Review: The KVB

The KVB – „Only Now Forever“

Ich frage mich, was Langzeitfans wohl zum neuen Album von The KVB sagen. Ob da wohl welche „Sellout“ schreien? Auf ihrem inzwischen sechsten Longplayer sind Nicholas Wood und Kat Day nämlich so zugänglich wie noch auf keiner Platte zuvor. Man könnte es beinahe poppig nennen. Ein Schlauberger würde ihnen folglich möglicherweise unterstellen, dass die zwei Londoner es nach acht Jahren, in denen sie in der Schublade „respektierte, aber letztlich halt auch nicht vorwärts kommende Art-Indie-Band“ rumkrebsten, es jetzt endlich mal wissen wollen. Diesen Schritt könnte der Schlauberger dann verwerflich finden und verächtlich die Nase rümpfen. 

Ich altes Popkid stehe natürlich mal wieder auf der anderen Seite. Ich finde die neuen The KVB prima. Let me explain.

Also: The KVB machen hier eigentlich ja immer noch das, was sie vorher auch gemacht haben. Sie bewegen sich im statisch aufgeladenen Feld zwischen Synthpop der 80er, Krautrock-Motorik und Shoegaze-Schummrigkeit. Es hat immer schon aus den Boxen geknistert und geblitzt bei dieser Band. 

Aber es war halt schon auch schroff und spröde. Die Gitarren rauschten, brötzelten und fiepten sperrig im übersteuerten Feedback, die Stimme war niedrig im Mix und verzerrt. Klar, für Viele ist das genau, was Shoegazing bedeutet: Ein fieser, gleißender Sirup aus Sound mit zermalmender Eigendynamik. The KVB haben das schon wirklich gut hingekriegt immer. In ihrer Frühphase markierten sie ihr Feld so etwa zwischen A Place To Bury Strangers und JAMC zur „Darklands“-Ära.

Aber bei mir ist es ja so: Auch wenn’s das Atomic ewig schon nicht mehr gibt – man hört ja nie auf, im Geiste Indie-DJ zu sein. Ich habe mir noch zu Atomic-Zeiten gewünscht, endlich ein Lied von The KVB zu kriegen, das ich mit gutem Gewissen auf den Dancefloor schleudern kann. Denn dass die Band einen mitreissen kann mit ihrer breiten Schubkraft, das unterstellte ich ihr immer.

Bei School Of Seven Bells, auch so eine Band zwischen Schimmer und hypnotischer Wucht, ging mir das genauso. Die hatten all diese Lieder, bei denen man dachte: Whoah – beinahe! Gebt dem Ganzen nur noch ein kleines, klitzekleines Mehr an Stromlinienförmigkeit, und es FETZT! Auf ihrem leider letzten Album haben sie’s dann auch tatsächlich endlich auf den Punkt gebracht.

Aber zu The KVB. Man kann eine Linie ziehen von ihrem Debüt „Always Then“ (2012) zur letzten Platte „Of Desire“ (2016) und wird feststellen, dass die Band von Platte zu Platte ein bisschen mehr Fuzz raus gefiltert hat. Es ist also auch durchaus konsequent, dass auf der Neuen nur noch sehr wenig Übersteuerung und Verzerrung zu hören ist. Und wie oben gesagt: Ich bildete mir immer ein, dass in The KVB auch eine Band für den Indie-Dancefloor steckt. Trotzdem bin ich erstaunt, WIE gut das hier jetzt funktioniert. Was für goldenen, vollen POP diese schnittig gebürstete KVB-Variante uns hier kredenzt.

Beide Singles, die das Album eröffnen („About Us“ und „On My Skin“) erfüllen genau das, was ich mir von dieser Band immer erhofft habe. Die Songs haben eine schnittige Dynamik, behalten ihre dunkle Sexiness und als schnieke Ohrwürmer mit Hooklines entpuppen sie sich auch noch! 

Nach diesem Doppelschlag in den ersten sieben Minuten müssen Nick und Kat ab hier eigentlich nur noch das Ergebnis ins Ziel bringen. Sie tun mehr als das und das tun sie mit lässiger Souveränität. Sie variieren das Rezept genau richtig, nicht zu wenig, nicht zu viel, so dass sie sich nicht wiederholen, aber auch nie die Atmosphäre brechen. So erhöht „Afterglow“ die Synth- und die Goth-Konzentration. „Violent Noon“ findet schimmernd den Sweet Spot zwischen „Drive“-Soundtrack und Slowdive, „Into Life“ erinnert mich daran, dass ich unbedingt mal wieder „Aisha“ von Death in Vegas ausgraben muss. „No Shelter“ nimmt das Tempo raus, so dass die Straßenlichter auf der abschließenden linear-kosmische Nachtfahrt über die Autobahn namens „Cerulean“ umso schneller vorbei blenden.

Wow.

Okay, das Klanggebiet, in dem das Duo sich bewegt, ist eins, das auch von vielen anderen beackert wird und das seit langer Zeit – an dieser Stelle könnte man neben den bereits genannten Namen z.B. auch mal The Cures „Pornography“ (1982), Curves „Dopplegänger“ (1992) und die Bands The Big Pink und Lusts erwähnen. Aber erstens ist das ein Sound, der mich immer packen wird und zweitens haben The KVB das Ganze echt nahezu perfektioniert.

Bleibt nur noch, auf die Tour hinzuweisen. Denn The KVB bezeichnen sich als „audio-visuelles Duo“. Will heißen: Die Bühnenlightshow, von Keyboarderin Kat entwickelt, hat für sie die gleiche Wichtigkeit wie die Musik. Na da könnt ihr euch mal drauf gefasst machen, dass ich am 23.11. im Feierwerk zu finden sein werde.

    

THE KVB in D:
07.11. Köln, Bumann
09.11. Hamburg, Hafenklang
14.11. Berlin, Lido
23.11. München, Feerwerk

 

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