Meine Alben 2019, Pt.4 – 15-11

… und weiter geht’s. Ich stecke immer noch mitten in der Aufstellung meiner Lieblingsalben aus dem Jahr 2019. Inzwischen sind wir bei den Positionen 15 – 11 angelangt.

15. Hatchie – „Keepsake“

Dreampop, das ist natürlich auch wieder so ein Sound, für den ich grundsätzlich anfällig bin. Harriette Pilbeam aus Brisbane alias Hatchie hat sich einer Musik zugewandt, die zwischen dem schimmernden Shoegazing von Bands wie Lush oder Chapterhouse auf der einen und Girl-Jangle-Bands wie The Sundays oder The Darling Buds auf der anderen liegt. So weit, so schön, aber ich war mir nicht sicher, ob die Australierin das auch über ein ganzes Album so durchziehen könnte, dass es interessant bleibt.

Die Sorge war unbegründet. „Keepsake“ ist eins der Alben, die man durchhört. Erstens, weil genug Abwechslung herrscht, zweitens, weil – das klingt jetzt widersprüchlich – alles gleich bleibt. Will sagen: Auch wenn die Songs alle erkennbar für sich stehen, haben sie eine Grundfarbe. Oder sagen wir besser: ein Grundleuchten, ein Grundschimmern. Ich habe das Album in meiner Text dazu mit dem Gefühl beschrieben, das einen durchflutet, wenn man morgens in die aufgehende Sonne blinzelt. Ein Album, das dieses Gefühl in Musik gießt, kann nichts Schlechtes sein. 

14. Polish Club – „Iguana“

Wir bleiben in Australien. Auch bevor die Zweite vom Sydneysider Duo Polish Club erschien, hatte ich mir ein bisschen Sorgen gemacht. Das Debüt von Sänger/Gitarrist Novak und Drummer J-H war eine dieser typischen Gitarre-Drums-Duo-Platten gewesen: Deftiger, instinktiver Retro-Rock’n’Roll für Fans von Johnossi oder Black Keys. Dass es nicht reichen würde, das einfach zu wiederholen, darüber waren sich die zwei klar. Ihre Zweite musste ein Schippe drauflegen, eine Entwicklung zeigen, gleichzeitig erkennbar Polish Club bleiben. 

Sowas kann man sich alles als Theoriegebäude aufbauen – aber wenn das wohl wichtigste Element deines Sounds ist, dass er unverstellt aus dem Bauch kommt, dann hat man vielleicht schon zu viel nachgedacht, in dem Moment, als man einen Plan aufstellte.

Aber Polish Club haben ihn geschafft, den Spagat. „Iguana“ klingt fetter, voller, produzierter, durchdachter, hat mehr Klangspuren – aber das Unverstellte, das haben Polish Club konservieren können. Hervorheben will ich noch, dass mit „Breakapart“, „Iguana“ und „2 Scared“ gleich drei Indie-Dancefloor-Knüller auf der Platte waren, die ich entsprechend in meine DJ-Programme einstreute.

13. Foals – „Everything Not Saved Will Be Lost“ (Pt. 1 & 2)

Ich erlaube mir mal einfach, die zwei Platten zusammen zu fassen. 

Ganz lustig – ich war ja nie so der große Anhänger der Foals. Die fand ich immer zu gewollt. Das trifft auf einiger ihrer Songs von 2019 immer noch zu. Aber weil Yannis Philippakis & Co bei den Sessions zu ihrem fünften Album bekanntlich so unerwartet produktiv waren, dass genug Material für gleich zwei Alben heraus sprang, sind über die 20 Tracks dann doch so einige verteilt, die ich so richtig, richtig gut finde. 

Foals haben die Songs gruppiert in Pt.1 (mehr so Artpop) und Pt.2 (rockiger, manchmal durchaus heavy). Naturgemäß gefällt mir Teil 1 in seiner Gesamtheit etwas besser, weil ich halt kein Rocker bin. Aber Teil 2 hat definitiv auch seine Momente.

Vielleicht hätten die Foals gnadenlos editieren und nur ein einziges Album mit den besten zehn Songs raus bringen sollen? Das hätte eine regelrechte Hitparade werden können. Aber es wäre den Foals wohl irgendwie nicht gerecht geworden, weil diese Band sich nun mal auch ihre Schwurbel-, Nörgel- und Rumplodder-Momente definiert. („Neptune“ ist ne okaye Nummer, aber sie muss NICHT auf zehn Muten ausgewalzt werden.)

