REVIEW: FEWS

FEWS – „Into Red“

Ich habe das Debüt der FEWS einem Freund mal so beschrieben: „Die klingen, als hätten sie sich im Studio gefragt: Was will der Henning wohl gerne hören?“ Mann, habe ich dieses Album geliebt! 

Ich habe natürlich damals auch nen längeren Text zu jenem Album hier auf dem Blog geschrieben, aber an dieser Stelle eben die Kurzfassung: Auf „Means“ hat das damals aus drei Schweden und einem Ami bestehende Quartett (inzwischen ist ein Brite am Bass) so richtig alles, was ich an Indierock mag, in einen Energieriegel gepresst. Es gab Cure-artige Gitarren- und Bassläufe, es gab Noise-Eskapaden zwischen Pixies und Shoegazing, es gab Krautrock-Motorik-Gurgler und auch die Gesangsmelodien der Songs waren genau perfekt: Eingängig, aber nicht offensichtlich eingängig. 

Insofern sollte es mich traurig machen, das FEWS auf ihrer zweiten Platte so viel verändert haben. Denn auch wenn ich „Means“ extrem liebte, so war die Band, wie ich später hörte, selbst gar nicht damit zufrieden. Sie fanden die Aufnahmen zu glatt gebügelt, zu wenig gewaltig. Was nachvollziehbar ist, wenn man’s hinterher liest. Ich habe die FEWS auf ihrem Münchner Konzert vor zwei Jahren angeschaut (und gesprochen) und live haben die Junge ganz schon was vom Zaun gebrochen. Auf der Bühne waren sie definitiv noch mal ne Schippe intensiver und rauer als auf dem Album.

Diese Version der FEWS ist es, die wir auf dem zweiten Album zu hören kriegen.

Was bedeutet, dass ein paar meiner Lieblingselemente verloren gingen. Statt wurliger Gitarrenlinien (siehe „Drinking Games“) und verkappter Ohrwürmer wird’s jetzt manchmal richtig stampfig und monoton. Die zwei Vorab-Singles „Business Man“ und „Paradiso“ geben kein Möglichkeit mehr, mitzusingen – statt dessen grummelt Fred Alexander in einer Art mißmutigem Sprechgesang. Die Gitarren um ihn herum klirren und kreischen und stürmen, die netten Cure-Läufe sind futsch.

Erst fand ich das schade. Ich bin nun mal ein Indie-Popkid. 

Aber es ist ja so: Wenn ich das erste FEWS-Album hören will, kann ich das erste FEWS-Album anmachen. Eigentlich ist es doch ne prima Sache, dass die Jungs sich nicht wiederholen. Und hat man sich erst mal dran gewöhnt, dass die neuen FEWS eine neue Wucht und eine neue Dissonanz an den Tag legen, merkt man auch: Diese neue Version der FEWS beschwört eine ganz andere Intensität herauf. „Paradiso“ mag keine Melodie haben, aber dafür dafür ist der Song mit einer Elektrizität von siebzehn Gewittern aufgeladen.

Außerdem: Ein paar Melodien und Ohrwürmer gibt’s sehr wohl. „More Than Ever“ ist eine Postpunk-Popsingle, wie sie im Buche steht, auch „Anything Else“ und „Over“ sind knackige, kratzbürstige Burner. Das Interpol-esk im Midtempo daher marschierende „Suppose“, bleibt genauso im Ohr wie der grobe Schleicher „97“, das brodelnde „Quiet“ und „LImits“ mit seinen Gothpop-Synths. Das abschließende „Fiction“ ist ein Instrumental mit ruppiger Leise/Laut-Dynamik, auf das Mogwai zu „CODY“-Zeiten stolz gewesen wären.

So ist auch „Into Red“ ein Spitzenalbum geworden. Ein, okay, im Vergleich zur Ersten schroffes, abweisendes Album, das aber hörbar darauf aufbaut und Elemente wie die Krautrock- und Shoegaze-Einflüsse aufnimmt, aber neu aufraut. Die Gitarren sensen jetzt gerne mal so fies rein, dass man sich Papercuts im Ohr holt – aber es ist ein Schmerz, der Endorphine freisetzt, wie zu scharfes Chilli. Was FEWS an Poppigkeit liegen lassen, das gleichen sie mit chaotischer, frenetischer Wucht und stacheldrahtiger Zackigkeit wieder aus. Damit ist ihr zweites Album genau das, was ein zweites Album sein soll: Ein Schritt, der auf dem Debüt aufbaut, der vor allem aber eine Entwicklung zeigt, eine neue Stufe auf dem Weg zur Selbstfindung.

    

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