Review: Jason Isbell

jason isbellJason Isbell – „Something More Than Free“

Ich schreibe es ja immer wieder und ich weiss, dass ich mich da wiederhole – trotzdem noch mal: Die Qualität eines Singer/Songwriters wird für mich letztlich davon bestimmt, was er für eine Persönlichkeit ist. Songwriter sind Geschichtenerzähler und/oder Dichter. Die entscheidenden Fragen sind, was sie uns zu sagen haben, wie sie es sagen und wie überzeugend sie dabei rüber kommen – nehmen wir ihnen das ab, was sie uns erzählen? Jemand, der etwas zu sagen hat, wird fast immer ein guter Songwriter sein – denn er wird dem Inhalt dessen, was er sagt, eine Form geben, die dieser Aussage angemessen ist und sie untermalt, illustriert oder verstärkt. Andersrum ist es viel schwieriger. Wer nur die formalen Mittel, aber keine Aussage hat, endet ziemlich sicher als Windei.

Wenn wir also über die neue Platte von Jason Isbell sprechen, müssen wir darüber sprechen, wer Jason Isbell ist und warum er repräsentiert, was er heute repräsentiert.

Also, Schnelldurchlauf: Isbell, 36, aus Green Hill, Alabama, hat schon zwei Jahrzehnte in der Musikindustrie auf dem Buckel. Review: Jason Isbell weiterlesen

Review: Tame Impala

Tame Impala – „Currents“

So, gebe ich doch auch eben noch meinen Senf dazu, oder? Dass Tame Impalas Dritte die Platte des Sommers 2015 ist, steht außer Debatte. Entsprechend ist auch schon sehr viel über „Currents“ geschrieben worden, sehr viel Gutes und Informatives, zum Beispiel hier, hier und hier. Noch eine Rezension zu schreiben, die die Platte beschreibt, ist kaum notwendig. Zumal: Ich habe für piranha wieder ein Telefon-Interview mit Kevin geführt (Hurra!), das ich hier in Gänze demnächst posten werde.

Darum mache ich es diesmal etwas anders und antworte auf ein paar Dinge, die übers Album gesagt werden.

Ja, Kevin Parker verwendet auf den neuen Platte sehr viel mehr Synthies und kaum noch Gitarren. Ich finde nicht, dass das einen so markanten Bruch darstellt, wie einige Leute zu denken scheinen. Weil im Kern ja immer noch SONGS stehen, von den Melodien her typische Kevin Parker-Songs. Es ist ja nicht so, dass wir hier plötzlich ewige Unnz-unnz-Tracks vor uns hätten, in denen eine ewig wiederholte Zeile „Raise your hands in the air“ oder sowas fordert. Nein, „Cause I’m A Man“ ist als Song doch gar nicht so anders als „Feels Like We Only Go Backwards“, nur anders umgesetzt.

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New(ish) colletion

Ein paar neu(ish)e Clips stehen online. Alle drei von Songs, die sich auch in meiner „Best Ditches“-Spotify-Liste befinden.

Zuerst geht’s nach Melbourne. City Calm Down machen ihr Editors/Interpol meets Cut Copy-Ding schon seit einiger Zeit, über ihre EP „Movements“ schrieb ich auf meinem alten Blog schon im Herbst 2012. Im September wird es so weit sein, dass sie mit „In A Restless House“ ihr erstes Album veröffentlichen. Stereogum hatte die Premiere des Videos zur Vorab-Single „Rabbit Run“.

Stereogum müsste man sein, denn die kriegten auch die Premiere vom aktuellen Video „Framed“ der Liverpooler Synth-Art-Popper Outfit. Ich kann’s nicht mal einbinden, weil VEVO-Einbinden hier irgendwie nicht klappt. Ich kann nur verlinken, auf den Clip und auf mein Interview mit Outfit zu ihrem Debütalbum vor zwei Jahren.

Zum Schluss Beach Baby, ein griechisch/britisches Quartett aus London. Dass deren prima Single „No Mind No Money“ seit ca einem Monat ein Video hat, habe ich voll übersehen. Aber, wie lernten wir im Englisch-Unterricht? „Better late than never“:

Fang mich doch!

Bisher habe ich keinerlei Ahnung von Indie in China („Chindie“?). Ich muss den Leuten Glauben schenken, die mir erzählen, dass Helen Fang, ein ehemaliger MTV-VJ, mit ihrer Band Nova Heart als „Chinas Blondie“ und „Königin des Beijing Indie“ gilt. Aber das zu glauben, fällt mir leicht, wenn ich das Video zur Single „Lackluster No“ sehe – denn das ist wirklich stylish, sophisticated, ein bisschen strange und trotzdem poppig. Eine Breeders-eske Bassline, dazu Laptop-Electronica, die bei mir irgendwie den 80s-Song „25 Years“ von The Catch (wer erinnert sich?) ins Gedächtnis zurück rief – das ist echt ne spannende Kombi.

Review: Heaven Adores You

HAY_poster_smElliott Smith – Heaven Adores You

Ich habe mir „Heaven Adores You“ angeschaut, und hinterher fühlte ich mich seltsam taub. Ich wollte dann erst mal dem Film die Schuld geben. Ich hatte das Gefühl, dass mich diese Dokumentation Elliott Smith nicht wirklich näher gebracht hatte. Ich hatte Antworten gewollt, aber ich kriegte keine Antworten.

