Review: Luby Sparks

Luby Sparks – „(I’m) Lost In Sadness“ EP

Vor dem Jubel müssen obligatorisch natürlich auch die Gegenargumente vorgebracht werden. Also gut, bevor ich euch jetzt gleich von Luby Sparks vorschwärme, sei gesagt: Klar, originell ist was anderes. Denn Shoegazing, das gibt es seit 1990, mindestens. Seitdem gibt es auch immer wieder ganze Schwärme von Bands, die den Sound wieder aufgreifen. Luby Sparks, das junge Quintett aus Tokio um die Sängerin Emily (ihren Nachnamen nennt sie nicht, aber wir wissen: Ihr Vater ist Brite) tut nichts anderes. Den festen Rahmen, den das Genre Shoegazing vorgibt, verlassen sie nicht. Aber hey – innerhalb dieses Rahmens nähern sie sich dem Ideal.

Vier Songs umfasst die neue EP der Japaner. Los geht’s mit der Single „Perfect“ – ein Stück Uptempo-Schmirgelpop, wie es die ganz frühen Boo Radleys regelmäßig hinlegten: Radau, Dynamik, trotz (oder gerade wegen) eingeflochtener Breaks, obendrüber eine samtweiche Gesangsmelodie. Die klingt bei Emily natürlich femininer als damals bei Sice von den Boos, which is nice. Textlich geht’s – wie sollte es anders sein – um eine verflossene Beziehung und das Gefühlsgewitter, das ein zufälliges Wiedersehen auslöst. Also: Shoegazing-Trefferquote 100. Alles abgehakt. Aber toll.

„Cherry Red Dress“ folgt und führt das Quintett dorthin, wo sich Lush bei ihrem zweiten Album „Spooky“ aufhielten: Ein unter der Wolldecke versteckter Baggy Beat, träumerische Vocals, neon-orange in sternklarer Nacht gleißende Gitarren.

Der Titelsong der EP, „(I’m) Lost In Sadness“ setzt ebenfalls hier an, aber erlaubt sich in seinem Verlauf von sieben epischen Minuten, aufzublühen, die Gitarren aufzutürmen und unter kreischendem Tumult wieder einstürzen zu lassen. Wiederholt. Da fallen mir Medicine mal wieder ein, an die ich lange nicht mehr dachte, das muss ein gutes Zeichen sein. Erneut: Überall Häkchen gemacht, wo bei Shoegazing Häkchen gemacht werden können. Aber halt auch umwerfend.

Zum Schluss, wie der Titel „Look On Down From The Bridge“ verrät, ein Mazzy Star-Cover. Und wie soll ein Mazzy Star-Cover einer Shoegaze-Band schon klingen? Wie Slowdive, im Himmel, badend in Honig, wie denn sonst? Herrlich!

Mir ist fast peinlich, wie wundervoll ich diese EP finde. Es ist schließlich genau, haargenau die Musik, die ich vor 27 Jahren schon hörte – sollte ich mich nicht weiter entwickelt haben, sollte die Musik sich nicht weiter entwickelt haben? Aber nein, dieser Zauber, der von rauschenden und klirrenden Gitarren ausgeht, er packt mich auch heute noch.

Was aber, das muss klar sein, vor allem an den fünf Kids der Luby Sparks liegt. Denn sie treiben das, was Shoegazing sein kann, halt schon wirklich nahezu optimal auf die Spitze. Und wenn genauer man hinhört, entdeckt man auch ihre kleinen Eigenheiten – die haben sie nämlich. Immer mal sprenkseln sie unerwartete Akkorde ein, in der Middle Eight bei „Cherry Red Dress“ beispielsweise. Das zeigt uns: Wenn diese Band von der Shoegaze-Schablone mal abrutscht, dann findet sie eigene, erfreulich tolle Lösungen.
Also ich bin hin und weg.

    

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