Meine Alben 2020, Pt. 2 / 25-21

Gestern habe ich mit meinem Countdown angefangen. Es geht, wie jedes Jahr, um meine Lieblingsalben des Jahres, in diesem Fall also 2020. Ich betone mal eben: Es geht hier nur um meinen ganz eigenen Geschmack. Und der ist sehr festgefahren auf das, was man im Plattenladen im Indie-Fach finden könnte. Je nachdem, wie dort sortiert wird. Da ist ja jeder Laden und jeder Mitarbeiter anders drauf. 

Na anyway. Okay, weiter geht’s mit Platz 25 – 21.

25. Two People – „Second Body“

Ich werde nicht aufhören, von Snakadaktal zu schwärmen, auch wenn die Band sich vor inzwischen sechseinhalb Jahren getrennt hat. Sie waren sechs Teenager in Melbourne, die erkennbar noch lernten und beinahe unabsichtlich in eine magische-mächenhafte Gitarrenwelt stolperten. Phoebe Cockburn und Joe Clough sind als Duo übrig geblieben und bei ihrem zweiten Album angekommen. Bisher hat mich ihr Ansatz, auf Elektronik statt Gitarren zu setzen, nicht immer überzeugt. Erstens machen genug andere Bands sphärische Electronica. Zweitens gibt’s eine Falle in diesem Sound, in den viele Acts treten: Nämlich dass sie in einen Modus verfallen, in dem sie zu gemächlich und lieblich vor sich hin plätschern und ploddern. 

Das ist das Schöne an „Second Body“ – Phoebe und Joe sind wieder fokussierter auf ihre Songs und es gibt mehr Gitarren. Atmosphären-Momente, die ins Saccharin-Süße abgleiten, ja, die gibt’s, aber selten. Vor allem schweben Two People grazil irgendwo im weiten Raum zwischen The xx und TripHop. Dabei passiert es immer mal, dass Momente der Snakadaktal-Magie aufblinken.  

24. The Cribs – „Night Network“

Man hatte ja gar nicht mitgekriegt, wie kurz The Cribs davor standen, die Gitarren einzumotten. Kurzfassung der Story: Nachdem die drei Jarman-Brüder sich von ihrem alten Management getrennt hatten und ihren Papierkram in Augenschein nahmen, fiel ihnen auf: All die Jahre, in denen sie glaubten, eine prinzipientreue Indie-Band zu sein, hatten Major-Firmen, mit denen sie doch nie etwas zu tun haben wollten, fleißig an ihnen verdient. Ab jetzt ging all ihre Energie dafür drauf, sich aus diesen Verträgen raus zu klagen.

Es war Dave Grohl, der uns The Cribs gerettet hat. Bei einem gemeinsamen Konzert erzählten sie Dave von ihrem Frust und dass sie wohl aufhören würden. Er hat die drei dann spontan zu sich nach Hause in sein Foo Fighters-Studio eingeladen, damit sie mit freiem Kopf und for free zwei Wochen mal wieder einfach nur Band sein und aufnehmen konnten.

Das Ergebnis ist „Night Network“. Letztlich ein Album, das unterstreicht, wofür wir The Cribs als Indiepunkrock-Institution liebten und lieben. Herrlich zickiges Gitarrengeschmirgel. Classic Cribs, sozusagen. Es ist – in Anbetracht der Umstände ist das ja auch klar – kein Album, auf dem die drei Brüder eine neue Richtung einschlagen oder ihre Extreme ausloten. Aber das können sie ja beim nächsten Mal wieder machen.

23. Tame Impala – „The Slow Rush“

Nicht alle, die „Innerspeaker“ liebten, folgen Kevin Parker heute noch. Es gibt die Nein-Sager, für die seine Entwicklung in Richtung Elektronik und Tanzbarkeit gleichbedeutend ist mit Ausverkauf und Anbiederung an den Mainstream. Ich folge dieser Argumentation nicht – die Art, in der Kevin seine Sounds wählt und seine Atmosphären schafft, die bleibt ganz seine eigene. Er folgt nur seiner inneren Eingebung und diese bestimmt, wo er landet.

Having said that: Die Gitarren von „Innerspeaker“ und „Lonerism“, die Songs von „Currents“ – die mochte ich einfach ein bisschen lieber. So ganz subjektiv. Ich kann respektieren, das Kevin experimentiert und spannende neue Bereiche erschließt, aber manchmal packt’s mich halt einfach nicht so. Ich meine, ich kann ja auch anerkennen, wenn ein Pizzabäcker qualitativ hervorragende Meeresfrüchte auf seinem Belag auftischt und trotzdem halt die Salami bevorzugen. 

Na anyway. „The Slow Rush“ ist ne prima Platte, die sicher verdient hätte, weiter oben in meiner Liste zu stehen. Aber in dieser Liste geht’s ja nun mal um meinen primitiven, ehrlichen Geschmack – und da landet „The Slow Rush“ (immer noch gut) auf Platz 23. 

22. Lydia Loveless – „Daughter“

Tja. Eben hatten wir mit Kevin Parker jemanden, der immer irgendwas erneuert und eigenbrötlerisch vor sich hin entwickelt. Lydia Loveless kommt da natürlich von einem ganz anderen Ansatz, als ganz klassische Alternative-Country/Americana-Lady. Das heisst aber nicht, dass sie in ihrem engen Referenzrahmen aus Midtempo-Songs und den typischen Countryrock-Gitarrenakkordfolgen nicht eine Menge Persönlichkeit rüberbringen kann.

In den Jahren seit Lydias letztem Album „Real“ wurde ihre Ehe mit Band-Bassist Ben Lamb geschieden, auch gründete Lydia ihre eigene Plattenfirma namens „Honey, You’re Gonna Be Late“ Records, nachdem sie mit einem #metoo-Skandal bei ihrem früheren Label Bloodshot an die Öffentlichkeit gegangen war. So stehen die Songs auf „Daughter“ sehr im Zeichen von Trennung, Selbstbehauptung und Gender Politics – wie immer bei Lydia mit Texten, die bis auf die Knochen schneiden. Siehe der Titelsong: „Don’t call me sister victim or your child bride / I’ve been somebody’s woman on the side / Just take me for what I already am / Honey make me feel like a man […] If I gave you a daughter, would you open up?“

21. Blossoms – „Foolish Loving Spaces“

Ohrwürmer. Tom Ogden muss die Dinger im Keller in einer geheimen Farm züchten. Der Sänger der Blossoms schreibt Songs, die in die Gehörgänge flutschen, als hätte man sie vorher in Motoröl eingeweicht. Ich sehe auch ein, wenn das manchen Leuten zu viel ist. Manch einer sieht in dem Quintett aus Stockport ja nicht mehr als eine gefällige Popband. 

Na, ich seh’s anders. Das dritte Album der Briten bringt mich zum Staunen. Sie mögen nicht eben tiefschürfend sein, die Songs der Blossoms, aber sie sind wumpige pumpige Popmonster, gnadenlos, jeder einzelne Song, ohne Ausnahme. Im richtigen Moment ist das genau das Richtige.

Okay, in Kürze geht’s dann weiter mit Platz 20-16

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