Archiv der Kategorie: New(ish) Clips

Delta fourth

Die Kalifornier Delta Spirit fingen an als 70% alt.Rock – 30% Folk-Band, aber im Verlauf von vier Alben haben sie den Folk-Anteil immer weiter runter reduziert. Heute sind sie bei reinem, raumgreifendem Alternative Rock angekommen, der eigentlich ins Stadion gehört, dort aber noch nicht angekommen ist. Delta Spirits viertes Album „Into The Wide“ aus dem letzten Herbst zeigte jedenfalls, dass ein gewisser Bombast und große Gefühle sehr wohl gute Musik ergeben können, obwohl die meisten Stadionrocker einen ja eher abschrecken.

Man kann sich also, wenn man will, Delta Spirit vielleicht als eine Variante von Imagine Dragons vorstellen, die nicht entsetzlich beschissen ist, sondern erstaunlich anhörbar. Die keinen affigen Gong auf der Bühne hat und ohne dass man dem Sänger links und rechts eine feuern will, und dann noch eine, und dann noch eine, dann das Knie in die Eier rammen und mit Triumphgeheul davon laufen will.

Hmmm. Diese Beschreibung hat eine andere Richtung genommen als geplant. Jedenfalls: Delta Spirit haben ein neues Video aus „Into the Wide“ vorgelegt: „Language Of The Dead“. Baut ein Stadion drumrum!

Will The Circa Be Unbroken?

Tja, wie steht man zu Circa Waves aus Liverpool? Man weiss, die Jungs sind eigentlich nicht individuell und special genug. Sie haben bisher ein paar Singles zwischen okay und meh gemacht, die sich safe auf dem Gebiet von TDCC und den Kooks aufhalten, eigenen Wiedererkennungswert noch vermissen lassen und deswegen auch den eher bemühten als ehrlichen NME-Mini-Hype nicht rechtfertigen. Trotzdem, bei so wenigen UK-Indie-Bands, die zur Zeit unterwegs sind, die wenigstens ein Bisschen was versprechen, will man sie ja auch nicht abschreiben. Wenigstens benutzen sie Gitarren, wenigstens sind sie zu viert, wenigstens blubbern und fiepen und bassen sie nicht nur als Einzelgänger mit ihrem Laptop.
Die Single „T-Shirt Weather“ beginnt mit echt netten Gitarren, die sich gut ins Ohr kombinieren. Dann aber setzt die Strophe ein und alles geht den Bach runter. Denn die Gitarren setzen so ärgerlich vorhersehbar aus und alles klingt so 08/15 tausendmal gehört, dass man schon dem Glauben an Indie überhaupt abschwören will. Aber wie man noch hadert, kommt der Refrain mit der happy Hurra-Power eines frühen Kooks-Hits, was zwar auch nullnichts Neues ist, dafür aber ansteckend wie Ebola im Quadrat. Fazit? Mei, Circa Waves sind echt keine Offenbarung, aber lassen wir sie mal machen.

Kangaroo Courtney

Warum ging’s so schnell, dass Courtney Bartnett zum Hype-Thema wurde, obwohl sie doch so Melbourne-spezifische Lieder schreibt? Weil universelle Wahrheiten manchmal am Besten am konkreten Beispiel erklärt werden, und weil Courtney eine die idealen Bilder findende, und dabei auch drollige Erzählerin ist. Siehe: „Depreston“, ein weiterer Vorabsong des Albums „Sometimes I Sit And Think, And Sometimes I Just Sit“

Worum geht’s? Courtney sucht eine neue Bleibe und schaut sich ein ein Häuschen im Melbourner Stadtteil Preston an – eine Gegend so trist, dass sie sie gleich „Depreston“ umbenennt. Als sie im Haus auf Utensilien und Fotos der Vormieter stößt, lenkt sie das so ab, dass sie sich auf die Wohnung nicht mehr konzentrieren kann. Und jetzt sagt mir, dass ihr diese Situation und dieses Gefühl nicht total nachvollziehen könnt und diese Schwermut nicht mit Courtney fühlt. Ich kann’s und ich fühl’s – dabei war ich noch nie so richtig auf Wohnungssuche. Erst recht nicht in einem etwas außerhalb gelegenen Stadtteil Melbournes. Kleine große Kunst, thy name is Courtney.

The Pokey To Your Heart

Krank sein nervt so dermaßen! Diese Tage habe ich die Konzerte von Idlewild sowie von Kitty, Daisy & Lewis verpasst, weil mein Körper fand, er muss unbedingt zitternd und schwitzend unter der Decke liegen und schon kurze Trips in die Küche als Zumutung empfinden. Das erwähne ich, weil auch immer an Kitty, Daisy & Lewis denken muss, wenn es um Pokey LaFarge geht, den drolligen Country-Boy, der mit den Londoner Geschwistern den 40s/50s-Retro-Ansatz teilt.
Das Lyric-Video zu Pokeys neuer Single (sowie Titelsong vom kommenden Album) „Something In The Water“ habe ich neulich schon geteilt, jetzt hat Mr. LaFarge auch ein properes Video nachgelegt. Ich hoffe, der Gute tourt auch mal wieder hierzulande – und dann bin ich hoffentlich nicht krank.

Crow Me Something New

Das jüngste Album der Alternative-Bluegrass-Könige (und engen Freunde von Mumford & Sons) Old Crow Medicine Show erschien letzten Hochsommer – jetzt legen die Herren um Ketch Secor mit einem zweiten Video aus der Platte nach, und zwar: „Brushy Mountain Conjugal Trailer“.
Der „Conjugal Trailer“, das wissen diejenigen von Euch, die US-Serien gucken, ist der Wohnwagen, in dem Häftlinge ihren ehelichen Pflichten nachkommen dürfen, wenn die Liebste mal auf Besuch kommt. Kein Wunder, dass die Stimmung Im Brushy Mountain Gefängnis sehr ausgelassen ist.

