Meine Alben 2018, Pt.6: 5-1

Fanfare! Langwierig habe ich mich bis hier vorgearbeitet. Nun sind wir angekommen. Ladies and Gentlemen, es ist so weit. Hier sind die meiner Meinung nach besten Alben des Jahres 2018 – Platz 5 bis Platz 1

5: The Beths – „Future Me Hates Me“

Ihr kennt das – ihr habt euch frisch in jemanden verguckt, aber die innere Stimme, dieser ewige stinkige Pessimist, warnt schon: „The future heartbreak, the future headaches, wide eyed nights late lying awake, the future cold shakes from stupid mistakes – future me hates me for, hates me for this.“ Elizabeth Stokes tut das Richtige. Sie setzt sich über die innere Stimme hinweg: „There’s something about you, that I wanna risk going through (… the future heartbreak,…)“

Songwriting, das ist auch die Vermittlung einer Persönlichkeit – und, oh Mann, ich möchte mit Elizabeth Stokes trinken gehen und schlechtes Fernsehen gucken. Denn die Neuseeländerin kommt auf dem Debütalbum ihrer Band so verdammt sympathisch rüber. Clever, aber vorsichtig und voll spitzbübischer Selbstironie. „Future Me Hates Me“ ist voll solcher Songs, die diese Persönlichkeit rüberbringen.

Das ist aber nur das Eine. So clever die Texte, so clever ist auch das Songwriting dieser Band. Bleiben wir mal beim Titelsong. Die Strophe hat nicht nur eine, sondern zwei Bridges! Wie die Nummer mit Backgroundgesang durcharrangiert ist, auch das ist sowas von gekonnt und präzise: von all den geschickt gesetzten Ba-ba-baahs bis zum elegant platzierten Kanon im letzten Refrain – und trotzdem klingt alles mühelos und spritzig. Was The Beths also auszeichnet, das ist diese Kombi aus Leichtigkeit, Persönlichkeit und schlicht meisterlichem Songwriting-Handwerk. Die erste Platte der Band aus Auckland hat außer dem Titelsong gleich mehrere Lieblingslied-Kandidaten: „Whatever“, „Happy Unhappy“, „Not Running“, „Great No One“… In den Händen von Beth und ihren Beths klingt der gute alte Gitarren-Indierock so fresh und quicklebendig wie eben erst erfunden. Dafür Platz 5!

4. Django Django – Marble Skies

Beim ersten Album vor sechs Jahren, da wurden die Schotten von allen gefeiert. Sie machten nicht nur experimentellen Pop, der aus allen Genres was mopste – diese Experimente gingen auch auf. Der Nachfolger „Born Under Saturn“ war immer noch sehr gut, aber irgendwas fehlte. Genau dieses gewisse Etwas ist zurück. Ich fand im Januar: „Der Sonderling-Faktor, der das Debüt so spannend gemacht hat – Django Django haben es tatsächlich geschafft, ihn wieder auszugraben. Das machen schon die ersten Sekunden klar. Der Titelsong ‚Marble Skies‘ gibt Vollgas als 80s-Synthpop-Nummer, mit Ohrwurm-Intro-Melodie und alberner Computerstimme in der Middle Eight. Ohne Scheiß: Dieses Lied könnte man in der Indie-Disse mit drolligen Achtziger-Klassikern wie A-has ‚Take On Me‘ oder Kim Wildes ‚Kids In America’ kombinieren. Wow, ist das ein Hit!! […] ‚Marble Skies‘ ist ein Lied, das klar macht: Django Django ist Coolness wieder egal. Und das ist ja bekanntlich genau das, was eine wirklich coole Band auszeichnet. […] ‚Marble Skies‘ ist eine Platte, bei der man permanent grinsen muss. Weil sich hier eine Band abseitige Ideen erlaubt und vogelwild mit Sounds, Styles, Rhythmen und Melodien experimentiert – und das nicht, um schlau auszusehen, sondern weil sie wirklich Spaß daran hat. Wie Kinder mit Chemiekasten, die aufgekratzt alles ineinander kippen, Hauptsache es schäumt und knallt.“

3. Rolling Blackouts Coastal Fever – Hope Downs

Mit zwei ganz tollen EPs hatten RBCF aus Melbourne ja schon vorgearbeitet. Seitdem wissen wir: Diese Band hat drei sich abwechselnde Sänger und vier Gitarren, deren Linien sich komplementieren, ineinander verzahnen und aufeinander antworten. Wir wissen, sie schreiben rhythmisch flott vorwärts gehende Songs und hintergründig durchdachte Texte, die manchmal beinah als Kurzgeschichten funktionieren könnten. Rolling Blackouts Coastal Fever nehmen den Janglepop/Dolewave ihrer Heimatstadt und peppen ihn mit der Fetzigkeit von Strokes-Songs auf – das alles wussten wir. Die Frage war höchstens noch, ob sie das auch auf kompletter Albumlänge durchziehen können – aber hey, das war nie wirklich die Frage. Da hat doch keiner dran gezweifelt. Es kam dann ja auch so: „Hope Downs“ macht all das noch mal super, was diese super Band vorher schon super machte. (Hey, zum Glück bin ich Musikjourno mit exorbitantem Wortschatz). Nur halt jetzt über zehn Songs statt über sechs.
LINK: Ich hatte Fran Keaney im Interview.

