Review: Deep Sea Arcade

Deep Sea Arcade – „Blacklight“

Oh, hier habe ich lange drauf gewartet! Denn die Australier Deep Sea Arcade haben – das ist nicht übertrieben – eine meiner Lieblingsplatten der letzten zehn Jahre gemacht. „Outlands“ (2012) war zwar bestimmt nicht perfekt, aber ich bin nun mal geprägt auf Britpop – und diese fünf Jungs aus Sydney spielten auf ihrem Debüt genau die Musik, die die Briten selbst lange schon nicht mehr machten. Endlich war da mal mal wieder eine Band im Stil von The Charlatans, The Stone Roses, The Bluetones – und die Aussie gaben dem Ganzen noch einen Schwung Südpazifiksonne mit! 

Wie wir im Interview erfahren sollten, war die Erklärung dafür die folgende: Sänger Nic McKenzie hatte fünf Jahre seiner Kindheit in England verbracht. Als seine Eltern dann zurück nach Australien zogen, fehlte ihm die Insel. Er stilisierte die alte Heimat zum Ideal hoch, speziell die Musik. Seinen Kumpel aus Kindheitstagen, Nick Weaver, der auch nach seiner Rückkehr nach Sydney wieder sein bester Freund wurde, steckte er mit seiner Begeisterung an.

Also gründeten die zwei anglophilen Aussies eine Band. Deep Sea Arcade kamen mit ihren ersten Singles in Australien schon sehr gut an und meisterten dann ein Album, das die großen Versprechen der Singles hielt. Zuhause spielten sie bald schon in den größeren Hallen.

Klar war jetzt Europa das Ziel. Aber dann verlief sich die Spur auch schon wieder. Eine 2013er Single gab’s noch („Black Cat“), dann hörte man lange nichts mehr von den eben doch noch so vielversprechenden Aufsteigern.

Was war passiert? 2013 war man für ein paar Monate nach London gezogen. Für manche Australier ist es das Richtige, nach Europa zu gehen – aber nicht für alle. In London waren DSA wieder kleine Fische und den Durchbruch wie in Australien, den gab es eben nicht.

Nic jobbte in der Zeit auch im Büro ihres Managements und arbeitete sich ins Thema Booking bzw. Veranstaltung ein. Es ging zurück nach Sidney, wo sich Nic dann weiter vor allem hinter den Kulissen betätigte, zum Beispiel als Konzertveranstalter oder als Videoregisseur. Nick stieg derweil auch bei der (sehr guten) Band Hedge Fund ein.

Die anderen drei Bandmitglieder müssen auf dem Weg irgendwo verloren gegangen sein. Denn als Deep Sea Arcade dann 2016 mit der One-Off-SIngle „Learning To Fly“ endlich wieder auftauchten, da waren’s nur noch Nick & Nic. Weil sie jetzt nur noch zu zweit waren, änderte sich der Sound. Man hatte ja keinen zusätzlichen Gitarristen, Bassisten und Drummer mehr im Studio, also kamen die meisten Klänge jetzt aus dem Computer. „Learning To Fly“ war zweifellos ein Ohrwurm, hatte aber mehr von Empire Of the Sun als von The Charlatans.

Auch dann hörte man erst mal wieder nichts. Bis vor einigen Wochen die Mitteilung kam: In der Tat, Album zwei ist fertig und soll Ende Oktober erscheinen. Jetzt liegt es vor. 

Es bleibt dabei: Nick & Nic sind jetzt ein Duo. Das bedeutet, das das Klangbild auf „Blacklight“ ein sehr viel synthetischeres ist, als es auf „Outlands“ der Fall war. Ich muss so ehrlich sein: Ich mag Gitarren schon lieber. Aber gut, es ist nun mal jetzt so. Wie sind denn die Songs?

Die Songs sind durchaus ähnlich wie auf „Badlands“. Man erkennt die gleiche Handschrift von „Lonely In Your Arms“ oder „Granite City“ auch in den neuen Liedern. Die Melodieführung, die Lavalampen-Atmosphäre. 

Aber ich muss gestehen, ich hatte mir Sorgen gemacht. Zwei Vorabsingles gab’s: „Outlaw“ und „Close To Me“. Beide haben mir echt nicht die Schuhe ausgezogen. Beide Songs fließen im langsamen Midtempo dahin und haben nette Melodien, aber packen mich einfach nicht. 

Froh darf ich daher sagen: Es gibt so einige Albumtracks, die viel spannender sind: „Oh Julia“ wackelt auf einer Bassklavier-Loop daher und ist so luftig arrangiert, dass man schon denken könnte, DangerMouse hätte seine Hände im Spiel gehabt. „Some Of Us“ setzt die Synthies so ein, dass es zu einer feinen Neo-80s-Nummer wird, die mich an Helden der Eighties wie Real Life oder A Flock Of Seagulls erinnert. „Make It Real“ betont dann doch die Gitarren und hätte so auch auf die erste Platte gepasst. 

Und mein absoluter Favorit: „Joanna“. Nick besingt hier eine Lady dieses Namens in einem unwiderstehlichen Ohrwurm, der sich bereits anfühlt wie ein Evergreen aus den 60s.  

Puh. Ich bin erleichtert: Nach den ersten Singles sah ich die neue synthetische Ausrichtung von Deep Sea Arcade als Handicap. So nach dem Motto: Naja, sie sind nun mal nur noch zu zweit statt zu fünft, da müssen halt die Rechner herhalten und bedienen, was sonst ein „realer“ Keyboarder, Bassist oder Drummer übernommen hätte. Hilft ja nix.

Tatsächlich finden die zwei auf dem Album aber zahlreiche Lösungen, um die „alten“ Deep Sea Arcade und ihr Songwriting mit dem neuen Ansatz originell und für die Songs durchaus zum Vorteil zu verbinden.

Es stellt sich raus: Die zwei haben auch mit echten Könnern gearbeitet: Producer der Platte ist ein gewisser Eric J – der arbeitet normal mit den Aussies Flume und Chet Faker, und hotter geht’s in der Welt der digitalen Klänge ja kaum. Außerdem zu hören: Ex-Jeff Buckley-Schlagzeiger Matt Johnson. Deep Sea Arcade nutzten einen Australien-Aufenthalt des gefragten US-Studiomusikers, ihn ins Studio einzuladen. Also kommen gar nicht alle Beats aus dem Rechner.

Bleibt nur die Frage, warum die zwei ausgerechnet die zwei eher müden Nummern als Singles ausgesucht haben. Aber gut, das ist nun mal Geschmackssache. Ins Ohr gehen die zwei Lieder zweifellos. Im Albumzusammenhang mag ich sowohl „Outlaw“ als auch „Close To Me“ auch gleich lieber als auf sich allein gestellt.

Fazit: Vor allem bin ich natürlich erst mal froh, dass es Deep Sea Arcade überhaupt noch bzw. wieder gibt. Sie haben uns ja nun mal echt verdammt lange warten lassen auf ihr zweites Album. Als Duo klingen Nick & Nic zwangsweise anders, als sie es als Quintett getan haben, klar. Aber es ist ihnen hier gelungen, die personelle „Schwächung“ aufzufangen, indem sie den Post-Britpop, für den wir sie kennen, letztlich doch sehr raffiniert mit synthetischen Klängen fusionieren. Und das ergibt eine runde Platte.

    

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