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You’ve got to Hideki your love

Zeit, mal wieder was aus Japan zu posten!

Auch Hideki Kaji (カジヒデキ) aus Futtsu City im Süden von Tokio macht diesen super-slick-stylischen Sound, den die Japaner City Pop nennen. Sein Dreh bei der Sache ist, das Ganze mit einer Menge Sixties-Feel zu verbinden.

Klar, die Wurzeln von City Pop an sich sind schon im kalifornischem Sunshine Pop der Sixties zu verorten, wie er von Bands wie The Turtles oder Harper’s Bizarre gemacht wurde.

Hideki, der seit den späten 80ern als Bandmitglied und seit 1997 solo aktiv ist, beruft sich dazu speziell auf schwedische Vorbilder wie Eggstone und Tore Johansson, die ja auch wiederum in den 90s als 60s-Revivalisten international bekannt wurden.

Will sagen: Es schließt sich hier ein Kreis, oder es dreht sich eine Spirale, oder so. Retro-Citypop, beeinflusst von Retro-Sixtiespop, beeinflusst von Sunshine Pop. Na, Hauptsache es klingt schön. Und das tut’s. Siehe Hidekis neue Single „Spray And Fanfare“

Dearly Deported

Tja. Nichts sagt „in Schweden lange schon beliebte Band, aus Umeå, hoch im Norden des Landes, nach fünf erfolgreichen Alben und zahlreichen Kritikerpreisen in der Heimat ENDLICH erstmals mit einem internationalen Deal ausgestattet“ so deutlich wie ein Video, in dem ein Skater durch die kalifornische Wüste rollt und Molotowcocktails in Autowracks wirft. I guess.

Mein Text zum letzten Deportees-Album „The Big Sleep“ (2015): HIER

Devoidz of anything good

Nein. Nein, ich bin immer noch kein Fan von The Voidz.

Im Sommer spielen The Strokes mehrere Festival-Termine in den Staaten und Europa. Da dufte man darauf spekulieren, dass es vielleicht neue Musik gibt und die Herren nicht nur Gage abgreifen wollen.  Bevor es los geht, spielen Julian Casablancas & Co nächsten Montag eine Benefiz-Show im Wiltern Theater, LA.

EIn komischer Zeitpunkt für Julian, um nachträglich ein Video aus dem letztjährigen Album seiner neuen Band The Voidz zu posten. Als wolle er noch mal unterstreichen, wo heute seine Prios liegen.

„Just because something’s popular, it doesn’t mean it’s good“ nölt Julian in der Strophe. Natürlich stimmt das. Aber das bedeutet nicht im Umkehrschluss, dass alles, was nicht populär ist, wohl zu clever für die Massen und missverstanden sein muss.

Mich stört nicht, dass „Permanent High School“ mit dissonanten Akkorden arbeitet. Das könnte eine Grundlage für was Spannendes sein. Aber der Song ploddert lahm vor sich hin, eine Gesangsmelodie ist nicht vorhanden (Julian klingt eher wie ein Teenager, der sich bei seinen Eltern beschwert, dass sie ihm den Ferrari in der falschen Farbe geschenkt haben) und der Text besteht aus Pseudo-Weisheiten wie „If I told you the truth, it would be a lie“.

DAS, will Julian uns weismachen, ist besser als der kecke struppige Snazzrock, den uns die Strokes in ihrer besten Zeit geliefert haben?

Naja. Bildet euch euer eigenes Urteil, blabla.

…and the Beach goes on

Oha! Es gibt sie noch/wieder!
Über zweieinhalb Jahre ist’s her, dass wir das letzte Mal etwas vom Londoner Quartett Beach Baby gehört haben. Ihr Debüt „No Mind No Money“ (2016) war ein prima Britpop/Indierock-Album, ich hab‘ damals auch ein Interview mit Sänger Lawrence Pumfrey hier auf dem Blog platziert. Aber es wäre gelogen, wenn wir sagen würden, dass es ein Riesenhit geworden wäre. Im Gegenteil, die Platte blieb eher unbeachtet. Damals war auch mal eine Deutschlandtour geplant und wurde wieder abgesagt, auch sowas ist kein gutes Zeichen. Ehrlich gesagt, ich war davon ausgegangen, dass Beach Baby sich wieder ihrem Studium oder anderen Dingen gewidmet hätten.