2. DMA’s – „For Now“

Ernsthaft jetzt? Henning? Bist das wirklich du? Die DMA’s bringen eine neue Platte raus, sie ist genauso stark, wenn nicht stärker, als ihr irres Debüt – aber sie ist nicht dein Platz Eins?
Ist so. Aber das liegt nicht daran, dass „For Now“ kein Mega-Album ist. Tommy, Johnny und Mason haben mit ihrer Zweiten alles erreicht, was man von ihnen bestenfalls hoffen durfte. Die Songs sind so umwerfend wie auf „Hill’s End“, aber die Zusammenarbeit mit Kim Moyes (von The Presets) als Producer hat die Band auf die nächste Stufe gehoben. Die drei haben jetzt sowas wie die Radiopopnummer „The End“ auf der Pfanne, ein Oasis-Schmirgler wie „For Now“ hat jetzt noch mehr Drive, ein ehrliches Liebeslied wie „Emily White“ behält trotzdem die Fragilität, die „Delete“ oder „So We Know“ ausgezeichnet hatte. Obendrein ist Tommy O’Dell hier jetzt next-level. Menschenskind, was für eine Stimme hat dieser kleine Hutz! Liam und Ashcroft, macht Platz auf eurem Plateau!
Link: Ich hatte Johnny Took am Telefon.

1. Middle Kids – „Lost Friends“

Im November haben sie dann endlich in München gespielt, Hannah Joy, Tim Fitz und Harry Day. Ich habe mehrere Freunde beackert, dass sie doch unbedingt mitkommen sollen. Ich glaube, im Vorfeld war keiner so hundertpro überzeugt. Denn aufs erste Hören, da wirken die Lieder der Middle Kids nun mal gerne unspektakulär. Da kann es passieren, dass man die drei aus Sydney als okaye Indierockband mit einem Touch Americana einordnet. Na, jedenfalls: Nach der Show haben sie ALLE ausnahmslos das Vinyl gekauft. Und ohne Scheiss jetzt, sie haben sich bei mir bedankt, so richtig bedankt, für dieses Konzert, auf das ich sie gezerrt habe, für diese Band.
Den Dank kann ich natürlich nicht annehmen, sondern nur weitergeben an die Middle Kids selbst. Denn was sie machen, das ist so un-fass-bar gut!
Ich meine, was ist Songwriting? Songwriting, das ist das Übersetzen von Gefühlen in kondensierte dreieinhalb Minuten Gesang und Geräusch. Dabei gilt es, einen Weg zu finden, der spannend und schön ist. Man kann sich an gewisse Regeln halten, man kann diese Regeln clever brechen. Naja, Hauptsache, am Ende stehen hoffentlich Lieder, die einen packen. Die dafür sorgen, dass das vom Sender geschickte Gefühl von der Antenne des Hörers dekodiert wird, von Unterbewusstsein zu Unterbewusstsein. Und ich denke einfach, dass Middle Kids das ganz herrlich drauf haben. Wie Hannah singt! Wie bewusst die Band untermalt und verstärkt, mit den aus dem Gefühl heraus immer ideal temperierten Gitarren! Dabei unaufdringlich genug, dass man ihre Lieder am Anfang mit „normalem“ Indiepop verwechseln kann. Aber Middle Kids sind die Band, die Pixies und Fleetwood Mac gleich gut kann und ihr erstes Album könnte nicht besser sein. Es ist umwerfend vom ersten bis zum letzten Ton und die tollste Platte von 2018.
LINK: Ich habe mich im Mai in einer längeren Rezi zu dieser Platte ausgetobt.

  

Linksammlung:
Meine Charts 2018 bisher:
(30-26) (25-21) (20-16) (15-11) (10-6)
Meine früheren Jahrescharts.
2017: (30-26) (25-21) (20-16) (15-11) (10-6) (5-1)
2016: (30-26) (25-21) (20-16(15-11) (10-6) (5-1)
2015: (30-21) (20-11) (10-6) (5-1)
2014: (25-21) (20-16) (15 -11) (10-6) (5-1)

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