Review: Two People

Two People – „First Body“

So. Ich werde versuchen, die ersten Absätze kurz zu fassen. Denn wenn ich über Two People schreibe, muss ich natürlich (zum xten mal) zuerst über Snakadaktal schreiben. 

Snakadaktal hatten einen sonderlichen, holprigen Namen – was sehr gut passte. Denn Snakadaktal waren sechs Teenager aus Melbourne, die sonderliche, holprige erste Singles veröffentlichten, als sie noch zur Schule gingen. Einen ganz zauberhaften Charme hatten diese ersten Songs. 

2011 war das – über sieben Jahre ist das inzwischen her. Der Spuk dauerte nicht lang. Ein Album („Sleep In The Water“) erschien 2013, aber da fehlte ganz naturgemäß schon ein wichtiges Element: Die Holprigkeit. Bis dahin waren die Teenies naturgemäß reifer und erfahrener geworden. Die possierliche unsichere Staksigkeit des Rehkitzes, das seine ersten wackligen Schritte setzt, das ist ein Element, das man als Band nicht behalten KANN. Snakadaktal wurden professioneller und damit leider auch gewöhnlicher. Ihr erstes Album war immer noch schön, aber halt nicht mehr andersartig.

Auch das ist schon wieder fast sechs Jahre her. Nicht lange nach dem Erscheinen des Debüts trennten sich die sechs auch schon.

Seitdem ist Sean Heathcliff, einer der Sänger der sechs, mit zwei Solo-EPs auf- und wieder abgetaucht.

Auch Ex-Sängerin Phoebe Cockburn und Gitarrist Joey Clough veröffentlichen seit einiger Zeit (2016, um genau zu sein) wieder Musik. Sie nennen sich schlicht „Two People“. Nach vier Singles haben die beiden am Freitag ihr erstes Album vorgelegt. 

Tja, und was gibt’s zu sagen? „First Body“ ist eine sehr schöne Platte geworden. Eine nächtliche, neblige, pulsierende Melancholie-Platte. Ein Album, dass den Weg von Snakadaktal weiter geht, wenn auch weiter reduziert und elektronischer als zuvor. Es herrscht der warme Grundton einer leisen Melancholie, Schleier aus Sound wehen ins Klangbild uns wieder heraus, dezente elektronische Drums und subtil brodelnde Bässe liefern eine gleichmäßige Unterströmung. Doch, das ist wirklich schön, stellenweise betörend.

Dennoch finde ich einmal mehr die Sache schade, die ich schon bei Snakadaktals erstem Album schade fand: In all ihrer dezenten, stillen, edlen Schönheit sind die neuen Songs halt doch weniger besonders als das, was Snakadaktal ganz am Anfang gemacht haben. Ich habe es oben schon gesagt: Klar, es liegt in der Natur der Sache, dass Phoebe und Joey die Unschuld, die Unsicherheit ihrer ersten Gehversuche nicht noch mal reproduzieren können. Je mehr Musik sie machen, desto erfahrener, präziser und bewusster muss ihre Musik zwangsweise werden.

Damit fällt es auch leichter, für ihre Klänge, Stimmungen, Lieder Vergleiche zu finden: „First Body“ ist ein Album, dass Leute lieben können, die die intime Stille vom zweiten The xx-Album suchen. Es gibt aber auch die Momente, da droht die harmonische Lieblichkeit in Gefäligkeit umzuschlagen und man fragt sich: Wie weit ist das noch weg von dem Geblubber von London Grammar? (London Grammar kann ich nämlich nicht ausstehen – deren Saccharin-Gesülze finde ich so richtig banal!)

Nun gut. Ich kann den zwei ja schlecht vorwerfen, dass sie sich nicht zu 100% in die Richtung entwickelt haben, die ich erhoffte, als sie vor sieben, acht Jahren auftauchten. Also werde ich’s nicht tun. Im Großen und Ganzen bin ich sehr froh, dass Phoebe und Joey weiter Musik machen. 

Und auch wenn ich mir beim Hören manchmal unsicher bin, ob diese Platte vielleicht stellenweise zu nett geraten sein könnte – so überwiegen doch definitiv, die Momente, die einen transzendenten Zauber entfalten: Zum Beispiel, wenn Synth-Schichten den Sound „Fading“ sanft fluten, um wieder abzuebben. Auch die sanft-zähflüssige Dynamik von „Something To Talk About“, die kaum merklich einen unwiderstehlichen Drive entwickelt, ist stark. Oder der pulsierende Pop von „Look At Each Other“…

Letztlich kann auch ich als jemand, den dezente Chilltronica normal komplett kalt lässt, sagen: „First Body“ ist ein sehr stimmungsvolles und stimmiges Album. Eine Platte, die man vor allem gut des Nachts hören kann, um sich in ihren sanft verwaschenen Groove einwickeln zu lassen. 

    

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