Meine Alben 2018, Pt.5: 10-6

… und schon sind wir in den Top Ten. Der Countdown geht weiter – es geht um meine persönlichen Lieblingsalben von 2018. Wir haben die sehr guten und die sehr sehr guten Alben hinter uns gelassen und kommen bei den richtig tollen an.

10. The Vryll Society – „Course Of The Satellite“

Mann, diese Herren haben uns aber lange warten lassen! Ich habe The Vryll Society schon zu meiner großen Hoffnung fürs Jahr 2016 erklärt, denn seit 2015 lassen die Liverpooler ihre Singles und EPs eintröpfeln. Seit damals bahnt sich also an, dass diese fünf langhaarigen Briten das Potential haben, das Erbe solcher Traumwandel-Britpopper wie den frühen Verve (die Ära noch ohne ‚The‘) oder Doves anzutreten.
So beschrieb ich’s im August, als die Platte erschien: „Gitarrensongs, die den Hörer auf eine Reise nehmen. Hypnotischer Psychedelic-Pop. Träumerische Vocals, dynamisch rollende Bassläufe, treibende Rhythmen. […] Mit diesen sich wiederholenden Elementen schaffen The Vryll Society ein sehr stimmiges Klangbild, von dem sie sich nie weit entfernen. Abwechslungsreich ist „Course Of The Satellite“ dennoch, und das liegt an den Grooves und den Tempi. Da sind die Liverpooler breit aufgestellt: Mal flüssig, mal flott, mal krautrockig-linear, mal groovy, mal schleppend, mal schleichend. Sagen wir: Das Album hat seine beständige Atmosphäre – aber innerhalb dieser gibt es viel Wetter.“
Und ich kam zu dem Schluss: „So legen The Vryll Society nun mit „Course Of The Satellite“ ein Album hin, das von seiner Klangästhetik her so perfekt ausgeformt ist, wie Debütalben es nur selten sind.“ 

9. The Embassy – „White Lake“

Wo wir gerade bei Bands sind, die sich lange Zeit lassen: Fünf Jahre haben Fredrik Lindson und Torbjörn Håkansson für die acht Songs von „White Lake“ gebraucht. Für ein Album, das dann kaum anders klang als seine Vorgänger „Sweet Sensation“ (2013) und „Tacking“ (2005). Aber das ist halt die Sache bei diesen beiden Göteborgern: Die haben jetzt ihr Ding gefunden, das perfekt für sie ist – und das weichen sie nicht mehr von ab. Warum auch, wenn’s so gut ist?
Ich copy/paste meine Beschreibung aus dem November: „Es sind Töne, die wir aus dem Manchester von 1990 kennen: Der schlurfige Beat der Happy Mondays, der lineare Stampf von New Order. Die Percussion der New Fads. Die Gitarren von – echt jetzt – The Farm. Das House-Klavier und die Trippiness von ‚Screamadelica’.
Man könnte mit diese Bausteinen hoffnungslos retro klingen. Es liegt dann letztendlich an der Überzeugung, mit der man’s durchzieht, ob man andere mit überzeugen kann. Und Holla, sind The Embassy von ihrer Mission überzeugt. Sie sind politische Aktivisten, eifernde Ideologen, nicht nur in Sachen Musik, auch darüber hinaus: Unbeirrbare Antifaschisten, Veganer, Umweltschützer, Weltbürger.“
Ich liebe das, dass The Embassy ihre Musik so wichtig nehmen. Dass ihre Arbeit für sie auch politisches Statement und Abgrenzung ist. Ihre Musik ist für sie Mission – Rechnet mich zu den Bekehrten.