There will be Flood(lights)

Ein neuer Monat = ein neuer Clip vom aktuellen Aussie-Album „Soft Focus“ von The Ocean Party = eine neue Beschwerde von mir, warum man die Platte auch in Zeiten des Internet hierzulande noch nicht legal kriegt = ein weiteres Mal droppe ich die ebenfalls aus Melbourne stammenden Namen Twerps, Lower Plenty und Dick Diver, weil ich finde, auch The Ocean Party gehören mit ihrem smarten LoFi-Jangle-Pop in die Dolewave-Schublade, in die natürlich keiner von all denen rein will. Whatever. Der neue Clip ist zum Song „Floodlights“.

Pokey-Dokey

Ich bin kein Fan von „Lyric Videos“, aber dafür mag ich Pokey LaFarge umso lieber. Was Kitty, Daisy & Lewis können, kann der fein gekleidete Mann aus Illinois auch: 40s/50s-Sounds so 1:1 superauthentisch rekreieren, dass man kaum glauben kann, dass es brandneue Musik ist. Nur, dass Pokey das Ganze mit Country-Flavour macht.

Pokeys letztes Album erschien 2013 auf Jack Whites Label Third Man Records (es ist nie verkehrt, so einen Promi-Fan zu haben), eine neue kommt (zumindest in den Staaten) am 07.04. über die renommierten Rounder Records (u.a.Willie Nelson).

Various Clipping

Es gibt in diesen Tagen wieder ein paar (recht) neue Videos, aber auch das alte Problem, dass ich hier nur youtube, vimeo und dailymotion einbauen kann, wobei youtube gerne gesperrt wird. Was soll’s, dann gibt’s eben erst mal ein paar Links.

1. Ich liebe den norwegischen Songwriter Jonas Alaska. Während hierzulande in Kürze eine Art Best-Of seiner ersten zwei Alben erscheinen wird, steht in Norwegen sein drittes Album vor der Tür. Hier setzt Jonas, der bisher fast ausschließlich akustisch unterwegs war, mehr E-Gitarren ein- aber dezent genug, dass es Jonas Alaska bleibt. Hier seine aktuelle NO-Single „I’m Sorry“.

An dieser Stelle mache ich einen Break – aber wenn ihr auf „Continue Reading“ klickt, findet ihr zu Clips von Spector, The Cribs, Theme Park, The Love Junkies und Shakey Graves Various Clipping weiterlesen

Sturge it up!

Ach, ich freu‘ mich einfach so für den umwerfenden Sturgill Simpson, dass es für ihn in den USA gerade so durch die Decke geht. „Metamodern Sounds In Country Music“ hat jetzt 100.000 Alben verkauft und steigt neun Monate nach VÖ weiterhin in den Country Charts nach oben, all die Pop-Acts hinter sich lassend. Remember, das ist eine Platte, die Sturgill komplett selbst finanzierte und mit seinem eigenen Label an den Mann brachte. Inzwischen hat er fürs dritte Album einen Vertrag bei Atlantic unterschrieben und dieses offenbar im Januar auch aufgenommen. Nach seiner (natürlich krass ausverkauften) aktuell laufenden US-Tour dürfen wir uns wohl darauf einstellen, dass die VÖ von Album 3 erstmals mit viel Brimborium angeschoben wird.

Gestern spielte Sturgill mal nicht vor einer ausverkauften US-Halle, sondern hatte seinen zweiten Auftritt bei David Letterman. Er spielte „Long White Line“ und Gitarrist Laur Joamets aka Little Joe tobte sich mal wieder so richtig auf dem Griffbrett aus. Ich bin normal kein Fan von Gitarrensolos, aber wenn Little Joe loslegt, liebe ich es.

Hier eben noch mal der Link zu meinem Interview.

Salo Mortale

Mei, was haben wir uns Anfang der Nullerjahre über The Ark gefreut! Nachdem Indie die Jahre zuvor stagniert hatte, hatte die paradiesvogelbunte Popwucht dieser Schweden was regelrecht Radikales. Mit The Ark konnte man die Leute mal wieder so richtig aufregen – denn Kostümwechsel von hautengem Plastik in die Federboa, die waren lange verboten. Zuckersüßer Hurra-Glampop erst recht! Aber bei Indie geht’s darum, nicht mitzulaufen, sondern sein eigenes Ding zu drehen und stolz weiter zu machen, auch wenn die Leute spucken. Deswegen waren The Ark mutiger und mehr Indie als ihre Zeitgenossen.

Aber klar, irgendwann war die Luft raus aus dieser Party. 2011 kam ihre abschließende Single-Collection „Arkeology“ und danach habe ich die Sache auch nicht mehr weiter verfolgt. Ich habe so weit mitgekriegt, dass The Ark-Sänger Ola Salo heute in Stockholm auf Musicalbühnen singt, u.a. den „Jesus Christ Superstar“. Dass er eine Solokarriere verfolgt, war an mir bisher vorbei gelaufen. Das aber tut Ola, und er hat eine aktuelle Single draußen namens „Go On Go On“. Ja, es ist immer noch so nah am Glitzerpop, dass man Zahnschmerzen kriegt. Andererseits, auch bei The Ark musste man erst durch die Zahnschmerzen durch, ums zu kapieren. Und: Es gibt Killers-Songs, die sind ähnlich nah am Schlager. Posten wollte ich’s immerhin, damit man sich eine Meinung bilden kann.

Das Video habe ich noch nicht in einbettbarer Version gefunden, hier immerhin ein Link und eine SWE-TV-Performance der Single: