We Kür A Lot – Part 3

 

So. Jetzt aber. Ich habe mich lange um andere Dinge gekümmert, aber in Zeiten der Corona-Isolation habe ich keine Ausrede mehr. Der Ein-Kasten-Augustiner-Preis-Gewinner für 2019 will offiziell bekannt gegeben werden!
Worum geht’s? Wir haben ein Lied zum Song des Jahres gekürt, auf unsere bekannt beknackte Weise. Dies ist der zweite Teil zum diesjährigen Votum. Vielleicht wollt ihr erst mal Teil Eins lesen?

Oder ihr taucht direkt ein in Runde zwei…

Wo waren wir beim letzten Beitrag stehen geblieben? Wir haben die erste Runde geschafft, also 11 der 22 Kandidaten eliminiert. Insgesamt liefen ein paar Dinge anders als geplant, deswegen machten wir auch eine Pause und machten an einem zweiten Abend weiter. Unsere Runde ist leider geschrumpft: Karin, Chris, Julian und ich sind heute die Jury. Los geht’s!

Runde 2, Match 1:
Metronomy – „Salted Caramel Ice Cream“ vs The S.L.P. – „((trance))“
 – 
Frage: Headbangfaktor!

Schön, gleich mal Action. Welcher der zwei gezogenen Songs eignet sich zum Headbangen? Keiner so wirklich. Dazu sind beide zu groovy und ebenfalls null heavy. Metronomy hat allerdings erstens etwas mehr Tempo und zweitens die Textzeile „… the drummer in my metal band“.

Das reicht, um vier Stimmen zu bekommen.

Runde 2, Match 2:
Middle Kids – Needle vs the William Blakes – „Turn Us Into Them  
 – 

Frage: Welcher Song hat die bessere Hookline?

Nicht, dass die Hookline eines Songs immer der Refrain sein muss – aber hier haben wir zwei Songs vor uns, die beide starke Refrains haben. Beide gehen gut ins Ohr. Am Ende sind’s die Dänen The William Blakes, deren Chorus („Oh! Oh, here we go! They walk straight into our homes!…“) mehr Stimmen kriegt und sich 3:1 durchsetzt.

Runde 2, Match 3:
Hayley Mary – „The Piss, The Perfume vs Tawings – „Suisen
 –

Frage: Welcher Songtitel wäre der bessere Pornotitel?

Tja. Nicht unsere tiefgründigste Frage. Aber hier besteht Einigkeit: „The Piss, The Perfume“ hat Körperflüssigkeiten und Luxus im Titel. Als Pornoname geeignet? Gibt’s bestimmt schon! „Suisen“ ist japanisch für „Narzisse“. Tja. Irgendein Filmchen zum Thema Selbstverliebtheit? Naaa, von vornherein chancenlos gegen Hayley Mary.

Runde 2, Match 4:
Sturgill Simpson – „Sing Along“vs Sløtface – Telepathetic
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Frage: Welcher Song hat die bessere Message?

Schwierig. Norwegens Sløtface waren mit zwei Songs in der Shortlist vertreten, aber ihr Meeres-Verschmutzungs-Song „Sink or Swim“ ist schon in der ersten Runde gescheitert. Wäre „Sink Or Swim“ jetzt an die Reihe gekommen, hätte die Nummer für ihre Umwelt-Message gewonnen. Tja, so läuft’s.

Was IST die Message on Sturgills „Sing Along“? Es scheint eine Art Breakup-Song zu sein. Nicht notwendigerweise mit Bezug auf eine holde Maid, es könnte auch ein Businesspartner sein, von dem Sturgill sich hintergangen fühlte und dem er jetzt einen Abschiedssong vor den Latz knallt.

Bei „Telepathetic“ von Sløtface geht’s um Eskapismus, ums Warten auf Wochenende und um Leute, die glauben, sie könnten sich was her wünschen. Was ist die bessere Message? Hmmm.

Tja. Das Ergebnis unsrer Diskussion? Gleichstand. Wir müssen eine Ersatzfrage ziehen.

Ersatzfrage: Welcher Song hat das coolere Video?

Hier herrscht Einigkeit. Zwar ist Sløtfaces Clip zu „Telepathetic“ originell und gut gemacht. Aber Sturgill hat sein letztes Album „Sound & Fury“ bekanntlich parallel als Anime veröffentlicht, in Zusammenarbeit mit Netflix und ein paar der gefragtesten japanischen Regisseure unserer Zeit. Klar ist der Clip für „Sing Along“ entsprechend ein buntes Action-Spektakel. Da können Sløtface nicht mithalten.

Runde 2, Match 5: (Dreierrunde)
Ride – Repitition vs Bombay Bicycle Club – „Eat, Sleep, Wake (Nothing But You)“ vs Cayucas – „Real Life
 –  –
Frage: Spiele ein Luftinstrument – außer Gitarre!

Wieder eine Actionfrage, nice. Ab auf den Dancefloor! Naja, die kleine Freifläche in meiner Küche. 

Welches Luftinstrument kann man zu Ride spielen? Das ist definitiv ’ne Gitarrenband und die Gitarre scheidet hier bekanntlich aus. Die Bassline ist okay markant. Aber, naja, so als Move ist ein Luft-Bass nicht besonders flashy. Schauen wir weiter.

Auch bei BBC ist es die Gitarre, die das Geschehen dominiert. Auch hier kann man dem Bass was abgewinnen. Es gibt aber auch erkennbar sirrende Keyboards und einen bemerkenswert groovy Shuffle-Beat. Da kann man zum Luft-Drummer werden.

