackten, dass dieses struppige Knäuel Energie mit dem Mikrofon sich mit mehr Substanz über den Boden rollte als all die anderen Post-Punk-Hacker und Bodenroller, die die Jugendzentren der Welt bevölkern. Fast 18 Jahre nach dem ersten UK-Hype gibt es Idlewild immer noch/wieder, sie können auf UK-Top Ten-Alben zurück blicken und sie schreiben heute weise, leise Gitarrenlieder wie „Every Little Means Trust“. Und irgendjemand hat ihnen damals schon angesehen, dass das in ihnen stecken könnte. Schon stark, dass das so laufen kann. Manchmal.

Ach ja, „Every Little Means Trust“ stammt natürlich vom aktuellen Idlewild-Album „Everything Ever Written“. Ich habe hier eine Rezi dazu geschrieben.

Indiekram. Mehr oder weniger. Interviews, Reviews, Playlists, Commentary.