Gut, ich wusste jetzt chronologisch genauer, wie das alles abgelaufen war. Die ersten Aufnahmen mit Heatmiser, und wie Elliotts schüchterne Solo-Songs erst als Nebenprojekt Form annahmen und dann in die Hauptrolle drängten, wie der Hollywood-Erfolg mit „God Will Hunting“ auf ihn einstürzte und die Majorlabel-Erwartungen für „Figure 8“ ihn vielleicht letztlich überforderten. Das wusste ich zwar vorher auch, aber nicht so konkret dargelegt, wie es hier dokumentiert wird.

Ich habe dabei in dieser Doku Menschen kennen gelernt, die Elliott ein Stück auf dem Weg begleiteten. Von vielen hatte Elliott sich in der Zwischenzeit abgewandt. Fast alle bereuten, ihm letztlich nicht noch näher gestanden zu haben – so ergab sich aber auch ein Bild von jemand, der es einem nicht leicht machte, ihm nahe zu kommen.

Wir lernten sogar etwas über Elliotts Kindheit und Jugend. Wir lernten, dass es hier schon los ging mit der Rastlosigkeit, mit dem Gefühl, fehl am Platze zu sein. Wir lernten auch, dass Elliott kein ewiger Griesgram war, der die Highs seines Erfolgs durchaus auch mal genießen konnte. Aber als es am wichtigsten wurde, als Elliott in den Heroinsumpf abtauchte, zu dieser Zeit konnten die Befragten schon nichts mehr beitragen außer Hilflosigkeit. Offenbar hatte Elliott sich abgekapselt. Und sowas in einer Doku zu sehen, tut weh.

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Ve Vryll Vrock You

Das kann kein Zufall mehr sein – dies ist jetzt der dritte Beitrag in kurzer Zeit (nach Morning Harvey und Antimatter People), in dem mich eine neue Band an die jungen Verve erinnert. An die Ära 1992-94, als Richard Ashcroft, Nick Mc Cabe, Pete Salisbury und Simon Jones noch kein „The“ im Namen trugen, an Singles wie „She’s A Superstar“, „Gravity Grave“ bzw. ans „A Storm In Heaven“-Album. Keine Frage, da ist ein heimliches Revival im Gange.

Diese neuen Verve heißen The Vryll Society und stammen aus Liverpool. „Deep Blue Skies“ ist ihre erste offizielle Single. Ich mag sowas. Ich mag sowas sehr.

Interview: Years & Years

years years header

Wer stürmt denn da die internationalen Charts mit nettem Synthiepop? Years & Years sind’s, das Londoner Trio um Jungschauspieler Olly Alexander und die zwei Keyboarder Mikey Goldsworthy sowie Emre Turkmen. Wenn ich ehrlich bin: Mich haut ihr Debütalbum „Communion“, das Freitag erschien, nicht unbedingt um. Die Songs sind mir schon etwas zu glatt und gefällig. Aber wenn man die Möglichkeit auf ein Interview hat, sagt man auch nicht Nein – schließlich geht die Band gerade massiv durch die Decke. Keyboarder Emre Turkmen war dann auch ein sehr angenehmer Gesprächspartner. Interview: Years & Years weiterlesen

Review: Frankie & The Heartstrings

frankie_decency_artwork_541_541Frankie & The Heartstrings – „Decency“

Als sie mir erstmals auffielen mit ihren UK-Singles wie „Ungrateful“ und „Hunger“ – das muss wohl irgendwann 2010 gewesen sein – da habe ich mich sehr gefreut über Frankie & The Heartstrings aus Sunderland. Nicht, weil sie so eine originelle neue Stimme waren, sondern weil sie sich in dieser Zeit, in der auf der Insel gerade die Gitarren verteufelt wurden, davon so gar nicht beeindrucken ließen. Sie wollten, dem Trend trotzend, nichts anderes darstellen als das, was man sich unter einer Brit-Indie-Band vorstellt. Ihr Frontmann Frankie Francis, ein schlaksiger Rotschopf mit Tolle, war genau der Typ Schlauberger, dessen bestes Schulfach früher ganz bestimmt nicht Sport, sondern Literatur war – und er passte perfekt in die Tradition Morrissey / Jarvis Cocker / Lloyd Cole: Blasse Briten, die sich in einer für Grobiane zugeschnittenen Welt durch ihren Zynismus behaupten.

Die Heartstrings spielten dazu pfiffigen Indie-Janglepop, ursprünglich und unverfälscht, mehr 80s als 90s, mehr Housemartins als Britpop, ohne höhere Ansprüche, als genau die Indiegitarren-Nische auszufüllen, die in dieser Zeit so vernachlässigt wurde. Das war genug für ein sehr ordentliches Debütalbum („Hunger“, 2011), das, als wollte es beweisen, wie 80s-Indie es war, auf Platz 32 der UK-Charts einstieg.

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You Had Me At Helio

The Helio Sequence, das Duo aus Portland, hat ein weiteres Video aus seinem jüngsten Album (mein Review HIER) online gestellt – allerdings ist die youtube-Version natürlich mal wieder gesperrt. Auf vimeo steht wiederum eine Variante des Clips, die sich „Pre-Animation-Version“ nennt.

Naja, wie sich diese von der finalen Version unterscheidet, das werden wir hoffentlich noch rauskriegen. Hoffentlich kann ich den Post in absehbarer Zeit damit updaten. Zur Überbrückung noch eine Akustik-Performance des Songs…

Update vom 15.7.: Hier ist nun das fertige, bearbeitete Video.

Indiekram. Mehr oder weniger. Interviews, Reviews, Playlists, Commentary.