Und die Cayucas? Hier dominieren die Keys. Auch Tasten-Drücken ist nicht eben die wilde Dancefloor-Geste. Aber das Solo im Song ist ziemlich flippig, man kann dazu nett fingerwedeln.

Wir stimmen ab. Jeder lässt einfach sein Gefühl entscheiden, wozu er am besten zappeln konnte. BBC und Cayucas kriegen je 2 Punkte, Ride keinen. 

Es muss zum Stechen zwischen Cayucas und Bombay Bicycle Club kommen – und dafür rufen wir Tom an. Der kann heute wegen eines Umzugs nicht dabei sein, soll aber wenigstens diesen Knoten lösen. Er entscheidet sich für die Cayucas!

Wir haben Runde 2 überstanden und sind auf einmal schon im Halbfinale!

Halbfinale, Match 1: 
Sturgill Simpson – „Sing Along“ vs Cayucas – „Real Life
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Frage: Luftgitarrenvergleich!

Der Zufall wollte, dass wir als nächstes gleich das Pendant zur letzten Frage ziehen. Tja, Cayucas, hier ist euer Weg vorbei, denn „Sing Along“ ist das Rockbiest unter den Teilnehmern. Wir toben durch die Küche, Riffs aus den imaginären Äxten schleudernd. Alle Punkte nach Kentucky! Sturgill Simpson ist unser erster Finalist!

Halbfinale, Match 2:
Hayley Mary – „The Piss, The Perfume vs the William Blakes – „Turn Us Into Them  vs Metronomy – „Salted Caramel Ice Cream“
 –  –
Frage: Wie genial ist der Text?

Deswegen mag ich dieses Spiel so. Weil man sich mit so vielen Aspekten des Songwriting befasst. Was macht einen Text genial?

Hayley Mary hat einen Song über vernarbte Liebeswunden geschrieben. Handlung: Ein Ex taucht in Sydney auf. Das stürzt Hayley zwar erst in die Krise, aber ihr wird auch klar, wie viel besser sie mit ihrem Neuen dran ist. Dass sie über das Drama mir dem Ex letztlich froh sein kann, denn sonst wäre sie jetzt nicht mit Johnny Took (DMA’s) zusammen. Die Schlüsselzeilen lauten: „I find bitterness through love  – and I find through bitterness true love“. Das hat was.

Aber kann es The William Blakes und ihre Überwachungs-Protesthymne „Turn Us Into Them“ toppen? Die Kopenhagener haben eine smarte Polit-Pop-Nummer geschaffen, aufrüttelnd und dabei erfrischend un-verkopft. 

Und Metronomy? „Genial“ kann viel bedeuten. Es kann auch „genial einfach“ oder „genial beknackt“ heißen. In dem Sinne der verspielt-eingängige Text von „Salted Caramel Ice-Cream“ in der Tat ein Geniestreich.

Abstimmung! Und was passiert? Hayley Mary kriegt keine Punkte, aber The William Blakes und Metronomy haben Gleichstand. 

Wir müssen ein Stechen zwischen diesen beiden Songs machen!

Frage: Tanzvergleich!

Jetzt müssen wir eigentlich gar nicht aufstehen. Metronomys Hit ist schließlich seit seinem Erscheinen Stammgast in den Indie-Discos. Wir zucken trotzdem noch mal durch meine Küche und beseitigen alle Zweifel: „Turn Us Into Them“ ist zwar nicht komplett ungroovy, aber alle Dance-Punkte können nur an Metronomy gehen.

Wir haben ein Finale!
Sturgill Simpson – „Sing Along“ vs Metronomy – „Salted Caramel Ice Cream“
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Frage: „Welcher Song ist besser im Zeitraum 1:00 – 1:15“

Sonderbare Frage? Wohl ja. Es ist so: Wir haben die Fragen „Welcher Song hat den besten Anfang“ und „Welcher Song hat den besten Schluss“ im Lostopf, schon seit es unseren Augustiner-Preis gibt. Die Idee war nun: Warum nicht das Gleiche für einen zufälligen Zeitpunkt mitten im Song? Konnte man ja nicht ahnen, dass es gleich als Finalfrage gezogen wird.

Sturgill ist zu bei Minute 1 mitten in der zweiten Strophe bzw im Refrain – diese Nummer macht da keinen so genauen Unterschied. Zähnefletschend schimpft er die Zeile „Compromise is made out of peace but history is made out of violence.“ Ui ui uiStarker Moment.

Metronomy? Sind ebenfalls zu diesem Zeitpunkt genau an Teil 2 von Strophe 2. Der Text? „…the drummer in my metal band, she’s like a dream, Salted Caramel Ice Cream“. Auch nice.

Tja, schwere Entscheidung. Aber mit der Abstimmung ist sie getroffen. 2,5 Punkte für Sturgill. 1,5 Punkte für Metronomy.

Der Sieger des Augustiner-Preises 2019 kommt aus Kentucky – Mr Sturgill Simpson, wir gratulieren! 

Tja, nur das mit der Übergabe wird garantiert wieder nicht klappen. Im Februar erst war Sturgill kurz in Deutschland, spielte ein Berlin-Konzert. So schnell wird er sich nicht wieder blicken lassen.  Wenn die Corona-Zeit vorbei ist, muss Sturge erst mal seine US-Arena-Tour mit Tyler Childers abschließen. Europa steht da garantiert vor 2021 nicht auf der Agenda. Na, anyway. Wir warten ab.

Habt ihr bis hier hin durchgehalten? Dann gebührt euch nicht weniger Gratulation als Sturgill Simpson. Ich hoffe, ihr fandet’s ganz witzig. Nächstes Jahr der gleiche Quatsch!

 

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