8. Hästpojken – „Hästpojken är död“

„Hey, das war doch klar, dass der Henning in seiner Liste auch noch ne obskure Band unterbringen musste, die schwedisch singt!“ Versprochen, so ist das nicht!
Erstens mal sind Hästpojken gar nicht so obskur: Martin Elisson und Adam Bolmeus kennt man in Schweden seit bald 20 Jahren, denn noch als Teenager legten sie mit der Indieband Bad Cash Quartet etwa zur Jahrtausendwende einen viel beachteten Start hin. Hästpojken gibt’s inzwischen auch seit über zehn Jahren, dies ist ihr viertes Album, und sie sind zu Hause zwar kein Nr.1-Stars, aber kennen tut man sie schon. Zweitens: Menschenskind, die Typen schreiben tolle Songs! Songs, für die man die Texte in Google Translate eingibt, weil man mitkriegen will, was der da singt!
In meiner Rezension zu Album beschrieb ich das im April als „Seventies-MOR-Spitzensongwriting, fast zu perfekt, um wahr zu sein. Lieder, manchmal fast zu schön fürs Ohr – aber da haben Hästpojken eine Kontertaktik: Martin Elisson hat einen Gesangsstil, der alles andere als lieblich ist. Er kräht. Oder: Er singt wie jemand, der sich die Hand in der Tür eingeklemmt hat. Will sagen: Die Melodien, sie mögen erstaunlich lieblich sein, Martins Stimme ist es nicht. Das ist eine perfekte Kombi, denn es entzieht den Tonläufen den Zuckerüberschuss, der andernfalls drin gesteckt haben könnte. Klar auch, dass in den Songs Indie-Attitüde steckt: Schnoddrigkeit, Ablehnung, Frust, Trennungsschmerz, diese Dinge. Im Ergebnis können dann Lieder für die Ewigkeit entstehen.“
Auf „Hästpojken är död“ gab’s ergo ein paar der tollsten Lieder des Jahres. Siehe „Rättans År“, einer meiner absoluten Lieblingssongs 2018:

7. The Magic Gang – „The Magic Gang“

Es gibt sie noch! Die britischen Bands, die Britpop machen! Nicht, dass The Magic Gang aus Brighton das oft gesagt bekommen. Auf der Insel gibt’s schließlich heutzutage ein Zerrbild des Britpop, Da denkt man nur noch an „Oasis“ grölende Hooligans. Nicht an die feingeistigen Bluetones, die Melodien von Dodgy, die Wärme des Teenage Fanclub, das Hurra von Supergrass. Alles Eigenschaften, die das junge Quartett von der Südküste auf seine Songs vereinigt.
„Schön ist, dass die Jungs rhythmische Variation und Leise/Laut-Dynamik einbauen und dass sie das sehr ungezwungen und natürlich tun. Man bemerkt die smarten Breaks und Bridges dann, wenn man bewusst drauf achtet. Aber nicht, weil sie mit albernen Sperenzchen um Aufsehen heischen.“ beobachtete ich im März zur Album-VÖ noch und fand: „Ich bin froh, dass Bands sowas noch/wieder machen. Dieses Album besteht aus 12 Ohrwürmern, die komplett außer Mode sein sollten, die diese vier aber mit viel Charme und Können konsequent durchziehen.“

6. Luby Sparks – „Luby Sparks

Diese Platte erschien im Januar, aber ich entdeckte sie für mich erst im November. Daher schrieb ich bisher auch nichts Längeres übers Album auf dem Blog (wenn auch immerhin über die spätere EP der Band).
Jedenfalls, die Sache ist die: Ich bin anfällig für bestimmte Sounds. Eine sehr prägende Phase für mich, das war, als britische Shoegaze-Pop-Bands wie Ride, Lush, The Boo Radleys oder Pale Saints ihre große Zeit hatten. Diese Gruppen haben Platten gemacht, die mich heute noch packen und in die ich immer noch eintauchen kann. Wenn dann eine Band aus Tokio auftaucht, die Anfang 20 ist und sich ganz konkret auf meine Favoriten beruft, so weit, dass sie bewusst ein klassisches Lush-Bandfoto nachstellt – wie könnte ich mich da nicht verlieben?
Zumal Luby Sparks ja mit der japanischen Herkunft auch was Exotisches haben. Im Songwriting sprenkeln die fünf Kids  unerwartete Akkorde ein, setzen auf komplexe Arrangements und auch ihr holpriges Japenglish (Sängerin Emily ist zwar halbe Britin, aber man hört es nicht wirklich) hat seinen ganz eigenen Charme. So läuft ihre Shoegazepop-Hommage durch einen Japan-Filter, der Luby Sparks ihren eigenen Dreh gibt. Für mich, der diesen Sound immer liebte, ist es ganz herrlich, eine so gekonnte und gleichzeitig auch reizend abweichende Variation meiner ewigen Lieblingsmusik zu hören.

Fortsetzung folgt…

  

Linksammlung:
Meine Charts 2018 bisher:  (30-26) (25-21) (20-16) (15-11)
Meine früheren Jahrescharts.
2017: (30-26) (25-21) (20-16) (15-11) (10-6) (5-1)
2016: (30-26) (25-21) (20-16(15-11) (10-6) (5-1)
2015: (30-21) (20-11) (10-6) (5-1)
2014: (25-21) (20-16) (15 -11) (10-6) (5-1)

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