Aber sieh an, heute steht eine neue Single namens „Lovin‘ Feeling“ online.  Na, da sind wir aber gespannt.

The Alpine Downhill

Ach ja, ein neue Single von Alpine gibt’s ja auch.

Klar, Bands verändern sich im Laufe von 9 Jahren. Ist okay. Nur, ich muss dann kein Fan bleiben, wenn der neue Style mir nicht so taugt wie der frühe, oder?

Als Alpine aus Melbourne so 2010 etwa mit ihren ersten Singles auftauchten, da waren sie superspannend. Sie hatten – ziemlich ungewöhnlich – gleich zwei Sängerinnen, Phoebe und Lou. Die Spezialität der Band waren clever verzahnte Zickzack-Gesangs- und Gitarrenlinien. Postpunk, wenn man so will, aber auf interessante Weise in Richtung Pop und Gefühl getrimmt. (HIER DREI BEISPIELVIDEOS)

Schnell waren sie nie. Erst zwei Alben haben die Aussies auf die Beine gestellt. Das Debüt „A Is For Alpine“ war eins meiner absoluten Lieblingsalben von 2012. Auf dem zweiten („Yuck“, 2015) ersetzten sie dann viele Gitarren durch Synthies, das war jetzt mehr moderner Pop als Indie. Aber eine Handvoll wirklich starker Songs gab’s auch auf dieser Platte.

Jetzt steht wohl das dritte an Album, die erste Single „Dumb“ liegt vor. Erste Änderung: Sängerin Lou ist ausgestiegen. Das macht natürlich schon mal die Besonderheit der Doppelspitze zunichte. Zweite Änderung: Na, es war nicht zu erwarten, dass Alpine den Weg zu den Gitarren zurück gehen würden. Es war wohl klar, dass sie die Weg, den sie auf „Yuck“ eingeschlagen haben, fortsetzen würden und nun auf etwas setzen, was man wohl „sophisticated Pop“ nennen kann. Naja, das sollen sie machen, wenn ihnen das lieber ist. Mich packt s halt leider nicht annähernd so, wie mich ihr frühes Zeug gepackt hat.

Nun gut, warten wir jetzt mal das Album ab. Vielleicht sind ja immer noch Tracks drauf, die man super finden kann.

Very Sleepy Rivers

Ich habe ungeduldig auf neues Material von Amason gewartet. Denn das Debütalbum der Schweden, die u.a. aus Pontus Winnberg (Miike Snow), Gustav Ejstes (Dungen) und Sängerin Amanda Bergman bestehen, war eins meiner absoluten Lieblingsalben des Jahres, als es erschien. 2015 war das.

Seit ein paar Wochen gibt es nun die Comebacksingle „You Don’t Have To Call Me“ und leider muss ich zugeben: Ich finde sie… einschläfernd. Schon schön, klar. Aber an mir plätschert der Song echt vorbei. Ich hoffe, auf einem kommenden Album wird es dynamischere Nummern geben. Naja, es gibt jetzt ein Video und ich teile es mal, vielleicht erlebt ihr den Song ja völlig anders als ich. Vielleicht ist’s ja auch ein Grower und ich liebe die Nummer, wenn ich sie erst zehn mal gehört habe.

Revolution Number Ninth

The Ninth Wave aus Glasgow haben sich für ein interessante Variante entschieden, ihr erstes Album zu veröffentlichen. Das Neo-Synthpop-Duo bringt „Infancy“ in zwei Schritten auf den Markt: Sechs der 12 Songs, also die erste Hälfte des Albums, sind seit letztem Freitag erhältlich. Teil 2 wird im November folgen.

Jetzt könnte man fragen: „Sind das nicht einfach zwei EPs, die ihr da raus bringt?“ Aber es ist ja letztlich eine Formsache. Wichtig ist, dass die Songs prima sind und wie das Video zur neuen Nummer „The Broken Design“ beweist, erfüllen die Schotten dieser Teil der Aufgabestellung.