Ganz interessant: Mir scheint’s so zu sein, als ob jeder, den ich kenne, auf diesen Platten andere Lieblingslieder hat Meine sind „Exits“ und „The Runner“. Ein Kumpel schwört auf „White Onions“, ein anderer auf „On The Luna“. Der NME wiederum hat „In Degrees“ als Highlight gepickt. Letztlich zeigt das aber ja auch, wie hoch der Level dieser Platten insgesamt sein muss.

12. Deportees – „All Future“

Ich wollte Deportees eben als „Umeå’ Finest“ bezeichnen, dann fiel mir ein, dass Annika Norlin (also Hello Saferide/Säkert) ja auch aus Umeå stammt. Eine ganz schön beeindruckende Quote für so eine Kleinstadt, oder?

Wir sind jedenfalls jetzt in Nordschweden und es geht ums sechste Album der Deportees. Ich kann’s ja auch zu hundertsten Mal sagen: Es ist eine himmelschreiende Ungerechtigkeit, dass diese wunderbare Band zu Hause zwar als Kritikerliebling gefeiert wird, irgendwie außerhalb der Landesvorwahl 0046 keinen Fuß auf den Boden kriegt. 

Aber, okay, ein kleines bisschen weiss ich ja, warum. Die Brüder Peder und Anders Stenberg plus Thomas Hedlund machen zwar wunderbar gebremsten Gitarrenpop, sie machen die Sorte Musik, für die Briten das Wort „sophisticated“ erfunden haben – aber mit „sophisticated“ gewinnt man zwar Schönheitspreise, aber reisst keine Aufmerksamkeit an sich. Um an diesem Zeitpunkt ihrer Karriere den Rest der Welt endlich aufzuwecken, müssten die drei etwas Spektakuläres machen. Aber Deportess sind nun mal einfach nur fein und toll. Auch diesmal wieder, in ihrer typischen Deportees-Art.

Ich sage es mal so: In meiner persönlichen Rangliste der Deportees-Alben stelle ich „All Future“ auf Platz drei, hinter „Under The Pavement, the Beach“ und „Islands and Shores“. Die korrekte Reaktion auf diesen gewagten Satz wäre: „Echt jetzt, Henning? Dann wäre die ja sogar besser als ‚Damaged Goods‘? Besser als ‚The Big Sleep‘? Boah, muss die TOLL sein!“

11. mitsume – „Ghosts“

Wer meinen Blog verfolgt, hat mitbekommen, dass ich seit 15 Monaten etwa ein gesondertes Auge auf japanischen Indie geworfen habe. Ich finde es extrem spannend, wie die Bands von dort diese Musik interpretieren und welche eigenen Idiosynkrasien sie entwickeln. 

Ich habe auf Platz 29 schon mit frederic eine der Bands aufgeführt, die peppigen Bumm-Tschack-Indie mit flippigen Sperenzchen anreichert (ein anderes Beispiel wären Kana-Boon).

Eine andere typisch japanische Spielart des Gitarrenpop ist der so genannte City Pop – am ehesten vergleichbar mit dem, was man im Westen Yacht Pop nennt. Super-slicke, lackierte, strahlend polierte Hochglanzklänge.

mitsume aus Tokyo sind ein Quartett, das man näher beim City Pop einordnen kann. Aber: ihre City keine City aus leuchtender Neonreklame. Hier ist es regnerisch, neblig, der Lack blättert ab, der Glanz ist milchig. 

Im Endergebnis ist mitsumes Sound ein sehr fein ziselierter, gelassener Pop. Unaufdringlich, verspielt, lieblich, aber nicht süßlich. Speziell die Gesangsmelodien haben’s mir angetan, sie sind für unsere westlichen Hörgewohnheiten angenehm untypisch, aber absolute Ohrwürmer. 

Dies ist eine Platte, die dem Ohr Spaß macht: Man kann sich zum Beispiel auch mal nur auf den Bass konzentrieren und staunen, was der für wurlige Wanderungen unternimmt. Man kann sich auf die nuancierten Gitarren konzentrieren oder auf die subtilen Farbwechsel. Ich habe dieses Album in diesem Jahr wieder und wieder angeklickt und ich finde immer irgendwas Neues. Nice.

  

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