File under: Original-New Wave a la John Foxx, Gary Numan, Depeche Mode, Blancmange oder 80s-Revivalisten wie The KVB, Henric de la Cour, White Lies, Artificial Pleasure, April Towers

Achtung: Im Video gibt’s Suizid zu sehen. Wenn es euch beschissen geht, bitte denkt dran: Don’t Try This At Home. Verbringt Zeit mit etwas, das ihr gerne tut. Denkt an die, die ihr liebt. Wendet euch an eine der Hotlines.

Plap of Honour

Habt ihr Euch gelegentlich gefragt: „Was ist eigentlich aus MS MR geworden?“ Das New Yorker Duo galt als super-geschmackvolles Niveau-Pop-Ding, das erste Album („Secondhand Rapture“, 2013) beinhaltete mehrere Radiohits und erreichte ermutigende Chartpositionen. Mit dem zweiten („How Does It Feel?“, 2015) konnten Lizzy Plapinger (die auch das hippe Label Neon Gold Records gegründet hatte) und Max Hershnow jedoch nicht die erhoffte nächste Stufe zünden.

Im Pop gilt „das Niveau halten“ leider schnell mal als Misserfolg. Ergebnis? MS MR liegen mindestens auf Eis. Lizzy ist jetzt als Solistin aktiv und nennt sich LPX. Ihre neue Single „Give Up The Ghost“ könnte über jede mögliche Beziehung gehen, aber der Text lädt dazu ein, dass man ihn auf die Trennung (?) von MS MR bezieht: „I won’t pretend you weren’t more than a friend and I won’t ignore how it hurt at the end.“

French Discord

Puh. Nachdem ich eins weiter unten in der Vergangenheit schwelgte und mal wieder unter die Nase gerieben bekam, wie alt ich inzwischen geworden bin, brauche ich dringend einen Schuss junges Blut.

Zur Hilfe kommen die Franzosen MNNQNS, die ich zur Jahreswende zu einer meiner großen Hoffnungen fürs Jahr 2019 erklärt habe und die mit zwei Minuten Postpunk-Radau-Adrenalin ihr erstes Album ankündigen. Dieses Debüt wird am 30.08. erscheinen und diesen struppigen Song namens „Urinals“ enthalten.

Feels Like 30

Tja. Da kann man sich ja immer einreden, dass man schon irgendwie jung geblieben ist. Aber dann liest man, dass heute zwei absolute Indie-Klassiker das 30ste(!) Jubiläum ihrer Veröffentlichung feiern. Kann das wahr sein? Dreissig verdammte Jahre?

Erstens ist da The Cures „Disintegration“. Ich und meine Kumpels waren seit „The Head On The Door“ und „Kiss Me Kiss Me Kiss Me“ riesige Fans und übertrafen uns damit, Cure-Singles und 12″s wegen ihrer B-Seiten zu sammeln. Die nahende VÖ ihrer Neuen war folglich ein Großereignis für uns. Wir warteten nägelkauend und besorgten uns das gute Stück am Tag des Erscheinens im heimischen kleinen Plattenladen. Nun ist „Disintegration“, von den Hitsingles abgesehen, ein Album, das sich in seiner prunkvollen Dichte und elegischen Langsamkeit nicht sofort erschließt. Ich muss so ehrlich sein: Zuerst mal waren wir heimlich ein bisschen enttäuscht. Aber wir haben uns schnell reingesteigert. Heute bezweifelt niemand: Dies ist ein absolutes Highlight der an Glanzlichtern nicht eben armen Cure-Diskographie.

Am 2. Mai 1989 erschien aber noch ein weiteres Album für die Ewigkeit. Eins, das auf der Insel sogar noch größere Wellen machen sollte. Aber das Debüt von The Stone Roses entwickelte sich erst mit Monaten Verspätung zum Dauerbrenner. Bis das bei mir im Oberallgäu ankam (Youtube und sonstiges Internet gab’s ja nicht), war es Spätherbst geworden. Egal, „The Stone Roses“ wurde eine prägende Platte, die noch Jahrzehnte später Bands beeinflusste bzw. beeinflusst und die ich heute noch gerne höre. Da kommt es auf ein paar Monate nicht an.